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Nr. 294. 23. Jahrgang.

1. Beilage des Vorwärts " Berliner Volksblatt. Dienstag, 18. Dezember 1906.

Wachstum der Sozialdemokratie 1887 wegen der Nichtbewilligung des Septennats, 1893 wegen der Ab- abgeſehen davon, daß auch die Nationalliberalen keine prin­

im Reiche und im Reichstage.

Es wurden abgegeben:

Bei der Wahl

Sozial demokratische Stimmzettel

Bahl der ges wählten sozial demokratischen Abgeordneten

8. März 1871.

123 975

2

10. Januar 1874.

351 952

9

10. Januar 1877

493 288

12

30. Juli 1878.

437 158

9

27. Oftober 1881.

311 961

28. Oftober 1884.

21. Februar 1887.

549 990 768 128

12 24

1427 289

1786 788

11 35 44

2 107 076

56

3 010 771

20. Februar 1890. 15. Juni 1893. 16. Juni 1898 16. Juni 1903.

PARALLERGEE

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Die sozialdemokratische Partei ist also im Reich und im Reichs­tag ständig gewachsen. Die Zahl der Abgeordneten entspricht nicht der Zahl der Stimmen, weil die Reichstagswahlkreise nicht gleich groß find. Wären die Wahlkreise gleich groß, so hätte die sozialdemokratische Fraktion 1898 im Reichstage 107 Size inne haben müssen. Sie zählte aber nur 56 und am Schluß der Session, infolge von Nach­wahlen, 58 Site.

Würden die Mandate nach dem Proportionalwahl. system verteilt, dann hätte die Sozialdemokratie bei der vorigen Wahl anstatt 81 Mandate 126 bekommen, das Zentrum dagegen hätte 22 weniger erhalten, als ihm nach dem Wahlkreissystem zu­gefallen find, nämlich nur 78; die Konservativen hätten anstatt der ihnen zugefallenen 55 Mandate nur 39 bekommen, die Reichs­partei, die tatsächlich 22 Size erlangte, hätte mit 13 sich begnügen müssen. Gerade die reaktionärsten Parteien sind es, die durch die Wahlkreisgeometrie ganz hervorragend begünstigt werden; das ist für sie Grund genug, jedes gerechtere Wahlsystem als eine Ge­fährdung der geheiligten Staatsordnung, lies: der Ausbeuter­interessen energisch zu bekämpfen.

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Die russische Revolution.

Die neue Anleihe.

Strana" bringt in der Nummer vom 13. Dezember folgende Mitteilung ihres Pariser Korrespondenten:

Es handelt sich heute um mehr als bei früheren Auflösungen Kolonialpolitik dem Zentrum beizukommen wäre. Die National­des Reichstages, 1878 wegen Ablehnung des Sozialistengesebes, liberalen brauchen sich wirklich keinen Hoffnungen hinzugeben, lehnung der Caprivischen Militärvorlage. Damals versagte der zipiellen Gegner der Hintertreppenpolitik sind. Bei ihnen ist es Reichstag letterer Vorlage seine Zustimmung und es wurde an nur der Aerger darüber, daß sie nicht einmal die Hintertreppen, die das Volk appelliert, indem Neuwahlen ausgeschrieben wurden.. Nun zu den Ministerstuben führen, benüßen können. aber handelt es sich um die Grundlagen der Reichsverfassung, um Gewinnen fann bei dem Kampf, der jett um die Kolonial. die Säule des konftitutionellen Systems, um das Geldbewilligungs- politit ausgebrochen ist, nur die radikale Opposition, die das ganze recht der Volksvertretung. Wo früher um einen Einzelfall ge- forrupte System verwirft und damit der wahnsinnigen Geld. ftritten wurde, da ist nun der Kampf entbrannt um die Grundlage verschleuderung ein Ende machen will..." unseres ganzen Verfassungslebens, da stehen wir vor dem Ausbruche eines Konfliktes, der dem Hohenzollernhause ganz andere Früchte tragen fann, als der preußische Verfassungskonflikt der 1860er Jahre! Wie ein Blitz aus heiterem Himmel trifft die bürgerlichen Parteien, das Zentrum wie die Nationalliberalen, die Konservativen wie den Freifinn die Nachricht von der Reichstags= auflösung. Ea mag sein, daß das Zentrum damit gerechnet hat, daß der Nachtragsetat doch betvilligt würde, fehlten doch nur drei Stimmen zu einer Mehrheit. Jedenfalls liegt dem Zentrum die Auflösung schwer in den Gliedern. Eine Partei, die durch die Gunst der Regierung verwöhnt ist, tut sich schwer, ohne diese Unterstützung in einen Wahlkampf einzutreten. Die Liberalen aller Richtungen werden von den Kämpfen schtver mitgenommen werden. Sie sind unvorbereitet, schlecht organisiert, auf den Kampf nicht gefaßt. Auch die Agrarier werden faum mit großen Hoffnungen das Schlachtroß besteigen. Berwirrung herrscht in allen bürger lichen Lagern, an jeder zugkräftigen Wahlparole, an jeder flaren dem Zentrum! Vernichtung der Polen ! Tod den Sozialdemo Stellung zu Regierung und anderen Parteien fehlt es. Nieder mit traten!" Das mag manchen als Herzenstwunsch erklingen, es wird aber den Wählermassen keine Richtung geben, fie nicht befriedigen. Die Wähler fordern politisch, festumschriebene Forderungen, gesunde Verhältnisse. Das werden die alten und die neuen Regierungs­parteien nicht bieten können, das wird auch dem Zentrum nicht ge= lingen.

