Drachsntoter auf dem Kmnpfplatze und verzapfte gegen die Sozial- demokratie die ungeheuerlichsten Gemeinheiten, und als Kollege Leber-Jena diese Gemeinheiten zurückivies, lief„Ehren�-Ermert nach dem Kadi, und Leber wurde wegen Beleidigung deS Reichs- derbändlers mit SV M. bestraft.... Aehnlich der EntWickelung des Herrn Max Lorenz ist auch der Werdegang der neuen Größe zur Bekämpfung der Arbeiter- bewegung. Am 1. Oktober 1902 traten ans dem unter R. Breide- bachs Leitung stehenden„christlichen Verein der Berg-, Hütten- und Metallarbeiter" etwa 6V0V Mann zum„christlichen" Zechengewerkverein unterAugust dem Starken iAugust Brust) über. Diesem Verein gehörte Ennert an und war zweifellos einer seiner befähigsten Mitglieder, weshalb man ihn auch ans Kosten des Zecheugewerkvereins nach M.-Gladbach in die jesuitische Drillanstalt schickte.... lim die- selbe Zeit ging man auch zur Gründung eines Konsumvereins für die siegerländischen Berg- und Hüttenarbeiter über und wurde Ermert mit der Leitung dieses Vereins betraut. August der Starke erlebte wenig Freude an seinen Siegerländer Untertanen, denn schon auf der Generalversammlung des Zechengewerk- Vereins 1903 in Dortmund kam es zu Reibereien zwischen den Siegerländern und Brust.... Die Rebellion wurde geleilet von Ermert, Will. Schneider und Laus, jedoch war Ermert der geistige Leiter derselben.... Ermert war es, der unaufgefordert an uns (den Bergarbeitcrvcrband) das ganze Material geschickt hat, womit wir Bru st zusetzten. Von Ermert erhielten wir die Geheimzirkulare, von ihm erhielten wir interne Vorgänge aus Vorstandssitzungen des Gewerkvereins— zwar von Will geschrieben. Der Fuchs suchte bei diesem Verrat seine Spuren zu verwischen,...— Durch die Streitigkeiten mit Brust hatte auch der unter Leitung Ermert stehende Konsumverein sehr zu leiden und geriet in Zahlungs- schwierigkeiten. Deshalb wandte sich der„VerbandSfreund" und „Pseudosozialist", der heutige Reichsverbändler Ermert. in einem Schreiben am 3. April 1904 an den„sozialdemokratischen" V e r- band um ein Darlehen von 20 000 Mark. Würde das Darlehen gewährt, schrieb er, würde das zur Förderung dieses und auch ihres Verbandes bedeutend beitragen, oder mit anderen Worten, es sollte zur Verschmelzung der Siegerländer mit dem Verbände führen. DaS Darlehen mußten wir ablehnen, und damit war die Ermertsche„Freundschaft" zu Ende. Im September 1904„legte" Ermert die Leitung deS von ihm geschaffene» Konsumvereins plötzlich„nieder". Mehrfach hatte er seine Befugnisse überschritten und lebte mit seinen Kollegen in ständiger Feindschaft, suchte einige hinauszubeißen, bis er selbst »hinausgebissen" wurde. An die Lieferungsfirma W a l l b r e ch t- Düsseldorf— vielleicht auch noch an andere— hatte er das Ersuchen gestellt, ihm von den bezogenen Waren Provision zu gewähren, dann wollte er der Firma alle Aufträge zukoinnien lassen... Auf Protektion Stöckers wurde er dann als Sekretär des Neichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie mit 3000 Mark Lahres- gehalt angestellt und zog als Wanderredner mit Stöcker- wäre und M.-Gladbacher Zitaten zur Vernichtung der Arbeiter- Partei und-bewegung durchs Land der Gottesfurcht und frommen Sitte. Später verschafften seine Freunde ihm eine noch bessere Stellung beim Fürsten Pleß, wo er jetzt.königstreue Meinung" auf fürstlichen Wunsch macht. Das ist die große Ordnungsstütze des„Reichsverbandes", die jetzt in dessvc Diensten für die„vaterländischen Ideale" und die höhere Gesittung kämpft. Eine feine Akquisition für den Reichs- verband I— Stöckcrblätter über Gäbcl-Bödiker. Die Stöckerblätter„Das Reich" und die„Staatsbürger-Zeiwng" behaupten,„als Herr Bödiker noch im Amte