Nr. M. 25. Aahrgeag. 2. Ktilllge iles Lomiilts" Kerlim Nölksblatt. Partei-??nge1egenkeiten. Girttlca. Sonntag, den 23. August 1008, veranstaltet der Wahlverein einen FamilienauSflua. Treffpunkt: Morgens 6 Uhr vm Lokal von Gundlach, Markgrafendamm 3. Abfahrt vom Schlesischen Bahnhof 7, 01 Uhr nach Rehfelde . Daselbst Aufenthalt bei den dortigen Genossen, mittags von Rehfelde zu Fuß nach dem Restaurant Schlagmühle bei Strausberg . Abends zu Fuß durchs Annatal nach Bahnhof Strausberg . Die Sangcsbrüder werden ge» beten vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Zahlreiche Beteiligung der Genossen und ihrer Angehörigen er» wartet Der Vorstand. Bernau . Zu der am Sonnabend, den 22. August, abends 8'/, Uhr bei Kunze stattfindenden Wahlvereinsversamm- lung mit Frauen findet morgen, Donnerstag, von 6 Uhr ab eine Handzettelverbreitung von Kunze aus statt.— Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Borstand. Potsdam . Heute, Mittwoch, findet der erste Zahlabend statt: für die Stadtbezirke: 1. 2. 3, 7. 10, 11. 12. 10 bei Gastwirt Wegner am Alten Markt(Ecke Kaiserstraste) im Keller; für die Stadtbezirke: 4, 5, 6, 8, 0, 13 bei Ladenthin, Kaiser-WUhelm« Straße 88; für die Stadtbezirke: 14, lö, 16, 17, 18 bei Lindemann, Biktoriagartcn. Zahlreiche Beteiligung von Genoffen und Ge- nossinncn bei diesem ersten Zahlabend erwartet Der Lorstand. Kerlmer I�acbricbten. Vom„Hauptmann" von Köpenick. Der Tilsiter Schuhmacher Voigt ist gestern und vorgestern form- lich umlagert worden. Tausende wollten den Mann lehen. Viele Hunderte sendeten ihm Blumen, Eßwaren, Trinkwarcn und Geld. Der Seifenvorrat seiner Schwester soll schier ausverkauft worden sein. Ancrbietungen aller Art sind ihm gemackit. Kapitalistische Aus- schlachtungen des.interessanten' Mannes suchten Varietes, Scham budenbesiver u. a. m. Den Vogel schoß der mit LteichsverbandSmaterial gefüllte.Tegeler Anzeiger' ab. Er wollte den Schuhmacher zum Sitzen für das Tegeler Blättchen bringen. Voigt lehnte all' den Rummel ab. Der Mann hat nacb dem. was er jetzt erlebt, recht, wenn er die herrschende Klasse und deren Vertreter noch tiefer ein- schätzt, als er bei dem Entwurf seines Köpenicker FeldzugsplaneS getan hat.— An einer endlichen Aufhebung der Bestimmung aus dem Jahre 1842, die der Polizei noch immer gestattet, Leute aus- zuweisen, während sie ehrlicher Arbeit nachgehen, arbeitet der Polizei- minister noch nicht._ Zu den Zeppelin-Sammlungen. Eigenartig kommen Quittungen über die Zeppelinspende zu stände. So steht im.Lokalanzeiger'.Ertrag einer 10 Pf.-Sammel- liste beim Personal der Firma August Scherl G. m. b. H. 30 M.' DaS sieht so aus, als seien da 800 Beiträge zusammen gekommen. In Wahrheit steht es ganz anders. Die Scherl-Liste ist überhaupt ungezeichnet geblieben z. B. in den Abteilungen der Firma August Scherl G. m. b. H.: Setzerei Gartenlaube, ZeitungS- und Akzidenz- Stereotypie, Galvanoplastik, Rotationsmaschinensaal, Maschinensaal der.Woche', Falzerei. In all diesen Abteilungen ist kein Pfennig gezeichnet, hat eine Liste überhaupt nicht zirkuliert. Die 80 M. sind von wenigen Personen, insbesondere vom kauf- mäunischen Personal durch Beiträge von 3. auch S M. zusammen- gebracht. Auch im Scherl-Berlag sind nicht