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Als ich dann am 23. September dieses Jahres in Jena über das Thema politischer Massenstreit" die Schlußrede gehalten hatte, trat turz danach Eisner an mich heran und sagte:

In der Partei entſtehe. Ich bäte ihn, künftig eine ähnliche Schreib- im Feuerscheine der Revolution wirken Lehren ganz anders als haften Göttin der Weisheit. Sinnender Klugheit voll, doch auch weise zu unterlassen. Von da ab änderte sich diese in bezug auf mich. Ich mußte dung bewahrt glaubt. in den Zeiten, wo sich der Staat vor jeder Gefähr entschlossen zu kühner Tat prüft sie die Lanze, die sie in der Linken Nun tritt an die Arbeiterschaft hält. Auf ihrer ausgebreiteten Rechten aber trägt sie schon Nike, allerdings später noch lesen, daß, als ich in der Wahlagitation im die zweite Aufgabe heran: Die Zeit für die Reform die Göttin des Sieges. Mai und Juni 1903 zahlreiche Wahlversammlungen in Rheinland Straßenkämpfe in Prag . und Westfalen abhielt, eine größer als die andere, wieder im Vor- 3u bestimmen. Unzweifelhaft hat die Regierung die Ab­wärts" meiner in überschwenglicher Weise gedacht wurde. Wer die sicht, der Reform keinen Widerstand mehr entgegenzusehen, 3wei Blutopfer. Verfasser jener Notizen waren, weiß ich nicht. aber ebenso deutlich tritt ihre Absicht hervor, die Sache jett Prag , 5. November. ( Eig. Ber.) Einem brutalen und feigen mit einem platonischen Versprechen zu erledigen, den Gesetz- Ueberfall, den die Polizei gestern auf die Arbeiter verübt hat, ist entwurf aber erst einem neugewählten Hause vorzulegen. Heute die Fortsetzung gefolgt. Blut floß in den Straßen Diesen feinen und natürlich von allen Nutznießern des rags. Es wurde auf die Demonstranten nicht nur mit Säbeln Privilegs wärmstens empfohlenen Plan zu durchkreuzen, ist eingehauen, es wurde aus Revolvern auf sie geschossen. Durch die nun der Punkt, wo die eigentliche Leistung des Proletariats Schläge der Polizeifäbel und die Schüsse der Polizeirevolver find einsehen muß. Daß man in Desterreich platonische Zu- nicht nur ein halbes Hundert Menschen verletzt, es sind auch zwei stimmungen leicht erhält ist bekannt; aber sie zum Werke zu Menschen getötet worden! gestalten ist erst und war immer die schwere Sache. Mit Der Vormittag fing ganz friedlich an. Nach 10 Uhr kamen Argumenten der Vernunft wird sie nicht bewilligt werden: die Genossen aus den einzelnen Bezirken mit roten Fahnen auf den der Massenstreik rückt also, trotz der beschwichtigenden Zusagen größten Play Prags , den Wenzelsplatz angerückt. Sie begrüßten der Regierung, in immer deutlichere Nähe. Ausgefochten wird einander mit Hoch!- Rufen und ſangen Arbeiterlieder. Auf der der Kampf unter allen Umständen werden. Rampe vor dem Nationalmuseum stehen drei hohe Mastbäume, von denen bald rote Fahnen herniederflatterten. Die Statue der Bohemia, die vor der Rampe steht, ward mit roten Fahnen und mit

int ,, Vorwärts" tun."

wurde.

