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Die GSnsesaison hat wieder begonnen. In der letzten Woche gelangten in Friedrichsfelde 74 000 Gänse, 2200 Enten und 3000 Hühner auf den Markt. Der Preis für eine Gans schwankte zwischen 2,70 M, und 3,80 M. Während die Gänse in früheren Jahren fast sämtlich aus Russisch-Polen kamen, gehen die deutschen Händler mit ihren Ankäufern jetzt bedeutend weiter in das Innere von Rutzland hinein, bis nach Wilna , Minsk und Tschernigow . Nach- dem die russischen Behörden sich endlich entschlossen haben, eine Veterinäre Ueberwachung des Gänsehandcls einzurichten und vor allem dafür Sorge zu tragen, daß zum Gänsetransport gereinigte Wagen zur Verfügung gestellt werden, hat auch das Gänsegeschast nicht mehr unter der Geflügelcholera zu leiden. In dieser Saison sind auf dem Magerviehhofe noch keine choleraverdächtigen Gänse angekommen. Zu dem großen Platinadiebstahl, der in dem Laboratorium von Siemens u. Halste in Charlottenburg verübt wurde, wird mitgeteilt, daß die behördlichen Nachforschungen bereits zu wichtigen Ergebnissen geführt haben. Durch Vermittelung einer Platingescllschaft, bei der durch einen Uhrmacher ein größeres Stück Platina angeboten wurde, konnte festgestellt werden, daß die Spitzbuben die Schalen bereits zerschnitten haben und, wie erwartet wurde, in kleineren Stücken zu verkaufen bemüht sind. Das eine ausgebotcne Stück wog 167 Gramm und wurde dem Uhrmacher, der in der Landsbergerstraße wohnt, durch einen Auktionshändler aus Charlorteuburg zum Ankauf vorgelegt, und der Uhrmacher setzte sich mir der Platingescllschaft in Verbindung. Der Charlottenburger Händler G. und ein zweiter Händler aus Berlin wurden beobachtet und heut einem eingehenden Verhör unterworfen. Der erstere, der in der letzten Nacht seine Wohnung nicht aufgesucht hat und das Stück Edelmetall veräußern wollte, wurde vorläufig festgehalten. Die weiteren Nachforschungen, die zugleich von der Charlottenburger und der Berliner Kriminalpolizei betrieben werden, haben bereits zu Ergebnissen geführt, die sich aber im Interesse der Untersuchung zur Veröffentlichung noch nicht eignen. Eine Gefahr für den Berliner Baumarkt bildet der niedrige Wasserstand. Steine, Bauholz, Kies, Sand und Mörtel fangen, da die Zufuhren auf dem Wasserwege stocken, an knapp zu werden. In vielen Fällen mußte das Baumaterial, um keine Banuntcrbrechnng herbeizuführen, per Bahn hergeschafft werden, was bei der sehr erheblichen Frachtdifferenz das Bauen wesentlich verteuert. «us den Nachbarorten. Charlsttenburg. Eininhibierter" Fackelzug. Der Droschken- besitzer-Verein von Charlottenburg veranstaltete kürzlich ein Sommer- vergnügen in Schildhorn. Zu diesem Zwecke hatte man auch ein Festkomitee gewählt, welches sich der Mühe unterziehen mußte, Stock- laternen zu besorgen. Ein guter Freund gab ihnen den Rat, sich dieselben aus dem Volkshaus e kommen zu lassen. Gesagt, gethan. Die Stocklaternen wurden gekauft, und hinaus ging's nach Schildhorn. Als nun die Zeit herankam, wo Fackelzüge veranstaltet werden, wurden die Stocklaternen angezündet. Der Zug gruppierte sich und die Musik intonierte die Arbeiter- Marseillaise. Der erste Vorsitzende ging dem Zuge vorauf und schlug den Takt dazu., Zweimal hatte der Zug seine Runde gemacht, da, o GrauS, wurde man gewahr, welche Bilder sich auf den Laternen befanden: Marx , Lassalle, Liebknecht, Bebel und andre mehr. Die Sprüche waren durchweg Arbeitersprüche wie:.Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit I",.Proletarier aller Länder vereinigt Euch 1" und ähnliche. Ein grauenhafter Schrecken bemächtigte sich der Fest- teilnehmer. Vorstand und Festkomitee stürzten sich wie rasend auf die Kinderschar, rissen ihnen die Laternen aus den Händen und zertraten dieselben. Dann stürmte man auf die Musiker los und fragte sie, wie sie ein derartiges Lied spielen könnten? Die Musiker antworteten: Die Lieder zu einem Fackelzuge passe man den Laternen an; aber wenn man es verlange, spiele man auchDeutschland über alles" oderHeil Dir im Siegerkranz ". Die Musik intonierte nun den letzteren CantuS. Die Gemüter beruhigten sich wieder, und der Fackelzug konnte nun, ohne Laternen, zu Ende geführt werden. Das Ansehen und die Autorität des Vereins waren wieder hergestellt I Rixdorf. Aus Verzweiflung einen Selbstmordversuch begangen hat der 22 Jahre alte Bauarbeiter Max H o i n a ck i, welcher Hermannstr. 206 bei den Eltern wohnte. Der bedanernS- werte junge Mann leidet seit einigen Jahren an Krampfanfällen sobald dies nun auf den Bauten, ans welchen H. Beschäftigung findet, bekannt wird, erfolgt seine Entlassung, da die Bauleiter bei einem Unglücksfall des H. natürlich Scherereien fürchten. Nachdem H. in letzter Zeit wiederholt lediglich wegen seines Leidens die Arbeit verloren hatte, packte ihn eine solche Verzweiflung, daß er beschloß, seinem Dasein ein Ende zu machen. Am Dienstagnach- mittag befand er sich in einem Lokal in der Hermannstraße, wo er, bevor es der Wirt verhindern konnte, eine Flasche Lysol aus- trank. Man brachte den Lebensmüden sofort nach der Unfallstation XU, wo der Arzt eine MagenauSpumpung vornahm. Nachdem dies geschehen, wurde H. nach der städtischen Krankenanstalt geschafft. Sein Zustand ist aber ein derartiger, daß er kaum am Leben zu erhalten sein wird. Ein schwerer Bau- Unfall ereignete sich auf dem Neubau Cannerstraße 16. Durch Bruch eines Gcrüstbrettes stürzte der verheiratete Maler Hermann Mietz aus der Prinz Handjerystraße 36 aus dem vierten in den dritten Stock hinab und zog sich dabei außer schweren Kopfverletzungen einen Bruch des linken Armes zu. M. wurde nach dem Krankenhaus geschafft. Einbrecher suchten nachts einen im Hause Berlinerstraße 09 be­legenen Schlächterladen heim und entwendeten einen größeren Posten Salamilvürste und drei rohe Schinken. Von den Dieben fehlt jede Spur. SchSneÜerg. Zur Einleitung des Enteignungsverfahrens des zum projektierten Schöneberg er Stadtpark und der Straßen U und T benötigten Geländes ist jetzt Termin seitens des Regierungspräsidenten anberaumt. Es kommen im ganzen etwa 209,04 Ar m Betracht, von denen der größte Teil der zur bebau- xingsmätzigen Anlegung des Stadtparkes und der genannten Straßen erforderlichen Terrains den bekannten Familien Willmann und Mette gehören. Der seiner Zeit geforderte Preis war ein solch hoher, daß die Kommune notwendigerweise diesen Weg beschreiten mußte. Hof- fentlich wird das Verfahren nicht zu sehr in die Länge gezogen, damit Schöneberg schon in den nächsten Jahren zu seinem Stadtpark kommt. GencKts-Leitung. Das Todesurteil gegen den Heilgehilfen Walther. Einem