war. ist es den Sozial- demokraten gar nicht eingefallen, ihm Gerechtigkeit, Wohlwollen und Menschenliebe nachzurühmen. Solche Tugenden entdeckt der„Vor- wärts" immer erst am politischen Gegner, wenn er die Anerkennung als Folie braucht, um andere desto stärker herabzusetzen." Es ist zwar nicht notwendig, ausführlich darzulegen, daß das, was die Stöckcrblätter behaupten, unrichtig ist: die Taffache, daß die Stöcker« blätter etwas behaupten, ist in der Regel schon hinreichend Beweis dafür, daß das Gegenteil ihrer Behauptung wahr ist. Indes ist von Zeit zu Zeit ein Beweis für die Verdrehungen der Wahrheit durch die Stöckcrorgane am Platze. ES sei deshalb kurz gebracht. Es genüge da an einige Tatsachen zu erinnern. Der„Vorwärts" ist dem Wirken des Dr. Bödiker stets gerecht geworden. Auch als Bödiker im Winter 1896 amtsmüde wurde, weil der Ernst, mit dem er die Aufgabe seines AmtcS behandelte, mit dem Widerwillen der maßgebenden Kreise gegen soziale Reformwerke unvereinbar ivar, hat der„Vorwärts" wiederholt die Verdienste Dr. Bödikers betont. So schrieb er am 1. Juni:„Mag auch an der Rechtsprechung des Reichs-Versicherungsamts so manches auszusetzen sein, soviel steht fest, daß mit Dr. Bödiker sein„guter Geist" von dort scheidet. Der Mann hat sich unzweifelhaft hervorragend verdient gemacht, nicht nur als Chef eines großen Verwaltungsapparatcs und als Richter, sondern auch um die internationale Verbreitung des Gedankens der Arbciterversicheruug. Daß wir in der Wertung deS Versicherungswesens seinen Optimismus nicht teilen, bedarf wohl keiner besonderen Betonung. Es hindert uns das aber nicht, ihm die verdiente Anerkennung zu zollen." Als das Abschiedsgesuch Bödikers genehmigt war, schrieben wir u. a. am 18. Juni 1897:„Dr. Bödiker hat, soweit es innerhalb der Dürftigkeit unserer Versicherungs« gesetzgebung möglich war. einen wohltuenden sozialpolitischen Einfluß ausgeübt. Er hat das Reichs-Bersicheruugsamt mit Vorurteils- freiem Geiste geleitet und zu einem Institut entwickelt, das wohl allein unter allen sozialpolitischen Einrichtungen des Reiches auch das Vertrauen der Arbeiterschaft sich zu gewinnen versucht und ver- standen hat. Hierin aber liegt auch der letzte Grund für sein Scheiden. Sein Verständnis für die Lage des Arbeiters ließ ihn die Rechtsprechung des Reichs-Versicherungsamtes so beeinflussen und die Ausgestaltung des Versicherungswesens in solcher Weise befürworten, daß ihm von gewissen Unternehmer- und RegieruugSkreisen allerlei Schwierig- leiten in den Weg gelegt wurden, so daß ihm schließlich sein Amt eine Bürde wurde und er sich von dem Werke, aic dessen Aus- gcstaltung er den hervorragendsten Anteil hatte, zu trennen genötigt fühlte.., Nicht als ob Dr. Bödiker ein sozialpolitischer Neuerer und Stürmer gewesen wäre. Aber für unsere Tage, für den Kurs Miguel- Tirpitz sind selbst solch' mäßige Sozialpolitiker nicht zu ertragen!" Aehnliche Anerkennungen des Wirkens des Dr. Bodiker konnten wir ans dem„Vorwärts" noch vielfach zitieren. Es sei auch an die von Arbeitervertretern dem Dr. Bödiker ausgedrückten Wünsche erinnert, im Amt zu verbleiben, und an die Worte, die der Arbeiterverlrcter Schlosser Gutheit an Dr. Bödiker bei seinem Abschied richtete. Er führte u. a. aus.„Wenn wir Arbeiter unserem Präsidenten auch keine Ehrenzeichen und Adressen überreichen können, so kann ich doch versichern, daß der Name des Präsidenten Dr. Bödiker in den Herzen aller deutschen Arbeiterfamilien einen guten Platz hat und behalten wird". Man vergleiche mit diesen Tatsachen das oben wieder gegebene Lügen- ragout der Organe des Herrn Stöcker. Wann endlich wird eins dieser von christlicher Liebe überfließenden Blätter mal der Wahrheit die Ehre geben?