Das Kammerg spricht hob am 26. Mai dies Urteil auf und sprach die Angeklagten frei. Es seien nur die Statuten beraten worden, die nur wirtschaftliche Zwecke im Auge und an sich keine polnische Bedeutung hätten. Darum könne von einer Erörterung öffentlicher Angelegenheiten nicht die Rede sein. Natürlich hindert dieses Versagen des Äammergerichts nicht, daß der Hakatistische Wahn gegen polnische VoUsbanken und andre polnische Rechte sich in ianmer neuen Formen und Versuchen entladen wird.— Das Uedel der Ocff�ntlichkeit. Aus Halle berichtet man uns: Daß die Berichterstatter in den Kriegsgerichten keine gern gesehenen Gäste sind, ist nicht unbiÄannt. In einer Siyung des Gerichtes der 8. Division, in der u. a. gegen den Unteroffizier M e tz d o r f von der 11). Compagnie des Jnfanterie-Regimcnts Nr. 72 ans Torgau verhandelt wurde, äußerte sich der Ankläger über die Berichterstattung. Er meinte in einer nebensächlichen, öffentlich verhandelten Sache, cS sei bedauerlich, daß Gerich tsverhandliiiigen iu den Zeitungen seht so breit getreten würden; die Zeitungslektüre übe zuweilen einen«»heil- vollen Einfluß aus. Ein als Verteidiger fungierender aktiver Offizier entgegnete dem Ankläger,, man sollte aber berücksichtigen, daß die Presse doch durch die'-üeröffentlichung der Gerichtsverhandlungen ausklärend und belehrend wirke. Nach der von dem An- klüger vertretenen Ansichit braucht man sich nicht allzu sehr zu wundern, daß die Oeffentü ichkeit so gern ausgeschlossen wird und die militärischen Interessen gefährdet ericheinen. Uebrigens sorgte man auch in der Verhandlung gegen den Unieroffizier Metzdorf, der wegen vorsätzlicher Mißhandlung eines Untergebenen, des Musketiers Wiesner, angeklagt war, dafür, daß die Pressevertreter nicht allzu viel„Unheilvolles" erfuhren. Schon vor der Verlesung der Anklage wurde die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. In der Urteilsbegründung hieß es nackiher, daß der Angeklagte den W. geohrfeigt, ihm Tritte gegen die Hüfte und gegen den Leib der- setzt habe, daß die Mißhandlungen jedoch„nicht sehr schmerzlich" gewesen wären. Das Gewicht nahm minder schwere Fälle als vor- liegend an und verurteilte den Unteroffizier zu zwei Wochen Mittel- arrest. Dresden , 27. Mai. siKg. Bcr.) Nachdem gestern auf Antrag der Staatsanwaltschaft die Nuanmer 83 vom 12. April der im Verlage der„Sächsischen Arbeiterzeitung" als Kopfblatt des genannten Organs erscheinenden„Uiörlitzer Volkszeitung" beschlagnahmt worden ist, wrwden heute auch die Nummer 82 der „ S ä ch s i s ch e n A r b e int« r z e i t u n g" und die Nummer 83 des „Volksfreundes" konfisziert. Es handelt sich in allen drei Fällen um die in allen?irei Blättern erschienene Meldung: Neue Enthüllungen aus der Berl iner Bnstillc. Es werden darin uach einem Arttkel in der„Zeit am Montag" Einzelheiten über den Straf- Vollzug in Plötzensee mitgeteilt. In der Darstellung wird behauptet, daß in Plötzensee Geistekg estörte und Epileptiker festgehalten würden. Es wird auch eine Schilt oerung von der Behandlung der Kranken durch Dr. Pfleger und sein Personal gegeben. Schließlich wird mit- geteilt, daß Dr. Pfleger auf drei Monate beurlaubt worden sei. Obwohl die jetzt konfiszierten Nummern schon vor sechs Wochen er- schienen sind, ist dem für alle drei Zeitungen Verantwortlichen Ge- nosien Redatteur Düwell von der Einleitung eines Strafverfahrens bisher noch nichts mitgeteilt worden.