Appell an die Gnade giebt Justizrat Dr. Stranz in der. D e u t s ch e n I u r i st e n z e i t u n g" in folgender Weise Ausdruck:.Der Heilgehflfe Hugo Walther ist am 29. April vom Schwurgericht II Berlin wegen Mordes, begangen an seiner Frau, zum Tode verurteilt worden. Das Reichsgericht hat formale Mängel nicht entdeckt und die Revision verworfen. Das Todesurteil ist also rechtskräftig. Soll eS vollstreckt werden? Die That hat keines Sterblichen Auge gesehen, keines Sterb- lichen Mund sie bezeugt. Der Angeklagte eine wenig sym­pathische Erscheinung leugnete, beteuerte seine Unschuld. Die Frau war von einem gemeinschaftlichen Ausflug der Eheleute, auf dem sie sich trennten, nicht zurückgekehrt. Sie ist in der Lage einer Er- hängten nahe einem Vorortbahnhof aufgefunden worden. Verdachtsmomente, Indizien, aber keine zwingenden Beweise, wurden gegen den Angeklagten ins Feld geführt. In der Beweiskette klafft eine entscheidende Lücke. Der Leichenbefund schließt die Möglichkeit nicht au?, daß die Frau fteiwillig aus dem Leben geschieden ist, ja hierfür spricht die Wahrscheinlichkeit. Zu diesem Endergebnis gelangten die vernommenen Gutachter, darunter Namen bon Klang, Aerzte und Chemiker.«Eine Selbsterhängung in der Lage, wie die Leiche gefunden wurde, ist möglich." Darüber hinaus gaben zwei andre Sachverständige ihre Gutachten wie folgt ab:«Die Strangulationsmarke war die typische, wie man sie bei Erhängten findet.... Es mußte nach allem Selbstmord angenommen werden." Wie man auch principiell zur Todesstrafe steht, hier handelt eS sich geradezu lim einen typischen Fall, der die Ausübung der Gnade, die Nichtvollziehung der Hinrichtung erheischt. Zu viel Zweifel, zu viel der Möglichkeiten, es könne derWahr "spruch der Geschworenen ein Fehlspruch sein. Und selbst die fernste Möglichkeit eines Irrtums gebietet hier, Gnade walten zu lassen. Denn diese Strafe, der Tod, ist unwiderruflich. Ist das Rad der Gerechtigkeit über das Leben eines Menschen hinweggegangen, dessen Blutschuld nicht er- wiesen ist, so kommen die Folgen des durch den Justizirrtum er- zeugten Schadens auf den Staat zurück. Das Vertrauen auf die Gerechtigkeit ist erschüttert; das Opfer wird zum Rächer. Eine wahre UnglückS-Automobildroschkc führt der Droschken- kutschcr Matthias Wolf, der gestern unter der Anklage der fahr- lässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung vor der zehnten Ferienstrafkammer des Landgerichts I stand. Als der An- geklagte am 23. Juni d. I., von der Charlottenstratze konmrend, langsam in die Friedrichstratze einbog, hatte er das Unglück, zwei Arbeitsburschen zu überfahren, von denen der eine sich an seinem Rade zu schaffen machte, während der andre zusah. Einer der Ucberfahrcnen ist infolge der erlittenen Verletzungen verstorben, der ziveite ist wieder genesen. Der Angeflagte erklärte, daß es ihm ein Rätsel sei, wie das Unglück habe passieren können. Er sei ganz langsam und vorsichtig gefahren. Mit einem Male habe das Auto dem Steuer nicht mehr gehorcht, sondern habe seinen Weg direkt auf die beiden Burschen zu genommen. Er könne nur annehmen, daß ein Stein oder irgend ein andrer Gegenstand auf dem Pflaster gelegen habe und dem Wagen eine andre Richtung gegeben habe. Ter gerichtliche Sachverständige Altmann erklärte, die fragliche Automobildroschke