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Kr.M. 27. Jahrgang. I KeilM Ks.Amörls" Snliin WlisdlR SoMg, 22. WIM. Korgen Kontag, clen 23. Kai, frauenieleabenü in Lrok-Kerlin. Partei- jEtogelegeuKeiten. Dritter Wahlkreis. Freitag, den 27. Mai, abends 8}4 Uhr. findet im großen Saal derArminhallen". Kommandanten- stvatze 58/59, eine öffentliche Frauenverjammlung statt. Genossin Zietz spricht über:Die Frau im Wahlrechtskampf." Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht der Frauen und auch der Männer, recht zahlreich in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorstand. Friedenau . Heute Sonntag, früh 8 Uhr, allgemeine Hand zettelverbreitung von den bekannten Bezirkslokalen aus. Die nach dem geplante Besichtigung des Elektrizitätswerkes findet nicht statt. Am morgigen Montag, den 23. d. M., abends 8) Uhr, große öffentliche Versammlung für Männer und Frauen imRhein - schloß", Rheinstr. SO. Tagesordnung:Volksvertreter im Preußen. Parlament." Referent: Landtagsabgeordneter Genosse Borgmann. Erscheint in Massen. Der Vorstand. Lankwitz . Mittwoch, den 25. Mai, abends SM Uhr, findet die Mitgliederversammlung des Wahlvereins bei Ebel, Mühlenstr. 9, statt. Tagesordnung:Jugenderziehung im Sinne des Sozialis» mus". Diskussion. Abrechnung von der Maifeier. Vereinsange» legenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Zehlendorf lWannseebahn). Am Dienstag, den 24. Mai, abends 8 Uhr, Vereinsversammlung bei Mickley. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. Wannsee . Heute nachmittag iM Uhr imFürstenhof": Wahl- vereinSbersammlung. Der Vorstand. Mariendorf . Heute mittag pünktlich 2 Uhr findet bei Löwen» Hägen eine Extrazusammenkunst statt. Der Vorstand. Tempelhof . Heute. Sonntag, Handzettelverteilung. Dienstag, den 24. Mai, abends 8M Uhr, im neuerbauten Saale deS Genossen- schaftshauseS, Dorfstr. 50: Oeffentliche Versammlung. Referent: Stadtverordneter Küter-Schöneberg. Niederschönewcide. Am Dienstag, den 24. Mai, abends SM Uhr, findet beim Genossen Schultze, Brückenstr. 15, die Mitgliederver- fammlung des Wahlvereins statt. Vortrag des Genossen Hildebrandt über:Konsumgenossenschastswesen". Der Vorstand. Johannisthal . Dienstag, den 24. Mai. abends SM Uhr, sinket bei Bieler, Friedrichstr. 6, eine Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins statt. Auf der Tagesordnung steht unter anderem: Fort- setzung deS Vortrages über:Das Erfurter Programm". Der Vorstand. Ober-SchSneweibe. Dienstag, den 24. Mai, abends SM Uhr, findet in MörnerS Blumengarten die Mitgliederversammlung deS Wahlvcreins statt. Auf der Tagesordnung steht der 2. Vortrag vom Genossen Jacobsen über:Volkswirtschaftslehre." Da die Vorträge auf Wunsch der Mitglieder gehalten werden, ist das Erscheinen aller Genossen erwünscht. Der Vorstand. Karlshorst . Dienstag, den 24. Mai, abends Va® Uhr: Mit­gliederversammlung im Restaurant zum Fürstenbad. Tagesordnung: Bortrag des Genossen Pinseler-Friedrichsfelde über: Die Tätigkeit der Gemeindevertreter. Vereinsangelegenheiten. KönigS-Wusterhause «. Mittwoch, den 25. d. M., abends 8 Uhr, findet im Wcdhornschen Lokale die Mitgliederversammlung d«S Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Genossen Fendel über:Materialistische Geschichtsauffassung ". 2. Bericht von der Maifeier. 