Nr. 279 BEILAGE

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Der Vorstand der Deutschen So zialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslovakischen Repu­

blik erliess am 1. Oktober den fol­genden Aufruf:

NEUER VORWÄRTS

Der Abschied

23. Oktober 1938

Eine Botschaft der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslovakei Ein Abschiedsartikel sudetendeutschen Arbeitern! Wie Nationalismus sie besiegt. Aber nicht schwer, wie unsagbar schwer! Und aus eigener Kraft hat sie der heimische Der ,, Sozialdemokrat", Prag , ver­öffentlichte am gleichen Tage die- wie schwer für sie der Abschied von Nationalsozialismus besiegt. Mit ihma der Partei, von der Bewegung, die In- wäre sie fertig geworden. Geschlagen wurde sie von der ungeheuren Macht Ruhmvoll ist die Geschichte dieser des reichsdeutschen Nationalsozia­

sen Abschiedsartikel:

Die Würfel sind gefallen! Die Gross- Die Deutsche Sozialdemokratische halt ihres Lebens war!

mächte haben über die Abtretung Arbeiterpartei in der Tschechoslova­

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der sudetendeutschen Gebiete entschie- kischen Republik war, nach dem Un- Bewegung. Auf sudetendeutschen Bo- lismus. den. Wir sind die Opfer dieser Ent- tergang der reichsdeutschen und der den, in Asch, wurde knapp vor Las- Sie hat in Ehren gekämpft, sie ist scheidung geworden. Es hat keinen österreichischen Partei, das letzte salles Tod die erste sozialdemokra- in Ehren der Uebermacht erlegen, die empfe Sinn, über diesen Vorgang, der mit der Glied der deutschen sozialdemokratische Organisation auf dem Boden sudetendeutsche sozialistische Bewe­Wucht eines gewaltigen Schicksals auf tischen Arbeiterbewegung. War! Denn des ehemaligen Oesterreich gegrün- gung. Sie wird wieder erstehen inner­hereingebrochen ist, zu rechten. mit der Abtrennung der sudeten- det, eine Ortsgruppe des Allgemeinen halb des künftigen deutschen Sozia­Vielleicht wird dieses Schicksal auch deutschen Gebiete hört die Partei auf, noch jene zu seinen Opfern auser- das zu sein, was sie bisher, was sie Ueberwindung unsäglicher Schwie- lismus, an die Notwendigkeit des So­sehen, die uns geopfert haben. Ueber so viele Jahrzehnte hindurch war. In­Glaube rigkeiten hat sich die sudetendeutsche zialismus, dieser unsere und über ihre Haltung wird nerhalb der kleinen deutschen Min- Arbeiterbewegung, die immer auch menschlichste aller Ideen, wird leben­spiele die Geschichte das letzte Urteil spre- derheit, die es im tschechoslovakischen eine Kulturbewegung war, die Bewe- dig bleiben in allen denen, die nun von Im deutschen Volke triumphiert die Staate nach der neuen Grenzziehung gung der Unterdrückten zur Kultur, uns scheiden. Die Alten der Bewegung, emporgearbeitet, emporgekämpft. die mit ihrer Geschichte Vertrauten, Idee der Gewalt. Wir haben im Be- tische Partei geben wird, hat die sozialdemokra­Eine Reihe grosser Männer hat sie der wissen, dass schon einigemale der So­wusstsein der Verantwortung für die Existenz- und Wirkungsmöglichkei­nur sehr begrenztel Arbeiterbewegungsgegeben: den zialismus für immer besiegt schien, Schiller Seff, die späteren österreichi- ja selbst die Demokratie. Vielleicht schen Staatssekretäre Eldersch und erinnern sie sich und schöpfen

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deutsche Zukunft andere Lösungen ten. gewollt. Wiederum sei es dem Spruch

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Deutschen Arbeitervereins. Unter lismus. Der Glaube an den Sozia­

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der Viele der Treuen , die bis zum letzten Hanusch, den ehemaligen österreichi- Trost aus dieser Erinnerung wessen Wollen reiner und wessen Stre- Augenblicke ausharrten, wird heute schen Bundeskanzler Karl Renner , Abschiedsworte der von Marx redi­ben ehrlicher war. Das Schild der unser Wort nicht mehr erreichen. Sie den unvergesslichen Josef Seliger. gierten ,, Neuen Rheinischen Zeitung ": Partei ist rein. Sie hat ihr Banner in lesen nicht mehr, hören nicht mehr Seit ihren ersten Anfängen stand Nun ade, ade, du kämpfende Welt!