sei eine der ältesten, welche in Berlin im Betriebe sind, ihre Konstruktion stehe aus dem niedrigsten Niveau. Es sei dieselbe Automobildroschke, durch welche derzeit Frau Professor Schulze-Asten tödlich verunglückte. Er müsse die Konstruktion der Maschine als mangelhaft bezeichnen und halte es sehr wohl für möglich, daß durch einen Stein oder einen sonstigen von dem Willen des Angeklagten unabhängigen Umstand die verhängnisvolle Wendung des Automobils herbeigeführt sei. Auf Grund dieses Gutachtens beantragte der Staatsanwalt die Vertagung. Er war der Meinung, daß sich die Beschuldigung im Sinne der Anklage nicht aufrecht halten lasse, daß aber eine Fahrlässigkeit sowohl für den Eigen- tümer der Droschke als auch für den Fahrer sich insofern annehmen lasse, weil ersterer eine Droschke von so mangelhafter Konstruktion, durch welche jeden Augenblick ein Unglücksfall herbeigeführt werden könne, überhaupt noch im Betriebe halte, letzterer aber eine solche Droschke fahre. Der Gerichtshof schloß sich den Ausführungen des Verteidigers. Rechtsanwalts Mühsam, an und erkannte auf kostenlose Frei- sprechung des Angeklagten. An den Prozeß gegen das Professor Meyersche Ehepaar er- innerte die Verhandlung, die die vierte Ferienstrafkammer des Land- gerichts I zwei Tage hindurch beschäftigt hat. Auf der Anklagebank befanden sich, des Kreditschwindels in vielen Fällen beschuldigt, der 63jährige frühere Bankbeamte Ludwig Joel, dessen gleichaltrige Ehefrau Elise Joel und deren Sohn, der ftühere Lieutenant Otto Joel. Gleich den Meyerschen Eheleuten sollen die An- geklagten es verstanden haben, auf Kosten ihrer Mitmenschen Jahre hindurch ein flottes, genußreiches Leben zu führen. Der erste An- geklagte ist 33 Jahre lang bei der Berliner Diskonto-Gescllschaft angestellt gewesen. Er bekleidete dort zuletzt die Stellung eines Abtcilungschcfs und Prokuristen und bezog ein Jahresgehalt von 8000 M. Die Ehe war mit fünf Kindern, zwei Knaben und drei Mädchen, gesegnet, die sämtlich jetzt erwachsen sind. Der älteste Sohn widmete sich der militärischen Laufbahn, der zweite studiert Jura, von den drei Töchtern ist eine an einen Pastor verheiratet. Ende der neunziger Jahre geriet der Angeklagte mit seiner Direktion in Differenzen, er wurde plötzlich entlassen, erhielt aber eine Pension von 3000 M. Es hat sich später herausgestellt, daß Joel damals bereits sich in Spekulationen eingelassen hatte, die fehl- geschlagen waren. Damals schon drückten ihn Schulden. Sein Sohn, der als Lieutenant bei einem Jnfanterie-Regiment stand, erhielt jährlich 1000 M. Zuschuß, als die Tochter heiratete, erhielt sie außer der Aussteuer 3000 M. Mitgift, das Studium des zweiten Sohnes erforderte ebenfalls erhebliche Kosten, dazu kam der tägliche Aufwand, der sich nicht immer in den bescheidensten Grenzen be- wegte. Als nun plötzlich die Jahreseinnahme um 3000 M. herab- gesetzt wurde, war es dem Familienoberhaupte nicht möglich, den ihm obliegenden Verpflichtungen nachzukommen. Dazu kamen noch Unglücksfälle andrer Art. Ter Lieutenant Joel stürzte mit dem Pferde, er hatte ein längeres Krankenlager zu bestehen, wurde be- urlaubt und erhielt schließlich seinen Abschied, da auch er damals schon erhebliche Schulden gemacht hatte. Es ging nun schnell bergab mit der unglücklichen Familie, die von einer