— Abkürzung der Amerikareife. Hamburg , 27. Mai. �n Verbindung mit der bevorstehenden Er- öffnung des Hafens von'Dover hat die Hamburg-Amerika-Linie mit der preußischen Eisenbahn verwalttmg ein Abkommen gettoffen. Nach diesem werden die mit den Schnelldampfern der genannten Linie nach England und AmerBa reisenden Passagiere vom 1. Juli an mit Sonderzügen von Berlin , über Wittenberge , Lüneburg und Harburg direkt nach Cuxhaven beordert werden. Sie werden Berlin morgens 9 Uhr verlassen und naösinittagS in Cuxhaven an Bord der Schnell- dampfer gehen. Hierdurch wird die Reichshnuptstadt in diretteste Verbindung mit dem internationalen Seeverkehr nach England und Amerika gebracht und die Reise dorthin wesentlich abgekürzt.— Huafond. Frankreich . Klerikale Unruhestifter. Bei der Jnventur-Aufnahme, die der gerichtliche Liquidator unter dem Beistand von Truppen und Gendarmen in einer früher von säkularisierten Schulbrüdern ge- leiteten Provmzschule in Gouffs bei Nantes vornahm, kam es gestern zu ernsten Ruhestörungen; die gesamte Bevölkerung des OrteS widersetzte sich dieser Maßnahme. Ein Lieutenant vom 64. Infanterie- Regimen t sowie mehrere berittene Gendarmen Ivurden durch Stockschläge und Steinwllrfe ernstlich verwundet. Erst nach längeren Bemühungen der Gendarmen gelang es, den Platz vor der Schule zu sperren und dem Liquidator den Eintritt in das Schulgebäude zu ermöglichen. Die rohalisttschen Gutsbesitzer de la Roche und de Charette, die diesen Widerstand organisiert hatten, sowie mehrere andre Personen wurden verhaftet. Paris , 27. Mai. Der Deputterte Pressensü lSoc.) hat dem Minister des Aeußern mütgeteilt, daß er an ihn eine Anftage richten werde über die Lage in Armenien , wo nach ihm zugegangenen Depeschen neue Gemetzel stattgefunden hätten, sowie über die Maß- nahmen, welche die französische Diplomatte zu ergreifen gedenke, um diesen Verbrechen Einhalt zu thun.— Italien . Rom , St. Mai. sEisj. Ber.) Eine Aufsehen erregende Konvertierung. Heute empfing Andreina Costa, die Tochter unsres Genossen Andrea Costa und der Anna Kuli schaff im Palast deS Mailänder ErzbifchofS die Taufe nach katholischem Ritus. Der Erzbischof selbst spendete die Taufe, Fir- melung und Kommunion. Der Schritt des jungen Mädchens, das im Hause seiner Mutter erzogen wurde und Medizin studiert hat, erregt allgemeines Aufsehen und großes Frohlocken im katholischen Lager. Daß Andreina Costa nicht socialisttfch gesinnt lvar, war in Partei« kreisen kein Geheimnis. Die Konvertierung erfolgte in Hinblick auf die bevorstehende Vermählung mit dem Großindustriellen Gavazzi, Natürlich wohnte die Geuosfin Kulischoff der Ceremonie nicht bei. Türkei . Korruption, Jntrizuen, Palaswerschwörung. AuS Budapest wird vom 27. Mai gemeldet: Der Führer der jüngst entdeckten Verschwörung im VildizpalaiS, Dschemal Pascha, ist gestern, auf der Flucht nach Paris begriffen, hier ein- gettoffen. Er erzählte, daß bereits vorgestern es den übrigen Mit- gliedern der Verschwörung gelungen sei, gleichfalls die Türkei in Verkleidung zu verlassen. Nach einer ausführlichen Meldung der„Vossischen Zeitung" hat sich Dschemal Pascha über die Verschwörung wie folgt geäußert: Unsre Verschwörung gegen den Sultan war die