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1060 W» Hro Jahr versteuem, während die ländlichen Einwohner schon bei 600 M. für intelligent genug befunden werden, um das LandtagSwahlrecht ausüben zu können. Unter stürmischer Zu- stimmung der Wahlrechtskämpfer, konnten die Redner feststellen, daß von heute ab nun auch in Anhalt der Wahlrechts- kamps da sei und dauern werde, bis dem Junkertum und den mit ihm versippten regierenden Gewalten das freie Wahlrecht abgerungen ist. Nach einstimmiger Annahme einer in diesem Sinne gehaltenen Resolution gingen die Versammelten unter begeisternden Hochrufen aus das freie Wahlrecht auseinander, ohne daß es zu irgendwelchen Ruhestörungen gekonimen wäre, alldieweil man höheren Orts so vernünftig gewesen war, die Aufrechterhaltung der Ordnung den Wahlrechtskämpfern selbst zu überlassen. Reichstagsersatzwahl im Kreise Ucckermünde-Usedom- Wollin. Durch den Tod des Retchstagsabgeordneten Dr. Werner Delbrück, über den wir an anderer Stelle berichten, wird im Reichstagswahlkreise Usedom-Wollin eine Ersatzwahl nötig Die Aussichten, das Mandat zu erobern, sind für unsere Partei nicht ungünstig. Der Kreis war von 1384 bis 1893 konservativ und von 1893 bis 1993 freisinnig im Reichstage vertreten. Im Jahre 1993 erhielten in der Hauptwahl Stimmen: von Böhlendorff (k.) 6777, Gaulke(fr.) 3989 und K u n tz e(Soz.) 5543. In der Stichwahl siegte der konservative Kandidat mit 9969 Stimmen über Kuntze, der nur 6823 Stimmen erhielt. Bei der letzten Wahl erhielt in der Hauptwahl der konservative Kandidat 8156 Stimmen, Dr. Delbrück(freis. Bg.) 6353. Kuntze(Soz.) 6113 Stimmen. In der Stichwahl stimmte die Sozialdemo kratie für Delbrück . Er siegte mit 11 911 Stimmen über den Konservativen, der 9415 Stimmen erhielt. Wie diese Zahlen zeigen, blieb der sozialdemokratische Kandidat nur um 249 Stimmen gegen den Freisinnigen zurück. In Anbetracht der heutigen Erregung des Volkes über die letzte Reichsfinanzreform und die Bethmannsche Wahlrechtsvorlage ist anzunehmen, daß unser Kandidat den Freisinnigen weit überflügeln und mit dem konservattven Bewerber um das Mandat in die Stichwahl kommen wird. Das Zentrum in Nöten. Vor mehr als zwei Wochen hat die Kölner Zentrumsleitung angekündigt, datz sie am S. April eine große politische Versammlung abhalten wolle, um zu den wichtigsten politischen Fragen Stellung zu nehmen. Durch diese Ankündigung sollte die ungeduldige An> Hängerschaft vorerst beruhigt werden. Die lange Hinausschiebung der Versammlung erfolgte nur, damit möglichst viel GraS über die Wahlrechtsverrätereien wachse. Die Zwischenzeit benutzte das Zentrum, um die Vertrauensmänner der katholischen Arbeitervereine, des LolkSvereinS für das katholische Deutschlands der PsarrkomsteeS und anderer klerikaler Organisationen zu geheimen Zusammenkünften zusammen zu holen, um sie, wie eS in einem unserem Kölner Parteiblatt aus den Redaktionstisch geflogenen Zirkular heißt,»zunächst schon über die wichtigsten politischen Fragen und Bestrebungen zu unterrichten� DieVertrauensmänner" sollen also instruiert werden, um den erregten Anhang bearbeiten zu können. Nachher, wenn die Geister etwas beruhigt find, kann dann die öffentliche Versammlung statt finden. Solche JnstruktionSversammlungen find beim Zentrum nichts Neues. Als Mitte vorigen JahreS daS Zentrum ge meinsam mit den ostelbischen Junkern dem Volke unter Schonung der Besitzenden neue schwere Lasten auferlegt hatte, und die Empörung über die Taten des Schnapsblocks immer. größer wurde, da berief man von M.