Nr. 289.
27. Jahrgang.
97. Sigung. Freitag, den 9. Dezember,
Am
nachmittags 1 hr.
Bundesratstisch: Wermuth, Dr. Delbrüd, b. Heeringen, v. Tirpis, Kraetle.
Ersparungen bei den Witwen und Waisen, zufammen also ein Mehr von rund 112 Millionen Mark. Diese drei Zablen charakterisieren das Jahr 1909 vollständig. Immerhin betrug der zu deckende Betrag im Jahre 1910, der auf 1911 über nommen werden soll, noch 126 Millionen.
gedeckt werden, die seinerzeit vom Reichstage einmütig angeregt des Reiches eingefegt haben, kann dies seine Dantesschuld in verworden ist. Auch den Kriegern, die sich selbst für die Schöpfung mehrtem Maße abstatten, wenn diese Steuer Gefeß wird. Daß noch starke Hoffnungen auf eine Wehrsteuer
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Flottengesetz entwickelt und erreicht im Jahre 1911 mit 450 Millionen hofft, die Abneigung der Maffen gegen das Zahlen neuer Steuern ihren Höhepunkt. Die Heeresverwaltung hatte 1908 den zu politischen Zweden mißbrauch an zu fönnen. Das beweist ja auch Höhepunkt mit 856 Millionen Mark erreicht, 1909 erschien sie mit das famose Flugblatt des Hansabundes. Solchen Unter 829, 1910 mit 824 Millionen, und im Jahre 1911 wird es möglich stellungen und lebertreibungen müssen wir schon jetzt entgegentreten. fein, wenn man von der Friedenspräsenz absieht,( Sehr richtig! im Zentrum.) Die Finanzreform war gewiß fein dieselbe Summe einzulegen wie 1910. Die Angelegenheit des ideales Wert, aber Mängel hat jedes Gesez, auch das ReichsTempelhofer Feldes beichäftigte uns bereits in einem Nachtragsetat vereinsgefeß.( Sehr wahr bei den Sozialdemokraten.) Daß die von 1909, die Erträgnisse sollten zur Schaffung von Truppen Finanzreform aber ihren Hauptzweck, die Finanzen des Reichs auf übungsplägen verwendet werden. Erste Lesung des Etats. Die Budgetkommission hat eine neue, sichere Grundlage zu stellen, erfüllt hat, das hat damals die Regelung noch nicht für geeignet gehalten, sich aber die Rede des Herrn Reichsichagsekretärs flar bewiesen.( Sehr richtig! Reichsfchatsekretär Wermuth: Die Finanzen des Reiches be- mit den geplanten Grundsäßen einverstanden erklärt, welche nun im Zentrum.) Redner geht nunmehr auf den Etat im einzelnen ein. finden sich in fortdauernder Gesundung.( Bravo ! rechts und im mehr durch Feststellung im Etat durchgeführt werden sollen. Es findet sich im Etat eine Summe für eine Inspektionsreise Zentrum, fints Erstaunen und Widerspruch.) Freilich senten sich auch Sie werden den Eindruck haben, daß überall dahin gearbeitet süddeutscher Abgeordneter in den gemischtsprachlichen auf das Jahr 1911 die Lasten der Vergangenheit wird, die Ausgaben in den Grenzen des Verfügbaren zu halten. östlichen Provinzen.( hört! hört! im Zentrum.) Das ist lediglich schwer herab. An den Matrikularbeiträgen von 80 Bf. müssen Jm ordentlichen Etat hat die Mehrzahl der Verwaltungen eine Sache Preußens und hat mit dem Reichsetat nichts zu wir unbedingt festhalten. Die neuen Zölle und Steuern gestatten Mehrausgaben für 1911 gegen 1910 überhaupt nicht zu bertun. Diese Ausgabe ist auch sehr infonfequent, nachdem der Herr uns, das gänzlich verlorene Gleichgewicht der Reichsfinanzen zeichnen. Der Etat von 1911 ist so auf den bisherigen Grund- Reichskanzler eine Interpellation im Reichstage über das Enteignungswiederherzustellen.