Das Zentrum hat im Verlaufe der gegenwärtigen Krise, die nun zur Auflösung des Reichstages geführt hat, eine Rolle gespielt, die nicht besser als die der anderen bürgerlichen Parteien, ja, die vielleicht die schlimmste von allen war. Das Zentrum wurde weiter getrieben, als es selber die Dinge treiben wollte, höchst widerwillig sieht es sich jetzt vor einen Kampf gestellt, den die Sozial­demokratie mit Jubel begrüßt.

Ja, mit Jubel gehen wir in den Wahlkampf. Wir haben andere Ideale als Dernburg und die Darmstädter Bank", die den Freisinnsmann so begeistern. Wir fämpfen gegen die Erhaltung der gegenwärtigen Zustände in Deutschland , für eine bessere Zukunft des deutschen Volkes. Wir werden Herrn Dernburg erst zeigen, Wir fürchten nicht alle was es heißt, Giterbeulen aufschneiden. Feinde ringsum, wir lachen ob des Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie!

Mit ihrer Stimmenzahl steht die Sozialdemokratie an der Spite aller Parteien. Sie erzielte bei der letzten Wahl über eine Million Stimmen oder 60 Proz. mehr als das Zentrum, trotzdem blieb diese Partei der Sozialdemokratie gegenüber mit 19 Man­daten im Vorsprung. Die Konservativen, die Reichspartei, die Die Regierung hat uns in der frivolen Beantwortung der Nationalliberalen, die Antisemiten, der Bund der Landwirte und Fleischnotinterpellation, in der Fleischot selbst, in ihrer Stolonial der Bauernbund zusammen haben nur ebensoviel Stimmen auf und Agrarpolitik, in ihrem Gefeßentwurfe gegen die Gewerkschaften, fich bereinigt, wie die Sozialdemokratie.

Am meisten stieg die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen im Jahre 1890, wo infolge des Sozialistengesezes und der 1887 beschloffenen Zollerhöhung nach dreijähriger Legislaturperiode der Prozentsatz der Sozialdemokraten im Berhältnis zu den Wahl­berechtigten um 6,11 Broz. und im Verhältnis zu den Wählern um 9,5 Broz. zunahm. Dagegen überstieg an absoluter Größe der Stimmenzuwachs von 1903 den von 1890 noch ganz erheblich.

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in ihrer Handhabung der Gesetzgebung, überreiches Material zur Bekämpfung der Politik Bülows und der herrschenden Kassen ge­geben. Wir werden das auszunüßen verstehen und eilen in den Stampf fiegesgewiß und fampfesfroh, mit dem Rufe: Mit uns das Volk!

Mit uns der Sieg!"