-Gladbach aus die katho­lischen Arbeitersekretäre West-DeutschlandS zu einer Geheimkonferenz nach Köln . In dem damals versandten ge« Heimen Zirkular hieß eS: »SS sollen auf dieser Konferenz den«rbeitersekretären An» Weisungen und Winke gegeben werden, wie sie die A g i t a» tion der Sozialdemokratie, die jetzt nach Erledigung der Reichsfinanzreform in dritter Lesung gegen das Zentrum voraussichtlich einsetzen wird, erfolgreich abwehren.' Freikonservative Wahlrechtsintrige«. Die Konservative Vereinigung hielt am Sonntag in Wiesbaden eine Generalversammlung ab. die sich mit der preußischen Wahl- rechtsvorlage beschäftigte. Die Debatte über diesen Punkt war von echt konservativem Geiste beseelt. Landrat v. Heimburg bezeichnete die indirekte Wahl als ein Bollwerk gegen das ReichstagLwahlrecht. ' Einem anderem Redner war der geänderte Entwurf noch viel zu demokratisch. Schließlich äußert- sich auch der Reichstagsabgeordnete v. Dirksen über die Reform. Er erklärte die Beseitigung der in­direkten Wahl für ein nationales Unglück. Die Wahl- rechtsvorlage sei der übelste Nachlaß BlllowS. Am 12. April", so führte v. Dirksen weiter aus,wird die 8. Lesung vorgenommen, die an der zweiten Abstimmung nichts ändert, so daß die Vorlage ans Herrenhaus gelangt. Hier ist die Annahme sicher. Die Entscheidung liegt jedoch bei der Krone. Bei dem Kaiser ist, wie ich bestimmt erfahren habe, der lebh a fte W un s ch vorhanden, daß die mittleren Parteien ihre Zustimmung zu dem Gesetz« geben. Wenn das Gesetz nur von den Konservattven und Zentrum angenommen wird, dann ist die Lage der Konser- vativeu nicht gebcstert. DaS Zentrum hat dagegen eine große Stärkung erfahren, eine Stärkung, die eS anstrebt. Die Frei­konservativen sind zu Konzessionen bereit, wenn Aenderungen ein- treten, die verhindern, daß die westlichen Industriegebiete dem Zentrum und der Sozialdemokratie ausgeliefert werden." Die Mischung des Krautjunkertums mit Schlotjunkertum, wie fi« fich im sogenannten IreikonservatttmuS findet, ist fast noch wider- licher als der echte ostprenßische Junkergeist. Bon der Posener Ersatzwahl. Trotz des vielen Geschreies der demokratischen Richtung haben die konservativen Polen es verstanden, ihren Kandidaten So« s i n s k i auf die Liste zu schmuggeln. Die Sache ist äußerst charakteristtsch dafür, wie die polnischen Führer mit ihren Wählern umspringen. In sieben, in der Stadt Posen abgehaltenen Wähler- Versammlungen wurde der Vertreter der demokratischen Richtung N o w i ck i einstimmig zum Kandidaten vorgeschlagen. Hieraus entfalteten feine konservativ-polnischen Gegner eine äußerst ge- bässige Agitation in den beiden Landkreisen Posen-Ost und-West. Doch auch dort wurde Nowicki in drei Versammlungen vorgeschlagen. während sich zwei für Sosinski entschieden. Demnach hätte die Vertrauensmännerversammlung denDemokraten " nominieren müssen. Doch weit gefehlt; bei der Astimmung erhielt vielmehr jeder Kandidat sechs Stimmen. DaS L o S mußte entschei» den. ES entschied zugunsten Sosinskis, des Kandidaten, der in verschwindender Minderheit gebliebenen Hospariei. Nowicki hat den Wunsch seiner Anhänger, die fast durchweg aus polnischen Arbeitern dastehen, fich als Gegenkandidaten auf- stellen zu lassen, abgelehnt. Das