Kr. 132. 25. Iahrgeaz. 2. WM des.Amiills" Knlim s«»«Ii>z, 1. lani 1998. Nirlichaktlicher Wochenbericht. I der Auslandskonkurrenz zu berechnende Ausfall, dann wird die �Entscheidung zu Ungunsten der reinen Werke gefällt. � Schon jetzt ist es für den Verbraucher von Halbzeug in ein- Berlin . 6. Juni 1308. Zinsfuß und Spekulation.— Trübe Stimmung.— Preispolitik und Arbeitsmarkt.— Internationaler Eiscnmarkt.— Die Lage des Baumarktes.— Textilindustrie.— Getreidemarkt.— Steuerrestanten. Seit einigen Tagen haben wir einen Reichsbankdiskont, unter den hinab der offizielle Zinssatz seit 2 Jahren nicht mehr gekommen ist. An die Herabsetzung oes Diskonts knüpften sich viele Hoff- nungen. Wenn erst die Flüssigkeit am Geldmarkt so stark sei, daß der Zinssatz auch unter 5 Proz. hinabgehen müsse, dann werde auch wieder die belebende, Beschäftigung bringende Unternehmungslust sich einstellen. So hoffte man. Und nun ist es genau anders ge- kommen In den letzten Tagen ließ sich eher eine Flucht des Kapi- tats vom Markte der spekulativen Werte als ein Andrang konsta- tieren Die größere Geldslüssigkeit kommt lediglich den sicheren, festverzinslichen Anlagen zugute. Am Jndustriemarkt ist die Stim- mung entschieden abgeflaut; die Kurse der Papiere wurden weiter zurückgeworfen. Ja. zurzeit ist die pessimistische Stimmung so stark, daß wir wohl behaupten möchten: das Meinungspendel hat nun nach der anderen extremen Seite geschlagen. Das ist ebenso verkehrt, wie der extreme Optimismus, der bisher glaubte, die- jenrgen schelten zu müssen, die es für nötig hielten, vor der An» nähme baldiger Besserung zu warnen. Wenn man jetzt einzelne Stimmungsberichte aus der Eisen» grohindustrie liest, sollte man glauben, es müsse noch zu einer Katastrophe kommen. Blätter, die zunächst die Ansicht vertraten, zu einer Krise werde es überhaupt nicht kommen, der industriellen Abschwächung, die vor etwa% Jahren einsetzte, werde nach kurzer Zeit eine Wiederbelebung folgen, glauben jetzt sogar noch die Mög» lichkeit heftigerer Erschütterungen in Aussicht stellen zu müssen. Man hält es für nicht ausgeschlossen, daß einzelne ältere Organi- satwnen durch die Ungunst der Verhältnisie gesprengt werden. Die tatsächliche Entwickelung hat der von uns vertretenen Auffassung, daß wir noch nicht auf dem Tiefpunkt des Rückganges angelangt seien, leider Recht gegeben. Mögen nun auch die Un- heilskünder allzu schwarz sehen: jedenfalls ist auch für die Folge mit einer noch weiteren Abschwächung des Beschäftigungsgrades zu rechnen. Die großen gemischten Werke, die bisher von der rück- läufigen Bewegung verhältnismäßig wenig betroffen worden waren, müssen nun auch die Produktion stärker einschränken. Arbeiter werden entlassen; ob auch in erheblicherem Maße mit Feierschichten zu rechnen ist, steht noch dahin. Nicht ausgeschlossen ist, daß Ende Juni eine größere Stetigkeit eintritt. Am 19. Juni wird nämlich Klarheit über die Gestaltung der Halbzeugpreise geschaffen. Wie die Entscheidung des Stahlverbandes auch fallen möge: was durch die bisherige Preispolitik gesündigt worden ist, kann nicht wieder gut gemacht werdenl Aber für die weitere Gestaltung der Per- Hältnisse ist die Entscheidung des Stahlverbandes auf jeden Fall von Bedeutung. Versteht er sich nicht zu einer erheblichen Preis- ermäßigung, dann kommen vielleicht doch einige Aufträge an den ' Markt, solche, die dringende Bedürfnisse decken müssen, die aber in Erwartung einer Preisherabsetzung zurückgehalten worden sind. Im allgemeinen wird das Festhalten an hohen Halbzeugpreisen die Unternehmungslust abschwächen. Diese Folge verhehlt man sich in den maßgebenden Kreisen auch wohl nicht, für welche jedoch eine andere Frage die Entscheidung bestimmt. Ist