3. Parteiangelegenheit und Verschiedenes. Der Vorstand. KSpenick. Am Dienstag, den 24. Mai, WahlvereinSverfamm- kung im Lokal von Zippan, Grünauer Straße. Tagesordnung: Stadtverordnetenstichwahlen der 2. Abteilung. Reuenhagen, Petershagen , Fredersdorf , Bruchmllhle, Eggersdorf und umliegende Orte. Heute nachmittag 4ZH Uhr findet in Neuen- Hägen auf dem Gemeindeplatz im Dorf, 15 Minuten vom Bahnhof, eine Volksversammlung unter freiem Himmel statt. Genosse Stürmer, Berlin , spricht über:Die Frechheit der Junker und Pfaffen bei der Gesetzesmachcrci." Jeder Genosse sorge für regen Besuch. Reinickendorf -Ost. Am Dienstag, den 24. Mai, abends 8 Uhr, findet bei Wernau (Schönholzer Flora), Provinzstr. 74/76, die Mit- gliederverfammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Bor » trag des Reichstagsabgeordneten E. Eichhorn über:Die Jugend. zeit des Sozialismus." 2. Berichte von der GeneMlverfammlung und der Gemcindevertreterkonferenz des Kreises Nieder-Barmm. 8. Diverse Neuwahlen. 4. Vereinsangelegenheiten. Die Bezirksleitung. Reinickendorf -West. Dienstag, den 24. Mai, abends SM Uhr, findet in den Eichbornsälen. Eichbornstr. 60, die Mitgliöderversamm- lung des Bezirkswahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Vortrag des Genossen Kurt Heinig :Preußens Herrenhaus". 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Weißensee. Dienstag, den 24. Mai, abends SM Uhr, findet im RestaurantAlbrechtshof", Parkstr. 13, die Mitgliederverfamm- lung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Die nächsten Auf. gaben der Sozialdemokratie. Referent: Kreissekretär Genosse B ü h l e r. 2. Antrag des Jugendfürsorgeverbandes. 3. Antrag der 1. Abteilung bezüglich des Extrabeitrages. 4. Vereinsangelegen- heiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Bezirksleitung. Tegel . Am Dienstag, den 24. Mai, abends SM Uhr, findet bei Jul. Klippenstein, Spandauer Straße 4, die Mitgliederversammlung statt._ Die Bezirksleitung. Berliner j�acbricbtem Aus Dahlem ? Paradies. Der Botanische Garten in Dahlem bietet nicht nur Wissenschaft- licheS Interesse, sondern ist auch ein in gesündester Lage befindlicher, nervenstärkender Erholungsort. Leider bleibt er für weite Volks- kreise der Reichshauptstadt fast ebenso ein Ort der Sehnsucht, wie das Land, wo die Zitronen im Freien blühe». Nicht nur. daß eine fahrt dahin äußerst zeitraubend und umständlich ist. Für mehrköpfige amilien bedeutet ein solcher Ausflug auch eine nicht unerhebliche Aus- gäbe. Hat man schon ans dem Zentrum eine gute Wegstrecke zurück- zulegen, so trifft dies für die östlichen und nördlichen Stadtviertel noch in erhöhterem Maße zu, welchen Umständen es auch zuzuschreiben ist, daß diese herrliche Sehenswürdigkeit selbst in der jetzigen Zeit nur sehr spärlich aufgesucht wird. Dabei ist gerade jetzt ein Rund- gang durch die 42 Hektar Freilandanlagen mit ihren abwechselungS« reichen Pflanzungen überaus lohnend, nicht zu vergessen die Gewächshäuser, die auch beim Laien Freude und Interesse erregen. Nur das PalmenhauS-, das größte in der Wekt, wird erst am 24. d. M eröffnet. Im übrigen ist die Besuchszeit folgendermaßen geregelt: In der Zeit vom 1. April bis zum 15. Oktober haben Erwachsene und Kinder über 10 Jahre Sonntag. Dienstag, Mittwoch und Freitag von 2 bis 7 Uhr nachmittags ohne Erlaubnisschein Zutritt. Die Gewächshäuser find nur von 8 bis 6 Uhr geöffnet. Beim Pförtner sind für 50 Pf. Führer zu j [einem Rundgang durch die Freilandanlagen erhältlich, mit Erlaubnis- schein zu viermaliger Benutzung, das heißt, vom 1. April bis zum �15. Oktober zum Garten(von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends) und zu den Gewächshäusern an Wochentagen(Sonnabend ausgenommen) von 10 bis 6 Uhr. Leider werden auch Klagen laut über zu wenig