Wohnung zur andern zog, bald in Charlottenburg , bald in Halensee wohnte. Der Vater versuchte auf jede Weise Geld zu verschaffen, und als der Sohn nach Hause kam, verfolgten sie dies Ziel gemeinschaftlich. Es wurden Gesuche durch die Zeitungen veröffentlicht, wonachein höherer Staatsbeamter" ein Darlehen gegen hohe Zinsen suchte. Kamen die Geldgierigen zu dem Geldbedürftigen, so wurde ihnen die prunk- volle Einrichtung der großen Wohnung gezeigt und versichert, daß alles unumschränktes Eigentum des Mieters sei. An diesen falschen Vorspiegelungen beteiligte sich auch die Ehefrau Joel, obgleich sie wußte, daß die eignen Sachen längst bis aufs letzte Stück abgeholt waren und sie sich mit Leihmöbeln behelfen mußten. Ein einziger Gerichtsvollzieher hatte bei dem Angeklagten allein über 100 Pfändungen vorgenommen. Der eingeschlagene Weg konnte nur dazu dienen, die Schuldenlast bis ins Ungeheuerliche zu er- höhen. Der Sohn verfuhr in gleicher Weise wie der Vater. Er gab sich in seinen Darlehensgesuchen immer noch als Offizier aus, obgleich er es längst nicht mehr war, liebte es auch, durch Erscheinen in Uniform seiner Behauptung den Stempel der Wahrheit auf- zudrücken. Schließlich versagten alle Hilfsquellen und die Katastrophe brach über die Familie herein. Der Vater wurde in Haft ge- nommen. Zum gestrigen Termin waren gegen 80 Geschädigte als Zeugen geladen, welche die Angeklagten schwer belasteten. Der Angeklagte Joel sen. versuchte die ganze Schuld auf sich zu nehmen, seine Mit- angeklagten wüßten nichts von seinen Geldgeschäften. Der Staats- anwalt hielt alle drei Angeklagte für schuldig und beantragte gegen Joel sen. 1 Jahr, gegen die Ehefrau 1 Monat, gegen Joel jun. 8 Monate Gefängnis. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Davidsohn, hob eine Menge Milderungsgründe hervor und bat um ein möglichst niedriges Straf- maß. In betreff der Ehefrau Joel plaidierte er auf Freisprechung. Nach mehrstündiger Beratung verkündete Landgerichtsdirektor Geheimer Justizrat Francke das Urteil. Es lautete gegen Ludwig Joel auf 1 Jahr Gefängnis, gegen die Ehefrau Joel ans 150 M. Geldstrafe, im NichtbeitreibungSfallc auf 1 Monat Gefängnis, gegen Otto Joel auf 4 Monate Gefängnis. Vermischtes. Gewitter und FeuerSbrünste. Aus Breslau wird gemeldet: Von einer furchtbaren Feuers- brunst wurde die Ortschaft B a b i n i tz im Kreise Lublinitz heim- gesucht. Zwölf Wohnhäuser und elf Scheunen nebst Nebengebäuden sinb niedergebrannt. Da die Bewohner aus dem Felde beschäftigt waren, konnte fast nichts gerettet werden. Alles Inventar, ein Teil der Ernte und viel Vieh ist verbrannt. Das Elend ist groß. Bei Pretzier im Kreise Westhavelland traf der Blitz einen beladenen Erntewagen; eine darauf sitzende Arbeiterfrau ist, da das Korn in Brand geriet und sie. vom Blitz b e t ä u b t, sich nicht in Sicherheit bringen konnte, vollkommen verbrannt. In der Kolonie Kupferhammer bei Eberswalde ist die Arbeiterfrau Friedrich, während sie am Kochherd stand, vom Blitz getroffen und auf der Stelle getötet worden; ihr Körper wurde halb verbrannt. Aus London schreibt man: London wurde gestern nachmittag von ungewöhnlich starken Gewittern heimgesucht, die von wolkenbruchartigem Regen begleitet waren. Verschiedene Per- sonen wurden vom Blitz getroffen und teilweise sofort getötet, teil- weise