PolenblattPostap" wettert in langen Artikeln"gegen diese Vergewaltigung der polnischen Wähler und spricht die Befürchtung auS, daß ein Teil der Wähler sich in- Evessen der Wahl enthalten, oder in das sozialistische Lager ab- nken werden. In den Polenversammlungen, in denen unsere ssen das Wort ergriffen, wurden sie von dem polmsch-konser- vativen Pöbel regelmäßig niedergeschrien. Republikanische Rückstäudigkeit. Die Lübecker Bürgerschaft"(Lübecks Parlament), welche auS 12 Sozialdemokraten und 108 bürgerlichen Vertretern zusammen- gesetzt ist, beendete Freitag morgen nach fünf Sitzungen die Beratung des Staatsbudgets. Von unseren Genossen wurde eine ganze Reihe sozialpolitischer Anträge gestellt, die jedoch von den Reaktionären wie von den Liberalen niedergesiimmi wurden. So war die Einführung einer staatlichen Arbeiter- Versicherung durch unsere Vertreter beantragt, von den Er- korenen des Geldsacks jedoch abgelehnt; ebenso der Antrag, zweimal jährlich eine Arbeitslosenzählung vornehmen zu lassen. Um den Lehrern einen angemessenen Einfluß auf die Schulfragen, die in Lübeck von Leuten ohne praktische Erfahrung auf dem Gebiete des Volksschulwesens gelöst werden, einen entsprechenden Einfluß zu sichern, hatte Genosse Dr. S ch l o m e r die Einsetzung eines von den Lehrern frei gewählten Schulkonvents beantragt. WaS man nicht für möglich halten könnte, trat ein: liberale Lehrer ersuchten um Ablehnung deS Antrages aus den rückständigsten Gründen und besiegelten damit dessen Schicksal. Unser Redner hatte auch die Gelegenheit wahrgenommen, um den in manchen Schulen gepflegten Hurra-PatriotiSinus und Byzanti niömus zu geißeln. So hatte ein Oberlehrer seine Schüler veranlaßt, einen Aufsatz zu schreiben über das ThemaWelches können die eventuellen Ursachen eines Krieges zwischen England und Deutschland sein?" Auf diese Weise treibt man in den Schulen alldeutsche Hetze Der Ablehnung verfielen weiter die sozialdemokratischen Anträge aus Errichtung eines städtischen Obdachlosenasyls sowie Anstellung eines Gewerbeinspektors._ Im Wahlkreise Jauer-Bolkenhain-Landeshut wurde für die bevorstehende Ersatzwahl an Stelle des verstorbenen freisinnigen Abgeordneten Dr. Hermes der Land tagsabgeordnete und frühere Oberbürgermeister von Görlitz , Geh. Regierungsrat Büchtemann als Kandidat der Fortschrittlichen Volkspartei aus- gestellt._ Gegen die Eisenbahnern, aßregelungen in Sachsen . Kürzlich kam esim sächsischen Landtage zu stürmischeil Verhandlungen, weil die Regierung anläßlich einer Petition mehrerer wegen Zugehörigkeit zur Organisation entlassener Eisenbahn werkstättenarbeiter durch den Finanzminister erklärte, daß sie jeden organisierten Eisenbahner entlassen sozialdemokratischen Redner krittsierten die Matzregelungswut der Slaatsbahnverwaltmig äußerst scharf und forderten Anerkennung des Koalitionsrechts. Wenige Wochen später warf die Betriebsdirektion in Chemnitz dr e ize hn Eisen b a h n a ngest el lte brutal aufS Pflaster, weil sie eine Eisenbahnerversammlung besucht hatten. Dieser Terrorismus wirkte wie eine Provozierung, sah auS wie eine Verhöhnung der linken Seile des Landtags. Die sozialdemokratische Fraktion wird die Antwort darauf nicht schuldig bleiben. Sofort bei dem Wiederzusammentritt des Landtags hat sie folgende Interpellation eingebracht: 1. Ist der Königlichen Staatsregierung bekannt, daß am Sonnabend, den 19. März 1910, von der Staatsbahnverwaltung in Chemnitz dreizehn Eisenbahnwerkstättenarbeiter plötzlich die Eni- lassung erhielten, weil sie an einer öffentlichen Versammlung der Eisenbabnarbeiter teilgenommen haben? 