Entgegenkommen der Leitung des Botanischen Gartens,«o sollen Leute abgewiesen worden sein, die einen Kranken im Fahrstuhl mit- brachten. Ebenso Erwachsene, die mit Kindern unter 10 Jahren ankamen, was sich doch in großstädtischen Verhältnissen nicht immer vermeiden läßt. Und warum sollen sich Kinder unter dieser Alters- grenze nicht auch der Herrlichkeit freuen und Verständnis sammeln für die Werlstatt der Natur Z_ Das neue städtische Waisenhaus m der Alten Jakob- ftraße 33/35 wurde gestern eingeweiht. Der Bau ist in zwei Raten vollzogen worden. Zwar mußte das Gebäude schon lange teilweise in Benutzung genommen werden, um die der Waisenverwaltung obliegenden Geschäfte erfüllen zu können; allein erst in den letzten Tagen hat die Bauverwaltung die letzte Hand angelegt, und die Waisenverwaltung glaubte nun die formelle Uebergabe der neuen Schöpfung des Stadtbaurats Hoff- mann nicht ohne Sang und Klang vorübergehen lassen zu sollen. Und so hatte sie zu gestern Einladungen ergehen lassen zu einem einfachen schlichten Einweihungsakt, denen zahlreiche Geladene gefolgt waren. Außer Magistratsmitgliedern und Stadtver- ordneten war auch die Regierung vertreten, für die u. a. der Minister des Innern v. Moltke anwesend war. Das neue Haus ist mehr ein Verwaltungsgebäude und für die Waisen- Ander Aufnahme- und Durchgangsstation, bis geeignete Pflege- stellen beschafft sind, da Berlin leider die Waisenkinder immer weniger in eigenen Anstalten erzieht. Es enthält u. a. eine Säuglingsstation mit 150 Betten, 45 Betten für Kinder im Alter von 16 Jahren, 44 Betten für schulpflichtige Knaben und 38 für schulpflichtige Mädchen, außerdem eine Krankenstation für 25 Kinder. Mit den 30 Betten der Schmidt-Gallisch-Stiftung und der Anstalt in Rummelsburg ist die Stadtgemeinde in der Lage, 360 der Anstaltspflege bedürftigen Säuglingen Aufnahme in eigenen Häusern zu gewähren. Der Dezernent der Verwaltung, Stadttat Dühring, ging in seiner Eröffnungsrede auf die Geschichte der Berliner Waisenpflege ein und würdigte das Wirken der städtischen Behörden auf diesem Gebiete. Zu Beginn und zum Schluß der Rede hatte eine Schar bleicher, nicht gerade auf gute körperliche Ernährung schließen lassende Waisenkinder einige stimmungsvolle Lieder vor gettagen. Ein Rundgang durch die Räumlichkeiten zeigte, daß unser Baurat versucht hat, auf dem ihm zur Verfügung gestellten Grund und Boden luftige und lichte, ihrem Zwecke ensi sprechende Räumlichkeiten zu schaffen, die trotz ihrer Einfache heit etwas Heimisches an sich haben. Ein auf dem Hofe von Waisenmädchen veranstalteter Reigen machte den Schluß der schlichten, würdigen Feier. Mißachtung von Jnvalibenrentnern. Vor einigen Monaten mußten wir den Bureaudienern bei der Versicherungsanftalt Berlin den AnstandSwink geben, die auf den Korridoren wartenden Renten- antragsteller mitFrau" undHerr", anstatt bloß mitSchulze" oderMüller" anzureden. Heute liegt uns ein amtliches Gutachten des SanitätsratS Dr. Wdgner, Münchenerstraße 48, eines Ver- trauensarzteS des Schiedsgerichts für Arveiterversicherung, vor, aus dem zu ersehen ist, daß der Herr Sanitätsrat sich desselben weg- werfenden Benehmens wie besagte Unterbcamte schuldig macht. In diesem Attest ist von der Antragstellerin unter Angabe ihres Zu namens immer nur vonder" die Rede. Den allgemeinen Titel Frau" gesteht ihr der Herr Sanitätsrat nicht zu. Er wird es also wahrscheinlich in allen seinen Gutachten so machen. Man könnte darüber hinweggehen, wenn das Attest lediglich bei den Akten bliebe. Nach neuerer Methode