gefährlichste und kühnste, die je geplant war. Die Mißstände in der T ü r l e i sind ja jedermann zur Genüge bekannt. doch wissen nur loenige, wie sehr es bei uns im ganzen Lande gärt. Trotz dieser seit vielen Jahren anhaltenden Zustände ist unsre Ver- schwörung erst neuesten Datums. Unmittelbaren Grund hierzu bot eigentlich mein Vater, der als Chef des Spioncncorps des Palastes ein sehr gefürchtcter Mann gewesen ist. Als Jugendfteund des Sultans wurde mein Vater bereits vor Jahren mit der Organisation der zur persönlichen Sicherheit deS Sultans gegründeten Wache bettaut. Vor zwei Jahren lvcmdte sich der Sultan von meinem Vater ab und alsbald wurde bekannt, daß dies auf eine Jntrigue Fehmi Paschas zurück- zuführen sei. Dieser war noch vor wenigen Jahren Geheimagent, ivußte jedoch durch große Durchtriebenheit den Sultan zu umgarnen, so daß er an Stelle meines Vaters Chef des Spionagecorps wurde. DieS geschah, als mein Bater vor wenigen Monaten den be- kannten Ordensschwinbel enthüllt hatte, in welchem Tahir Betz, Frhmi Paschas Schivager, der Redakteur des offiziösen Organs des Sultans, des„Servet", die erste Rolle spielte. Mein Vater enthüllte das Treiben dieser Ordensschwindler, die in kurzer Zeit nahezu eine halbe Million Frank erbeutet hatten. Durch diese Enthüllung waren zahlreiche Höflinge bloßgestellt worden, deren Zorn sich natürlich gegen meinen Vater wandte. Ein andrer Teil zürnte, weil mein Vater die berüchtigte Spielhöhle des „Krystnllpalastcs" in der Perastraße hatte sperren lassen. Die Ver- Hältnisse verschärften sich immer mehr, und eines Tages sah sich mein Vater gezwungen, die Flucht zu ergreisen. Es gelang ihm, auf einem französischen Dampfer Aufnahme zu finden. Infolge der Flucht meines Vaters entstand ein großer Skandal. Hilter den Beamten erfreute sich aber mein Vater großer Sympathien, und seine Verfolgung mußte die Erbitterung der Staatsangestellten, deren Gagen seit Monaten unpünktlich und mit großen Abzügen ausgezahlt werden, nur noch steigern. So entstand die Verschwörung, deren Anhänger zumeist Beamte waren. Zu unsrem lluglückc wurde vor einigen Wochen ein Teil unsrer geheimen Korrespondenz in die Hände Fehmi Paschas gespielt, und man stellte fest, daß ich und Kemal Pascha an der Spitze des Komplotts standen. Kemal Pascha wurde mit mehreren Genossen festgenommen und in den Kerker geworfen. Mir gelang es, nachdem ich die wichtigsten meiner Schriften zu mir genommen hatte, mit einem kleinen Bündel die Flucht zu ergreifen. Ein Teil meiner Genossen ist mir bereits nach Paris vorausgereist, wo wir hoffentlich bei der Liga der Jungtürken eine freudige Aufnahme finden werden.—_ Der Krieg in Ostasien . Die Erstürmung von Kintschau ist, wie schon unsre gestrige Nummer unter den letzten Depeschen mitteilte, vollendete Thatsache. Kintschau liegt auf der schmälsten Stelle der Liautung-Halbinsel, nur 36 Kilometer nördlich von Port Arthur . Mit diesem Sieg ist die Umkreisung Port Arthurs abgeschlossen. Die Russen sind jetzt zu Lande und zur See von den Japanern eingeschlossen, und es kann kaum noch lange Zeit währen, /bis Port Arthur fällt. Ueber die Einnahme von Kintschau wird japanisch-amtlich aus Tokio gemeldet: Ein Teil unsrer Armee, der auf der Liautung-Halbinsel aus- eschifft war, griff in früher Morgenstunde am 26. d. M. die stark efestigten