,, Arbeiter- Zeitung "( Dortmund ):

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19

Die ruffische Anleihe kommt allmählich in Fluß. Der Berliner Bankier Mendelssohn hat ungefähr eine Woche in Paris zugebracht. Es wurden auf Rechnung Deutschlands große Geschäfte in russischen Fonds abgeschlossen. Es verlautet, daß dieselben außer von den deutschen Banten auch von der deutschen Aristokratie und überhaupt der Umgebung des Kaisers angekauft werden, wodurch sich das Steigen der russischen Wertpapiere erklärt. Mendelssohn wird an der Spize des Bantensyndikats stehen." Viel Glück" den Herren zu diesem va banque- Spiel!- Der Spielweizen blüht!

"

Warschau , 17. Dezember. ( W. T. B.) Der Polizei gelang es, das Arbeitskomitee der polnischen Sozialistenpartei festzunehmen. Die Zahl der Verhafteten beträgt 63.

Von der letzten Schlacht.

Mdan schreibt uns aus Wien vom 15. Dezember:

Nun entbrennt um die österreichische Wahlreform die lette Schlacht! Nachdem sie im Abgeordnetenhause alle Hindernisse bes wältigt hat, in allen Lesungen angenommen ist, wagen es die ere nannten und geborenen Gesetzgeber des Herrenhauses, dem rollenden Rade der Zeit in die Speichen zu fallen und dem Volte an Rechten zu gewähren, so viel und so wenig ihnen gefällt!" Ueberwindet die große Reform auch diese Bedrängnisse, so ist sie unverlier= barer, für alle Zeiten gefesteter Besik; fällt aber der Sieg der Adels­verschwörung zu als der sich der Widerstand der Herrenhäusler leibhaftig darstellt so bricht über Desterreich die schwerste und berhängnisvollste Krisis herein. Alle Notwendigkeiten der Zeit und des Standes heischen jedoch die Reform so gebieterisch, daß man sich nicht entschließen kann, an ein anderes Ergebnis zu glauben als an das des vollen, unverkümmerten Sieges der Völker über ihre Feinde.