( Bravo ! rechts.) Aber nur auf der Verlagen aufgebaut. Fassen Sie ihn fräftig an, rütteln Sie ihn, so gefez zu beantworten abgelehnt hat, weil das eine gangenheit und dem Beharrungszustand kann werden Sie finden, daß er ein festes Gefüge ist. Bei Feststellung preußische Angelegenheit fei. Ferner ist eine bebentder Etat nicht aufgebaut werden. Die Zukunft heischt der Friedenspräsenzstärke des Deutschen Reiches kann für die liche Erscheinung im Etat, daß Abstriche, die der Reichstag ihr Recht. Die nächsten fünf Jahre nicht einfach das gelten, was für die vers gemacht hat, dann einfach durch außeretatsmäßige AusFriedenspräsenzstärke des Heeres gangenen fünf Jahre gegolten hat. Es bedarf keines Beweises, daß gaben wieder ausgeglichen werden.( hört! hört!) Wo wird auf fünf Jahre festgesezt, und für die dadurch erwachsenden die fortschreitende militärische Technit auch ein bleibt da das Budgetbewilligungsrecht des Reichstages?( Sehr richtig!) wirtschaftlichen Aufgaben muß gesorgt werden. Fortschreiten des Bedarfes bedingt.( Sehr richtig!) Erfreulich ist, daß es dem Staatssekretär gelungen ist, die AusgabenDas Jahr 1909 war ein Jahr der wirrnisse, es war Wenn dieser Bedarf für unsere Wehrkraft unerläßlich ist und sich, höhe von Heer und Flotte in günstiger Weise nach unten zu der Höhepunkt der Finanznot, es endete aber schließlich mit einem wie hier, in den Grenzen wohlerwogener Sparsamkeit hält, beeinfluffen. Das beweist, daß der Staatssekretär doch mehr EinLichtblick, den es sich freilich von der Zukunft geborgt wird niemand sagen dürfen, daß die Finanzen des Reiches fluß hat, als man es immer hinstellt und daß die Schaffung eines hat. Es ergab sich eine Mehreinnahme von 72 Millionen bei den dabei nicht mitkommen können. Der Bedarf soll aus den eichsfinanzministers nicht notwendig ist. Gegen Steuern und Zöllen und eine Minderausgabe von 40 Millionen Erträgnissen der die Festlegung der Friedenspräsenzstärke auf 5 Jahre haben Mark zufolge der Reichswertzuwachssteuer wir grundsäglich nichts. Aber der Nachweis für die Notwendigkeit dieser Bindung im gegenwärtigen Zeitmationen werden doch erst 1915, 1916 und 1917 notwendig. punkt wird noch zu erbringen sein. Die eigentlichen NeuforDie Frage des Tempelhofer Feldes betrachte ich nicht bloß als reines Geschäft, fondern auch ästhetische und hygienische RückZum mutmaßlichen Ergebnis von 1910 bemerke ich, daß dieses sichten müssen erwogen werden; diesen Rücksichten trägt aber die Jahr sich bisher rein ausgelebt hat, es hat uns teine angelegt werden können, glaube ich faum; die Zuwachssteuer ift ich alfo gar keine Bedenken, desto mehr aber in etat- rechtlicher Gemeinde Tempelhof vollauf Rechnung. In dieser Richtung habe genehmen Ueberraschungen gebracht, aber auch keine also das einzige ersichtliche Mittel zur Deckung. Das Anleihe Beziehung. Die Genehmigung des Reich es ist nottvendig unangenehmen Enttäuschungen. Alle Refforts baben fo II beträgt für 1911 97 Millionen, das sind 50 Millionen Mart für die Gültigkeit eines Vertrages, die Verträge sind aber von der ihren Etat innegehalten.