rung und wurde nach dem Kreiskrankendause in Groß-Lichterfelde transportiert. Beim Vcrlasjen eines in der Fahrt befindlichen Straßenbahnwagens kam vorgestern das 20jährige Dienstmädchen Lina Breis schwer zu Schaden. Die B. sprang in der Kaiserallee während der Fahrt von einem Straßenbahnwagen der Linie F der Westlichen Berliner Vorortbahn und kam zu Fall. Sie erlitt eben- falls eine Gehirner>chütterung und eine blutende Wunde an der Stirn. Die Verunglückte wurde in besinnungslosem Zustande nach dem Schöneberger Krankcnhause übergeführt. In großer Gefahr schwebten am gestrigen Tage die Arbeiter eines Neubaues in der Wartburgstrahe. In der dritten Etage des Baues befanden sich etwa 7—8 Loren Kalk, als plötzlich der mittelste der Balken brach und die ganze Last mit in die Tiefe riß. Ein gerade mit dem Kalktransport beschäf- tigter Arbeiter konnte, als der Balken brach, noch rechtzeitig beiseite springen, sonst wäre er mit hinuntergestürzt. Wte uns von Ar- beitern des Baues mitgeteilt wird, soll der Meister Wieke bereits vorher darauf aufmerksam gemacht worden sein, daß die Last zu schwer sei und daher eine Absteifung erfolgen müsse. Diesem Hinweis sei indessen keine Beachtung geschenkt worden. Nixdorf. Eine Ausstellung aller heimischen Fische und Pflanzen, tier- anstaltet vom Verein für Aquarien- und Terrarienkunde„Trianca", findet gegenwärtig im„Deutschen Wirtshaus", Bergstraße 136/137, statt. Dl« Ausstellung ist bis zum 22. August von morgens 9 Uhr bis abends 19 Uhr geöffnet. Britz . Zeugen eines aufregenden Borganges waren vorgestern die Passanten der Rungiusbrücke am Teltowkanal. Eine unbekannte, etwa 30 Jahre alte Frauensperson, die schon durch ihr eigenartiges aufgeregtes Wesen die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden her- vorgerufen hatte, stürzte sich plötzlich mit einem lauten Aufschrei in den Kanal hinab und ging sofort unter. Vergeblich unternahm man Rettungsversuche. Die Leiche der Selbstmörderin konnte bald darauf geborgen werden. Pankow . Ein Bauunfall hat sich vorgestern auf dem Neubau Berliner Straße 4 zugetragen. Mehrere Leute waren damit beschäftigt, einen schweren Balken nach dem ersten Stockwerk hinaufzuziehen. Zwei Maurer , die den Balken dann heranholen wollten, verloren das Gleichgewicht und stürzten in die Tiefe. Während der eine der Verunglückten erhebliche Verletzungen am Kopf und im Gesicht er- litt, zog sich der andere schwel!? Quetschungen am Rücken zu. Reinickendorf -Ost. j Der hiesige Bezirk beS Sozialdemokratischen Wahlvereins hielt am 17. d. M. seine Generalversammlung ab, in der die Bezirks- leitung wie auch die übrigen Funktionäre den Bericht über ihre Tätigkeit im ersten Halbjahr 1999 erstatteten. Demselben ist zu entnehmen, daß die Aufwärtsbewegung des Mitgliederbestandes auch in dieser Zeit der Krise angehalten hat. Neu aufgenommen wurden 72 männliche und 8 weibliche Mitglieder, dem ein Verlust von 41 männlichen und 3 weiblichen Mitgliedern gegenübersteht. Der Bestand ist jetzt 493 männliche und 48 weibliche Mitglieder Es haben in der Berichtszeit stattgefunden 2 öffentliche und S Mitgliederversammlungen, 4 Diskutierabende dienten der Belehrung der Mitglieder. Die Bezirksleitung hielt zur Erledigung der ge- schäftlichen Angelegenheiten 7 Sitzungen ab. 3 Flugblattverbrei- tnngcn am Orte und je eine in Liebcnwalde und