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Die Vorlage ist dem Oberhause am 1. Dezember zugeschickt worden. An diesem Tage beendigte das Abgeordnetenhaus die acht­monatige Verhandlung und nahm in der Schlußabstimmung der dritten Lesung das ganze Gesetz mit 194 gegen 63 Stimmen, also mit einer Dreiviertelmehrheit, am Das Herrenhaus hatte schon borher zu verstehen gegeben, daß es nicht geneigt sei, die Vorlage unbesehen zu schlucken, es hatte vielmehr mit einer gewissen Oftentation sein gesezgeberisches Prüfungsrecht betont. Nun hat sich sicherlich seit jener merkwürdigen Verhandlung vor einem Jahre, als die erlauchten Peers den armen Gautsch in allen Tonarten heruntermachten, weil er den denkwürdigen Umzug vor dem Parla­mente nicht verhindert hatte, in Desterreich vieles und auch im Was niemand für möglich gehalten hatte, ist binnen Herrenhause manches geändert. Der Wut über die Reform, die Jetzt handelt es sich abermals um einen Kampf gegen Zölle wenigen Stunden zur Wahrheit geworden! Weil sich die Dema- mit dem Privileg ihrer Standesgenossen im Abgeordnetenhause auf­und Steuern, die der Arbeiterklasse und dem Mittelstand den gogen des Zentrums über die Fußtritte ärgern, mit denen neulich räumt, fönnen heute auch die verbittertsten Feudalen offen nicht notwendigsten Lebensunterhalt verteuern und den Besitzenden die Dernburg ihren Roeren trattiert hatte, deshalb strichen sie von mehr zum Ausdruck geben; auch sie müffen ihrem Grimme Zügel den Regierungsforderungen für Südwestafrika ein paar Tausend anlegen und manierliche Formen wählen. Also einigte man sich, Tasche füllen. Albermals handelt es sich um einen Kampf gegen Ausnahme- Mann, und weil sich die Regierung über die Enthüllungen ärgerte, der Reform zuzustimmen, aber sie mit Gewichten zu belasten, die mit denen sie Herr Roeren vor aller Welt kompromittiert hat, des- sie nicht zu tragen vermag, sie an zwei Punkten abzuändern und gesete, die der Arbeiterklasse zugedacht oder beschert sind. Mögen halb ließ fie fich mit den ach so schacherbereiten Frommen bem Abgeordnetenhause zurüdzuschiden. Diese zwei Punkte find die Wähler eingebent sein der völligen Erdrosselung des auf feinen Stubhandel ein. Und so fam denn, was am Donnerstag mit raffinierter Geschicklichkeit ausgesucht. Der eine ist die Auf­Koalitionsrechts durch die Anti- Gewerkschafts- morgen mit zwei, drei Ausnahmen die gesamte deutsche Presse mit hebung der Gleichheit des Stimmrechts. Zwar nimant borlage, eingebent sein der Entziehung der Selbstverwal- uns noch für absolut ausgeschlossen erklärte: der Konflikt, die Auf- der Beschluß der Herrenhauskommission nicht ben wiederholt ge fennzeichneten Antrag Tollinger auf, das wäre angesichts der Ent tung in den Krantentassen, der Bedrängungen des lösung! Gestern noch schrieben wir: Alle bürgerlichen Parteien sind, genau so wie die Regierung, Koalitions- und Vereinsrechts durch die Klassenjujtiz, in der Kolonialfrage so ungeheuerlich blamiert, daß keine von ihnen schloffenheit, mit der ihn das Abgeordnetenhaus ablehnte, denn doch der gegen Landarbeiter und das Gesinde bestehenden es auf eine Wahlkampftampagne unter der Kolonialparole an­empörenden Ausnahmegeseke der Einzelstaaten, und nicht zuletzt fommen lassen kann. In unserem Interesse ist das natürlich schade: der Pläne, die auf Beseitigung des allgemeinen, geheimen, hei, sollte das ein frisch- fröhlicher Wahlkampf werden unter der gleichen Wahlrechts zuungunsten der werktätigen Bevölkerung ab- Parole: wider Kolonialforruption und Fleischwucher! Aber so eine fältig, uns einen derartigen Gefallen zu tun, ist leider selbst Fürst Nieder mit der Sozialdemokratie!" lautet der Schlachtruf Bülow nicht!" Ga freut uns von ganzem Herzen, daß wir uns diesmal als der Gegner, weil die Sozialdemokratie die unbeugsame Vertreterin falsche Propheten erwiesen haben. Es gibt einen frisch- fröhlichen der Rechte des Volks, der Arbeiterklasse ist. In unseren Reihen Wahlkampf unter der Parole: wider Kolonialforruption und Fleisch­glüht freudige Kampfesluft und echte Begeisterung für hohe und wucher! Etwas Besseres konnte die Regierung gar nicht tun als herrliche Ziele. Tief durchdrungen von der geschichtlichen Not- diesen Aft, der von ihrem Standpunkt aus eine haarsträubende wendigkeit einer völligen Umgestaltung unseres wirtschaftlichen Dummheit ist! Hei, wird das einen Krieg geben! Ein Tag des und politischen Lebens wollen wir das Reich der Freiheit und des Gerichts wird der Wahltag sein über die ganze Sippschaft der Bolts­Friedens erringen. Wir fordern für die Enterbten und Ent- feinde, mag sie nun im blauen, mag fie im schwarzen Gewande ein­herstolzieren! Ein Tag des Gerichts über die Regierung, die rechteten die Erlösung aus dem Doppeljoch der wirtschaftlichen Nationalliberalen, das Zentrum, über sie alle, alle! Ein Tag des Ausbeutung und der politischen Knechtung, nicht auf dem Wege Gerichts über die schamlose Ausräuberung des darbenden Boltes des gewaltsamen Umsturzes, sondern auf dem der planvollen orga- durch den Fleischwucher, über den Podbielskiskandal, die Tippels­nischen Weiterentwickelung.

zielen!

Frische Siegeszuversicht herrscht in den Reihen der Sozial­demokratie, aber nicht tolldreister Uebermut, der da glaubt, den Erfolg in der Tasche zu haben. Es gibt keinen absolut sicheren Wahlkreis und keinen, in dem nicht Erfolge erzielt werden könnten. Es gilt alle Kräfte anzuspannen.