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" Genosse Bebel, Sie haben eine ausgezeichnete Rede gehalten, hätten Sie mir nicht verboten, Sie zu loben, morgen würde ich es Das genügt, um zu zeigen, wo der Personenkultus getrieben Es kam die Versammlung am 17. Juni dieses Jahres, auf die schon verschiedene Male Bezug genommen wurde. Heute muß ich es sagen, daß ich es war, der jene Programmrede für den Vorwärts" hielt, auf die ich in meiner Jenaer Rede ohne Namensnennung an spielte. Eugen Ernst beantragte, diese Rede als Programm zu be­trachten und sich mit derselben einverstanden zu erklären. Es war aber nicht die Redaktion, die gegen eine solche Hervorhebung meiner Person Einspruch erhob, sondern ich selbst war es, der bat, eg abzulehnen, daß seine Person quasi als sahnenhalter in den Vordergrund geschoben werde"( Jenaer Protokoll Seite 189), man möge eine Resolution Und nun war es Gradnauer, der als Redakteur des Vor­wärts" erflärte, er und seine Kollegen seien damit ein­verstanden, daß entsprechend dem Antrage Ernst abgestimmt werde.

annehmen.

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Ich trage auch feine Schuld, daß in dem Leitartikel des Vor­wärts" vom 1. Juli dieses Jahres also 14 Tage nach der Ver­fammlung vom 17. Juni betitelt Eine Sundgebung des Welt­friedens", von unserm Bebel" gesprochen wurde. Der Verfasser

jenes Artikels war wieder Eisner.

Wahlrechts- Demonstrationen.

Wien , 5. November 1905.