schwer verletzt. In'verschiedenen Teilen der Stadt waren die Straßen dermaßen überschwemmt, daß der Verkehr nicht aufrecht erhalten werden konnte. Die Untergrundbahn, die bei solchen Gelegenheiten immer besonders zu leiden hat, war wieder an ver- schiedencn Stellen dermaßen unter Wasser gesetzt, daß einige Züge in die größte Gefahr gerieten. Zwei Züge wurden von den Fluten in den Tunneln unerwartet erfaßt und zwar so, daß sie sich weder vorwärts noch rückwärts bewegen konnten. Die Verwirrung unter den Passagieren sowohl, als unter den Beamten der Bahn war groß, und die ersteren konnten nur mit Mühe die Stationen zu Fuß erreichen. Die Wcstminster Hall war ebenso wie viele Häuser in den verschiedensten Distrikten vollkommen unter Wasser gesetzt. Aus allen Teilen der Provinz kommen übrigens Berichte über gleich- artiges Unwetter, und überall scheinen die Früchte auf dem Felde außerordentlich gelitten zu haben. In Nordwales wurden ein Herr und eine Dame, die gerade über den Kamm eines Berges gingen, von dem Blitz getroffen und sofort getötet. Auch verschiedene Land- leute, die auf dem Felde arbeiteten, wurden von Blitzen erschlagen. Kurz vor dem Unwetter war die Hitze so unerträglich, daß viele Personen an Hitzschlägen starben. Ein scheußliches Verbrechen haben am Sonnabend in Win- z e r l a bei Jena mehrere junge Leute an einer verheirateten Frau verübt. Sie machten dieselbe betrunken, führten sie dann ins Freie, entkleideten sie bis aufs Hemd und vergewaltigten sie. In diesem Zustand wurde die Unglückliche am Sonntagmittag von ihrem Ehemann, einem Gutsknecht, aufgefunden. Die Kleider hingen auf Bäumen. Ten Verbrechern ist man auf der Spur. In der Verbrechergalerie! Die Weltausstellung in St. Louis hat auch eine Verbrechergalerie. Die Gesichter der Räuber, Mörder, Stehler, Hehler und Schwindler aller Arten, oder vielmehr nur der unteren Arten, kann man dort studieren. DieChicagoer Arbeiter- Zeitung " berichtet, daß in dieser Verbrechergalerie auch die Porträts von August Spieß, Albert Parson, George Engel, Adolf Fischer und Louis Lingg zu erblicken wären. Das sollte man kaum für möglich halten. Die genannten Fünf standen an der Spitze der Arbeiter- belvegung von Chicago ini Jahre 1836. Sie mußten am Galgen sterben als Rachcopfcr für den Bombenwurf auf dem Heumarkt am 4. Mai 1386, durch welchen mehrere Polizisten ihr Leben verloren. Taufende von Arbeitern feierten in Amerika jährlich den 11. November 1837, den Todestag jener Männer, als einen Tag, dem Andenken ! von Märtyrern gewidmet. Der demokratische Gouverneur Altgeld von Illinois hat in einer Rechtsertigungsschrift, herausgegeben am 26. Juni 1893, jeneVerbrecher" als Opfer eines infamen Justiz- mordes der ganzen Welt gezeigt. Durch diese Schrift begnadigte er zugleich drei Mitangeklagte, die seit jenem Prozeß im Gefängnis . schmachteten, weil sich noch kein Gouverneur gefunden hatte, der so ehrlich und furchtlos war wie Altgeld. Auch unsere Neichstagsfraktion . trat 1887 für jeneVerbrecher" ein, weil sie von der Unschuld der- , selben überzeugt war und telegraphierte dementsprechend an den da- maligen Gouverneur von Illinois . Die kapitalistische Presse m den ! Vereinigten Staaten hat nie aufgehört, von diesen Racheopfern der ! Bourgeoisie als von gemeinen Verbrechern zu reden, und