_ Genossin Luxemburg ist. wie wir in Ergänzung unserer gestrigen Notiz mitteilen können, nicht ohne weiteres, sondern gegen eine Kaution von 3000 Rubel auf fteien Fuß gesetzt worden, und zwar unter der Bedingung, daß sie Warschau nicht verlassen darf.—- Der„RcichSvrrbmid" in Sachsen . Die Korrespondenz des.Reichsverbandes gegen die Sozial- demokratie" brachte kürzlich einen Artikel:„Der Kampf gegen die Sozialdemokratie im Königreich Sachsen". Diesen Artikel bat der Reichsverband als Sonderabdnick an bekannte Namen in Sachsen verschickt mit einem Zirkular, in dem eS heißt:„Wir hoffen, daß die als Schlußsatz ausklingende Mahnung des betreffenden Artikels auch in Ihnen einen treuen Kämpen findet, der jede Gelegenheit benutzt, dem Reichsverband Männer mit Vater- ländischer Gesinnung zuzuführen. Nur durch eine kraftvolle Gegenorganisatiou sind der Sozialdemokratie zur Reichstagswahl 1903 Mandate abzuringen." Viele Industrielle, Handelshäuser usw. haben ihren Angestellten die beigelegte Zeichnungsliste unterbreitet, ohne allerdings den ge- wünschten Erfolg zu haben, denn vielfach sind die naiven„Brot- Herren" glatt abgeblitzt. Den Adressaten ist audh eine Karte folgenden Inhaltes zur Unterschrift vorgelegt worden: 1. Ich übernehme es, die mir übersandte Zeichnungsliste meinem Bekanntenkreis zugänglich zu machen und dann zurück- zusenden. 2. Ich bin bereit, an den Bestrebungen des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie mitzuwirken und empfehle Ihnen, sich auch an folgende Herren zu wenden: Unterschrift: Wohnort: Der in dem Zirkular erwähnte Schlußsatz des Sonderartikels heißt: „Wir bitten daher unsere Mitglieder im Königreich Sachsen, möglichst umgehend, jedenfalls aber noch im Laufe des Sommers, alle ihre persönlichen Beziehungen dem Reichsverbande zur Ver- fügung stellen zu wollen, damit wir spätestens im Herbst überall dort, wo dies seitens der örtlichen vaterländischen Vereine noch nicht geschehen ist, mit der Schaffung kräftiger Gegenorganisationen gegen die Sozialdemokratie in großzügiger Weise beginnen können." Danach scheint sich der Reichsverband vornehmlich Sachsen als Angriffsgebiet für die nächsten Reichstagsivahlen ausersehen zu haben. Unsere sächsischen Genoffen werden darauf die Antwort finden.—_ Sie lecke» wider den Stachel. Aus Frankfurt a. M. meldet ein Telegramm: Der Ausschuß der Freisinnigen Südwest- d e u t s ch l a n d s hat in einer vorgestern hier abgehaltenen Sitzung die Stellungnahme der Darmstädter vereinigten Liberalen sowohl zur Haupt- wie zur Stichwahl, wo mit freisinniger Hülfe der sozial- demokratische Kandidat über den nationalliberal-agrarischen siegte, einstimmig gebilligt. Ebenso wurde das Verhalten des BerlinerZentralausschusses derFrei sinnigen Volkspartei und der Berliner Parteipresse rück- haltlos verurteilt.— Hannovers Rettung. Der Vorstand der deutschen Mittelstandsvereinigung hat endlich herausgefunden, weshalb es nicht gelungen ist, den Wahl- kreis Hannover der Sozialdemokratie bei der letzten Reichstags- Nachwahl abzunehmen. Es fehlte nämlich der geeignete Mittel- standskandidat, und um diesem Uebel abzuhelfen, hat die Mittel- standsvcreinigung beschlossen, für die nächste Reichstagswahl in Hannover einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Wie der „Hannov. Courier" zu berichten weiß, geht man dabei von der An- ficht aus, daß die Vorgänge bei der letzten Wahl wieder von neuem gezeigt haben, daß es unmöglich ist, einem Kandidaten der beiden hier in Betracht kommenden Parteien zum Siege zu verhelfen, weil es nicht möglich scheint, die Gegensätze so weit zu überbrücken, daß diese beiden Parteien sich gegenseitig ausreichend unterstützen würden, falls der eine oder andere ihrer Kandidaten mit dem So- zialdemokraten in die Stichwahl käme. Tie Aufstellung eines Mittelstandskandidaten, der beiden Parteien keine Angriffsfläche böte, würde somit der einzige Weg sein, um einen Sieg über die Sozialdemokraten herbeizuführen. Wir haben absolut nichts dagegen, wenn die Mittelstandsver- einigung ihren Beschluß ausführt und 1908 neben den verschiedenen anderen Einigungskandidaten auch ihrerseits noch ein Exemplar dieser Gattung aufgestellt.