Posittonen des Feindes nahe bei Kintschau an. Nach einem langen und schweren Kampfe gelang es schließlich unsren Truppen, den Feind zu vertteiben und seine Stellungen ein- zunehmen. Der Feind wurde gezwungen, sich in der Richtung auf Port Arthur zurückzuziehen. Weitere Depeschen berichten: Tokio , 27. Mai. („Bureau Reuter".) Die Einnahme von Kintschau durch die Japaner geschah gestern abend nach fünftägigem hart- nackige» Kampf. Danach wurde auch die russische hefestigte Stellung Hanschau nach scharfem Gefecht genommen. Das Feuer der beider- fettigen Artillerie ist noch nicht eingestellt. London , 27. Mai. („Bureau Laffan".) Der Angriff der Japaner auf Kintschau wurde von dem größten Teil der auf der Liautung- Halbinsel zusammengezogenen japanischen Stteitkräste gegen die von den Russen hesetzten starken Stellungen auf den Anhöhen im Süden der Stadt unternommen. Während der letzten acht Tage hatten be- ständig heftige Kämpfe stattgefunden, in denen die Japaner jedoch nur wenig vorwärts kamen. Rekognoszierungen ergaben indes, daß keine starke russische Streitmacht in der Nähe von Kintschau vor- Händen war. Infolgedessen zogen die Japaner ihre Streitkräfte an diesem Punkt zusammen und machten die höchsten Ansttengungen, ihre Artillerie in beherrschende Stellungen zu bringen, was ihnen auch gelang. Ihren Erfolg haben sie zum großen Teil dem Ver- nichtungswerk ihrer schweren Geschütze zu danken. Die Russen hatten 30 Geschütze. Die Vorbereitungen für den Angriff der Japaner auf Dalny werden fortgesetzt. Tokio , 27. Mai. Admiral Togo richtete eine vollkommene Blockierung des südlichen Teils der Liautung-Halbinsel ein, seine Streitkräfte umfassen Port Arthur; dies ist augenscheinlich der Be» ginn der endgültigen Einschließung. Die Japaner haben die Russen von den Verteidigungswerken westlich von Talienwan vertrieben; es gilt für unwahrscheinlich, daß die Russen im stände sein werden, nördlich Port Arthur weiteren Widerstand zu leisten. Die Stärke der Russen»n Port Arthur wird von japanischer Seite auf 20 000 Mann geschätzt, während die Japaner 50 000 Mann stark sind. » Eine weitere Niederlage der Russen meldet„Daily Chronicle" aus Niutschwang. Danach wurden am 23. Mai 15 000 Russen auf dem Marsche von Liaojang nach Föngwangtschöng im Tatungpasse von 30 000 Japanern überrumpelt und besiegt. Ihr Verlust betrug 4000 Mann, wovon 1000 Mann die Waffe» streckten. Die japanischen Verluste find nicht angegeben. Russische Schiffskäufe. London , 27. Mai. Das Reutersche Bureau erfährt, daß ein Kreuzer, der auf einer der großen englischen Werften jetzt seiner Vollendung nahe ist, an einen Franzosen verkauft worden sei. Die russische Regierung habe in England eine Anzahl Frachtdampfer von größerer Geschwindigkeit, als die der gewöhnlichen Dampfer, ge- kaust; man glaube, daß diese Schiffe so umgebaut werden, daß sie eine große Zahl von Passagieren� befördern können.