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Br. 14. 21. Jahrgang.

3. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt

Wirtschaftlicher Wochenbericht.

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Berlin , den 16. Januar 1904. Der Rechenschaftsbericht der russischen Staatskontrolle. Russische Finanzen. -Der Budget- Boranschlag für 1904. Bilanzierungskünfte. Der deutsch­kanadische Zollstreit. Der deutsch - englische Notenwechsel. Der Rückzug der deutschen Regierung. Das Verhalten der liberalen Preffe.- Liberale Handelsvertrags- Hoffnungen.

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In den letzten zehn Jahren ist nach dem Bericht der Staats­fontrolle der Gesamtbetrag der Einnahmen Rußlands um ungefähr 860 Millionen Rubel gestiegen; aber diese Zunahme entspringt nicht etiva einer natürlichen Steigerung der Steuerkraft des russischen Wolfes, sondern ist aus ihm durch schärferes Anziehen der Steuer­schraube und Auferlegung neuer Abgaben herausgequetscht. Beinahe drei Fünftel der Steigerung sind beispielsweise durch die Einführung des Branntweinmonopols und durch die Ausdehnung des Staats­bahnnezes erzielt worden. Leider nur ſteht dieser rechnerischen Ver­mehrung der Staatseinnahmen durch die Erträge der Staatsbahnen eine noch weit stärkere Vermehrung der Ausgaben für die Staats­und die subventionierten Privatbahnen gegenüber, so daß, wenn man den Eisenbahnetat pro 1902, losgelöst von den übrigen Posten, also für sich betrachtet, sich ein Deficit von beinahe 130 Millionen Rubel ergiebt. Nichts ist demnach verkehrter als aus den von Jahr zu Jahr steigenden russischen Staatseinnahmen auf eine entsprechende Steigerung des russischen Nationaleinkommens oder gar des Volks­wohlstandes zu schließen; teils haben die betreffenden Summen nur rein rechnerische Bedeutung, d. H. ergeben fich lediglich aus der be­folgten Abrechnungsmethode, teils sind sie aus der Volksmasse durch weitere Verschärfung des Steuerbruds herausgepreßt.

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Sonntag, 17. Januar 1904.

Versammlungen.

Tat.