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gewaltig und ebenso deutlich in seiner stilleren Sprache der feierliche hielten die Genossen Czermak, Dr. Soukup, Svecený, Havlena, Auf die blutige Donnerstagnacht ist nicht minder ergreifend und einer phrygischen Müze geschmückt. Von verschiedenen Punkten aus Frieden dieses Sonntags gefolgt. Ein unvergleichlicher, unvergeß- Jaresch u. a. Ansprachen. Ein nationaler Arbeiter erklärte im licher Sonntagvormittag war es, der getaucht in Wärme und Namen seiner Partei, daß diese sich der Kundgebung der Sozial­Glanz und Sonnenfreudigkeit, wie sie der Spätherbst selten gibt demokratie anschließe und solidarisch mit ihr den Kampf für das dem Wolfe von Wien gehörte. gleiche Wahlrecht führen wolle. In der Menge befanden sich weit Dies Volk will seine Lebensluft erkämpfen so hat über 1000 Studenten, die meisten mit roten Nelken im Knopfloch. Dr. Adler das gleiche Wahlrecht genannt und da duldet Die Zahl der Teilnehmer an der Demonstration wird auf 40 000 es, wenn die Führer rufen, keinen Aufrechten länger in den dumpfen bis 50 000 geschätzt. Stuben der Massenquartiere. Um 9 Uhr morgens brechen die Scharen aus den entfernten Arbeitervierteln auf. Aus Favoriten, aus Der Abmarsch vollzog sich in größter Ordnung. Polizei war Ottakring , aus Brigittenau, aus Floridsdorf marschieren die Züge nirgends zu sehen. Erst am Graben, als sich schon die Menge in hinab in die innere Stadt. Und die Bataillone wachsen mit jedem mehrere fleine Trupps aufgelöst hatte, kam es zu einem Zusammen­Sollte ich allmählich ein übermäßig entwickeltes Selbstbewußt- Schritt, den sie tun. Aus jeder Haustür strömt es heraus und reiht stoß. Auf welche Weise, ist noch nicht ganz aufgeklärt. Als die fein und eine zu hohe Meinung von meiner Person erlangt haben, sich ein. Bald beherrschen die immer dichter werdenden Reihen das Holleschowizer Genossen am Deutschen Hause" vorbeizogen, soll wie die ehemalige Redaktionsmehrheit behauptet, so darf fie rufen: Straßenbild. Die Trottoire reichen nicht mehr aus, die Masse flutet aus dem zweiten Stock ein Schuß gefallen sein. Fast in demselben Mea culpa, mea maxima culpa! Es ist meine Schuld, meine auf den Fahrdamm hinüber. Dem Zuzug zur Ringstraße sind be Augenblid stürzte sich die Polizei auf die Genossen. Es entstand große Schuld! Die nunmehrige Taktik der Sechs gegen mich stimmte Pforten angewiesen, und durch diese Straßen ergießen sich ein heftiges Gedränge und eine Panit. Von allen Seiten drängten ist mir völlig flar. Nachdem sie mich durch Schmeicheleien zwischen 10 und 211 Uhr die Menschenströme auf den Teil der die Demonstranten auf den Graben. Es kam zu einer Schlägerei, nicht für sich erobern konnten, sondern in mir für ihr Ringstraße, der für die Zusammenkunft bestimmt ist. tattisches Verhalten im Vorwärts", wie für ihr Bestreben die Ruhige Besonnenheit und bewundernswürdige Disziplin be- bei der die Polizei auch Revolverschüsse abfeuerte. Berliner Parteigenossen bei jeder ihnen passend erscheinenden herrscht diesen Aufmarsch. Da ist kein Drängen und Stoßen, nicht Der Hauptzusammenstoß ereignete sich zwischen 12 und 1 Uhr, Gelegenheit zu dem Parteivorstand im Gegensatz zu bringen, einen die Roheit des Pöbels in Seidenhüten, der seine Schaulust be- aber auch später gab es fortwährend Kämpfe auf dem Wenzelsplatz, entschiedenen und rücksichtslosen Gegner fanden, wandelte sich ihre friedigen will. Mit kaum erhobener Stimme geben die Vertrauens- wobei die Polizisten mehrere Male mit Revolvern schossen. Zahllos Liebe in Haß". Nun mußten andere Saiten gegen mich aufgezogen leute ihre Anweisungen. Liebenswürdige Heiterkeit, die den besten sind die Verwundungen. Wenn man die unbedeutenden Kontufionen werden und hierfür schien ihnen der Krach im" Vorwärts" die ge- Teil des Wiener Temperaments ausmacht, liegt in der Luft. Die nicht mitrechnet, werden bisher mehr als fünfzig Verwundete wünschte Gelegenheit zu bieten. Polizei wird gar nicht beachtet. D, sie ist heute von einer Höflichkeit darunter 20 Schwerverletzte- gezählt. Außerdem