Ehren hochgehalten, solange sie noch unsere Worte des Abschiedes, Ab- die sudetendeutsche Arbeiterbewe- Nun ade, ihr kämpfenden Brüder! haben wir ihn verloren. Die deutsche jeder Situation zuverlässigen, tapferen Nationalismus. Nun hat der deutsche Bald kehr ich reisiger wieder! auf freiem Kampfboden stand. Nun schied von den braven, treuen, in gung in Kampfe gegen den deutschen Ade, doch nicht für immer ade: Sozialdemokratische Bewegung muss

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daraus die Konsequenzen ziehen. Die Partei stellt mit heutigem Tage ihre Tätigkeit in den abzutretenden Gebie­ten ein. Sie entbindet alle bisherigen Funktionäre ihrer Verpflichtungen und dankt allen Anhängern für die

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Der Stoss nach dem Westen

Die weiteren Pläne des deutschen Imperialismus

herrliche Treue, die sie bis zum letzten hat auch auf die innere Struktur der beschränkten persönlichen Regiment bleme wohl leichter geregelt werden spiel, das sie gaben, wird nicht ver- Einfluss. Zum dritten Mal hat Hitler Und in dem Hirn dieses Mannes ist Tschechoslovakei?

Hitlers aussenpolitischer Triumph lung der deutschen Diktatur zum un- mehr, da die noch ausstehenden Pro­

hat noch die Verpflichtung zu er- entschieden: bei der Rheinlandbe­

gessen werden, solange auf einem zwischen den beiden Richtungen, die ein Gedanke sehr lebendig: Heute ge- nicht eine Periode der Beruhigung er­Flecken des Erdballs noch freie Men- auf die Führung der deutschen Aus- hört Mir Deutschland und morgen die warten, während der Deutschland das schen leben. Die Leitung der Partei senpolitik einwirkten, selbstherrlich ganze Welt.

Dürfen wir jetzt

füllen, alles zu vermeiden, was Gut setzung, bei der Annexion Oester- steht die westliche Welt nicht. Daher organisiert? Hat Hitler nicht erklärt, und Leben ihrer Bekenner gefährden reichs, bei der

könnte und alles zu tun, um jenen Tschechoslovakei, hat er die radikale stürzung, die die Rede

Verrates treffen.

neu seinem Einfluss unterworfene

Diesen entscheidenden Punkt ver- Gebiet wirtschaftlich durchdringt und

von Saar- in Europa nicht mehr anstrebt und

Mitkämpfern, die ihre Heimat ver- Lösung gewählt und die Drohung mit brücken hervorgerufen hat. Deutsch - hat er nicht mit Chamberlain ein Pa­loren haben, eine neue Heimat zu dem Kriege bis zum Schluss durch- land hat im Verlauf einer kurzen Zeit, pier unterzeichnet, worin er sich ver­schaffen. Unsere Freunde, die sich in gehalten. Jedesmal hat er Recht be- ohne ernsten Widerstand zu finden, pflichtet, alle Streitfragen mit Eng­schwerer Wahl zwischen Heimat und halten. Er hat sich um die Kriegsangst den 1914 begonnenen Weltkrieg mit land vorher Freiheit für das Verbleiben in der Hei- der deutschen Massen nicht geküm- einem mat entscheiden, soll kein Makel des mert und er hat die mässigenden Rat- Grossdeutschland ist verwirklicht, die Den ,, Frieden für unsere Generation" dieser Stunde vor dem kleinen tsche- Bürokratie des Auswärtigen Amts bedroht nun unmittelbar die übrige In Bewunderung neigen wir uns in der von Neurath unterstützten hohen östlich vom Rhein aufgerichtet und München heimgebracht. chischen Volke, welches die gleichen ebenso in den Wind geschlagen, wie Welt. Noch mehr: die wirtschaftliche teuflischer Gedanke mag bei manchen Schicksalsschläge zu tragen hat, wie die Bedenken weiter Wirtschafts- und militärische Annexion der Tsche- eine gewisse Rolle gespielt haben. wir. Möge es nach dieser Prüfung wie- kreise. Nach diesen Erfahrungen wer- choslovakei, die das wirkliche Ergeb- Von jeher haben Kreise wie der Lords

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beraten und eine Siegfrieden abgeschlossen. kriegerische Lösung zu vermeiden?