annähernd 800 Personen beschäftigt, die geneigt wären, Geld in die Luft oder gar für Militärzwecke fortzuwerfen._ »BestellungSschwindler" darf man nicht gleich jeden jener Agenten nennen, die all» Per« trctcr von Buchhandlungen. Photographenateliers und so weiter von HauS zu HauS gehen und zur Bestellung von Lieferungswerken, Photographievergrößerungen usw. zu animieren suchen. Aber die Ueberredungskünste, deren sie sich mi oder ohne Wiffen und Willen ihrer Auftraggeber hierbei bedienen, sind mit- unter doch von der Art, daß mancher, der ihnen erlag, hinterher sich übertölpelt vorkommt. Wir glauben im Jntereffe aller Beteiligten zu handeln— deS Publikums, da» von solchen Agenten heimgesucht wird, und viel- leicht auch der reelleren unter den Firmen, die die Agenten umher- senden—, wenn wir hier zum soundsovielten Male da- vor warnen, in übereilter und leichtsinniger Weise sich auf Bestellungen einzulassen, deren Tragweite dem Besteller nicht ganz klar ist. Ost werden da Bestellscheine unterschrieben, die kaum recht durchgelesen wurden oder deren Sinn dem Lesenden unverständlich blieb. Die Redegewandtheit des Agenten, der die Vorzüge seiner Ware und ihre Billigkeit sowie die Leichtigkeit der Zahlungsbedingungen so eindrucksvoll zu preisen weiß, nimmt dem Besteller die Last eigenen Nachdenkens ab. Bald genug kommt hinterher die Ernüchterung, und der Besteller bereut, dem BestellungSausschwatzer den Zettel unterschrieben zu haben. Wenn dann die bestellte Sache geliefert wird und bezahlt werden soll, wird die Annahme verwei- g e r t— ein Mittel, das höchstens dann Erfolg verspricht, wenn sich nachweisen läßt, daß der Besteller tatsächlich beschwindelt worden ist. Klagen über verdrießliche Erfahrungen, die mit solchen Agenten gemacht wurden, gelangen oft an unö. Wir wollen heute zwei Fälle mitteilen, die als Musterbeispiele gelten können. Ein Mann schreibt unS, feine Frau habe ohne fein Wiffen sich von einem Agenten der Buchhandlung Edmund Herr- mann(Berlin , Fruchtstr. l?> zur Bestellung eine» Buches ver- leiten laßen, das den Titel»Jede Frau ihre eigene Schneiderin' trägt und die Kleinigkeit von 1 6,5 0 M. kostet. Die Frau habe zunächst nicht herangewollt, sie sei aber von dem Agenten in so aufdringlicher Art.bearbeitet' worden, daß sie schließlich,,„um diesen Herrn loS zu werden'(!), den Bestellschein unterschrieb. Der Agent habe ihr gesagt, auch von einer Nachbarin sei das Buch bestellt worden, doch habe sich das hinterher als un- wahr herausgestellt. Von der Buchhandlung sei später das Buch geliefert worden, die Frau habe aber jetzt die Annahme ver- weigert; sie habe keine 16,50 M. drüber, und er selber stelle ihr zu solchen Ausgaben kein Geld zur Verfügung. Die Buchhandlung habe dann um Abnahme gemahnt, und sie drohe nun mit Klage, falls das Buch nicht abgenommen werde. Jntereffant ist. daß die Benachrichtigung, in der die Firma Klage in Aussicht stellt, nicht ein geschriebener Brief, sondern ein gedruckter Zettel ist. Offenbar sind die Annahmeverweigerungen so zahlreich und die dadurch notwendig werdende. Korrespondenz ist so umfangreich, daß sie von dem Personal der Firma nicht mit Feder oder Schreib- Maschine bewältigt werden kann. Die Firma dürste auf diesem Gebiete Uebung haben. Wir fürchten, daß sie Siegerin bleiben wird. Eine andere Zuschrift berichtet an unS über die Enttäuschung, die dem Einsender durch ein.Atelier für moderne Porträt- Vergrößerungen' bereitet worden ist. Ein Mann hatte sich durch einen hausierenden Agenten der„M onopot-Porträtgesell- s ch a f t'(Berlin , Dircksenstr. 