wurden, wie ich Ich begreife das. War doch durch eigene Schuld und Ungeschick- und Zuvorkommenheit, diese Wiener Polizei, daß man ihr gar nicht schon sagte, zwei Menschen getötet. Einem 16 jährigen Fleischhauer­lichkeit ihrem Einfluß und denjenigen, die mit ihren Tendenzen ein- die Säbeltaten der Blutnacht zutrauen möchte. Bitte höflichst, hier schon sagte, zwei Menschen getötet. Einem 16 jährigen Fleischhauer­verstanden sind, das einflußreichste Parteiorgan genommen, wodurch herum, meine Herrschaften", das ist die durch die letzte Dienst- lehrling wurde durch einen Säbelhieb der Kopf gespalten, ein junger fie hofften, allmählich sich die Herrschaft in der Partei zu erringen. anweisung vorgeschriebene Sprache der Wiener Schutzmannschaft Mann, der entweder Student oder Handlungsgehülfe gewesen sein Schon lange bestand in diesem Lager gegen mich ein natürlicher Wider- für diesen Tag. Freilich, soweit ist sie noch nicht wie ihre Peters- soll, wurde durch einen Revolverschuß getötet. An zehn Personen wille. Man witterte meinen Einfluß und mein Eingreifen auch dort, wo burger Kollegenschaft. Sie falutiert noch nicht vor den roten wurden dem Gerichte gefesselt eingeliefert. Unter den Verhafteten ich selbst nicht wußte, was geschehen war. Selbst in der jeden Bannern, die vielen anrückenden Arbeiterzügen vorangetragen ist auch der Redakteur des Pravo Lidu", Genosse Srba. Sommer mehrere Monate währenden Abwesenheit bei meinen An- werden, aber sie macht auch keinen Versuch, die Entfaltung der inter - Später rückte Kavallerie und Infanterie aus, die die gehörigen in der Schweiz entdeckte man eine Teufelei. Ich benutzte nationalen Fahnen mit ihren Aufschriften in Deutsch und Tschechisch: Straßen säubern sollten. Auf dem Wenzelsplatz provozierte die den dortigen Aufenthalt ja nur, um neue Vernichtungspläne gegen Heraus mit dem gleichen Wahlrecht! zu verhindern. gewisse Leute auszubrüten, und stürzte plöglich und unversehens wie Mit eifriger Sorge hütet die Polizei nur die Hofburg und die Grenzen Gendarmerie in unglaublicher Weise. Wer stehen blieb, wurde mit Bieten aus dem Busch über meine unglücklichen Gegner her, um sie des von der Parteileitung abgesteckten Riesenversammlungsfeldes in Gewehrkolben bearbeitet oder verhaftet. Die Folge dieser Provo­auf dem Mltar meiner Herrschsucht zu opfern. Wer über die Stimmung der Ringstraße. Hier sind dreifache Gürtel von Schuyleuten quer über die fationen waren stets neue Ansammlungen. Bei mehreren der Ver­und Meinung meiner Gegner weitere Studien machen will, empfehle Straße gezogen. Dahinter stehen die Pferde der berittenen Schutz- hafteten sollen Waffen gefunden worden sein. Unter den Ver­ich den fleißigen Besuch des Cafés im Westen in Charlottenburg . Dort mannschaft und scharren mit den Hufen in dem flirrenden Kiese der wundeten sind zahlreiche Kinder sowie bürgerliche Frauen. versammelt sich der dem Parteivorstand und mir besonders feindlich ge- Reitallee. Aber sie werden nichts zu tun bekommen, sie und die Mehrere Dragoner und berittene Polizisten stürzten bei der Attacke sinnte Klingel, um in der Nachbarschaft der gespitzten Ohren von Reiter, die die Hand am Zügel neben den Pferden stehen. von den Pferden herab. Hier herrscht große Erregung. Die Nach Gegnern und bürgerlichen Journalisten sein Herz auszuschütten. Die Hofburg steckt voller Polizisten, der Weg durch sie ist gesperrt. mittags- Vorstellung im tschechischen National- Theater wurde ab­Ich weiß auch nicht erst seit gestern, daß ich gewiffen Berfonen und für alle Fälle" hält man in der Alsergrundkaserne ein Regiment gebrochen, als die Nachricht von den blutigen Ereignissen kam. Die in jenem Lager, das in der Partei das revisionistische heißt, ein Bosniaken bereit. Dorn im Auge bin, und mehr als einer der in jenem Lager weilt, Abendvorstellung wurde zum Zeichen der Trauer abgesagt! hegt den frommen Wunsch, es möge mir und noch diesem und jenem recht bald das Schicksal Liebknechts beschieden sein. Sind erst die paar Alten gestorben, dann werfen wir die Raffelbande zur Partei hinaus."