wird jedoch eine Abschrist des Attestes dem Antragsteller zugefertigt. Derselbe erhält somit Kenntnis davon. wie nichtachtend der Vertrauensarzt von ihm spricht, und wird da- durch gegen eine Gesetzgebung, die mehr nimmt als gibt, nur noch tiefer erbittert. Diese Art, so ungehörig mit Invaliden, die doch auch Menschen und sogar bedauernswerte Menschen sind, stifte» matisch umzuspringen, fällt um so peinlicher auf, als in demselben Attest die ärztlichen Vorgutachter mit ihren vollen Titeln und selbst- verständlich unter Hinzufügung des'WortesHerr" bezeichnet wer- den. Der genannte Vertrauensarzt fügt für feine eigene werte Person sogar noch die Worte«staatsärztlich approbiert" bei. Ueber die Behandlung Toisüchsiger durch die Polizei sind Le» kanntlich unlängst neue Bestimmungen erlassen worden. Hiernach ist der tobende Geisteskranke von der Polizei nicht mehr nach der Polizeiwache, sondern in jedem Falle nach der nächsten städtischen Rettungswache zu transportieren, wo der wachhabende Arzt über die weitere Unterbringung zu entscheiden hat. Man scheint dabei eine humane Bestimmung vergessen zu haben, in welcher Form der Transport nach der Rettungswache zu erfolge» hat. Am Donners- tag nachmittag wurde ein in Tobsucht verfallener Mann von fünf uniformierten Schutzleuten und einem Kriminalbeamten unter großem Menschenzulauf durch die ganze Gleim- und Cantianstraße nach der Rettungswache in der Gaudhstratze gebracht. Die Hände deS Tobsüchtigen waren einzeln gefesselt durch Handgelenkknebel. Zwei Schutzleute trugen den Tobenden an den Armen, zwei an den Beinen, der fünfte hielt den Kopf, der Kriminal ging neben- her. Durch das weite Auseinanderzerren der Arme und Beine, an denen tief nach unten der zuckende Leib hing, wurde dem TranS - portierten sicher nicht genutzt. Alle Augenblicke kam ein neuer Tob. suchtSanfall. fodaß die Beamten größte Mühe hatten, den Kranken zu halten. Es muß anerkannt werden, daß die Schutzleute mit dem Tobenden, soweit eS die Sachlage gestattete, angemessen umgingen. Sie ließen ihn sogar in kurzen Abständen vorsichtig zur Erde nieder. Dennoch machte der Transport, den Hunderte von Kindern beglei- teten, einen überaus unangenehmen EindrM der verstärkt wurde durch daS wutverzerrte, blutunterlaufene Antlitz deS Kranken. Hier fehlt eine Bestimmung, daß der Transport auf andere Weise wie die oben beschriebene zu geschehen hat, damit den Straßenpassanten der ttaurige und für schwache Nerven oder für zufällig in gesegneten Umständen vorübergehende Frauen sogar gefährliche Anblick erspart bleibt. Die an den Gliedmaßen deS Tobenden herumzerrenden Schutzleute sehen jetzt nicht gerade wie«barmherzige Samariter" aus. Das Personal der Irrenanstalt Dalldorf beschäftigte sich am Mittwoch in einer Versammlung mit den Mißständen der Anstalt und den Erklärungen, die das Nachrichtenamt der Stadt Berlin ver- breitet hat. Nach einer Aussprache wurde folgende Resolution an- genommen:Die heute, den 18. Mai, tagende Versammlung des Personals der Irrenanstalt Dalldorf nimmt mit Beftemden Kennt- vi» von den Erklärungen, welche Anstaltsdirektor und Miggistrgt gegen die in den Versammlungen und in der Berliner Tagespresse geschilderten Mißstände in der Irrenanstalt Dalldorf abgegeben haben. Die Versammelten erklären erneut, daß die dort beröffeitt< lichten Uebelstände durchaus der Wahrheit entsprechen und jene E- widerungen nur darauf berechnet sind, die tatsächlich bestehend n Verhältnisse der Oeffentlichkeit gegenüber in einem besseren Lichte erscheinen zu lassen. Die