2. Was gedenkt die Königliche Slaatsregierung zu tun. um ihre Eisenbahnwerkstättenarbeiter in ihren staatsbürgerlichen Rechten zu schützen?_ Die Erschwerung der Bieheinführung aus Dänemark . Am Sonnabend nachmittag tagte im Jlensburger Rathause eine Konferenz der Bürgermeister der Städte Kiel , Flensburg , Altona und Apenrade , um Stellung zu der durchgeführten schärfe- ren Kontroll« der Vieheinfuhr aus Dänemark zu nehmen. Es wurde, nachdem die Quarantänepächter und Schlacht die liberalen Parlamentsab geordneten von Wales eingeladen, mit ihm die durch die Nachwahl von Mid-Glamorgan ge- schaffene Lage zu besprechen. OrKel. Das Attentat in Jpek. Saloniki, 3. April. Heber Jpek ist der Belagerungszustand verhängt worden. Dschavid Pascha droht, die Stadt zu b o m- bardteren, falls sich die Arnauten nicht ruhig verhalten und die Waffen ausliefern. Der Urheber des Attentats auf den Mutessans, Hakki Beh, und seinen Begleiter, einen gewissen Katil Abbas, ist mit seinen Genossen geflüchtet. Hu9 der Partei. Genosse Paul Singer hat sich, lvie wir schon meldeten, einer Augenoperation unterzogen. ist, wie wir erfahren, erfreulicherweise glänzend Befinden des Patienten ist gut. Wir nicht allzu langer Frist Genosse Singer am Sonnabend Die Operation gelungen, das dürfen also hoffen, daß in wieder in alter Rüstigkeit in den Kantpfreihen voran marschieren wird. Gemeindewahlen. Die Wahlen in Bremerhaven haben nach dreitägiger Wahlschlacht nicht nur, wie schon berichtet, in der dritten Klasse einen überraschenden Erfolg gebracht. Auch in der zweiten und ersten Klasse haben sich die sozialdemokratischen Stimmen erheblich vermehrt. Fiel der Sozialdemokratie in der dritten Klasse der gesamte Stimmenzuwachs an Wählern zu, rund 600 Stimmen, so nahm sie in der zweiten Klasse den Gegnern außer diesem Zuwachs noch Stimmen ab. Selbst in der ersten Klasse nahm sie an Stimmen zu, und das trotz eines Wahlkampfes, der von unseren Gegnern nach Reichsverbandsmanier durchgeführt wurde. Noch ein Zwanzigjähriger. Gleichzeitig mit dem Hallenser . Volksblatt" hat in diesen Tagen dieMärkische B o l k s st i m m e" zu K o t t b u s die Feier des zwanzigjährigen Bestehens begehen können. Am 1. April 1390 erschien zu Frankfurt a. O. die erste Nummer des vorerst drei- mal wöchentlich erscheinenden BlatteS. Im Jahre 189S erfolgte die Verlegung nach Forst, im Jahre 1901 wurde dieVolksstimme" ein Tageblatt und 1908 siedelte sie nach Kottbus über. Unser Parteiorgan feiert sein Jubiläum in einer zweifarbigen, mit Illustrationen, die die Räume desVolkSstimme"-Bctriebes zeigen, geschmückten Sondernummer, die u. a. Beiträge der früheren Re- dakteure des Blattes und mancherlei launige und erhebende Ex- iunerungen auS den 20 Kampfjahren enthält. Adresscnveränderung. Die Adresse des Parteisekretärs für den A g i t a t i o n S b e z i r k Görlitz ist von jetzt ab: Hermann Stolpe, Görlitz , Luisen st r. 8, H. r. II. Em Industrie und Kandel . Kali-Radau. In der am Sonnabend abgehaltenen Generalversammlung der Kaligewerlschaft Aschersleben kam eS zu tumultuarischen Szenen. Die Gegner der Gruppe Schmidtmann, die genau wie diese das nackteste Tascheninteresse vertreten, leisteten sich dabei