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Rundgebungen in der Provinz.

Ueberall

Inzwischen ist es halb elf geworden, und der Aufmarsch ist beendet. Jeder andere Verkehr hat aufgehört, kein Straßenbahn­Die Studenten hielten eine Versammlung ab, in der sie be­wagen durchschneidet mehr die wogenden Massen, für die das schlossen, vom Minister des Innern die Amtsenthebung des Polizei­Parlamentsgebäude den natürlichen Mittelpunkt bildet. Von seinem direktors Kritawa, zu fordern. Sollte dem Verlangen nicht ent­hochliegenden Tore aus, zu dem die in Marmor gefaßte Zufahrts- sprochen werden, so wollen sie den Studentenstreik profla­Man kann sich eben bei dem einen und dem andern in jenen straße in sanfter Windung von beiden Seiten emporführt, läßt mieren. Kreisen die Partei nicht anders vorstellen, als ein Schafherde sich das kolossale Heerlager der Wiener Sozialdemokratie am eine Anschauung, die auch der Auffassung der Sechs von meinem besten übersehen. In einer Tiefe vom mehr als 60 Metern persönlichen Einfluß zugrunde liegt. Das ist die gleiche Ansicht, die breitet es sich rechts und links vom Museum bis zur Votivkirche Wien , 5. November. Gewaltige Demonstrationen fanden heute bürgerliche Ideologen haben. Diese können sich auch die Partei fast einen Kilometer lang aus. Man blickt herab auf dieses nicht anders als eine Schafherde vorstellen, die gedankenlos Menschenmeer und wagt nicht zu schägen, wie viele es sein mögen. außer in Wien und Prag in Brünn , Graz , Lemberg sowie gewissen Leithämmeln folgt. Verschwinden diese, so brauchen sind es achtzigtausend, sind es hunderttausend oder sind es noch in allen Industrieſtädten Niederösterreichs statt. In Brünn zählte sich die neuen Leithämmel nur an die Spitze zu drängen und die viel mehr? Es ist ein unermeßlicher Wald schwarzer Hüte, hier und die Massendemonstration wenigstens 20 000 Menschen. Partei folgt willig und fritillos ihnen. Dann folgen Organe, wie da unterbrochen durch einen bunten Frauenhut; von den äußersten ward die leidenschaftliche Erbitterung sichtbar. Troß vieler Zwischen­der Parteivorstand und die Preßkommission wie Schafe dem Willen Nändern dieses Waldes schimmern wie fleine filberne Flecken die im fälle blieb aber, außer in Prag , die äußere Ruhe ungestört. eines einzelnen, obgleich der Vorstand das von den Vertretern der Sonnenlicht glitzernden Helme der Schutzleute herüber. Ueber Partei auf den Parteitagen gewählte Organ und die Preß diesem Walde aber leuchtet an hundert Stellen das glühende Rot der Daß unsere Berichterstatter nicht etwa unvorsichtig mit den tommission das der Berliner Parteigenossen ist, wie leicht muß es Fahnen, die von kräftigen Arbeiterfäuften gehalten werden. Und dann sein, mit der großen Masse der Parteigenossen umzuspringen schon wird, wie es der Kunstfinn Wiens gebietet, für den würdigen Bahlenangaben operierten, geht daraus hervor, daß die Korrespon­Schmuck des Platzes gesorgt. Der schon winterlich mit Brettern ein- denten bürgerlicher Blätter,( ,, Berliner Tageblatt"," Der Mon­gedeckte Monumentalbrunnen vor dem Parlamentsgebäude, der die tag" und andere mehr) die Zahl der Teilnehmer an der Riefenstatue der Pallas Athene trägt, enthält als Umrandung ein Wiener Demonstration auf 100 000, an der Prager auf 50 000 breites Band mit der Inschrift: Hoch das gleiche Wahlrecht! Die schätzen. Daß wir der Wiener Polizei fein Unrecht taten, als mächtigen Kandelaber mit ihren weißen Milchglocken vor den Rampen wir ihr brutales Verhalten in der Sonnabend- Nummer gebührend find im Nu mit roten Fahnen besteckt. Deren G.- Berichterstatter

und sie zu führen.

Die Eisner und Genossen haben sich nun ganz enthüllt. Sie ahnten nicht, daß, indem sie Parteivorstand und Breßkommission als Marionetten in meiner Hand darzustellen suchen, sie neben der nichts würdigen Berleumdung dieser Drgane auch die schwerste Beleidigung gegen die Vertreter der Partei auf dem Parteitage und in letter Instanz gegen die Berliner und die gesamte Partei aussprachen, die solche Hampelmänner zu ihren Vertrauenspersonen wählt. Mich, den man verbrennen will, macht man zu einer Art Halb­gott auf Kosten derjenigen, für deren Interessen einzutreten die Sechs vorschützen. Ich zweifele nicht, daß die Partei zu gegebener Zeit den Sechs die passende Antwort gibt. Schöneberg - Berlin , den 6. November 1905.