des russischen Finanzministers noch eine beträchtliche Zunahme der des neuen Bollgesetzes festgelegten Minimalzölle nur als eine Kauffraft der russischen Bevölkerung: Schon die Frühjahrsmeffen, moralische", nicht als eine effektive Verpflichtung anzuerkennen, angefangen von der Jrbiter, verliefen befriedigend; erfolgreich d. H. einen Handelsvertrag mit Rußland zu vereinbaren, in dem die wickelte sich auch die Nishni- Nowgoroder Messe ab, auf der die allge- Vertragszölle für Getreide sich unter den festgesetzten Minimaljähen meine Tendenz der Massennachfrage deutlich zu Tage tritt; die halten, und in dieser Hoffnung ist man zu jeder Absolution und zu Kreditgewährung begegnete auf derselben keinen Schwierigkeiten und jeder Rücksichtnahme auf die ministerielle Empfindsamkeit bereit. die Zahlungen Tiefen recht prompt ein. Die Befürchtungen, daß Vergessen ist die Mitwirkung der Regierung bei den Kardorffschen infolge der starken Verkäufe auf der Messe das Herbstgeschäft in Gewaltstreichen im Reichstage, vergessen die bisherige Nichterfüllung Manufakturwaren sich flau gestalten würde, sind nicht in Erfüllung der von ihr übernommenen Verpflichtung, alsbald dem Parlament In lezter Woche sind zwei russische Aftenstücke zur Veröffent gegangen. neue Handelsverträge vorzulegen, selbst die demütige Verzicht­lichung gelangt, die in Anbetracht des russisch- japanischen Konflikts Uebrigens findet man nicht nur in Rußland ministerielle Bilanz- leistung auf die früher England und seinen Kolonien gegenüber ber­im fernen Often auf weiteste Beachtung Anspruch erheben dürfen, täuschungen und auch nicht nur dort fügsame Blätter, die des guten tretenen zollpolitischen Forderungen schrumpft plötzlich zu einer bes da sie einen interessanten Beitrag zur russischen Finanzlage liefern: Zweckes wegen willig mithelfen. Den Beweis dafür liefert das deutungslosen Nebensache zusammen es bietet sich die Aussicht, der vom Petersburger Regierungsboten" veröffentlichte Rechenschafts- Schweigen, mit der zur Zeit die gesamte deutsche liberale Presse daß die Regierung sich auf Handelsverträge einläßt, in denen die bericht der russischen Staatsfontrolle für 1902 und der Budget- über das starte Deficit hinweggeht, das die deutsche Regierung aus Vertragszölle für Getreide ein wenig unter die im Zollgesetz be= Boranschlag für 1904 mit dem üblichen Finanzbericht. Der den Verhandlungen mit England über die kanadische Differential- stimmten Mindestzölle hinabgesetzt werden, und um dieser Aussicht Rechenschaftsbericht hat die größere Bedeutung. Es ist an dieser Stelle 8ollfrage heimbringt. Bekanntlich hat die kanadische Regierung vor willen dürfen vorläufig die Zirkel der Regierung nicht gestört werden: bereits mehrfach an früheren Etatsabrechnungen nachgewiesen sieben Jahren dem englischen Mutterlande Vorzugszölle eingeräumt, die die allbekannte Taktik des deutschen Liberalismus, nichts von eigner worden, wie prächtig sich das russische Finanzministerium auf das sie sich trotz des bestehenden Meistbegünstigungsverhältnisses weigerte, Straft zu erwarten, sondern auf die bessere Einsicht und Entschließung Bilanzieren und das Verbuchen" der ihr unbequemen Summen auch dem Deutschen Reich zuzugestehen, worauf dieses die Meist der Regierung zu hoffen. Traurige Aussichten für die späteren Be­versteht. Selbst Herr Erner und Konsorten hätten in der Witteschen begünstigung für erloschen erklärte, d. H. Kanada gegenüber seinen ratungen der Handelsverträge im Reichstage. Schule noch manches lernen können, obgleich bekanntlich auch in den Generaltarif zur Anwendung brachte. Die Folge war ein mit dem Büchern der Leipziger Bank trop des foloffalen Deficits rechnerisch 9. Mai 1897 einsehender langer Schriftwechsel des deutschen Aus­alles auf das genaueste stimmte. Daß Herr Witte in seiner Ab- wärtigen Amtes mit der englischen Regierung, in welchem die deutsche rechnung für das Jahr 1902, die noch von ihm vor seiner Abberufung Regierung die Auffassung vertrat, Kanada sei fiskalisch und handels­selbst aufgestellt ist, nach anderen als seinen bisherigen Grundsäßen politisch völlig selbständig und seine Tarifvereinbarungen mit England Die Errichtung von Krankenfürsorgestellen verfahren sein sollte, dürfte nicht anzunehmen sein, und wenn auch deshalb nicht nur eine ausschließlich innerpolitische Angelegenheit des erörterte am Freitag eine von der Centralkommission einberufene die Reichskontrolle gewöhnlich einiges an Herrn Wittes