( hört hört! und Zuruf: Zum ersten Male! weniger als 1910. Unfere Hauptaufgabe ist, eifern den Grundsay Militärverwaltung ohne Vorbehalt abgeschlossen bei den Sozialdemokraten.) Wir haben alfo feine Mehrausgaben des Gleichgewichts im ordentlichen Etat durchzuführen. Unfer ganges worden. Der Vorgang zeigt, daß wir endlich ein Gesez zu erwarten, die nicht in Mehreinnahmen ihre Erklärung und Deckung Bestreben muß dahin gehen, den Felsblock unserer Finanzen aufzur Durchführung der Kontrolle finden. Bei den Zöllen und Steuern waren wir durch Mehr wärts zu rollen. Wir brauchen nicht das fatalistische Gefühl müssen. des Reichshaushalts haben Bravo !) ( Lebhaftes Der Redner einnahmen angenehm berührt, aber nicht gerade überrascht. Aber zu haben, daß wir ihn doch nicht oben landen werden. Im Gegen die Affäre des Rechtsanwals Dammann bringt dann wie das Jahr 1909 enthält auch das Jahr 1910 einen weithin ficht teil, ich bin der feften Ueberzeugung, daß die Zeit nicht fern ist, wo als Reserveoffizier zur Sprache, der mit schlichtem Abschied entlassen wurde, baren Warnungspfahl gegen zu großen Optimismus. er auf der Höhe seinen sicheren Ruhepunkt finden weil er einen anderen Reserveoffizier, der ihm 20000 Mart Für 1911 haben wir die wird. Wirken wir zusammen, daß er nicht noch nahe am Gipfel unterschlagen und dann einen beleidigenden Brief an ihn geZölle mit 30 bis 35 Millionen Mark mehr unseren Händen entrollt.( Bravo !) schrieben hat, nicht vor die Waffe gefordert hat. Ueber diesen Fall eingefeßt wie im Vorjahre, Die 8ölle auf Staffee, Tabat und Tee im einzelnen. Unsere Hauptwaffe, die Infanterie, fann der Mauch in Bonn find awei Korpsstudenten, die wegen Mißhandlung Kriegsminister v. Heeringen begründet die Militärborlage fehen meine Freunde der Erklärung des Kriegsministers entgegen. haben sich genau so entwidelt, wie wir erwartet haben. Beim schinengewehre nicht mehr entbehren. Im Vergleich mit eines Borgesetzten zu Gefängnis verurteilt waren, begnadigi Zabat werden die Schwierigkeiten der Uebergangszeit geringer fremden Armeen ist die Zuteilung eine sehr befcheidene. Die Feld wurden. Wären die Schuldigen Arbeiter gewesen, so wäre die Be fein als bei früheren Zollerhöhungen.( Hört! hört! rechts und im artillerie mußte vermehrt werden, da in Frankreich eine Neu- gnadigung wohl nicht erfolgt.( Sehr richtig! links und im Zentrum.) Zentrum.) Die Wertzolleinziehung vollzieht sich sehr gut. ( Erneutes Hört! hört!) Die Brausteuer hat sich aufrieden organisation und Vermehrung stattgefunden hat. Mehrausgaben Die fozialdemokratische Presse hat heftige Angriffe gegen die waren unter anderem auch notwendig durch Neuaufchaffung von Parteien und stellend entwickelt. Nicht entsprochen hat dagegen Automobilen und durch die Entwickelung der Flugtechnik und Waisenversicherung noch immer nicht zustande gekommen ist. die Regierung gerichtet, weil die Witwen den Erwartungen die Steuer auf Leuchtmittel. ( Sört! hört! links.) Ebenso ist die Bestellung von Sichers flärungen der Regierung und trägt den Finanzen des Reiches an den guten deutschen Ernten; doch entbindet uns das Der Entwurf hält sich durchaus in den Grenzen der früheren Er- Daß aus den Zöllen nicht die erwarteten Beträge eingingen, liegt erhöhung außer Mode gekommen.( Erneutes Hörr! hört! links.) Rechnung. Die Vorlage wird uns noch besser befähigen, den Feind nicht von der Verpflichtung, das 1902 gegebene Versprechen einDer Effettenstempel entwidelt sich günstig. Die Vor- bon den Grenzen fernzuhalten, wenn Deutschland ernste Zeiten nicht zulösen. Das wird auch in der Reichsversicherungsordnung geschehen, erspart bleiben follten.