Anwesenden sind gewillt, mit ganzer Kraft dafür einzutreten, daß diese Uebelstände beseitigt werden, und erkennen als das geeignetste Mittel dazu die Organisation, den Zu- sammenschluß aller Anstaltsangestelltcn in den Verband der Ge» ineinde- und Staatsarbeiter." Unseres Erachtens kann und darf es mit den Erklärungen deS Nachrichtenamtes und der Direktion nicht sein Bewenden haben. Denn schließlich richten sich ja die Klagen über Mißstände gegen die Verwaltung der Anstalt. Da ist mit einer Erklärung gar nichts getan. Da muß eine gründliche unparteiische Untersuchung einge- leitet werden ausschließlich zu dem Zwecke, nur die Wahrheit zu ermitteln und nichts zu vertuschen. Das liegt im Interesse der Stadt Berlin und der gesamten Bürgerschaft. Ein aufregender Automobilunfall hat sich gestern mittag auf dem Askanischen Platz zugetragen. Die am Friedrichshain wohn- hafte 40 Jahre alte Ehefrau Alwine Orth war im Begriff gewesen, an der Einmündung der Schöneberger Straße den Fahrdamm zu überschreiten, als von beiden Seiten Automobile herangefahren kamen. Der eine der Kraftwagen, ein mit vier Herren besetztes Privatautomobil fuhr nach Angaben von Zeugen in einem un» gewöhnlich schnellen Tempo. Der Passantin war es infolgedessen nicht mehr möglich, sich in Sicherheit zu bringen. Sie wurde von dem Privatauto umgerissen. Die Räder gingen ihr über den Kopf hinweg und zermalmten diesen vollständig. Man trug die Unglück- liche nach dem Flur des nahen SiemenShauses und rief einen Arzt von der Rettungswache herbei, doch konnte dieser nur noch den Tod bei der Verunglückten feststellen. Der Chauffeur wurde zur Polizei- wache gebracht. Der falsche Revisor. Den Hauptmann von Köpenick hatte sich ein Schwindler zum Muster genommen, der gestern von der Kriminal- Polizei ermittelt wurde. Vor einiger Zeit erschien in der Kaserne eines hiesigen Garderegiments ein Mann, der die Mütze und Litewka eines Sanitätsunteroffiziers trug. Er erklärte, daß er vom Garnison - lazarett abgesandt worden sei, um zu revidieren. Die Mannschaften zeigten ihm auch alles, was er zu sehen wünschte. Erst nachdem der Revisor die Kaserne wieder verlassen hatte, zeigte es sich, daß allerhand Sachen, Utensilien für den Revierkrankendienst, sogar ein Seitengewehr und dergleichen verschwunden waren. Jetzt kam man dahinter, daß man eS mit einem Schwindler zu tun gehabt hatte. Das gestohlene Seitengewehr entdeckte die Kriminalpolizei später bei einem Trödler, an den der Schwindler eS verkauft hatte. Der Verdacht, den Streich verübt zu haben, fiel auf einen Mann, der schon öfter allerhand Uniformen angelegt hat. Diese Vermutung bestätiate sich jetzt. Der falsche Revisor wurde gestern ermittelt und ist geständig. ES ist ein geistesgestörter Arbeiter, der sich schon wiederholt in der Irrenanstalt befunden hat, meistens aber harmlos ist und seiner Beschäftigung nachgehen kann. Aus dem Birchow-KrankenhauS wird uns ein Todesfall gemeldet, der wegen der begleitenden Umstände große Aufregung unter Patienten hervorgerufen hat. Auf Station 10 war ein terr Klein untergebracht, der täglich Dauerbäder von mehreren tunden bekommen mutzte. Da er zuweilen klagte, daß das Wasser ihm nicht warm genug sei, so suchte man durch reichlichere Nach- füllung heißen Wassers abzuhelfen. Als er am vorigen Sonnabend wieder in der Wanne lag, bemerkte ein zufällig herantretender Patient, daß Klein zurückgesunken war und den Eindruck eines Be- wußtlosen machte. Der Patient alarmierte die Schwestern, und nun wurde Klein schleunigst aus dem Bade herausgeholt. Man