Rechnungs- britischen Weltreiches, sondern eine direkte Verlegung des von Eng- Versammlung der Strankenkassen- Vorstände und Verwaltungsbeamten. abschlüssen zu korrigieren und zu bemäkeln liebt, bleibt doch in ihren land für sich und seine Kolonien mit Deutschland abgeschloffenen Das einleitende Referat hielt Alb. Sohn. Er schilderte die Er Rechenschaftsberichten noch immer eine ansehnliche Portion Bilanz- Meistbegünstigungs- Vertrages. fahrungen, welche er als Teilnehmer einer Studienreise in Belgien optimismus zurück. Um so schwerer fällt ins Gewicht, daß nach dem Diesen Standpunkt hat die Reichsregierung noch bis in die hinsichtlich der dortigen Fürsorge für Lungenkranke gemacht hat. soeben veröffentlichten Bericht auch die Haushaltsrechnung für das jüngste Beit vertreten. Nach den von der Norddeutschen Allgem. Besonders besprach er die in Belgien unter dem Namen Dispensaires Jahr 1902 wieder mit einem Deficit von ca. 40 Millionen Rubeln Beitung" am 15. Juli vorigen Jahres veröffentlichten Auszügen aus bestehenden Fürsorgestellen. Dieselben werden aus den zu wohl­fchließt. Nach dem Bericht haben nämlich die Einnahmen 1905,4 dem beiderseitigen Notenwechsel erklärte z. B. Freiherr v. Richtthätigen Zwecken aufgebrachten Mitteln unterhalten und Millionen Rubel erreicht, den Voranschlag also um 104,6 millionen hofen noch in einer Note vom 15. April 1903: haben die Aufgabe, Lungenkranken eine auf Heilung der Rubel überschritten; doch noch mehr sind die Staatsausgaben in die Der Unterzeichnete hat die Ehre, auf die Mitteilung des Sir Strankheit gerichtete Fürsorge angedeihen zu lassen. Lungen Höhe geschnellt. Sie stellen sich für 1902 auf insgesamt 1946,5 Frank Lascelles vom 25. März zu antworten, daß die faiserliche heilstätten wie in Deutschland bestanden seither nicht in Belgien . Millionen Rubel, darunter 170,6 Millionen Rubel für sogenannte Regierung ihrerseits beabsichtigt, zu geeigneter Beit eine Ver- Die Thätigkeit der Fürsorgestellen wird in der Weise ausgeübt, daß außerordentliche Ausgaben. längerung des Gesetzes zu erzielen, durch das der Bundesrat die dem Kranken, welcher sich zur Untersuchung gemeldet hat und als Befugnis erhält, England und den britischen Kolonien und Be- lungenkrank befunden ist, genaue Rerhaltungsmaßregeln gegeben fübungen die Meistbegünstigung zu gewähren. Die kaiserliche Re- werden, deren Befolgung von einem aus den Reihen der Arbeiter gierung glaubt aber die Thatsache nicht verhehlen zu dürfen, daß es hervorgegangenen Beamten der Fürsorgestelle, dean ouvrier enquê zweifelhaft erscheint, und zwar besonders mit Rücksicht auf die im teur, überwacht wird. Die Hauptthätigkeit dieses Beamaten besteht Reichstag zu erwartende Opposition, ob sie diese Ansicht wird durch jedoch darin, daß er bei jedem sich meldenden Patienten dessen Ver­führen können, wenn Deutschland in wichtigen Teilen des englischen hältnisse genau feststellt, und auf Grund des Ergebnisses dieser Reiches differentiell behandelt wird, und besonders wenn sich der Feststellungen giebt der leitende Arzt dem Patienten Verhaltungs­Bericht bestätigen sollte, daß deutsche Waren in Zukunft weniger maßregeln, ferner wird seitens der Fürsorgestelle auch nach Möglich günstig behandelt werden sollen als englische, nicht nur in Kanada , teit dafür gesorgt, daß der Patient die Mittel zur Durchführung des fondern auch in dem englischen Südafrika ." Heilerfolges erhält. Es werden Milch geliefert sowie Spuckflaschen, Und in der von englischer Seite darauf erfolgten Antwort Desinfektionsmittel und dergleichen. Wo es nötig ist, wird auch für heißt es: weitergehende Erfordernisse der Kur gesorgt, die sich jedoch nur auf " Sir F. Lascelles berichtete in seiner Depesche vom 18. April, häusliche Pflege und allgemeine Verhaltungsmaßregeln, nicht auf daß Baron v. Richthofen ihm mitteilte, seines Erachtens werde Anstaltsbehandlung erstredt. Die Fürsorge erstreckt sich nicht nur die Meistbegünstigung für das vereinigte Königreich in Straft bleiben; auf den Stranten, sondern sie richtet sich auch gegen die Weiter nachdem aber die südafrikanischen Kolonien einen Vorzugstarif für verbreitung der Krankheit durch Ansteckung, und zu diesem Zweck englische Waren in Vorschlag gebracht, müsse man überlegen, ob diese werden auch die Familienmitglieder des Patienten darüber belehrt, was Kolonien nicht ebenso wie Kanada von der Meistbegünstigung aus zur Bekämpfung und Verhütung der Krankheit zu thun ist. Die