Hammer und Oranienburg dienten der Aufklärung der Massen. Die Kasse wies eine Einnahme von 729,21 M. und eine Ausgabe von 317,24 M auf. An den Kreis wurden abgeführt an Mitgliederbeiträgen 443,99 M., BonS 12,59 M. und eine Extraablieferung von 59 M. Die .,Vorwärts"-Spedition erforderte einen Zuschuß von 59 M., der jedoch nach Schluß der Berichtszeit bereits wieder zurückgezahlt worden ist. Die Bibliothek wurde in steigendem Maße in Anspruch genommen. Leider jedoch noch immer so schwach, daß nur immer wieder darauf hingewiesen werden kann, daß die Benutzung jedem Mityliede freisteht. Aus dem Bericht der Lokalkommission sst zu erwähnen, daß unS in Reinickendorf nur 2 Lokale(Kuhrmann und Seebad) nicht zur Verfügung stehen. Auch der Bericht des Spediteurs zeigt in erfreulichem Maße eine wenn auch kleine Auf- wärtsbewegung. 945„Vorwärts"°Leser beziehen denselben aus der Spedition. Auch der Absatz der übrigen Literatur ist in erfreu- lichem Aufschwung begriffen. Die turnusmäßig ausscheidenden Revisoren Genossen Rohe und Meißner wurden einstimmig wieder- gewählt. Hierauf erstattete Genosse Köhn den Bericht aus der Gemeindevertretung. In großen Zügen entrollte er sowohl als auch der Genosse Ohl ein Bild ihrer Tätigkeit und Kämpfe in unserem besonders rückständigen Gemeindeparlament. Der Bericht rief eine längere lebhafte Diskussion hervor, in der auch An- regungen und Wünsche vorgebracht wurden. Geklagt wurde, daß unsere Genossen es zuweilen an der Geschlossenheit In ibrem Auf- treten in der Gemeindevertretung fehlen lassen, wodurch die Aktionsfähigkeit stark herabgemindert werde. Ein vom Genossen G u r s ch eingebrachter und angenommener Antrag fordert die Ge- meindevertreter zu größerer Einheit in ihren Aktionen auf. Von den Gemeindevertretern wurde die Lauheit der Parteigenossen gegenüber Gemeindeangelegenheiten lebhaft bedauert. Zu wünschen ist jedenfalls ein regeres Interesse für die Gemeindepolitik, um so unseren Vertretern den Resonanzboden für ihre Tätigkeit zu sichern. Auch sollten die Mitglieder dafür sorgen, daß einwandfreies Material möglichst schnell den Gemeindevertretern übermittelt wird. Jeder Funktionär des Vereins ist bereit, solches entgegenzu- nehmen und weiter zu befördern. Unter Verschiedenem teilte Ge- nosse D o m n i ck mit. daß es in der kurzen Zeit von etwa 5 Wochen gelungen sei, über 399 Mitglieder für eine in Kürze in der Hoppe. straße zu eröffnende Verkaufsstelle der Konsumgenossenschaft zu werben. ES sei zu hoffen, daß eine in Aussicht stehende größere Agitation in den nächsten Wochen die genannte Zahl bedeutend er- höhen wird und auch die neue Verkaufsstelle dazu beitragen wird, daß der Gedanke der genossenschaftlichen Warenverteilung in immer breitere Kreise dringt. Von einem Vertreter des Gesangvereins „Weiße Rose " wird auf das am kommenden Sonnabend im Vrunnentheater(Badstraße) stattfindende Vergnügen des Vereins hingewiesen. Bernau . Ein schwerer vtiglstckSfall, welcher sehr leicht hätte schwerere Folgen nach sich ziehen können, ereignete sich am Dienstag nach. mittag bei den Malerarbeiten im großen Sale des Etabliff«. ments„Elhsium" Hierselbst. Der Malermeister Waldemar Kleinod, hatte eine Rüstung gebaut, die, wie berichtet wird, den Anforderungen, welche die Berufsgcnossenschaft an derartige Rüstungen stellt, nicht entsprach. Als sich der