die Geschmack- losigkeit, mit nationalen Phrasen um sich zu werfen. Für die Volks- feindliche Politik des KalisyndikatS nationale Motive zu unterstellen, dazu gehört schon ein bißchen viel Mut. Der Hauptrufer im Streite,. Herr Sauer, gab seinem Kampfe ums Vaterland das richtige Relief, indem er darauf hinwies, daß er nicht nur bei AscherSleben stark beteiligt sei, sondern sich gebietender Besitzer mehrerer Kali- werke nennen dürfe. Und diese gehören zur Syndikatsgruppe. Na also! Einer der Syndikatsfreunde verhaspelte sich denn auch gründlich; er bemerkte, die Frage, ob mit oder gegen das Syndikat die Aktionäre am besten weg kämen, das fei das allein Maßgebende! Nun ist es klar, daß ein Mann wie Sauer, der beim Syndikat stark engagiert ist, ganz andere Interessen hat, als der Aktionär, der hauptsächlich nur für AscherSleben Geld gegeben hat Für uns ist die Frage übrigens ganz nebensächlich. Die Syndikats» Politik ist die volksfeindlichste, das ist das Entscheidende. Der Erfolg der Syndikatsgruppe war lediglich der, daß eine Revisionskommission gewählt wurde, die den Auftrag hat, die mit den Amerikanern ab- geschlossenen Verträge zu prüfen. Der Arbeitsmarkt im Baugewerbe steht gegenwärtig ganz unter Eindruck der Tarisverhandlungen. Es belief sich das Angebot dem Arbeitsuchender im Baugewerbe Jahre auf: 1906 Januar. 222 Februar. 238 Differenz-fi 16 Der Andrang ist in den beiden ersten Monaten der 1907 251 251 + 0 1908 874 360 -14 1909 441 644 + 203 1910 500 342 153 Hofdirektoren eine Darstellung der Sachlage gegeben hatten, in der Konferenz beschlossen, sich beschwerdeführend an den Bundesrat zu wenden, unter Klarlegung der Verhältnisse. vlNAAfN. Die Wahlrcsorm. Budapast, 4. April. (W. T. B.) Handelsminister Hieronymi führte in feiner Rede über die Wahlreform vor feinen Wählern aus, das größte Verbrechen des gegenwärtigen Wahlrechts liege darin, daß die industriellen Arbeiter im Gegensatz großen Schichten der Landbevölke rung das Wahlrecht nicht besäßen, da schon eine geringe Grundsteuerleistung die Wahlberechtigung verleihe. Die Regierung könne zwar nicht die radikalste Lösung des Wahl rechtsproblems in Aussicht stellen' werde aber auch keinen reaktionären Versuch anstellen. Er bitte die Wählerschaft. zu vertrauen, daß die Regierung die Absicht habe, jede durchführbare freisinnige Forderung auch durch- zuführen. Die Rede wurde mit großem Beifall aufgenommen. Englanä. Das Wahlergebnis in Mid-Glamorgan. b. London , 2. April. (Eig. Bcr.) Die Nachwahl in Mid- Glamorgan ist, wie bereits telegraphisch gemeldet, überraschend günstig für den sozialisttschen Kandidaten der Arbeiterpartei ausgefallen. Auch diejenigen unter uns. die von der Stärke der Arbeiterpartei überzeugt sind, wagten nicht die Voraussage, daß Hartshorn über 6999 Stimmen erhalten wird. Hätten die Konservativen einen Gegenkandidaten aufgestellt, so würde der Sozialist die relative Mehrheit erhalten haben. Nach Verkünoigung des Wahlresultats hielt Hartshorne eine Rede, in der er u. a. sagte:Dies ist der stolzeste Moment meines Lebens. Ich freue mich, daß es mir der- gönnt war. an einem Kampfe teilzunehmen, der die vollständige Trennung zwischen Liberalis- mus und Arbeiterpartei hervorbringen wird. Die 6999 Männer, die für mich stimmten, traten für kom- zromißlosen Sozialismus ein." Die Liberalen triumphieren vorläufig, aber ihre Triumph- timmung wird nur anhalten, bis