45) überreden lassen, eine Photo. graphievergrößerung zu bestelleu, die 1,5 0 M. kosten sollte und tadellos sein würde. Wenn daS Porträt ihm nicht gefalle, so brauche er, versicherte der Agent, es nicht abzunehmen. Auch gab der Agent auf die zweifelnde Frage, ob man denn für 1,50 M. eine Photographievergrößerung dieser Art liefern könne, die beruhigende Antwort, daS Geschäft wolle hiermit Reklame für sich machen. UebrigenS erklärt auch die..Monopol-Porträtgesellschaft' in einem durch ihre Agenten überreichten Zettel, sie bezwecke durch dieses „außergewöhnliche Angebot', ihre„rühmlichst bekannten" Portrats in noch weitere Kreise einzuführen. Als nun die Vergrößerung ge- liefert wurde, war der Besteller keineswegs„von der lebenswahren Aehnlichkeit des Porträts erfreut', wie der Zettel es ihm ver schöner erschien, und belehrte ihn, wenn er die Vergrößerung in vieser Art ausgeführt wünsche, so koste das 6 M. Das war eine neue Enttäuschung. Sie vcranlaßte den Besteller, jetzt überhaupt aufLieferungzuverzichten und die Photographie zurück- zufordern. Doch der Agent verlangte, daß man ihm zuvor die 1,50 M. zahle, und als das verweigert wurde, behielt er die Photographie. Herausgeben muß er sie, das ist zweifellos. Ob auch der Besteller genötigt werden kann, die„lebenswahre Aehnlichkeit des Porträts' anzuerkennen, daS vermag nur ein Sach- verständiger zu beurteilen und nur dann, wenn es ihm vorgelegt wird. Der Besteller deS Porträts wurde, als er die Annahme vtr- weigerte, von dem Agenten entrüstet gefragt, ob er sich einbilde, daß einer'was verschenken könne. Da hatte der Agent recht: es kann kein Geschäftsmann'was verschenken und will auch keiner 'was verschenken. Und das gilt nicht nur für daS„außergewöhn- liche Angebot' eines Porträts zum Preise von 1,50 M., sondern auch für die auf gleiche Art vertriebenen Erzeugnisse des Buch- Handels, zu deren Bestellung unerfahrene Personen sich verleiten lassen. ES ist dringend davor zu warnen, hineinzufallen auf die Anpreisungen zungenfertiger Agenten und Bestellzettel un- besehen zu unterschreiben. Die Agenten müssen sich mit diesem Gewerbe ihr bißchen Brot verdienen. Sie müssen daher alle Ueberredungskünste spielen lassen, um sich die paar Pfennige Provision buchen zu können und nicht etwa von ihrem Profit heischenden Auftraggeber wegen Leiswngsunfähigkeit hinaus geworfen zu werden. Hat man unterschrieben, dann ist man in der Regel rechtlich zur Zahlung verpflichtet, es sei denn, man hat das Glück minderjährig zu sein. Minderjährige(noch nicht 21 Jahre alt) werden durch solche Bestellscheine nicht verpflichtet. Eine„Privatpost Courier", die sich zur Beförderung von Briefen, Drucksachen, Warenproben. Postanweisungen, zur Einziehung von Postaufträgen, Rechnungen, Quittungen, Kollelten, zur Verteilung von Prospekten, Katalogen und Drucksachen aller Art erbot, war von einem Herrn Herz- b e r g geplant. Die«G. m. b. H.', die