( Bravo ! rechts.) versorgung, die zufolge der Steuererhöhnng eintrat, befindet sich in die ein Drittel der Kosten für diese Versicherung der Reichskaffe aufder Rückbildung, und im Jahre 1912 werden wir mit den neuen diefer Reichstag verabschieben wird, er ist aber auch der erste, in den Herren erhoben werden, die selbst bereit waren, 400 Millionen Abg. Speck( 3.): Dieser Etat ist voraussichtlich der legte, den erlegt. Der Vorwurf, die Finanzreform fei unsozial, kann nicht von Steuern die geschätzte Höhe erreichen. Sie sehen, es erwächst uns dem die günstigen Rückwirkungen der Reichsfinanzreform flar zum indirekter Steuern zu bewilligen. Und ist denn die Erbschafts. durch die neuen Steuern ein großer und sicherer Besigstand.( Lebhaftes hört! hört! rechts und im Zentrum.) einer Erörterung der wichtigen steuer wirklich so sozial. Auch liberale Leute denken darüber Der Redner geht nun die einzelnen Ressorts durch und gibt biesmal bei der ersten 2efung abfeben und behalten Saarbrüden D. Tille.( Große Heiterfeit links.) Auch Nationalpolitischen Fragen, wie sie sonst üblich ist, wollen wir anders. Ich erinnere nur an den Syndilus der Handelskammer einen Ueberblick über ihre Etatsanfäße und Ueberschüsse in den ver uns die Besprechung dieser Fragen für die Einzeletats vor. Die liberale wie Ortel haben sich gegen die Erbschaftssteuer ausgangenen Jahren sowie die Ziffern, mit denen sie für 1911 an hervorragendsten Fragen sind ja durch Interpellationen bereits ergefezt sind. Die Reichs post soll bei 734 Millionen Einnahme lebigt. Betonen will ich nur, daß wir großen Wert auf die Ver gesprochen. und 631 Millionen Ausgabe 71 Millionen Ueberschuß ergeben abschiedung der Privatbeamtenversicherung noch bei einer Anleihe von 22 Millionen. Das Reichsamt bes Innern wird beherrscht von den Ausgaben für durch diesen Reichstag legen.- Die
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der Steuer
die Invalidenversicherung, die feit 1900 von 30 Millionen
Ausdruck kommen. Von
Neuwahlen
auf 54 Millionen gestiegen ist. Die Marine scheinen unter der Parole stattfinden zu sollen: Gegen die verwaltung hat ihren Etat vollkommen entsprechend dem Reichsfinanzreform und ihre Urheber; wobei man
Kleines feuilleton.
Verhütung der Zeugung vorzunehmen, die nach ihrer Entscheidung am sichersten und wirksamsten ist."
Gegen diese Maßnahme spricht schon der böllig unbestimmte Begriff des unverbesserlichen Verbrechers". Diese ganze direkte Aktion" gegen die Rassenverschlechterung bleibt ein in ihren Wirfungen unsicheres und in ihrer Anwendung barbarisches und will fürliches Gxperiment.
die Regierung mit Schuld, weil sie es unterlassen hat, rechtAn den Angriffen gegen die Urheber der Finanzreform trägt zeitig für Aufklärung zu sorgen.( Sehr wahr! im Zentrum und rechts.) Man ist doch sonst mit Berichtigungen so schnell bei der Hand, aber hier ließ man ein Jahr hindurch die Erregung in den Massen immer größer werden. Soll es doch sogar vorgekommen ragend geeignet ist, fällt dann zunächst das große Glück zu. Jn furzer Zeit hat Toinette seine Gelder durchgebracht. Ein paar Wochen, bevor sie Hochzeit halten wollen, erscheint der geschiedene Ehemann in der Wohnung des Pärchens. und hat die Pfändung zu vollstrecken. Eine passende Gelegenheit Er ist Gerichtsnotar für die Geschiedenen, um zu entdecken, daß sie sich noch immer lieben. Antoinette changiert zu Nr. 1 hinüber, obwohl der bankeMadam spielt, rotte Galan just wieder einige Millionen erbt.