— AnS Briefen Wercschtschagins. „Russkija Wjedemosti" veröffentlichen Briefe des berühmten Malers, die er in den letzten Wochen vor seinem ttagischen Tode auf dem Admiralsschiff„Pettopawlowski" an seine Frau geschrieben hat. Die Briefe bieten aber wenig für die Persönlichkeit des Schreibers Charakteristisches und liefern nur an zwei Stellen Bei« träge zur Beurteilung der Geschehnisse auf dem Kriegsschauplatze. Diese Bemerkungen seien hier nach der Uebersetzung der.Vossischen Zeitung" mitgeteilt. Vom 29. März schrieb Wereschtschagin aus Mulden: „Man erwartet jetzt, daß die Japaner nach der Mandschurei gehen und uns angreifen werden. Unsre Offiziere erwarten dies sehnsuchtsvoll und sind sogar bereit, um das zu erreichen, einen Teil der Eisenbahn zu opfern. Wundre Dich nicht, wenn Du von unsrem Rückzüge hören wir st. Das wird in unsrem Interesse geschehen. Die Bestrebungen, schon jetzt nach Korea vorzudringen, werden von allen besonnenen Leuten ver- urteilt, darunter, wie es scheint, auch von Kuropaikin. Schilinski war in Petersburg schon für den Rückzug." In einem Briefe vom 8. April aus Port Arthur wird geschildert, daß die Russen selbst den Hafeneingang ge- sperrt haben: „Der riesige Dampfer, der wie ein fünfftöckiges Haus aussah, wurde zu diesem Zweck eigens angekauft; er neigte sich bereits auf die Seite. Es war traurig, diesen schönen Dampfer anzusehen, wie einen Menschen, der noch reine Ahnung hat, daß er dem Tode ge- weiht ist, und uns mit vertrauensvollen Augen anblickt in dem Bemühen, sein Schicksal aus ihnen zu lesen. Nach- dem die letzten Scheidewände durchgeschlagen worden waren, ab» unter den Matrosen einen Moment der Verwirrung, wo- ei eine Theekanne hinunterfiel; sie wurde übrigens unten sofort aufgegriffen.„Rasch, rasch I" rief Makarow ungeduldig. „Packt Euch alle weg! Gleich schlägt der Wind um und stellt das Schiff auftecht.„Jetzt losl" Zwei Torpedos wirbelten in diesem Augenblick zwei riesige Säulen von Wässer und Schlamm auf, und das Schiff, am Vorder- und Hinterteil getroffen, stellte sich erst aufrecht, legte sich dann jedoch auf die Seite. Das Hinterteil füllte sich mit Wasser und geriet auf den Grund, der vordere Teil erhob sich erst in die Höhe, die furchtbare Wunde zeigend, die ihm durch das Torpedo beigebracht worden war. Der Admiral war sehr unruhig.„Man unterließ es offenbar, die Scheidewände zu durch- schlagen; das sehe ich jetzt 1" grollte er. Dabei schritt er unten auf der Barke nach Skobelewscher Manier auf und ab, wie ein Tig« im Käfig. Drei Schritte nach vorwärts und dann wieder vre, Schritte rückwärts. Gerade wie ein Tiger oder ein weißer Bär. Endlich füllte sich das Schiff mit Wasser und sank gerade an der vorher bezeichneten Stelle, so daß nur eme Seite wie ein großer Fisch über dem Wasser sichtbar blieb. Jetzt konnten unsre Torpedoboote unter dem Schutze eines der versentten japanischen Schiffe und des soeben versenkten Dampfers auf die Japaner lauern, ohne deren Torpedo? zu fürchten. Man beabsichtigt noch ein andres Schiff, die„Schilka", zu versenken. Nachdem die Arbeit gethan war, begab ich mich auf das wachhaltende Kanonenboot„Giljak". das vor allen andern Schiffen stand. Auf der„Giljak" war alles ruhig und dunkel. Nur der Scheinlverser beleuchtet weithin das Meer. Man stellte mir ein Sofa zur Ver- fügung, auf dem ich bald einschlief. Ich schlief unruhig. Ich träumte. daß ich bei Leo Tolstoj bin, dessen Wohnzimmer genau so aussehen, wie die unsrigen. Und es schien mir, daß diese Zimmer aus irgeud welchem Grunde zertrümmert werden. Ich schluchzte dumpf aus, es scheint aber, daß niemand mein Schluchzen hörte. Bald weckte mich der Adjutant des Großfürsten. Auch der Admiral kam. Er hatte bereits aus- geschlafen und war sehr lustig und gesprächig. Er erzählte mir irgend etwas und sprach immerfort.