das Unternehmen betreiben sollte, hatte im Haufe Linden st raße 3 bereits ein Bureau ein- gerichtet, doch scheint der Fortbestand dieser ganzen Herrlichkeit jetzt plötzlich in Frage gestellt zu sein, weil Herr Herzberg, ihr „Direktor', am Freitag in Haft genommen worden ist. Ueber den Grund seiner Verhaftung ist nichts Sicheres bekannt. Sie dürfte aber Aufsehen erregen in den Kreisen derjenigen, die Herrn Herzberg Kautionen in Höhe von etlichen hundert Mark anvertraut haben, weil sie Am stellung bei ihm erreichen wollten. ES wird übrigens bei hauptet, noch nach der Verhaftung des Herrn„Direktors" sei von anderer Seite der Versuch gemacht worden, für die„Privatpost Courier' kautionsfähige Personen zu werben. Einer, der noch am Montag dort angestellt zu werden wünschte, teilt uns mit, er hätte gern ein Sparkassenbuch hergegeben, es sei ihm jedoch ba« Geld ab- verlangt worden, und da er das nicht habe geben können, sei aus dem Engagement nichts geworden. Er bedauerts nicht, nachdem er hinterher erfahren hat, daß der Herr.Direktor' einstweilen verhindert ist, sein Unternehmen zu leiten. Ein anderer, der gleich« falls noch am Montag sich bei der.Privatpost Courier' um Siel- lung bemühte, kriegte dann noch an demselben Tage eine Postkarte, die in nahezu unleserlicher Schrift ihn aufforderte:„Geehrter Herr! Sie wollen sich auf Ihre werte Offerte in der Lindenstr. 3, 1 Treppe, melden bei der.Privatpost Courier', da wir noch Leute brauchen als Briefträger. Kaution ist erforderlich. Melden von früh 9— 12 vormittags. Monatlich 120 M. Gehalt.' Die Unter- schrift ist nicht zu entziffern. ES scheint, daß dem Herrn„Direktor' Hcrzberg Personen zur Seite stehen, die sich noch Erfolge ver- sprechen._ Der HauSvogteiPlatz, der fetzt durch die Anlage der Untergrund- bahnstation ein verändertes Aussehen erhält, hat im Laufe der Zeit schon mancherlei Wandlungen durchgemacht. Hier war früher ein kurfürstliches Borwerk, der Platz hieß erst der.Krähenmarkt", später auch.Schinkenplatz'. Sein Hauptgebäude war ein Zeughaus in gleicher Flucht mit der Niederwallstraße, das im Jahre 1730 ab- gerissen wurde, als die Passagen, welche damals durch die Aulage der Mohren- und Schinkeubrücke oder die Verbindung der Mohren- und Jerusalemerstraße mit dem Werder hergestellt wurden. Auf dem Gelände de» alten Jägerhofes entstand dann daS HauSvogteigebäude, in welchem seit 1750 bis zur Er- öffnung des KriminalgebäudeS in Moabit die Sitzungen des ehemattgen Kreisgerichts, später des Landgerichts und Amtsgerichts II stattgefunden haben. Bis zum Jahre 1733 war der größte Teil deS Platzes eine unbebaute Bastion. Der Jägerhof. eine für die könig - lichen Jagdbeamten bestimmte Anlage, hatte feinen Mittelpunkt im Haufe Oberwallftr. 10, erstreckte sich aber mit feinen Nebengebäuden und Höfen über den größten Teil deS heutigen HauSvogteiplatzeS; auch die Reichsbank, früher Königliche Hauptbank, steht aus einem vom alten Jägerhof abgezweigten Grundstück. Die städtische Fortbildungsschule für schwachbeanlagte Knaben und Mädchen(Brunnenstr. 