Meister am Nach- mittag selbst mit einem Gesellen aus der Rüstung befand, brach dieselbe plötzlich zusammen, den Meister unter sich begrabend. Mit weren inneren und äußeren Verletzungen wurde derselbe in seine ohnung geschafft, sein Zustand ist sehr bedenklich. Der Geselle kam mit dem bloßen Schreck davon, er hatte sich durch einen kühnen Sprung gerettet. Spandau . Die Listen der stimmberechtigten Bürger zur Stadtverordneten - Wahl liegen während der Dicnststunden im Stadtsekretariat, Zimmer Nr. 13— 14 des Rathauses, bis zum 39. August zu jeder- manns Einsicht aus. Es ist Pflicht jedes Organisierten und politisch Denkenden, sich davon zu überzeugen, daß sein Name auch in die Wählerliste eingetragen ist. Ist dies nicht der Fall, so be- antrage er die sofortige Nachtragung in die Liste. i Für diejenigen, welche leine Zeit und Gelegenheit zur persön. ltchen Einsichtnahme haben, haben sich nachstehende Personen bereit» erklärt, Einsicht in die Liste zu nehmen: E. Koeßnick, Restäurateür, Picheisdörfer Straße 39. H. Ret- ncrt, Restaurateur, Földerichstr. 6. Fr. Böhle, Restaurateur. Havelstr. 29. Ferd. Schuster, Restaurateur, Wrösmännerstr. 11. Alb. Mette, Restaurateur, Bismarckstr. 6. Jul. Feucrherdt, Kur» straße 21. K. Heilig, Frobenstr. 12. K. Gottwald. Restaurateur, Schönwalder Straße 89. G. Sachs, Schuhmachermeister, PichelS- dorfer Straße III. R. Wels, Barbier, Seeburger Straße 38. Fr. Götze, Restaurateur, Secburger Straße 88. Krüning, Barbier, Seegrfelder Straße 116. W. Pieper. Zigarrenladcn, Metzer Straße 12. Otto Arendt, Scifengcschäft, Lhnarstr. 7. E. Köppen, ,.VorwärtS"-Spedition, Jagowstr. 9. Potsdam. Unfall bei der Arbeit. Der in der hiesigen kgl. Eisenbahn- Hauptwerkstätte beschäftigte 30 Jahre alte Mechaniker Willy Schott- städt, in der Hohenzollernstraße 39 wohnhaft, stürzte vorgestern bei der Arbeit so unglücklich ab, daß er sich eine Gehirnerschütterung und eine Schulterverrenkung zuzog. Er wurde in das städtische Krankenhaus befördert. Bornim bei Potsdam . Eine schwere Spiritusexplosion ereignete sich in der Wohnung des Landmanns Philipp. Das fünfzehnjährige Kindermädchen wollte auS einer Kanne Spiritus nachgießen, trotzdem der Spiritus- kocher noch brannte. Die Kanne explodierte, wodurch ein Zimmer- brand entstand. Das Kindermädchen und das zweijährige Kind des Philipp erlitten schwere Brandivunden. Die Verletzten wurden nach Potsdam transportiert und fanden im Sankt Joseph-Kranken- Haus Aufnahme, wo das zweijährige Kind gestern nacht seinen Wunden erlegen ist. Gcnchta- Zeitung. , Morphinismus. Eine unbezähmbare Leidenschaft hat den Kaufmann Fritz H. auf den Weg des Verbrechens geführt. Unter der Anklage der Urkundenfälschung, begangen durch Fälschung eines ärztlichen Re- zcpts, mußte sich der bisher völlig unbescholtene Angeklagte gestern vor der 4. Ferienstrafkammer des Landgerichts l verantworten. Der Angeklagte hat eine sehr ereignisreiche Vergangenheit hinter sich und ist fast in der ganzen Welt herumgekommen. Zuletzt hatte er sich in Australien und dann in Brasilien aufgehalten. In den brasilianischen Pampas zog sich H. das Malariaficber zu, welches ihn längere Zeit auf das Krankenlager warf. Gewisse organische Störungen sehr schmerzhafter Art hatten zur Folge, daß H. Morphium zu sich nchnien mutzte. Der Morphium- genuß wurde bald zur täglichen Gewohnheit