Dente ein jeder daran, nicht nur den Stimmzettel abzugeben, sondern vor allem:

Rüttelt die Lässigen auf, agitiert, wo ihr nur immerhin mögt, nehmt Euch die Indifferenten einzeln aufs Korn, um sie au bes arbeiten. Die großen Bersammlungen und die Flugblätter allein tuns nicht. Die Agitation von Person zu Person, von Mund zu Mund muß hinzukommen.

die schamlosen Rechtsbrüche der herrschenden Parteien bei den Wahl­prüfungen, über das Wüten der Klaſſenjuſtiz, über das Wüten des Polizeifäbela, über die Untaten der bewaffneten Staatsstüben gegen mehrlose Arbeiter in Breslau und Nürnberg , in Hamburg und Dresden ! Das unschuldig vergossene Arbeiterblut wird gerächt werden, gerächt werden wird alles, womit uns die Herrschenden mißhandelt, womit sie uns gehudelt und gebüttelt haben! Gerächt werden wird der schamlose Bruch der feierlichen Ver­heißungen, die man den Bergleuten nach dem großen Streit gemacht hat, gerächt werden sollen alle die zahllosen Verbrechen, die die Herrschenden ohne jeden Unterschied der Partei auf ihr schuld­und fluchbeladenes Haupt geladen haben!. ,, Volksfreund"( Karlsruhe ):

"

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Die Herren vom Zentrum kennen einigermaßen die Und da haben auch die Frauen eine wichtige Arbeit zu leisten. Helfend müssen sie dem Manne zur Seite stehen, anfeuernd ihn Volksstimmung, daher graute ihnen vor der Verantwortung, die zur Wahlarbeit treiben, selbst agitatorisch tätig sein. Haben die sie vor allem mit der Kolonialpolitik auf sich genommen haben. Sich noch weiterhin an dieser wahwißigen Abenteuerpolitit mit. Frauen auch nicht das Recht zu wählen, so haben sie doch das schuldig zu machen, mußte sich das Zentrum sehr gründlich über­Recht zu wühlen. Dieses Rechts sollten sie im Interesse ihrer selbst, legen, zumal vor Zusammentritt des Reichstages die Zentrums­ihrer Familie, ihrer Kinder eingedenk sein. presse monatelang den Kampf gegen die jeßige Kolonialpolitik an­gekündigt hatte. Es blieb dem Zentrum nichts anderes übrig, als seine parlamentarische Macht mobil zu machen.

Frisch auf zum Kampf, zum Sieg!

Die Parteipreffe zur Aufiöfung

des Reichstages.

an

3u gewagt; vielmehr" begnügt" man sich mit der Alterspluralität, wonach jeder, der das 35. Lebensjahr überschritten hat, das Recht auf bei Stimmen haben soll, was richtiger so ausgedrückt wird: daß die Wähler unter 35 Jahren nur eine halbe Stimme erhalten. Diese Alterspluralität wird mit der Bedachtnahme auf den Schutz der konservativen Interessen" begründet, die es angeblich wünschens­wert machen, ein künstliches Uebergewicht des erfahrenen Alters" zu schaffen. Unter den Pluralitäten mag die Alterspluralität immerhin die sein, die in der Vorstellung am wenigsten antisozial erscheint nur in der Vorstellung; denn auch die Langlebig­feit ist ja ein bürgerliches Privileg, und dieses Privileg auch noch politisch zu privilegifieren, wäre unerträglich. Im übrigen ist politisch zu privilegifieren, wäre unerträglich. Im übrigen ist die Alterspluralität die dümm ste Pluralität; denn da sie indi­biduell an keine sozialen Merkmale anknüpft, macht sie zum unter­scheidenden Moment der Ein- und der Zweistimmigen eine rein Persönliche Tatsache, der politisch, ökonomisch und sozial nicht die geringste Bedeutung zukommt. Deshalb ist es ganz unwahr= scheinlich, daß die Anreger dieser tonservativen Neuerung" durch fachliche Gründe bestimmt werden; vielmehr scheint es sicher, daß fie einesteils von dem Bedürfnisse geleitet werden, zu zeigen, daß sich das Herrenhaus nicht widerspruchslos fügen müsse, anderenteils die bewußte Absicht sie leitet, dem großen Werte ein legtes Hindernis in den Beg zu legen. die bewußte Absicht sie leitet, dem großen Werte ein letztes Hindernis