— I Klajseuscheidung. Genosse F. S. wendet sich in der„Magdeb. Volksst." in Replik gegen unsere letzten Ausführungen zur Frage der Klasienscheidung. Auerkennenswerterweise verzichtet er diesmal auf polemische Wippchen. F. L. wünscht zunächst unser Zugeständnis, daß„nicht bloß in der Industrie und der Landwirtschaft, sondern auch im Handel und Verkehr, in» häuslichen Dienst, der Schankwirtschaft, selbst im Zivil- dienst und den freien Berufen der Hauptteil der gesellschaftlich notwendigen Arbeit von proletarischen Elementen geleistet wird". Bis zu einem gewissen Grade können wir das gern zugeben. Auch die proletarischen Elemente dieser Kategorien werden wir allmählich zum Klassenbewlißtsein erziehen und für uns gewinnen können, auch wenn, wie jedem Partei- und Gewerkschafts- Praktiker bekannt ist, gerade die Gewinnung dieser Proletarierschichten außerordentliche Schwierigkeiten bietet. Aber das spricht doch nur für unsere Argumentation! Weiter meint F. S., die Partei müsse„den Klassenkampf nicht bloß schärfer betonen, sondern ihn auch viel energischer als bisher führen". Wir würden auch da F. 8. unbedingt bei- pflichten, wenn wir eine klare Vorstellung davon hätten, waS er unter dem schärferen Führen des Klastcnkampses versteht. Denn wenn er darunter den äußeren wie inneren Ausbau der geWerk« schaftlichen und politischen Organisation und Presse, die prinzipielle Führung dieses Kampfes in den Parlamenten, in der Presse und in Versammlungen verstünde, so hätte er doch alle Ursache, unserer Meinung zu sein. Wir glaubten nun, er verspreche sich von einer sofortigen Anwendung des politischen Massenstreiks größere Erfolge. Machte er dem„Vorwärts" doch zum Vorwurfe. daß er„das Thema des Massenstreiks so überaus vorsichtig und ganz von der Ferne her behandelt" habe. Aber auch da will F. 8. mißverstanden worden sein. Sagt doch F. 8. in seiner Replik: „Die sofortige Proklamierung des Massenstreiks könnte nur ein Tor fordern. Heute handelt es sich nur darum, jenen beharrlichen, ra st losen, sich ständig st e i g e r n d e n K l a s s e n k a m p f um ein b e st i m m t e s Z i e l zu führen, der schließlich, wenn dieses Ziel auf andere Weise nicht zu erreichen ist, zu einer äußersten Krasiaiistrengung des Pro- letariats. zum Massenstreik, führen muß. Wir müssen nicht„den politischen Massenstreik sofort proklamieren", wohl aber müssen wir die Kraft erwerben, die zur Führung einer solchen ge- waltigen Altton notwendig ist." Auch dagegen haben wir nicht? einzuwenden. Nur scheint uns gerade, als ob durch scharfe Betonung deS KlastenkampfstandpiinkteS, durch Kräftigung der proletarischen Organisationen auf Wirtschaft- lichem und politischem Gebiete und durch Erfüllung beider Olgani» sationen mit echt sozialistischem Geiste die besten, ja die e i n z i g e n Vorbedingungen für die Anwendung deS politischen Naffenstreik« gegeben wären I AuS Baden schreibt man uns: Die Zweite Kammer nahm am Montagabend die Novelle zum Elemcntargesetz(Vollsschule) einstimmig an. Das bedeutet einen varlamentarischen Kotau der Volkstammer vor dem Trutz der Regierung, wie er im Leben eincö konstitutionellen Staates liberaler Observanz ohne Beispiel