Cheverbote in Amerika . In zahlreichen amerikanischen Bundesstaaten ist das System der Cheverbote start entwidelt. Die Verbote beziehen sich auf Ehen zwischen Europäern und Farbigen, ferner auf Ehen zwischen geistig oder förperlich mangelhaften Personen. Die ..Raffenverbote" bestehen in den meisten Süd- und Weststaaten, auch Englifche Wahlbilder. Aus London wird uns geschrieben: in einigen Zentralstaaten. Die Verbote sind verschieden streng. So Der strömende Regen, der während der letzten Woche fast unauf- rückt dem Notar zum zweiten Male aus und sucht mit dem Baron, ist in Arkansas die Ehe von Weißen mit Negern oder Mulatten, in hörlich herniederpraffelte und im Rande großen Schaden betritt der beiden verlassenen Männer, die zum Ersaße einen dritten der sich verlobt hat, von neuem anzubandeln. Grst der ZusammenMaryland die Verheiratung von Weißen mit Negern oder Neger- ursachte, hörte zu Anfang dieser Woche auf. Mabendlich sieht mischlingen bis zur dritten Generation, in Teras die Ehe zwischen man jest wieder gewaltige Menschenmengen, die die auf der Mann ins Feuer schiden, gibt dem breit ausgesponnenen Hin und Bersonen europäischer und afrikanischer Abkunft untersagt. Dagegen Trafalgar Square , Aldwych und Fleet Street durch Scheinwerfer Her am Schlusse humoristische Komödienlichter. bekannt gemachten Wahlresultate beobachten. Donnernder Beifall Tilla Durieur, wie immer fesselnd und interessant, ist in den Nordstaaten die Nässenkreuzung häufig; meist ist die Frau begrüßt die Wahl eines Parteifreundes, während sich die An- brachte doch jenen Ton naiber Morallosigkeit, auf den die Figur weiß. Den Eheverboten für schwachsinnige, blödsinnige und geistes- hänger der Gegenpartei bemühen, die Kundgebung mittels Blech gestimmt sein mußte, nicht heraus. Sie war zu selbstbewußt und frante Personen stimmt Fehlinger in einem Auffah in Groß' Archiv trompeten und anderen Lärminstrumenten wie auch durch Johlen reif, um den Zauber glaubhaft zu machen, der von Antoinette ausfür Kriminal- Anthropologie zu; nur, meint er, müsse, um die volle und Schreien zu übertönen. Interessant ist es, die Szenen zu gehen soll. Die karikaturistischen Chargen des Barons und des Ausmerzung entarteter Familien herbeizuführen, auch der Anstalts- beobachten, die sich abspielen, wenn ein Kandidat, der bei den verschwiegen schwärmenden Alten hatten in Herren Wa ßmann 3wang für diese Perfonen verfügt werden. Dagegen scheinen dem vorigen Wahlen mit einer Mehrheit von vielleicht 50, Stimmen und Victor Arnold ausgezeichnete Vertreter. Verfasser bedenklich die Eheverbote bei bestimmten förperlichen Er- gewählt wurde, mun mit 50 Stimmen in der Minderheit bleibt. frantungen. In Michigan ist Geistestranten, Schwachsinnigen, Epi- Die Enttäuschung seiner Parteifreunde macht sich dann wohl in leptikern und den Geschlechtskranken die Ehe verboten, die nicht durch nicht sehr gewählten Ausdrücken Luft. Alsdann hört man von Zeugnis zweier Aerzte ihre Heilung und die Unwahrscheinlichkeit der Gegenpartei wohl Mahnungen wie: Seien Sie doch ver-Vorträge. Jm Charlottenburger Schiller - Saal der Uebertragung beweisen. In Washington umfaßt das Cheverbot nünftig; das letzte Mal mußten wir unsere Wut herunterschlucken." wird in den Monaten Januar bis März ein Vortragszyklus über: Die Epileptiker, Schwachsinnige, Geistestrante, Trunksüchtige, Gewohn- Mittwoch abend waren die Liberalen bei guter Laune. heitsverbrecher, Geschlechtskranke und Personen, die an vorgeschrit Square nach allen Regeln der Kunst. Gegen Mitternacht, als alle " Die graphischen Künste"( mit Lichtbildern) veranstaltet. Daily Chronicle" verhöhnte die Gegner auf dem Trafalgar Beginn den 11. Januar. vorgeschrit- Daily tener Tuberkulose leiden( ausgenommen Frauen über 45 Jahre); Ludwig Knaus , des verstorbenen Genremalers, Beiallerdings genügt die eidliche Versicherung von Braut und Bräu- Reſultate bekannt waren, zeigte sie das Bild einer Herzogskrone, tigam, daß sie zu keiner der Klaffen gehören, während unsprünglich die das Haus der Lords versinnbildlicht, mit der Unterschrift: Wer bietet dafür?"
Theater.