186), die jetzt von zirka 250 Schülern und Schülerinnen besucht wird, bittet um Angab« von Adressen zur Unterbringung mehrerer Schüler und Schülerinnen in Arbeits- gcleaenheiten. Für Uebermittelung von Adressen wäre die Schule dankbar. HanbfertigkeitSnnterricht an den höheren Lehranstalten. Ueber die Einführung von HandfertigkeitSunterricht an den höheren Lehranstalten hat der Minister der geistlichen und Unterrichts- usw. Angelegenheiten an das Provinzialschulkollegium eine Ver- fügung erlassen, nach der letzteres effje Erhebung darüber anstellen soll, o b ein Bedürfnis besteht, allgemein für die Einführung dieses praktischen Unterrichtszweigcs Vorkehrungen zu treffen. DaS Provinzialschulkollegium hat daraufhin an die Direktoren der höheren Lehranstalten eine Rundfrage gerichtet, sich darüber und über die eventuell entstehenden Unkosten zu äußern, damit eS zu dieser Frage Stellung nehmen kann. Es mag dabei bemerkt werden, daß der HandfertigkeitSunterricht bereits an mehreren böheren Lehranstalten als wahlfreies Fach eingeführt woroen ist. Der Erteilung dieses Unterrichtes soll ein Mangel an geeigneten Lehrkräften und an Zeit entgegenstehen, die eine Erhöhung der Stundenzahl nicht zuläßt. DaS Interesse an diesem Fache seitens der Schüler ist ein sehr großes, besonders in den unteren Klassen, wo der Spieltrieb leicht zur Handfertigkeit übergeleitet werden kann. Ein Rückgang der Abzahlungsgeschäfte wird seit geraumer Zeit beobachtet. Angestellte solcher Geschäfte erklären, daß die„Bar- biererei über den Löffel schon lange nicht mehr so flott wie früher geht. Bedeutet auch das Abzahlungssystem für die' Minder- bemittelten heutzutage leider noch eine Art sozialer Notwendigkeit, so wäre es doch mit Freuden zu begrüßen, wenn sich das interessierte Publikum von solchen Abzahlungsgeschäften, die die Notlage be- sonders ausbeuten, abwendet. Wir haben ja mehrfach Veranlassung genommen, bestimmte Firmen dieser Sorte, deren System hart an Betrügerei grenzt, gebührend festzunageln Das Gerücht von einem Morde war gestern in Charlottenburg verbreitet. Als Montag nachmittag gegen 5 Uhr Verwandte der in dem Hause Schloßstr. 62 wohnenden 70 jährigen Privatiere Auguste Minge geb. Runge letztere besuchen wollten, wurde ihnen nicht ge- öffnet. Da die alte Dame aber nur sehr selten ausging und nach 4 Uhr nachmittag ihre Wohnung fast gar nicht zu ver- lassen pflegte, schöpften die Angehörigen Verdarbt und ließen die Tür durch eüien Schlosser offnen. In der Küche lag auf dem Fußboden die blutbedeckte Leiche der M. Da sich am Kopfe der Toten einige Wunden zeigten, nahm man an, daß die alte Dame das Opfer eines Raubmordes geworden sei. Wie sich aber bei der ärztlichen Untersuchung herausstellte, ist Frau Minge bereits vor einigen Tagen offenbar einem Schlagansall erlegen. Sie muß hierbei gegen einen scharfen Gegenstand gestürzt sein und sich so die Verletzungen zugezogen haben. Geraubt ist in der Wohnung nicht das germgste und auch sonst deutet nichts auf ein Verbrechen hin. Die Leiche der Verstorbenen wurde nach dem Westender Schau- hause gebracht. Bon eine« Geisteskranken erschlagen. Der Zeitungshändler Blask wurde am Sonntagabend von einem gewissen Predke in der Birkenstr. 