diesem Ver- halten der Presse entspricht allerdings die Einreihung in einer Perbrechergalerie. Vorurteil und Unwissenheit haben diese Blüte , getrieben, sonst müßte man eine absichtliche Verunglimpfung des . Andenkens jener Männer annehmen. Ohligs . In der verflossenen Nacht erschoß aus Eifersucht ein i Schuhmachermeister ein Dienstmädchen und hierauf sich selbst. Ein Opfer der Arbeit. Ein Arbeiter des Kruppschen Etabliffe- i ments wurde durch aus dem Hochofen s chicßenden glühenden ! Schlackensand an beiden Beinen lebensgofährlich verletzt. Hagen i. W. Ein hiesiger Sattler war mit einem andern Ar» i beiter auf Wilddieberei ausgegangen. Infolge eines unglücklichen I Zufalles wurde der Sattler durch einen Schuß aus dem Gewehr i seines Complicen getötet. Der Arbeiter stellte sich der Polizei. I Salzburg. Zwei Bedienstete der Aluminiumfabrik Leud, Josef i Schicklgruber und Frau Müller, sind beim Edelweißpflücken vom l Bärnkogel abgestürzt. Die Leichen wurden nach Rauris gebracht. i Edesheim s Pfalz). Durch einen von Kindern verursachten l Brand wurden hier drei Häuser eingeäschert. Zwei Pferde kamen : in den Flammen um. i" Straßburg . In dem Grubenschacht in de la Noue bei Homecourt . ereignete sich ein gräßliches Unglück. Durch die Explosion einer i Mine wurden zwei Bergleute getötet, zwei andere trugen schwere . Verletzungen davon. ; Lemberg . Bei dem schon gemeldeten Brande in Sokolow sind ' 600 Wohnhäuser niedergebrannt. Kaptol(Ungarn ). Durch eine gewaltige Feuersbrunst wurden ' hier 50 Gebäude eingeäschert. Große Futtervorräte sind ver- - brannt. Französischer Witz. Im Bureau des Herrn Direktors.Ich. würde Sie ja gern engagieren, mein Fräulein, aber haben Sie schon' ! jemals Naivenrollen gespielt?"Aber natürlich, Herr Direktor, ich war ja dreimal verlobt!" Konsultation.Ich sage Ihnen.> Kollege, es ist ein ganz schrecklicher Fall. Der Patient ist in seinem Leben schon von zwölf Aerzten aufgegeben worden!"Was für eine Krankheit hat er denn?"Er bezahlt die ärztlichen Rechnungen nicht!" Im Redaktionsbureau.Wie kommt es denn, Herr Doktor, daß wir schon seit längerer Zeit nicht mehr Ihre geistreichen Schwiegermutterscherze in unserer Scherzccke finden?"Ich bin jetzt verheiratet, Herr Redakteur, und ich kann Ihnen sagen, daß mir die Lust zu scherzen vergeht, wenn ich meine Schwiegermutter ansehe." Unter Freundinnen:Ich sage Dir noch einmal, mein Mann ist ein Lump!"«Du übertreibst vielleickit. Beste. Du solltest erst einmal mit meinem Mann zusammenleben!"Oh! sei nur ruhig, den kenne ich auch!" Fräulein de Barriere, eine sehr kleine Schauspielerin an einem sehr großen Theater, hat von der Geographie und von der Mathematik rur sehr unklare Begriffe.Wie weit ist eS eigentlich von Paris nach Trouville ?" fragt sie einen ihrer Freunde.220 Kilomet, rl"Auch in der ersten Klasse?" *- E eingegangene Druckschriften. Oe. med. 31. Smith, Herzstörungcn und Neurasthenie. Neue Gesichts»! punkte und Metboden in'.' Erkenntnis, Beurteilung und Behandlung von! Herzleiden und vol. ihiic» abhängigen Nervenstörungen. Preis 30 Ps. E Perlag von Hans Baakc Nchslg.(L.'Abel), Berlin 8. 14. Dr. Max 3lpt, Kaufmannsgcrichte, Guttentagsche Sammlung deutscher, Reichsgcsctze. Nr. 74. Preis gebunden in ganz Leinwand 1,30 M. Berlin ' 1904. I. Guttcntag, Verlagsbuchhandlung, G. m. b. H.