sie Zeit gewinnen, über den Sieg in Mid-Glamorgan ernster nachzudenken. Denn dieser Sieg enthüllt mit unverwischbarer Deutlichkeit die Klassen- Ii nie, die die Gesellschaft in zwei Lager teilt, eine Enthüllung, die die Liberalen solange als möglich hinausschieben möchten. Es wäre indes meines Erachtens verfehlt, aus diesen Vorgängen zu schließen, daß Liberalismus und Arbeiterpartei schon in nächster Zukunft in einen Klassenkampf gegen ein- ander in bewußter Weise eintreten werden. Das Resultat in Mid-Glamorgan wird vorläufig nur zur Folge haben, daß die liberale Partei den Arbeitern größere Wahl- konzessionen gewähren wird. Die liberale Leitung, in der Winston Churchill , Lloyd George und der Master von Elibank ein gewichttges Wort mitzureden haben, fürchtet nichts 'o sehr als die Ossenbarung der Klasscnlinie. Sie wird des- halb Anstrengungen machen, die Rebellion in Wales zu be- 'änftigen. .«kk. Hi« �a�r, bl?n machten, wird gebeten, das möglichste zu tun, um das Anwerben zu (letzterer est Chwf Whip, also etwa Obexorganisator der Partei) I verhindern." demnach nicht allein wieder niedriger als im Vorjahre, sondern er bleibt auch hinter dem vom Februar 1903 noch zunick. Gebessert hat sich der Andrang im Februar vor allem bei den Zimmerern, Malern und Glasern, wo im vergangenen Jahre ein empfindliches Ueberangebot bestanden hatte. Bei den Glasern ist der Andrang von 619 im Februar v. I. aus 297 im Berichlsmonat zurückgegangen. Der Andrang von Maurern sank von 509 auf 314. Den relativ niedrigsten Andrang haben Bautagelöhner. Erdarbeiter usw. aufzuweisen; bei ihnen stellt er sich auf 261 gegen 382 im Borjahre. Lohnende Geschäfte. Die Terraingescllschaft Klosterland in Hamburg brachte für 1909 eine Dividende von SZ Proz. in Vorschlag, während die Aktionäre sich im Vorjahre mit nur L4 Proz. begnügen mutzten. Vorstand und AufstchtSratsniitglieder erhielten außerdem noch rund 29 000 M. Tantiemen. DaS beste Geschäft hat diese Ge- sellschaft durch Berkauf an den Staat gemacht. Kohlcudividenden. Die Orenbergsche Aktiengesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb verteilt für da» letzte Jahr nur IS1/« Proz. Die Aktionäre der Bergweiksgesellsckiaft Consolidation müssen sich mit 20 Proz. begnügen. 24 Proz. schüttet die Bergbau-Akiiengesellschaft Ilse aus._ Ein Schnapskartell. Die Schnapsproduzenten wollen die Gewinne steigern durch Festlegung höherer Preise. Die Branntweinindustriellen von Nord- hausen, Wernigerode und Umgebung haben damit den Anfang ge- macht. Zum Zwecke der Festsetzung von Mindestpreisen haben sie jetzt eine Preisvereinigung gegründet. Hoffentlich hat die Preis- erhöhung die gute Wirkung, den Schnapskonsum einzuschränken. Warnung vor deutschen Arbeitsverhältnissen. Der Attachö des italienischen AuswanderungSamteS hat aus Köln das folgende Commuuiquö gesandt, das rn der italienischen Presse Veröffentlichung findet: Die Firma Thyssen u. Co. ans Wülsradt sucht 200 Arbeiter, um sie in ihren Steinbrüchen anzustellen und beabsichtigt, fie direkt in Norditalien anzuwerben, voraussichtlich in den Provinzen von Udinc, Treviso , Vicenza und Verona , durch zu diesem Zweck ge- sandte Agenten. Da die Arbeitsbedingungen bei dieser Firma durchaus nicht gut sind und die Arbeiter nicht gut behandelt werden, weshalb schon früher Differenzen zlvischen der Firma und den Arbeitern entstanden, die das Eingreifen des Attaches nötig