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schläge eines Teils der Generalität, deutsche Hegemonie über das Gebiet versicherte Chamberlain, habe er aus

Ein anderer ,, realistischer", ein

schwächt die Wirkung einer Führung der englischen Aussenpolitik

Raume gestellt geltend machen könnten, noch weni- ordentlichem Masse; die starke Stel- haben als die offiziellen Erklärungen

gung; in immer kürzeren Pausen fol­

von der deutschen Generalität stets so oder könne man den deutschen Ex­

gehen. Die Aufgabe der nationalen Zu- gen, die sich gegen die Verfolgung ist, sammenarbeit wird auch weiterhin im einer rücksichtslosen Gewaltpolitik etwaigen Seeblockade in ganz ausser- einen stärkeren Einfluss genommen sein. Wir wünschen aus heissem Her- ger eine Wirkung ausüben als bisher. lung, die Deutschland gegenüber allen vermuten liessen, mit der Erwägung zen, dass diese Aufgabe noch einer Die Dynamik der deutschen Aussen- Nachbarn im Osten jetzt einnimmt, gespielt, man müsse Deutschland den glücklichen Lösung zugeführt werden politik erfährt eine neue Beschleuni- vermindert zugleich die Gefahr des Weg nach dem Osten freigeben. Wolle I wir heute nehmen müssen von der und die Methode der aggressiven Ge- erheblich, ja sie erweckt die Hoffnung, England so ungeheuer kostspieligen, Es ist ein schwerer Abschied, den gen die einzelnen Schläge einander gefürchteten Zweifrontenkrieges sehr pansionsdrang nicht durch einen für Sudetendeutschen Arbeiterbewegung, waltdrohung, die sich bisher so gut dass durch Ausnützung der Staaten- für den Bestand des Empire gefähr­von ihren mühevoll aufgebauten In- bewährt hat, wird jetzt erst recht ihre Barrière, die zwischen Deutschland lichen, für die Fortdauer des sozialen stitutionen, von ihren herrlichen Men- Fortsetzung finden. Bei der ausschlag- und Russland liegt, ein Zweifronten- Systems vielleicht verhängnisvollen schen! Alle, die in guten Tagen einan- gebenden Bedeutung, die die persön- krieg ganz vermieden, die ganze deut- Krieg ein Halt gebieten, so müsste Stärke des Herzens finden, die Last dem zur Seite standen, mögen nun die liche Entscheidung des Diktators in sche kriegerische Kraft gegen den man das deutsche Machtstreben nach gen! Wir senken unsere Fahnen vor kung, die der unerwartet grosse Er- schon um die ungeheuren Zugeständ- destruktiven Mächte könnte die Ret­des Unglücks ungebrochen zu ertra- spielt, wird die psychologische Wir­dem ruhmvollen Erbe, das wir treu folg auf Hitlers Geistesverfassung/ nisse zu rechtfertigen, die Dinge an- tung für den Westen bedeuten. Das verwalteten und verlassen den verlo- ausüben muss, zu einem wichtigen po- ders sehen. Hatte sich in München Hindernis

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wir treu bleiben bis zum

Atemzug, erfolgreich zu dienen!

deutschen Herrschaftssystem Westen eingesetzt werden kann.

dem Osten, nach Russland ablenken. Im Westen wollte und musste man, Der Zusammenstoss dieser beiden

der

Tschechoslovakei

Kampfplatz in der Hoffnung, litischen Faktor. Dies umso mehr, als nicht die Methode der direkten Be- müsste deshalb geopfert werden. Wer einem glücklicheren Ge- zugleich die Stellung Hitlers inner- sprechungen bewährt, war der Friede das gegönnt sei, unserer Idee, der halb des Herrschaftssystems gegen- nicht im letzten Moment doch gerettet liest, das nicht nur die Abtretung des Ietzten über allen anderen Personen und worden? Verspricht nicht die Anwen- Sudetenlandes, sondern auch die wirt­Gruppierungen eine ausserordentliche dung der gleichen Methode auch gute schaftliche Angleichung und die völ­Stärkung erfahren hat. Die Entwick- Resultate Stärkung erfahren hat. Die Entwick- Resultate für die Zukunft? Umso- lige militärische und aussenpolitische

Der Parteivorstand der DSA.

Gutachten des Lord Runciman

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