ist. Die Bürgerlichen — Liberale und Schwarze— der Zweiten Kammer hatten, vom Zentrum getrieben, den heißen Wunsch der Volksschullehrerschaft, die Einreih ung in den Gehaltstarif des Staats- b e a m t e n t u m s, trotz der Wahlversprechungen nicht mehr unterstützt gegen das Veto der Regierung. Aber in der gesetzlichen Festlegung sonstiger Verbesserungen(neben Vergünstigungen für die Lehrerinnen, namentlich die Entlastung der Landgemeinden von den ihnen widerwärtigen Beiträgen zu Gehaltserhöhungen der Lehrer) zur Vorbereitung der Staatsvolksschule hatte die E r st e Kammer eine Fassung herbeigeführt, welche in der vorigen Woche die vollständige Solidarität beider Häuser des Landtages erzielte. Da erhob die Regierung— wegen eines Kostenpunktes sehr geringer Art— Widerspruch und drohte mit Zurückziehung der Vorlage. Mutig wichen die großen bürgerlichen Parteien vor dem blechernen Donner des Kultusministers zurück und apportierten ihm am 2. Juli die Schulvorlagc in der von oben befohlenen Form. Jetzt ereignete es sich, daß die 4 Konservativen der Zweiten Kammer sich mit den 12 Sozialdemokraten zur Be- kämpsung der volksschulfeindlichsten Bestimmung vereinigten und für die StaatLbciträge— die für die Regierung unannehmbare Bestimmung— eintraten. Vergebens! Weil aber den Lehrern, besonders den sehr alten Voltscrziehcrn, ein für bis Pension geltendes Gehaltsmaximum von 280 0 Mark als Verbesserung gewährt wird, stimmten schließlich auch die Sozialdemokraten für das Gesetz. Unsere Volksschullchrer— das wurde angekündigt—- beginnen den Kampf aufs neue bis zum Sieg. Zur Lage in Siidwestafrika. Die„Staatsbllrger-Ztg." gibt folgende Stelle eines ihr zur Verfügung gestellten Briefes aus dem Süden des Schutzgebiete? wieder: „In den Karrasbergen ziehen sich neuerlich Banden von Hotten- totten zusammen. Und dabei sind die dort stehenden Kolonial- truppe» aus vielen Gründen zur Untätigleit verurteilt, weil ihnen alles das fehlt, was sie brauchen, da die Zugochsen in steigendem Maße versagen und hinsterben, im besten Falle die Ochsengcschirre zu spät eintreffen. Es fehlt der Truppe daher alles. was sie braucht, so unter anderem der Sauerstoff für die Signal- apparate, aber auch alles Nötige zum Leben. In dieser Weise kann es kaum weitergehen. Immer diese Hungerleiderei. Alkohol oder Fruchtsaft gibt es im Süden schon längst nicht mehr, Schwcfelhölzer und Tabak sind seit Monaten nicht mehr geliefert worden. Den Leuten fehlen Stiesel und Wäsche. Und dabei werden die Nächte immer kälter." Das edle Antisemitenblatt nimmt diese trostlose Schilderung zum Anlaß, auf den Reichstag zu schimpfen, weil er noch innner nicht skrupellos genug das Geld für„strategische" Bahnen durch die südwestafrikanische Saudwüste zum Fenster hinaus zu werfen gewillt sei. Es reizt dabei die Regierung zur Etatsverletzung durch die Be- merlung aus, daß Kriege nun einmal nicht etatsmähig geführt werden könnten!— Buehnd. Oesterreich. Nur deswegen? Aus Wien wird uns vom 30. Juni geschrieben: Sln eine ungenaue Meldung des amtlichen Telegraphen(daß der Abgeordnete Ellenbogen erklärt habe,„die Sozialdemokraten würden wegen der unklaren Haltung der Regierung in der Wahl- reformvorlage gegen das Budget stimmen") knüpft die Redaktion des„Vorwärts" die Frage:„Nur deswegen?" Deshalb sei wieder» gegeben, was Genosse Ellenbogen tatsächlich erklärt hat. Er sagte: „Es ist gewiß, daß, abgesehen von unserem prinzipiellen Standpunkte, ich möchte sagen, von unserem Standpunkte der Weltanschauung oder, sagen wir, des Klassengegensatzes, der uns schließlich bewegt, in unserer oppositionellen Stellung zu ver- harren, es in erster Linie die Stellung der Regierung zur W.ahl. reform ist, die