17 überfallen und erschlagen. Der gelähmte Schuhmacher Ludwig, bei dem sich BlaSk zu Besuch aufhielt, holte Hilfe. Der alte, in seinem Bezirk allgemein beliebte Händler war aber bereits dem Uebcrfall zum Opfer gefallen, als hilfsbereite Leute herbei« eilten. Der Täter soll geisteskrank fein. Deutsche Briefmarken mit französischem Anstruck. Deutsche Brief- marken mit Aufdruck in französischer Sprache und französischer Währung— dies ist die letzte Neuheit auf dem Gebiete deutscher Postwertzeichen. Zur Herstellung dieser Abart sind unsere gewöhn- lichen Briefmarken mit dem Kopf der Germania und der Aufschrist „Deutsches Reich ' verwendet. Der Aufdruck geht schräg über das ganze Wertzeichen von der linken unteren nach der rechten oberen Ecke. Er lautet in schwarzer Schrift„6 Csntimss". ES gibt solche Briefmarlen zu 5, 10, 25, 50 und 100 Centimes, die mit Reichs- Postmarken zu 5, 10, 20, 40 und 80 Pfennig her- gestellt sind. Außer diesen fünf Briefmarken gibt es noch vier be- sonders intereffanle.Ganzsachen'. Es ist dieS je eine Weltpostkarte mit und ohne Antwort. Der Wertstempel zu 10 Pf. trägt den Auf» druck 10 Centimes. Außerdem gibt es einen Briefumschlag und ein Streifband mit dem aufgedruckten Wertstempel von 6 Centimes auf dem deutschen Wertstempel von 5 Pf. Die eigenartigen Wert- zeichen sind von den deutschen Postanstalten in der Levante auS» gegeben worden. Der amtliche Briefumschlag mit aufgedrucktem Wertzeichen ist bekanntlich eine Eigentümlichkeit von Jerusalem . Die Ausgabe deutscher Postwertzeichen in französischer Währung ist durch die Verausgabung solcher Briefmarken durch andere fremde Postverwaltungen bedingt. Die neuen italienischen Postämter ver- kaufen ihre Wertzeichen in der heimischen lateinischen Währung. Oesterreich hat seine Jubiläumsmarken auch zur Ausgabe von Brief- marken in französischer Währung benutzt. Die Marken stellen sich so etwas billiger als in der landesüblichen Währung tn Para und Piaster. Die Wertzeichen in französischer Währung werden an Handelshäuser mit großer Auflieferung abgegeben. Wie bei den anderen Postanstalten bleiben auch die deutschen Wertzeichen m türkischer Währung daneben bestehen. Nachnahme-Briefsendungen nach dem Auslände. Für Nachnahme- Briefsendungen nach dem Auslände ist ein besonderer Zettel zum Aufkleben vorgesehen, der neben der Bezeichnung.Nachnahme' auch den Aufdruck„Rembours ement" trägt. Bielfach werden aber auch aus Nachnahme-Briefsendungen nach dem Auslände Jnlandzettel gellebt, die nur die Bezeichnung.Nachnahme' tragen. Diese un- richtige Bestellung hat wiederholt zur Folge gehabt. daß im Auslände die Nachnahmesendung als solche nicht er- kannt und der Nachnahmebetrag nicht eingezogen worden ist. Da daS Aufkleben der Nachnahmezettel häufig von den Ab» fendern selbst geschieht, so ist eine Anordnung des Reichspostamts darüber von allgemeinem Interesse. Die Postanstalten werden darin angewiesen, auf eine richtige Bezcttelung der Nachnahme- sendungen nach dem Auslände besonders zu achten. Die Post- anstalten an der Grenze sollen künstig die Bezsttelung prüfen und unrichtige Zettel durch vorgeschriebene überkleben. Jeder derartige Fall wird dann auch an die absendende Postanstalt zurückgemeldet DaS Erbe des Kanoniers. 