bei ihm und artete schließlich in eine unbezähmbare Leidenschaft aus. Unter Anwendung des unglaublichsten Raffinements verstand H. es, wieder Morphium zu erlangen. Der Angeklagte hatte es schließlich so weit gebracht, daß er täglich 4 Gramm des ncrvenzcrrüttenden Giftes zu sich nehmen konnte, ohne irtzendwelche ÄergiftungL» crscheinungen aufzuweisen, während sonst eine Dosis von einem halben Gramm hei einem normalen Menschen den Tod herbei- führt. Als sich schließlich alle Mittel und Wege, sich in den Besitz des„geliebten Giftes" jju setzen, verschlossen zeigten, scheute der Angeklagte selbst vor etncr Urkundenfälschung nicht zurück. Er fälschte ein Rezept mit dem Namen eines Arztes Dr. H. und erlangte damit m einer Apotheke in der Beusselstraße ein größeres Quantum Morphium. Diese Fälschung kam später zur Entdeckung und H. wurd unter Anklage gestellt. Vor Gericht erzählte der Angeklagte seine ganze LebcnSgeschichte und wie er zu dieser un- glückseligen Leidenschaft gekommen war, von der er sich durch drei sogenannte Entziehungskuren zu heilen schon versucht hatte. DaS Gericht ließ unter den obwaltenden Umständen Milde walten und erkannte auf die niedrigste gesetzlich zulässige Strafe von iTagGcfängnis..�»_ GastwirtSstellvertreter und Uebertretung der Pvlizciftunde. DaS Landgericht Berlin hatte den Angeklagten Falk unter der Annahme, daß er als Vertreter eines Gastwirts Gäste über die Polizeistunde hinaus geduldet habe, auf Grund des§ 365 Abs. 2, des Strafgesetzbuchs zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Ferien- straffenat des Kammergerichts hob das Urteil auf und ver- wies die Sache au die Vorinstanz zurück. Begründend wurde ausgeführt: Die Vertreter von Wirten können nicht auf Grund des§ 865, Absatz 2, des Strafgesetzbuchs bei Uebcrtretungen der Polizeistund« bestraft werden, denn dort werde nur der Wirt mit Strafe bedroht, der das Verweilen der Gäste über die Polizei- stunde hinaus dulde. Eine Freisprechung des Angeklagten könne gleichwohl nicht eintreten. Die Vorinstanz müsse gleichwohl der �rage nähertreten, ob nicht S 151 der Gewerbeordnung anwendbar sei. Sind bei der Ausübung de? Gewerbes polizeiliche Vor- schriften von Personen übertreten worden, welche der Gewerbe- treibende zur Leitung des Betriebes oder eines Teiles desselben oder zur Beaufsichtigung bestellt hat, so treffe nach 8 151 der Gewerbeordnung die Strafe diese Personen. Die Vorinstanz müsse nachprüfen, ob Angellagtxr«in derartiger Vertuier gewesen sei. Versammlungen. Der Sozialdemokratische Berel» im fünfte» Wahlkreise hielt am Dienstag eine Generalversammlung ab, welche geschäft- liche Angelegenheiten zu erledigen hatte. Der Vorsitzende Fried- l ä n d e r erstattete den Vorstandsbericht. Ueber den Mitglieder- bestand teilte er mit, daß derselbe Ende Dezember vorigen JahreS 1727(1559 männliche und 177 weibliche) betrug. Am 39. Juni diese? Jahres hatte der Verein 1676 Mitglieder, und zwar 1489 männliche und 196 weibliche. Der Rückgang der Zahl der männ - lichen Mitglieder, eine Folge der wirtschaftlichen Krise, müsse durch intensive Agitation wieder eingeholt werden.— Der Kassen- bericht zeigt eine Einnahme von 5534,48 M, eine Ausgabe von 5137,49 M. und einen Bestand von 449,49 M. Der Frauenversammlung, welche die weiblichen Parteitag?