Diese Absicht leuchtet auch aus der zweiten Aenderung hervor. während die Herren die seinerzeitige Ankündigung einer Herren­Hausreform mit überlegenem Hochmut zurückgewiesen haben, fordern sie nun selbst eine solche, ja sie machen ihr Zustandekommen gerade­zu zur Bedingung. Allerdings eine Reform ganz eigentümlicher Art. und darin von den bürgerlichen Elementen des Abgeordnetenhauses Während nämlich Gautsch das Herrenhaus demokratisieren wollte unterstützt wurde, wünscht das Herrenhaus seine Erflufivität dauernd zu bewahren, sie eigentlich noch zu verstärken. Das Herren­haus besteht aus Virilisten( den Erzherzögen und Bischöfen, die sich aber an den Beratungen eigentlich nie beteiligen) erb. Lichen und ernannten Mitgliedern. Erbliche Mitglieder sind, wie das Gesez fagt, die großjährigen Häupter derjenigen inländischen Adelsgeschlechter, welche durch ausgedehnten Grundbesitz hervor. ragen und denen die Krone die erbliche Reichsratswürde verleiht. Seine eigentliche Bedeutung empfängt das Herrenhaus aber durch die ernannten Mitglieder, als welche der Kaiser ausgezeichnete Männer, die sich um Staat oder Kirche, Wissenschaft oder Kunst verdient gemacht haben", auf Lebensdauer beruft. Dieses Er­nennungsrecht ist eigentlich niemals mißbraucht worden; weder hat man es benutzt, um einen Widerstand des Herrenhauses zu brechen ( was auch niemals nötig wurde, weil das Herrenhaus bisher immer der dynastischen Politik Stübe war), noch um die erste Kammer mit Elementen zu überfluten, die vom Gesichtspunkte des Herrens hauses aus als fragwürdige Elemente" gelten. Es geschieht feine Ernennung ohne die Zustimmung der maßgebenden Leute der ersten Kammer. Die Herrenhäusler fürchten nun offenbar, daß die Demokratisierung des Abgeordnetenhauses auch für sie Folgen haben fönnte, daß die Regierung ihnen zuviel bon jenen Abgeordneten ( des Großgrundbesitzes und der Handelskammer) zuschicken könnte,

Das Zentrum durfte diesmal nicht umfallen, wenn es nicht in weiten Kreisen seiner Wählerschaft den politischen und der Re­gierung gegenüber seinen parlamentarischen Kredit aufs Spiel seben wollte. Die offiziöse Presse hat in den letzten Tagen alles versucht, um die regierende Partei umzustimmen und Drohungen hat es nicht gefehlt. Mit der Parole: Kolonialpolitit laffen sich keine für die Regierung auch nur irgendwie Hoffnung " Fränkische Tagespost"( Nürnberg ): erweckenden Wahlen machen. Eine ungünstigere Parole als die: Der verfassungstreue Bülow wirft dem deutschen für oder wider die banterotte Kolonialpolitik hätte sich die Re­Bolle den gehdehandschuh vor die Füße. Es gilt nun den Kampf gierung kaum noch aussuchen können, zumal in unmittelbarem An­zwischen verfassungswidriger Willfür und dem Volfsrechte, zwischen schluß an die soeben im Reichstag stattgefundenen diesbezüglichen Sie beim allgemeinen Wahlrecht keine Aussicht haben, ins Abgeord­Absolutismus und Konstitutionalismus. Die Frage, ob der Reichs-| Verhandlungen, die wahrlich zu nichts weniger als zur Be- netenhaus zu gelangen; um nun unter sich zu bleiben, stellen sie tag eine Deforation des deutschen Kaisertums oder ob er der geisterung für die Kolonialpolitik beigetragen haben. Die Auf- die Forderung, daß das Ernennungsrecht der Krone begrenzt kräftige Ausdruck des deutschen Volkswillens sein soll, wird in den lösung des Reichstags richtet ihre Spize gegen das Zentrum. werde; dem Kaiser soll es nur borbehalten" sein, 180 lebenslängs nächsten Monaten zur Entscheidung kommen. Aber es wäre eine Illusion, au glauben, daß mit der Parole: liche Mitglieder zu ernennen. Da es derzeit etiva 155 ernannte