geschlossen werden müßten, und ob nicht in dem Fall, daß auch Thätigkeit des Beamten der Fürsorgestelle, der in ständiger Fühlung Anstralien dem Mutterlande einen Vorzugstarif gewähren sollte, mit dem Kranken und dessen Familie bleibt, hält der Steferent für eine Lage geschaffen würde, die es der deutschen Regierung sehr er das Wesentlichste bei dieser Art der Schwindsuchtsbekämpfung. Der schweren könnte, vom deutschen Reichstag die Bewilligung zum Umstand, daß dieser Beamte aus Arbeiterkreisen stammt, sichert ihm Abschluß eines Handelsvertrages zwischen dem vereinigten Königreich das Vertrauen der erkrankten Arbeiter und hat zur Folge, und Deutschland zu erhalten." daß seine Anordnungen mehr Gehör finden, als die bon Damals war die gesamte liberale Presse entzückt über die einem namentlich von einem jungen Arzt aus onfequente energische Haltung der deutschen Regierung gehenden Vorschriften. Der Referent ist der Meinung, daß auch in dieser wichtigen zollpolitischen Frage". Soweit in Deutschland Fürsorgestellen nach belgischem Muster errichtet fie etwas zu bemäkeln fand, galt es lediglich der nach ihrer Meinung werden könnten. Sie feien geeignet, eine bei uns bestehende immer noch zu weitgehenden Rücksichtnahme des deutschen Aus- Lücke in der Tuberkulosebehandlung auszufüllen und in solchen wärtigen Amtes auf englische Ansprüche. Nicht nur gegen Kanada , Fällen einzugreifen, wo eine Anstaltsbehandlung nicht angebracht ijt auch gegen Südafrika und alle andren Kolonien, welche wagen sollten, oder wo eine solche aus Mangel an Heilstätten nicht eintreten fann. die Einfuhr aus Deutschland gegenüber der aus Großbritannien zu Die Fürsorgestellen würden also eine Ergänzung des Heilstätten­benachteiligen, müsse unverzüglich der allgemeine Tarif angewendet wesens bilden; sie müßten nach Meinung des Referenten am besten werden, forderter die Blätter des Centralverbandes deutscher In durch Staat und Gemeinde betrieben werden und das Hauptgewicht dustrieller, voran die Berliner Neuesten Nachrichten" und das chr- auf die Thätigkeit des Arbeiter- Beamten legen. fame Effener Organ für Preistreiberei, Syndikatspolitik und hohe Bechenprofite, und falls das nicht helfen sollte, dürfe man auch vor noch schärferen Zollrepressivmaßregeln nicht zurückscheuen. Seitdem hat in England die Strömung für die Chamberlain fchen 3ollpläne mehr und mehr an Ausdehnung gewonnen, und in gleichem Maße hat die deutsche Regierung jich vor den englischen An­fprüchen mutig rückwärts tonzentriert, so weit, daß vor einigen Tagen der" Daily Graphic" melden konnte, die deutsche Regierung habe das britische Ministerium des Auswärtigen am 30. Dezember vorigen Jahres mit Hinsicht auf die öffentliche Mitteilung, Groß­ britannien betrachte seine Tarifvereinbarungen mit seinen Stolonien als eine ausschließlich innerpolitische Angelegenheit, mtlich be nachrichtigt, der deutsche Bundesrat erhebe keine Einwendungen mehr gegen die Bevorzugungen, welche Großbritannien und die Kolonien in ihren Tarifen einander gewähren. Der deutsch - britische modus vivendi sei demgemäß erneuert und der Kap- Kolonie und Neu­ Seeland seien dieselben Vorteile wie bisher zugestanden worden." Die nachfolgenden Diskussionsredner waren in der Hauptsache Eine Mitteilung, die nicht nur durch das verlegene Schweigen mit der Errichtung von Fürsorgestellen der gedachten Art ein der deutschen offiziösen Blätter, sondern auch durch ergänzende verstanden, geteilt waren die Meinungen nur darüber, wer der Träger Meldungen der" Morning Post" bestätigt wird, nach welchen Kanada dieser Einrichtung sein solle, ob strankenkassen, Landesversicherungs dem Deutschen Reich- Zollermäßigungen von einem Drittel bis zur Anstalten, staatliche oder kommunale Behörden. Von einer Seite Hälfte der gegenwärtigen Abgaben auf deutsche Weine, Seifen, Nüsse, wurde betont, daß die Heilstätten- Behandlung, die noch getrocknete und frische Pflaumen gewähren wolle und dafür weiter ausgebaut werden müsse, die befte Bekämpfung eine Erweiterung des deutschen Minimaltarifes auf eine lange Reihe der Lungenkrankheit sei, und daß die wirksamste Borbengung auf tanadischer Waren fordere, darunter Fleischkonserven, Früchte, einer Hebung der socialen Lage der Arbeiter beruhe. Schuhwaren, Bauholz, Holzstoff. hölzerne Möbel, Papier, Gerb- Die Versammlung, in der 32 Orts, 14 Vororts, 12 Betriebs, extrakte und zubereitete Häute. 4 Jnnungs- und 24 Hilfskassen vertreten waren, beauftragte die