- delegierten für Berlin zu wählen hat, wird Frau Holzapfel als Kandidatin des fünften Kreises vorgeschlagen.— An Stelle des aus dem Parteivorstande ausfcheidenoen Genossen Eberhardt wird Liepmann als Kandidat nominiert. Ein für die Generalversammlung für Groß-Berlin aus den Reihen der Mitglieder gestellter Antrag:„Die Parteibons ab- zuschaffen und dafür emen vierteljährlichen Extrabeitrag von 19 Pf. zu erheben", wurde nach reger Debatte angenommen. Zum Schluß entstand eine recht lebhafte Debatte über die Stellung des Verbandes der freien Gastwirte zur BierpreiS- erhöhung. Genosse Zucht eröffnete die Debatte mit einer Auf- forderung zum energischen Protest gegen den Bierwucher, den die freien Gastwirte im Bunde mit den Brauereien zu treiben gedenken. Gegen diese durch nichts gerechtfertigte Ausbeutung der Konsumenten müsse entschieden Stellung genommen werden. Es sei zu bedauern, daß sich der„Vorwärts' erst jetzt gegen das Treiben der freien Gastwirte wende. DaS hätte schon früher ge. schehen müssen. Noch viel energischer wie bisher müsse der„Vor- wärts" gegen das Verhalten der freien Gastwirte Stellung nehmen.— Weise, der seit einiger Zeit Gastwirt ist, wandte sich mit lebhaften Worten gegen Zucht. Er suchte daS Verhalten seiner Kollegen zu rechtfertigen und meinte, die Gastwirte könnten sich doch nicht mit einem Preisaufschlage in Höhe der Biersteuer begnügen, denn sie würden ja auch durch die Spiritus-, Zündholz-, Glühstrumpf, und andere Steuern belastet, und müssen auch diese wieder einzubringen suchen.— Dem Genossen Weise wurde von anderen Rednern« besonders von Friedländer.und Zucht, in sehr deutlicher Weise gesagt, daß die Parteigenossen nicht dazu da seien, um den Budikern ein angenehmes Leben zu bereiten. Die freien Gastwirte seien bei ihren Verhandlungen mit den Brauereien in ruppiger Weise gegen die Konsumenten bor. gegangen, sie hätten ganz vergessen, daß auch sie größtenteils Ar- beiter waren und Sozialdemokraten sein wollen. Heimlich hätten die freien Gastwirte zunächst mit den Brauereien verhandelt, und erst, nachdem die Arbeiterschaft ihnen auf den Kopf gestiegen sei, wären sie zurückgehupft. Wie kämen denn die Arbeiter dazu, für die Gastwirte sämtliche Steuern zu bezahlen. Müsse doch der Arbeiter seine Steuern auch aus der eigenen Tasche bezahlen. Daß sich die freien Gastwirte nicht mit der Arbeiterschaft ver- ständigten, ehe sie mit den Brauereien ins Reine gekommen waren, das werde ihnen mit Recht zum Vorwurf gemacht.— Nach diesen Erörterungen trat Weise in manchen Punkten einen Rückzug an, wenigstens insofern, als er nicht alle Handlungen des Vor- standes der freien Gastwirte billigte. Hiernach konnte Fried. l ä n d e r konstatieren, daß die Diskussion auf den Genossen Weise schon gewirkt habe, und konnte der Erwartung Ausdruck geben, daß die Erörterungen auch auf die Allgemeinheit der freien Gast- Wirte nicht ohne Wirkung bleiben werde. Ter sechste Berliner ReichStagZwahlkreis hielt am Dienstag im„Swinemünder Gcsellschaftshause" eine Mitgliederversammlung ab. Genosse N a t h o w referierte über die neueReichSversicherungs- ordnung. In einem IVH stündigen Vortrage ging der Redner den neuen Entwurf zum Reichsversicherungsgesetz durch, indem er, gestützt auf eine umfassende Sachkenntnis sowie aus reichhaltiges Tatsachenmaterial, Punkt für Punkt diese für die Arbeiter so äußerst wichtige Vorlage in