125 000 Mvrk will der fahnenflüchtige Kanonier Scharner vom 1. Garde-Fcldartillcrie-Regiment, der gegenwärtig die Vororte durch feine Schwindeleien unsicher macht, geerbt haben. Der Betrüger, der vor einigen Wochen fahnenflüchtig wurde, mietet sich bei Gastwirten ein und erzählt dann, er habe von feinen Eltern, die plötzlich beide verstorben feien, 125 000 Mark geerbt und er habe vom Regiment einen längeren Urlaub erhalten. Der Betrüger schmiedet dann mit seinen Opfern allerhand Zuknnftspläne, und er versteht es, die Leute derartig zu düpieren, daß diese ihm Geldsummen leihen und ihn auf Kredit beköstigen. Große Wein« und Sektgelage werden auf.Kosten' des freigebigen Kanoniers veranstaltet, und sobald diesem der Boden in dem betreffenden Vorort zu heiß wird, verschwindet er auf Nimmerwiedersehen. Das Kriegsgreicht der 1. Gardc-Division hat hinter dem Deserteur einen Steckbrief erlassen. Autounfall. Ein schwerer Zusammenstoß zwischen» einem Automobil und einem Motorrad hat am Montag auf der Chaussee zwischen Schöneiche und Friedrichshagen stattgefunden. Das Automobil fuhr mit solcher Gewalt gegen das Motorrad, daß der Fahrer zu Boden geschleudert wurde und unter das Rad fiel. Der Benzinbehälter kam durch den Zusammenstoß zur Explosion und der Verunglückte wurde von den Flammen erfaßt und erlitt am ganzen Körper nicht unerhebliche Brandwunden. In dem Automobil wurde der Bedauernswerte nach dem Krankenhause gebracht. Strastcnlmhnunfalle. Große Aufregung rief«in dreifacher Zusammenstoß hervor, der sich am Montagabend auf dem PotS- damer Platz ereignete. Der Kutscher eines Privatfuhrwerkes, in dem ein Arzt mit feiner Frau faß, versuchte zwischen zwei sich ent- gegenkommenden Straßenbahnwagen hindurchzufahren. Das leichte Gefährt wurde jedoch von beiden Motorwagen erfaßt und förmlich eingequetscht. DaS Pferd riß sich jetzt loS und raste über den PotS- damer Platz hinweg nach der Potsdamer Brücke zu. Dort gelang eS einem Schutzmann, das wilde Tier aufzuhalten. Das Fuhrwerk ist fast gänzlich zertrümmert worden. Der Kutscher erlitt äußere Kontusionen.— In der Brunnen st raße wurde gestern morgen ein Kind schwer verletzt. Der dreijährige Max CreschweSki, JaS« munder Straße 4, war in Begleitung feines 12jährigen Bruders im Humboldthatn gewesen. Auf dem Heimwege gerieten die beiden Knaben in die Gefahr, von einem Flaschenbierwagen überfahren zu werden. Während es dem älteren gelang, sich in Sicherheit zu bringen, geriet der Kleine unter die Vorderplattform eine? entgegenkommenden Straßenbahnwagens. Das unglückliche Kind wurde derartig unter dem Wagen eingequetscht, daß dieser hoch» gehoben werden mußte. Der Kleine sah schrecklich aus; der Kopf und das Gesicht waren ihm zerfetzt, Arme und Beine wiesen Ver» letzungcn auf und auch schwere innere Verletzungen waren ihm zugefügt worden. In äußerst bedenklichem Zustande wurde der Kleine dabongeschafft. Selbstmorde. Der erst 15 Jahre alte Kellnerlehrling Ewald Graßhoff aus der Rathcnower Straße hat sich vor die Maschine eines hcranbrausendcn Schnellzuges der Lehrter Bahn geworfen und war auf der Stelle getötet worden. Ueber die Gründe oeS Selbstmordes ist nichts bekannt.— Der 35 Jahre alte Klempner Martin N. aus der Greifswalder Straße vergiftete sich auf dem Georgenkirchhof an der Roelckestraße mit Lysol und wurde später tn leblosem Zustande zwischen den Gräbern aufgefunden. Auf
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