Nach den Versicherungen der russischen Regierung ist allerdings nicht nur die Finanz-, sondern die gesamte Wirtschaftslage des russischen Reichs eine recht günstige. Der in der Witteschen Schule gedrillte neue Finanzminister beweist in seinem dieser Tage veröffent­lichten Bericht zu dem in seinen Hauptzügen noch von Herrn S. J. Witte selbst aufgestellten Budget für 1904, daß, wie weit er fonft auch hinter seinem Vorgänger an Fähigkeit zurückſtehen mag, er ihm doch die Kunst des Wegretouchierens häßlicher Flecke gründlich abgesehen hat, so daß, wer die früheren Finanzberichte des Herrn Bitte fennt, in dem neuen Bericht nichts von der früheren Mache vermißt. Zwar ergiebt der Voranschlag der Einnahmen für 1904 insgesamt nur 1982,8 Millionen Rubel, obgleich die Erträge aus den Steuern weit höher angefekt find als im Voranschlag für das Etatsjahr 1903 und z. B. die Zoll- Einkünfte um 12,3, die Grträge aus dem Branntweinverkauf um 25,5 Millionen Rubel( einen um 6,5 Millionen Rubel höheren Ertrag erhofft man aus der Ausdehnung des fiskali­schen Branntweinverkaufs auf die Gouvernements Irkutst und Jenniffeist sowie auf das jakutstische und transbaikalische Gebiet herauszuziehen) höher veranschlagt erscheinen, während sich die Aus­gaben( ordentliche und außerordentliche) auf 2178,6 Millionen Rubel stellen, so daß ein Deficit von beinahe 196 Millionen Rubel bleibt, das, nach der stereotypen Redensart, aus dem freien Barbestande der Reichsrentei" gededt werden muß. Aber dieses Deficit ficht den jebigen Finanzminister ebensowenig an, wie Herrn Witte seine früheren Unterbilanzen; denn durch eigenartige Buchungen ist es gelungen, von den Eisenbahn- Ausgaben nur 21,6 Millionen Rubel als ordentliche, die übrigen ca. 210 Millionen Rubel aber als außerordentliche Ausgaben, als neue Sapitalsanlage, er scheinen zu laffen, und auch noch sonst entdeckt der neue russische Finanzkünstler allerlei günstige Momente für Rußlands schnellen wirtschaftlichen Fortschritt: die russische Getreide- Ernte des Jahres 1903 war eine relativ gute. die Getreidepreise sind im Steigen be­griffen, der internationale Geldmarkt hat sich günstiger gestaltet, die füdruffische Kohlen- und Eisenindustrie erholt sich von der Krije der Letzten Jahre, und die letzten Messen waren recht gut von Käufern tie Verläufern besucht folglich hat Rußland die schönsten wirt schaftlichen Aussichten. Doch ich will dem Leser nicht den Genuß rauben, einige Proben dieser finanzministeriellen Hoffnungsseligkeit im Original zu toften.