die kritische Beleuchtung rückte. Den spärlichen Lichtseiten stellte er die vielen Schattenseiten des Eni. Wurfes gegenüber und betonte angesichts des Vorgehens gegen die Selbstverwaltung der Kassen, daß die Vertreter der größten Krankenkassen und die Mehrzahl der Arbeitgeber, abgesehen von einer Gruppe Scharfmacher, nach wie vor auf dem Boden der Selbstverwaltung ständen. Im Laufe seiner Ausführungen ent. warf Genosse N a t h o w ein anschauliches Bild von dem Ver- sicherungswesen und verneinte dabei, daß dasselbe besser geworden sei. Vor 25 Jahren seien die absoluten Löhne viel niedriger, die Verhältnisse ganz andere gewesen, man könne deshalb gar nicht verstehen, wie die Regierung die Versicherungsgrenze auf bloß 2999 M. festsetzen konnte. Unter solchen Umständen ist ein Teil der unteren Volksschichten von der Vergünstigung der Kranken. Versicherung ausgeschlossen und gezwungen, m Krankheitsfällen die hohen Privatkur- und Aerztetaxen zahlen zu müssen. Die Schuld an diesem bedauerlichen Umstände treffe allerdings weniger die Regierung als die Aerztevcreinigung. die befürchte, daß bei der von uns geforderten Grenze von 3999 M. ihnen der ganze Mittel. stand verloren gehe. Redner geht auf den Schutz der Schwangeren ein und beweist durch statistisches Material über daS Anschwellen der Frauenarbeit die unumgängliche Notwendigkeit stärkerer Matz. nahmen auf diesem Gebiete. In seinen weiteren Ausführungen behandelt der Referent die Jnnungs. sowie die Betriebskassen. ferner die im Entwurf vorgesehenen Landlassen, welch letztere er alS einen Fortschritt begrüßt. Nachdem er noch die Unfall- und Invalidenversicherung und auch die Jammergeburt des Zollwucher. tarifs von 1992, die Witwen- und Waisenversicherung, einer kritischen Würdigung unterzogen, lieh der Referent unter reichem Beifall seinen Vortrag in die Forverung auSklingen: Ausbau der Reichsversicherung, aber keine Verschlechterung!— In der Diskussion ergänzten unter anderem die Genossen Fuß und A l t h a u s daS Referat noch in manchen Punkten. Der Deutsche Buchbinderverband(Zahlstelle Berlin ) hielt am 12. August in den„Arminhallen" eine Generalversamm- lung ab. Zu oem gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht vom 2. Quartal nahm der Bevollmächtigte Klar das Wort. Er teilte mit, daß der Unternehmer, welcher nach Schweden Presser zu ver- Mitteln gesucht hat. der Kartonfabrikant Stein in der Alexander. straße sei. Erfreulicherweise habe sich niemand gemeldet. ES müsse verlangt werden, daß vor der Annahme aller Stellen»m Ausland die Kollegen Erkundigungen beim Bevollmächtigten(auf dem Bureau) einziehen. Redner hob die große Bedeutung deS Kampfe» in Schweden hervor und sprach den Wunsch auS, daß von den Sammellisten reger und schneller Gebrauch gemacht werden möge.— Die Ortsverwaltung ist dem Austrage der Generalver- sammlung vom 25. März gefolgt und mit dem Vorstande der Ar- beitSlosen-Zuschußkasse der Buchbinder in Verbindung getreten, und hat diesem einen Vorschlag zur Regelung de? Verhältnisses der Zahlstelle Berlin zu der neu gegründeten ArbeitSlosen-Zuschuß- lasse gemacht. Zu einem Abschluß ist eS aber noch nicht gekommen. Die Erzielung einer Einigung wäre dringend erwünscht.