unser Verhalten zu ihr bestimmt. Wenn der Ab- geordnete Kaiser bor einigen Tagen im BudgetauSschusse im Tone einer, wie mir scheint, etwas gemachten Erregung unS vor- warf, daß wir eigentlich verpflichtet wären, der Regierung des Freiherrn v. Beck daS Budget zu bewilligen, so ist diese An- schauung entweder einer unbewußten Torheit oder einer abstcht- lichen Verdrehung der Tatsachen entsprungen, und zwar einer Verdrehung, wenn ich bei dem letzteren bleiben will, in der Hin- ficht, daß der Herr Abgeordnete die Dinge so darstellt— es ist das ein Bestreben seit langer Zeit—, als ob die Regierung die Wahlreform uns zuliebe, den Sozialdemokraten, den Arbeitern zuliebe, gemacht hätte. Weder der Herr v. Gautsch, noch der Prinz Hohenlohe, noch Seine Exzellenz Freiherr v. B e ck schassen die Wahlreform den Sozialdemokraten zuliebe." Und am Schlüsse erklärte er: „Aus all diesen Gründen wegen der nicht klaren— oder wenigstens nicht so klaren, wie es wünschenswert wäre— Haltung der Regierung in der Frage der Wahlreform, abgesehen von dem von mir schon betonten klasscngegensätzlichen Standpunkt. den wir jeder bürgerlichen Regierung gegenüber einnehmen, er» kläre ich, daß ich und meine Parteigenossen gegen das Budget- Provisorium stimmen werden." Daß die Politik der österreichischen Sozialdemokratie in diesem Jlugenblick hauptsächlich die Wahlreform im Auge hat, ist im übrigen so selbstverständlich, daß es keiner Erklärung bedarf.« Frankreich . Kriegskosten und Friedenskosten. Paris , 2. Juli. (Eig. Ber.) In der„Humanitv" zieht heute Genosse Jaurös einen inter« essanten Vergleich zwischen den militärischen Ausgaben Frankreichs in den Kriegsjahren 1370 und 1871 und dem heuttgen Heeresbudget. 1870 betrugen die Ausgaben für Heer und Marine 1549 Millionen. 1871 1414 Millionen. Für das Jahr 1906 aber werden 1300 Millionen in Anspruch genommen I„Man kann also sagen", so schließt Jaurös,„daß wir heute für Armee und Marine sovie. ausgeben, als ob wir alle zwei Jahre einen Krieg wie den von 1370 mid 1871 zu führen hätten. Da? ist wirtlich der Krieg in Permanenz. Jaures weist darauf hin, daß das erste Opfer dieses ZnstandeS die arbeitende Klasse sei, da für die Sozialreform kein Geld übrig bleibe. Herr P o i n c a r ü will auf ihre Kosten sparen. Andererseits gibt Poincarö, wenngleich nicht offen, zu erkennen, daß das Wachstum der militärischen Ausgaben die wahre Gefahr für die französischen Finanzen ist. Der doppelten Feindschaft der Linken und der Rechten, die er so auf sich herab- beschwört, wird er nicht lange widerstehen, und nach ihm werden alle Finanzminister unterliegen, die sich nicht für die Ideen der Zu- kunft entscheiden können.—- Zollkrieg zwischen Frankreich und Spanien . Paris . I. Juli.(Eig. Ber.) Zwischen Frankreich und Spanien herrscht in gewissem Sinne seit heute ein Zollkrieg. Da das spanische Ministerium darauf bestand, gegen Frankreich den neuen, elastischen schütz- zöllnerischen Zolltarif in seiner vollen Schärfe anzuwenden, hat die französische Regierung den mockus vivendi gekündigt, der seit 1893 die handelspolitischen Beziehungen der beiden Staaten regelte. Bis zum Ablauf der dreimonatlichen Frist befindet sich Spanien eigentümlicherweise in einer günstigeren Situation als Frankreich . Beide Staaten wenden solange in ihrem Verkehr den Minimaltarff an. aber während in Frankreich noch der alte Tarif besteht, wendet Spanien auf die französischen Waren seinen neuen an. der für mehr als die Hälfte aller Artikel um 1b bis 40 Proz. erhöhte Sätze anführt. Der eigentliche Zollkrieg wird, wenn bis dahin keine Einigung zustande kommt, am 1. Oktober begiogen. viel Hoff,
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