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Dr. Becher, der ebenfalls an der Studienreise teilnahm, hält den Arbeiter- Beamten nicht für das Hauptsächlichste. Den großen Einfluß des Arbeiter- Beamten in den belgischen Fürsorgestellen ers flärt der Redner dadurch, daß diefe der Initiative der belgischen Gewerkschaften ihr Dasein verdanken. In Deutschland seien die Aerzte infolge der socialen Gesetzgebung mit den socialen Ver­hältnissen der Arbeiter vertraut, man tönne ihnen deshalb auch ohne Bedenken einen Einfluß in den Fürsorgestellen einräumen. Aerzte und Strankenkassen müßten die Angelegenheit gemeinsam betreiben, und durch staatliche Mittel könnte die Existenz der Fürsorgestellen gesichert werden.

Simanowsti ist der Meinung, daß die Fürsorgestellen von den Arbeitern geschaffen werden müssen. Durch die Heranziehung von Staat und Gemeinde würde eine solche Einrichtung nach den bisherigen Erfahrungen jedenfalls den Stempel der Armenunterstützung tragen und deshalb bei den Arbeitern keinen Anklang finden.

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Ueber die letzte Getreide- Ernte äußert z. B. der Bericht:" In Bezug auf die Getreide- Ernte steht das Jahr 1903 gegen 1902 etwas zurüd, übertrifft jedoch erheblich eine ganze Reihe früherer Jahre. Die deutsche Regierung hat also ihre frühere ,, konsequente" und Centralkommission, ein Projekt für die Errichtung von Fürsorge­Der Rohertrag an Getreide überſtieg 1903 den mittleren Ertrag energifche" Haltung völlig aufgegeben und sich geschmeidig den stellen auszuarbeiten und dasselbe einer der nächsten Versammlungen für das vorhergehende Jahrfünft um mehr als 400 Millionen Bud, englischen Ansprüchen angepaßt; aber fein Vorwurf regt sich in der vorzulegen. auf jeden Einwohner entfielen gegenüber dem durchschnittlichen liberalen Presse. Die meisten Blätter schiveigen über die englischen Ernte- Ertrage für dieses Jahrfünft 2 Pud mehr. Allerdings muß Meldungen, darunter auch die Essener Konkubine, die am Donnerstag Die Bauarbeiter( Lokalverein) hielten am Sonntag im Eng bemerkt werden, daß die Ernte des Jahres 1903 fich sehr ungleich statt der Laffan"-Meldung über die Aeußerungen des Daily lischen Garten" ihre Generalversammlung ab. mäßig verteilte. Es dürfte nicht unberücksichtigt gelassen werden, Graphic" einen Artikel über das neue Kaiserreich der Sahara " Rechenschaftsbericht des Vertrauensmannes gab Norgel einen daß die reichen Ernten der beiden letzten Jahre in Rußland feinen brachte; andre drucken die Meldung ohne jeden Komentar ab, und Ueberblick über die Jahresthätigkeit der Lohnfommission sowie des Preisfall des Getreides im Gefolge hatten. Im Durchschnitt hielten nur Mosses gescheites Organ bringt es im Abendblatt vom Mittwoch ganzen Vereins. Es sind zahlreiche Versammlungen und Sizungen sich die Preise auf der Höhe des vorhergehenden Jahrfünfts, das zu einem kurzen Kommentar, der dafür aber auch so gehaltvoll aus abgehalten worden; auch auswärts hat der Verein werbend gewirkt, mehrere ungünstige Erntejahre aufwies, und übertrafen recht er gefallen ist, daß er für zehn andre entschädigt. Der Vorschlag der so in Bernau und Rüdersdorf ; die Mitgliederzahl in Berlin hat heblich die Preise der kornreichen Jahre 1893 und 1894." deutschen Regierung hält sich," meint das Blatt, von schädlicher sich jedoch vermindert. Redner warnt vor unüberlegten Handlungen Betreffs der Lage der russischen Metallindustrie heißt es: Die Sonnivena ebenso frei wie von noch schädlicherer Halsstarrigkeit; er bei Differenzen