be- mühte sich um ihn und suchte ihn durch Darreichung geeigneter Mittel ins Bewußtsein zurückzurufen, aber bald darauf trat oor Tod ein. Unter den Patienten ist die Meinung verbreitet, daß das Bad weit über das Zulässige hinaus erhitzt gewesen sei. Es wird aufs bestimmteste versichert, 45 Grad seien noch fest- gestellt worden, nachdem Klein bereits aus dem Bade heraus- genommen worden war. Daraus wäre zu folgern, baß man eS unterlassen hätte, den Zufluß heißen Wassers rechtzeitig abzusperren. Wir können nicht wissen, ob das zutrifft. Die Frau des Ver- swrbenen hat zu Patienten gesagt, daß ein Arzt ihr als Todesursache einen Herzschlag angegeben habe. Patienten, die wir befragt haben, sind der Ansicht, daß Klein durchUeberhitzungdeS BadeS zugrundegegangensei;sie sprachen direkt von Verbrühung. Auch Besucher der Anstalt, die von dem Vorfall Kenntnis erhielten, haben diese Auffassung mit hinausgenommen. Es wird daher nöttg sein, daß die KrankenhauSverwaltung sich öffentlich darüber äußert. DaS Opfer deS Dampferunfalls bei Spandau , Frl. Magarete Wiehn ist gestern in der Havel gefunden und geborgen worden. Ei» weiterer Lcichenfund in der Arnholzschen Mordaffäre ist gestern nachmittag in der Spree gemacht worden. Wie wir am ver- gangenen Mittwoch berichteten, war am Nachmittag vorher in der Nähe des Proviantamtes ein linker weiblicher Unterschenkel aus dem Wasser gefischt worden. Es wurde festgestellt, daß daS Glied zu dem Körper der seinerzeit ermordeten Anna Arnholz gehörte. Gestern nachmittag wurde nun auch der rechte Unterschenkel entdeckt. Ein Schiffer fand ihn in der Nähe der städtischen Gasanstalt an der Fruchtstraße im Wasser auf und schaffte ihn ans Land. Der Leichen- teil, der, wie durch die benachbarte Polizei bald ermittelt wurde, gleichfalls zu dem Arnholzschen Rumpf gehött, war bereits voll» ständig in Verwesung übergegangen und er zeigte auch die bei den anderen Leichenstücken vorhandenen Schnittmerkmale. ES fehlen nun noch von der Toten der Kopf und ein Teil des Rumpfes. Vermut» lich sind auch diese Leichenteile in die Spree versenkt worden. Für 30 000 M. Pelzwaren erbeuteten Einbrecher gestern in dem Geschäft von Baer u. Solomon am Hausvogteiplatz Nr. 12. Sie öffneten mit Nachschlüsseln die Sicherheitsschlösser der eisernen Ein- gangStüren und suchten zunächst in den Räumen nach Geld. Zu diesem Zwecke brachen sie mit einem Stemmeisen alle Behältnisse auf. Sie fanden aber nur eine Kassette mit 80 Mark in allen Münzsorten. Jetzt wandten sie sich den Pelzen und Pelzwaren zu und nahmen die wertvollsten Sachen, für etwa 30 000 Mark. mit: 15 kostbare Herren-Bisampelze, Persianer Jacken, Steinmarder- kollierS, Pelze mit Sil- und Persianer Kragen, 60 Stück NerzkollierS, 10 Persianer Kolliers, Ottertaschen, Muffen und dergleichen mehr. Von den Tätern hat man bis jetzt noch keine Spur gefunden. Für die Wiederbeschaffung der gestohlenen Sachen hat das Geschäft eine Belohnung von 1000 M. ausgesetzt. Kindesmord? Als gestern nachmittag ein Arbeiter in der Prenzlauer Allee unter einer Brücke einen Straßengraben reinigte. fand er darin die Leiche eines neugeborenen Knaben. Er übergab den Fund der Nevierpolizei, die ihn nach dem Schauhause bringen ließ. Noch nicht festgestellt ist die Person eines Mannes, der im Müggelsee beim Baden ertrunken ist. In den Kleidungsstückeu (Jackett, grauer Weste, Reithose, langen Stiefeln uslv.) fand man einen Mlitärpatz auf den Namen eines im Jahre 1882 geborenen «lvm Lifeck, der am 11. d. MtS. von Breslau nach Berlin ae- kommen ist.