„Warum antworten Sie mir nicht?" fragte er mich auf einmal.„Sind Sie schläfrig?"„Nein," antwortete ich,„ich höre Ihnen zu." Ich wollte mich nach meinem Wagen begeben, Makarow ließ mich jedoch nicht fort.„Man wird Sie überall anhalten und nach der Parole fragen, bleiben Sie lieber bei uns auf dem Panzerschiff." Wir gingen nach dem „P e t r o p a w l o w s k", wo man mir ein Bett gab. Makarow gab mir sein Plaids, und ich schlief ein. Erst um 8 Uhr früh ging ich u meinem Waggon, wo ich Dir jetzt schreibe. Meine Erwartungen, ine Kanonade zu sehen, haben sich also nicht erfüllt; h o f f e n t- ich gelingt's mir aber bald." partei-I�admckten. Zum Tode des Genossen Gustav Gladcwitz macht die„Berg- arbeiter-Zeitung" die Mitteilung, daß der kranke Genosse seinem Leiden selbst ein Ende gemacht hat. Als Leiden des Verstorbenen nennt die Todesurkunde: Herzklappenfehler, Asthma, regelmäßige Schlaflosigkeit, zeitweilige geistige Gestörtheit. Der Arzt sagte, als er die Todesnachricht erhielt:„Er hätte es nur noch ein paar Tage gemacht". Die„Bergarbeiter-Zeitung" widmet dem Pflichttreuen einen warmempfundenen Nachruf und schreibt dann noch: Der Verstorbene hinterläßt eine Witwe mit 8 Kindern, von denen vier noch im jugendlichen Alter stehen. Auch ihnen ist ein Treu- sorgender dahingegangen. Wenige Stunden vor seinem Tode hat er einen Brief an seine Gattin geschrieben, der ein ergreifendes Zeugnis ablegt von der Vorsorge des Entschlafenen für seine Hinterbliebenen. In den Minuten, da er sich auf den Tod vorbereitete, schrieb er für seine Familie nieder, wie er für sie Pensionsansprüche usw. erwarb. An seinen alten Freund H. Sachse schrieb der Sterbende dann auch, ihm mitteilend, was ihn in der letzten Stunde bewegte, bittend um Teilnahme und um treues Angedenken. Er möge in Frieden ausruhen nach langer, ergebnisreicher Arbeit für das Wohl der GesamtheitI Seine Gesundheit ist zerstört worden hinter den Kerkermauern, wo er weilen mußte insgesamt nahezu 30 Monate, in fünf Fällen wegen„Beleidigung durch die Presse". Dort, in Hoheneck bei Stollberg und im Landesgefängnis zu Zwickau , hat er sich den Körper zerrütten müssen, er ist ein Opfer des proletarischen Befreiungskampfes! poliretticste», Serlcbtllcbe» uto. Wegen Beleidigung von Polizeibcamten wurde der Genosse Düwell in Dortmund von der Sttafkammer zu drei Wochen Ge- fängnis verurteilt. Nähere Nachrichten liegen nicht vor. Industrie und Handel Scherlsche Zeitungsindustrie. Der„Hamburgische Korrespondent" bringt an der Spitze seiner gestrigen Morgennummer die offizielle Ankündigung, daß die Aktien- gefellschaft„Neue Börsenhalle" mit allen ihren Aktiven und Passiven an Herrn August Scherl oder vielmehr an eine von diesem zu gründende Gesellschaft mit beschräntter Haftpflicht übergehr, Das Grundkapital dieser Gesellschaft soll auf 600 000 M. bemessen werden. Die Aktionäre der Aktiengesellschaft„Neue Börsenhalle" erhalten für jede Aktie eine auf Namen lautende Obligation der neu zu begründenden Gesellschaft im Nominalwerte von 1000 M., welche ihnen dieselben Rechte gewährt, die ihnen jetzt auf Grund§ 4 des Gefellschaftsvertrages zustehen, d. h. je 1 Frei-Exemplar der im Ver- läge der„Neuen Börsenhalle" erscheinenden Zeitungen und den freien Eintritt