— Die Ortsverwaltung hatte seinerzeit ferner den Auftrag erhalten, einen Entwurf auszuarbeiten, welcher die Generalversammlung auS den in den Branchenvcrsammlungen im Januar zu wählenden Dcle- gierten konstituiert. Eine solche Vorlage wurde von einer Koin» Mission ausgearbeitet und von der OrtSvcwaltung akzeptiert, aber von der kombinierten Verwaltung gegen eine große Minorität ab. gelehnt.— Die Zahlstelle hatte am Schluß des 2. Quartals 3134 weibliche und 2889 männliche Mitglieder, insgesamt also 6923 Mit- glieder.— Die Ortsverwaltung beantragt, wegen der erhöhten Ausgaben der Gewerkschaftskommission dieser pro Mitglied jetzt 29 Pf.(statt 15 Pf.) zu �verweisen, sowie eine weitere Beihilfe von 5 Pf. pro Mitglied und Jahr zu leisten, damit die Herberge im Gewerkschaftshaus in der bisherigen Weise weitergeführt werden kann. Ferner wurde beantragt, für Umbauarbeiten im paritätischen Arbeitsnachweis 423 M. zu bewilligen. E» ist ein größerer Raum zur Verfügung gestellt worden, der eS ermöglicht, die Vermittelung der weiblichen und männlichen Arbeitslosen zugleich in der Zeit von 9 bis 1 Uhr vorzunehmen.— Die Arbeitslosigkeit hat imnrer noch nicht nachgelassen. Im April Ivaren 419, im Mai 442 und im Juni 396 Arbeitslose eingeschrieben. Da» sind natürlich lange nicht alle Arbeitslosen der in Betracht kommenden Berufe. Gemäß einem früheren Beschluß wurden an 893 ausgesteuerte Arbeits- lose 4279 M. an Extraunterstützung gezahlt. Den Kassenbericht für das zweite Quartal erstattete der Kassierer BytomSki. Die Lokalkasse hatte eine Einnahme von 9881,13 M., der eine Ausgabe von 8992.81 M. gegenüber stand. Da am 1. April ein Bestand von 44 755,15 M. vorhanden war, so verblieb nach Ver. rechnung von Einnahme und Ausgabe am 1. Juli ein Bestand von 46 633,52 M.— Die Zentralkasse balonzierte in Einnahme und Ausgabe mit 36 194,65 M.— Die Matinee erzielte einen Ueber. schluß von 292,89 M. Die Diskussion erstreckte sich fast vorwiegend auf gewisse Unzuträglichkeiten im paritätischen Arbeitsnachweis, die bereits in einer Arbeitslosenversammlung besprochen worden sind. Seitens der KuratoriumSmitglirder wurde erklärt, daß sie für die Abstellung von Mißständen eintreten werden. Beschwerden möchte man stets sofort an sie richten. Verschiedene Mißstände dürften schon demnächst beseitigt werden. Vielleicht gelinge«S auch, noch einen Raum hinzuzugcw,nnen. Den Funktionären, soweit sie Kassengeschäfte betreiben, wurde Decharge erteilt. Die oben wiedergegebenen Anträge der OrtSver- waltnng nahm die Versammlung an. Ter Beitrag für die Ge- Werkschaftskommission ist also pro Mitglied um 5 Pf., von 15 Pf. auf 29 Pf., erhöht worden und für die Herberge wird außerdem pro Mitglied und Jahr ein Zuschuß von 5 Pf. geleistet werden. Die Umbaukosten. die im paritätischen Arbeitsnachweis entstanden. wurden übernommen. Die Versammlung nahm ferner einen An- trag an. wonach sie von der Ortsverwaltung erwartet, daß Mittel für die ausgesteuerten Arbeitslosen bereit gestellt werden. Durch einen weiteren Beschluß wurde den Arbeitslosen, die zu der er« wähnten Arbeitslosenversammlung erschienen sind, ein Zehrgeld von 39 Pf. bewilligt. Zum Revisor für die Verbandskasse wurde Hanke gewählt, zu Revisoren für die Lokalverwaltung Thtelemann und Mar« schallet. Soztaldemotrattscher Lese» und DtStutierklub„John»» Jacoby-. Heut« abend Sst, Uhr bei vugge, Kastanien» Alle» SS/Ss» Sitzung. Gäste willkommen.
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