auf den Einzelbauten und empfiehlt Vorsicht bei der schwierigen Verhältnisse, mit denen in den letzten Jahren einige ist übrigens nichts weiter als eine Konsequenz des Verhaltens Deutsch - Agitation zur Gewinnung von neuen Mitgliedern. Die Kommission russische Industriezweige, namentlich die Metall- und Steinkohlen- lands gegenüber der Kap- Kolonie und Neu- Seeland und des deutsch - ist zur Regelung von Differenzen 211 mal angerufen worden, industrie, zu kämpfen hatten, begannen 1903 ihren akuten Charakter britischen Handelsabkommens überhaupt, nachdem der Bundesrat 24 Stollegen haben Rechtsschutz erhalten. Bezüglich des mit den zu verlieren. Es lassen sich, so fährt der Bericht fort, bereits einmal die britisch- kolonialen Vorzugszölle als innere Angelegenheit Unternehmern abgeschlossenen Lohnvertrages lasse sich zwar eine einige Kennzeichen der Beruhigung und des allmählich des großbritannischen Imperiums anerkannt hatte. Unter diesen Besserstellung der Lohnarbeiter konstatieren. Anders liege die Sache wiederkehrenden Vertrauens konstatieren. Das Angebot beginnt sich Umständen dürfte der Zollfriede mit Stanada auf der Basis der jedoch bei den Accordarbeitern, besonders deshalb, weil jest wieder der Nachfrage anzupassen. Als Käufer traten Großhändler und Gewährung der Meistbegünstigung nicht mehr lange auf sich warten das Gewerbegericht entschieden hat, daß nicht die Bauunternehmer, überhaupt Zwischenhändler auf, welche in Zeiten industrieller laffen. sondern die Kolonnenführer als deren Arbeitgeber zu betrachten seien. Depression aus Furcht vor einem Herabgehen der Preise gewöhnlich Allerdings ist dieses Hinweghuschen über die Schlappe, die der Dadurch annulliere sich der Vertrag für die Accordarbeiter geradezu, teine Einkäufe auf Vorrat machen. Die Handelsniederlagen be- neue deutsche handelspolitische Kurs erlitten hat, sehr begreiflich. ganz abgesehen von der ihnen häufig erwachsenden Schädigung in­gannen in 1903 sich zu füllen, die Fabriklager dagegen ihre Vorräte Es entspringt demselben Motiv, das die liberale Presse dazu bestimmt, folge Bahlungsunfähigkeit der Kolonnenführer. Ob sich unter folchen Ioszuwerden. Die Preise haben sich etwas gefestigt; in den letzten fich neuerdings über den Fortgang der Handelsvertrags- Verhand- Umständen der Abschluß eines neuen Vertrages empfehle, wolle er Monaten machten sich sogar im Süden Rußlands Versuche bemerkbar, vorläufig dahingestellt sein lassen; jedenfalls sei große Borsicht am die Produktion von Roheisen im Vergleich zum Vorjahre zu steigern. Blake, um so mehr, als es wirklich kein Vergnügen sei, den Sizungen Im Ural jedoch zieht sich die Besserung der gedrückten Lage noch mit den Unternehmern beizuwohnen. Was die vom Parteivorstand immer in die Länge. eingeleiteten Einigungsverhandlungen mit den Centralverbänden an­Und zu diesen beiden den Fortschritt der russischen Volkswirt belangt, so sei ja hinlänglich bekannt, daß Redner ein persönlicher haft verbürgenden Momenten kommt außerdem nach Versicherung Befürworter derselben ist; diesen Standpunkt könne er trotz der

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lungen nur mit einer gewissen wohlwollenden Zurückhaltung zu äußern, dafür aber in langen Leitartikeln über die Inopportunität der konservativen Interpellation betreffs der Kündigung der Handels verträge zu philosophieren. Man glaubt, daß die Regierung in An­betracht des Widerstandes Rußlands gegen die Getreide- Mindestzölle geneigt ist, nach freisinnigem Rezept das Eintreten für die im§- 1