zum Abonnenten-Jnstitut, ihnen aber außerdem noch mit 4 Proz. verzinst wird. Die Gesellschaft ist ferner verpflichtet, für den Fall, daß sie noch andre Darlehen aufnehmen sollte, diesen Gläubiger» keinen Vorrang vor den Oblagationären einzuräumen. Alljährlich werden für Verzinsung und die durch Verlosung zu bewirkende Amorttsation dieser Obligationen 20 000 M. bereit gestellt. Die Besitzer der ausgelosten Obligattonen erhalten mit dem Kapital einen auf Namen lautenden Genußschein, der ihnen die- selben Rechte gewährt, die sie jetzt auf Grund des§ 4 der Statuten genießen. Dagegen verpflichtet Herr Scherl sich, wie der Verlag anzeigt, die polittsche Richtung und den Hamburgischen Charakter der bisher von der Attiengesellschaft„Neue Börsenhalle" herausgegebenen Blätter unverändert zu lassen. Um eine Garantie für die Erfüllung dieser Verpflichtung zu haben, wählen die Obligationäre und die Besitzer der Genußscheine einen Ausschuß von 5— 9 Personen, der in feiner ersten Zusammensetzung aus den jetzigen Mitgliedern des Auf- sichtsrates bestehen soll und zur Ueberwachung der Redaktion eine Kommission von 3 Mitgliedern ernennt. Diesem kleineren Re- daktionsausschuß sind weitgehende Befugnisse zur Ueberwachung der redaktionellen Leitung der Zeitungen eingeräumt, die auch das Recht der Entlassung der Chefredakteure einschließen. „Diese Bestimmungen geben," heißt es in der Ankündigung, „eine sichere Bürgschaft dafür, daß der Hamburgische Charatter unsrer Blätter und ihre politische Richtung durch ihre Veräußerung nicht die geringste Veränderung erfahren werden, und dadurch, daß den Obligationären, nachdem sie ihr Kapital zurückerhalten haben, auf Grund der Genußscheine, die sie erhalten, das Recht verbleibt, den Redaktionsausschuß zu wählen, wird in der vollkommensten Weise verhindert, daß unsre Zeitungen jemals dem Zwecke entfremdet werden können, zu dem sie begründet worden sind." Versicherungen dieser Art sind bekanntlich noch billiger wie Brombeeren. Die wirtschaftliche Lage Japans . Nach Aeußerungen des japanischen Generalkonsuls Arakawa in London , die natürlich, wie alle derartigen Mitteilungen cum grano salis genossen werden müssen, hat bisher der Handel Japans durch den Krieg nur äußerst wenig gelitten. Es liege auch, meint Herr Arakawa, kein Grund zu der Befürchtung vor, daß ein weiteres Anwachsen des geringfügigen Rückganges eintreten könne. Dies sei hauptsächlich darauf zurück- zuführen, daß die russische Flotte in dieser Beziehung keinen ernst- lich schädigenden Einfluß ausüben konnte. Es seien nur wenige japanische Kauffahrteischiffe verloren gegangen, und der lokale Schiffsverkehr habe durch die russische Flotte kaum eine Einbuße er- litten. Das präge sich klar in den Sätzen aus, die für die Ver- sicherung japanischer Schiffe geboten und angenommen werden. Ein sehr ernster Ausfall sei allerdings dadurch zu besorgen gewesen, daß die große Masse der Boote der Nippon -Uusen Kaisha in der- selben Weise, wie dies vor zehn Jahren während des Krieges mit China der Fall war, von der Regierung in Dienst gestellt worden fei. Die genannte Gesellschaft habe jedoch diesen Ausfall mit größter Energie dadurch zu decken gestrebt, daß sie fremde Fahrzeuge für den DiM n«ä den fwft regelmäßig befuMen Höfen Kam.«?-'
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