der Vorteil, den man durch vollständige Vernichtung der reinen Werke kalkulatorisch einstellt, größer, als der durch Abschreckung des Konsums und einer Stärkung zclnen Fällen profitabler, vom Auslande zu beziehen, als vom Stahlverband, obwohl beim Import Spesen, Fracht und Zölle bezahlt werden müssen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß man nur die Entscheidung des Stahlverbandes abwartet, um durch forcierten Export die Lage auszunützen. Fällt diese zugunsten der Auslandslonkurrenz aus, das heißt: werden die Halbzeugpreise nicht erheblich ermäßigt, dann ist der Zeitpunkt gekommen, einen energischen Vorstoß zur Eroberung deutscher Absatzmärkte zu unter- nehmen. In dem Grade des Erfolges verschlechtern sich hier natur- gemäß die Verhältnisse am Arbeitsmarkt. Die trostlose Lage am internationalen Eisenmarkt, die ja auch lähmend auf die allgemeine Unternehmungslust wirkt, kann solche Gefahr nur noch erhöhen. In Amerika ist der industrielle Rück- schlag so stark, daß selbst die in den letzten Tagen vorgenommen'.n Preisermäßigungen für Stahl keine Belebung bringen konnten. Nach dem letzten Bericht des Jron Age stockt das Geschäft vollständig. An diesem Stande der Dinge hier wie dort wird auch wenig geändert durch die Herabsetzung der Trägerpreise. Am Baumarkt herrscht vollständig Lustlosigkeit. In allen einschlägigen Gewerben ist der Beschäftigungsgrad noch hinter den vorjährigen zurückgetre» ten und ist für das laufende Jahr auf eine wesentliche Besserung nicht mehr zu rechnen. Die Preisermäßigung hätte früher kommen müssen. Weitere Verschlechterungen haben auch die Verhältnisse in der Textilindustrie erfahren. Im allgemeinen ist die Produktion weiter eingeschränkt worden. Das gilt besonder? von den Webe- reien verschiedener Branchen. Dasselbe Bild bietet die Konfektions- industrie. Am besten«gehen" zurzeit Konkurse und Subhasta » tionen. Etwas freundlichere Aussichten eröffnen sich für den Getreide- markt. Die günstige Witterung der letzten Wochen und die damit in Einklang stehenden aufmunternden amerikanischen Saaten- standsberichte haben den Preis beeinflußt. In Chicago z. B. notierte Juli-Weizen in der letzten Woche des Mai noch 92 Cents, sank aber am 4. Juni bis auf 89s4 Prozent. Ob die rückläufige Bewegung weiter anhalten wird, und in welchem Grade sie den heimischen Markt beeinflußt und vor allem, ob sie stark und an- haltend genug sein wird, bis an den Mehl- und Brotkonsumentcn heranzukommen, kann noch gar nicht taxiert werden. Die andauernde Ungunst am Wirtschaftsmarkt blieb nicht ohne Einfluß aus die Lebenshaltung der betroffenen Arbeiterl Das wird von anderer Seite bestritten. Durch Scheinbeweise sucht man die Meinung zu erwecken, die Ernährung habe eher noch Ver- besserung als Verschlechterung erfahren. Solchen Versuchen gegenüber braucht aller nur auf die Klage über enorme Steuer- rückstände verwiesen zu werden, die besonders aus Kommunen kommen, in denen die industrielle Arbeiterschaft stark vertreten ist. Diese Tatsache spricht denn doch zu deutlich für die Not in Arbeiter- kreisen._:D. Kierter Verbavdstag der Auch- und Stemdruckerei- Hilfsarbeiter uud-Arbeiteriuneu Deutschlands . München , b. Juni 1998. Der als Gast anwesende Kollege Schuhmeier(Oesterreich ) verbreitete sich in längeren Ausführungen über das Gegenseitigkeits- Verhältnis. S i l l i e r führte aus. daß seine Organisation dagegen ist, wenn der Oesterreichische Senefelderbund die Hilfsarbeiter und -arbeiterinnen aufnimmt, weil daran evtl. das Gegenseitigkeits- Verhältnis Schiffbruch leiden könnte.