A. Bebel.

Wahlrechts- Sonntag in Desterreich.

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Aus der Partei.

Was die Genossen im Lande sagen!

Das Vorgehen verschiedener Parteiblätter gegen den Partei­vorstand, das natürlich den jubelnden Beifall der bürgerlichen Presse findet, fordert immer mehr Proteste aus Genossenkreisen heraus. So haben jetzt, wie die Genossen in Magdeburg , auch die Kölner Genossen Stellung gegen ihr Parteiblatt genommen. Die Rh. Ztg." veröffentlicht folgende Erklärung:

Nun klettern Kühne Bürschchen die hohen Poſtamente hinauf, brandmarkten, wird durch einen Artikel der Frankfurter Zeitung " in auf denen die Riesenbronzen der Roffebändiger stehen. Es sind der letzten Sonntags- Nummer bewiesen. dieselben Gruppen, die sich in Berlin vor dem alten Schlosse erheben geißelt das Verhalten der Wiener Polizei mit blutiger Fronie. Er und die der achtundvierziger Volkswiz den gehemmten Fortschritt" erklärt, daß die Herren Konstabler ohne jegliche weitere Provo­und den geförderten Rückschritt" getauft hat. Hier aber erhalten tation" vom Leder zogen und in einer Art von Blutrausch die Ge­beide Roffebändiger das Simmbild unaufhaltsamen Vordringens, die legenheit ausnügten, einmal unbarmherzig auf Wehrlose einzu­rote Fahne, in die Hand gedrückt. Nun braust der Jubel auf, die dreschen".- Mügen werden geschwenkt und Hochrufe auf die internationale Sozial­demokratie ertönen. Aber noch stürmischer soll der Jubel werden. Da stehen zwei riesige eiserne Flaggenmasten, die an den Tagen der Barlamentsfigung die schwarzgelbe Fahne tragen. Heute sind sie leer und scheinbar überflüssig. Aber schon ist der Eisendraht durch­Aus Wien wird uns vom 5. November geschrieben: schnitten, an dem die Flaggen emporgleiten, eine rote Fahne wird Immer gewaltiger schwillt die Bewegung für die Wahl- an dem Ende des Drahtes angebunden, man zieht, zieht und es reform an, und immer deutlicher wird es, daß Desterreich gelingt: Langfam und stolz gleitet das rote Banner empor und weht nun endlich der Notwendigkeit der Zeit den Zoll zahlen muß. triumphierend von der höchsten Spize: Am zweiten Mast glüdt der Die über alle Maßen mächtige Demonstration, welche die gleiche Verfuch. Hier find es eine deutsche und eine tschechische Fahne, Wiener Arbeiter heute vor dem Parlament veranstaltet haben die brüderlich vereint emporflattern. Das ist wie das Zeichen zu einem einzigen Jubelschrei, der sich links und rechts fortpflanzt und -wohl die größte Boltsversammlung, die jemals in Europa bis an die Mauern des Burg- Theaters und der Hofburg schlägt. getagt hat die Rundgebungen, die heute in allen größeren Das Lied der Arbeit" und die rote Fahne" wird angeſtimmt Städten der Monarchie erschollen: sie zeigen, daß hier eine und braust in ungeheurem Massenchor empor. Dann unwiderstehliche Kraft vordringt, der keine Macht im Staate wieder erflingen Hochrufe auf die russische Revolution, mehr Einhalt gebieten fann. Und zu welchem Punkte sich der die Freiheit und das Wahlrecht. Mit einem Male wird große Endkampf um das gleiche Recht entwickelt hat, zeigen es still. Was ist? Ein Redner spricht, es ist Schuhmeier, dem die unsäglich traurigen Vorgänge in Prag , wo heute zwischen Seitz und Reumann folgen. Die Häupter werden entblößt, während dem Volte und der Polizei eine förmliche Schlacht getobt hat, die Redner sprechen, und die begeisterten Gesichter der Tausende die neben vielen Verwundeten auch zwei Totenopfer fleine Minderheit hören, aber sie alle wissen ja, was er sagen glänzen im Sonnenschein auf. Was der Redner sagt, kann nur eine gekostet hat. Einen zweiten Sonntag dieser Art hält muß, und wenn er geredet, dann bricht es orfanartig aus: Her mit die österreichische Ruhe" nicht aus; Herr v. Gautsch wird sich, dem gleichen Wahlrecht! Nieder mit allen Volksbetrügern! Wer in seinem und des von ihm verwalteten Staates Interesse, wagt es, der Volksgewalt sich zu widersetzen?! beeilen müssen, den Volksmassen über seine Absichten reinen Pünktlich um halb zwölf, wie es vorher bestimmt war, erfolgt Wein einzuschänken. der Abmarsch. Er geschieht in der gleichen Ordnung wie der Zuzug.