— Ein Antrag, internationale Beziehungen zu pflegen, wird dem Vorstand zur Berücksichtigung überwiesen. Ein weiterer Antrag betreffs Gründung von In- dustrieverbänden wird zur Kenntnis genommen; der Gründung soll nähergetreten lverdcn, sobald die Verhältnisse es ermöglichen. Zu Beginn des fünften(letzten) Verhandlungstagcs erstattete namens der Kommission Kollege Moritz- Berlin Bericht. Die Kommission empfiehlt, in Zukunft das Eintrittsgeld entsprechend den Beiträgen festzusetzen.— Der Vorschlag wurde angenommen. — Die Höhe der wöchentlichen Beiträge wurde nach den Vor- schlügen des Hauptvorstandes festgesetzt.— Der Uebertritt in eine höhere Beitragsklasse ist nicht gestattet.— Ten Antrag des Hauptvorstandes, den Wöchnerinnen eine einmalige Unter- stützung von 6 M. zu gewähren, hat die Kommission abgelehnt; die Kommission beantragt vielmehr eine einmalige Wöchnerinnen- Unterstützung von 19 M.— Schwangere, die infolge ihres Zustandes keine Arbeit mehr bekommen können, erhalten eine Arbeitslosen- Unterstützung.— Die Herabsetzung� der Karenzzeit bei Bezug von Arbeitslosenunterstützung lourde entsprechend den Beschlüssen der Kommission abgelehnt. Die Festsetzung der Arbcitslosenunter- stützung wurde nach den Beschlüssen des Hauptvorstandes angenommen. Innerhalb eines Kalenderjahres darf nur einmal die höchstzulässige Unterstützung bezogen tverden. Bei Äusgc- steuerten muß bei Wiederbezug der Unterstützung zwischen dem alten und neuen Beitragsjahre mindestens eine Karenzzeit von 26 Wochen liegen.— Der Bezug der Krankenunterstützung wird auf die Dauer von S Wochen beschränkt.— Die Höhe der Kranken- Unterstützung wurde nach den Anträgen des Hauptvorstandes bc- schlössen.— Streikunterstützung wird nicht gezahlt, wenn der Streik nicht länger als 3 Tage währt.— Die Streikuntcr- st ü tz u n g darf zwei Drittel des Wochcnlohnes, im äußersten Falle 16 M-, nicht überschreiten. In der 1. Klasse erhalten verheiratete Mitglieder bis 3 Kinder 69 Pf. pro Kind, in der 2. Klasse 76 Pf. bis drei Kinder und in der 3. bis 6. Klasse 1 M. wöchentlich Zu- schütz. Mitglieder, die nur 26 Wochen dem Verband angehören, haben nur auf die Hälfte dieser Unterstützungssätze Anspruch.— Anspruch auf Streikunterstützung haben in der Regel nur Mit- glieder, in Ausnahmefällen kann auch Nichtmitglicdern Unter- stützung gewährt werden.— Als Maßregelungsunter- stützung wird% des Lohnes gewährt.— Als Verwaltungskosten wird den Zahlstellen 7 Proz. der Beiträge gewährt.— Die Kollegin Thiede, die im Jahre 1995 mit 1890 M. angestellt wurde, wird entsprechend den Beschlüssen des Gewerkschaftskongresses rückwirkend aufgebessert, und zwar wird für das Jahr 1996: 299 M. und 1997: 499 Mark llewilligt.— Das Gehalt des Hauptkassierers beträgt 2999 M., steigend bis 2699 M. Das Gehalt des Redakteurs wird dem des Kassierers gleichgestellt.— Das Gehalt der Gauleiter wird auf 1899 M. festgesetzt, steigend jährlich um 89 M. bis zum Höchstgehalt von 2299 M. Ebenso werden die beamteten Zahlstellenleiter nach diesem Satze honoriert.— Die gegenseitige Kündigung beträgt eine vierteljährliche.— Die 7 Gaubcamten werden gegen Unfall versichert.— Die„Solidarität" wird ab 1. Oktober wöchentlich erscheinen.— Das neue Statut tritt ebenfalls ab 1. Oktober in Kraft. — Es folgen nunmehr eine Reihe Statutenänderungen, die entsprechend den gefaßten Beschlüssen notwendig waren. Es wird beschloffen, den nächsten Verbandstag in Bremen abzuhalten. Damit ist die Tagesordnung deS Verbandstages erledigt. Mit einem zündenden Schlußwort und einem begeistert auf- genommenen Hoch auf die moderne Arbeiterbewegung wurde der Verbandstag hierauf von der Vorsitzenden Frau Thiede ge- schlössen. Wolle» Lie etwas Peines rsucke»?> -o-- Dann empfehlen wir Ihnen Salemüleihum Garantiert naturell-aromatische, rein türkische Cigarette. 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