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Die Preßkommission der Rheinischen Zeitung", in Gemein­schaft mit den Parteisekretären für Köln und den Oberrhein und dem Vorsitzenden des Sozialdemokratischen Vereins für Köln Stadt und Land nehmen eine entschiedene Stellung gegen die Schreibweise der Redaktion der Rheinischen Zeitung" in Sachen des Vorwärts"-Konflikts. Die Genossen sind einstimmig der Meinung, daß die Redaktion ein vorschnelles Urteil zugunsten der sechs Redakteure gefällt hat, ohne die Denkschrift des Partei­borstandes abzuwvarten. Die Genossen legen Wert darauf, öffent lich zu erklären, daß diese Schreibweise als persönliche Meinung der Redaktion aufzufassen sei; eine solche hätte aber aus Zwed mäßigkeitsgründen erst gegeben werden dürfen, wenn beide Teile ganz gesprochen hätten."

Eine Stimme aus Arbeiterkreisen.

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Die eine Seite der Aufgabe, die das Proletarior in diesem Kein Zusammenstoß erfolgt, das Volk verschmäht es, seinen Kosaten Nachdem in der Angelegenheit der ausgeschiedenen Vorwärts". geschichtlichen Stampfe zu leisten hat: den Herrschenden die auch nur ein erbittertes Wort zuzurufen. Durch die letzten Reihen Redakteure unſere Preſſe ausführlich zu Worte gekommen ist, geben der Abziehenden aber marschiertes ist zwölf Uhr geworden- Ueberzeugung von der Unerläßlichkeit der Wahlreform einzu­paufen, die wäre also vollendet. Man kann nicht bestreiten, schwarze Federbüsche auf den Helmen, in weißen Mänteln mit roten wir auch einem Arbeiter zu den Vorgängen das Wort. Einem ist, entnehmen wir folgendes: daß sie rasch gelöst wurde; während bis vor zwei Monaten Aufschlägen, goldene Partijanen in der Hand, die kaiserliche Burg- Artikel, der der Bremer Bürgerztg." aus Arbeiterkreisen zugegangen wache, ein mittelalterliches Gespenst in der hellen Mittagstunde.- jedermann im Staate die Forderung der Arbeiter bagatellisieren Umgeben von den zurückgebliebenen, lustig flatternden roten Unter dem Todernden Feuerschein der russischen Revolution stehen zu können glaubte, bestreitet ihre Notwendigkeit nunmehr niemand; Fähnchen erhebt sich die weiße Riesengestalt der Athene, der wabr- wir, jeder Nerv in uns gespannt in Erwartung, ob das russische