ärztliche und sonstige Zeugnisse verlangt wurden. Alle diese Verbote aber scheinen bisher nur ganz selten angewendet worden zu sein, so daß über ihre Wirksamkeit nichts be= Kammerspiele : Ein Engel, Lustspiel von Capus. fannt ist. Mit Recht weist aber Fehlinger darauf hin, daß durch die Der weibliche Engel dieser französischen Komödie wechselt in drei Cheverbote die Raffenverschlechterung gar nicht verhindert werden Akten dreimal die Männer, die ersten beiden gerade noch rechtzeitig. fann. Wem die Ehe verboten ist, kann sich eben außerehelich fort- bevor sie ruiniert sind, der letzte aber, dem die Vorgänger halb erpflanzen. leichtert und halb neidisch nachsehen, dürfte diesem Schicksal sicher Die Konsequenz aus den Eheverboten hat bisher allein der nicht entgehen. Die ironische Pointierung hätte in einer kleinen, Staat Indiana gezogen, der durch Gesez vom 9. März 1907 die über die Vorgeschichte rasch hintveggleitenden Novellette recht amü Rastration verfügt:" Da bei der Fortpflanzung die Vererbung des fant sein können. Für ein Abend füllendes Lustspiel reicht das Verbrechens, des Blödsinns und der Geistesschwäche eine höchst wich- Salz nicht aus. Man muß da allzulange auf die paar Trümpfe tige Rolle spielt, wird von der gefeßgebenden Bersammlung des warten. Es fehlt zudem an jeder tiefergehenden Charakteristik, Staates Indiana beschlossen: daß es für eine jede in diesem Staate die ein psychologisches Interesse an der Art dieses in gewissen bestehende Anstalt, die mit der Obhut über unverbefferliche Ver- Bonen der Lebewelt vielleicht nicht so seltenen Sumpfpflänzchens brecher, Blödsinnige, Notzüchtiger und Schwachfinnige betraut ist, wecken könnte. Indem Capus, seinem vermittelnden Temperament zwingende Vorschrift ist, nebst dem gewöhnlichen Anstaltsarzt zwei getreu, zwischendurch auf mildernde Umstände für den Engel pläerfahrene Chirurgen von anerkannter Tüchtigkeit aufzunehmen, diert, von denen doch der Zuschauer nichts merkt, verschieben sich deren Pflicht es ist, den geistigen und körperlichen Zustand solcher die Linien vollends. Insassen zu prüfen, die von dem Anstaltsarzt und dem Berwaltungs- Das holde Wesen ist mit einem Mann verheiratet, der die rat hierzu bezeichnet werden. Wenn es nach dem" Urteile dieses eheliche Thrannei so weit treibt, daß er ihr im Bade nicht einmal Sachverständigenkollegiums und des Verwaltungsrats nicht ratsam die kleinen Vergnügungen des Hasardspiels gestatten will. Aber ist, eine Beugung zuzulassen, und wenn keine Wahrscheinlichkeit be- es gibt ja andere, die eine Frau nach ihrem wahren Wert zu steht, daß sich der geistige Zustand des betreffenden Insassen bessern schäßen wissen. Einem jungen Baron, der durch seine Gedankenwerde, dann sollen die Chirurgen berechtigt sein, eine Operation zur losigkeit für alle Bajazzoftreiche verliebter Leidenschaft hervor.
Notizen.
dt.
feßung ist von der Akademie der Künste, deren Mitglied er war, übernommen worden. Nach einer Trauerfeier in der Afademic
wird die Leiche am Sonntagmittag nach dem Friedhof bei der Dahlemer Dorfkirche überführt werden.
Ehrlich- Hata 606, das jetzt den Namen Salvarsan führt, ist jetzt an die Apotheken freigegeben. Die Hersteller, die Höchster Farbwerke, haben den Verkaufspreis auf 10 M. für das läschchen festgesezt. Von ärztlicher Seite wird auf eine Verbilligung für die Kassen- und Armenpragis hingearbeitet. Die Fabrifation des Mittels erfolgt unter Kontrolle Professor Ehrlichs, der nunmehr auch eine Schrift über die bisherigen Ergebnisse der For schung erscheinen läßt.
Die Wissenschaft und der sprechende Hund". Wir haben uns einer argen Unterlassungsfünde gegen unsere Leser schuldig gemacht. Seit Wochen liest man in der Bürgerlichen Presse von einem sprechenden Hund, der bei einem ostelbischen Förster fein Wesen treibt. Er soll verschiedene Wörter( Suchen 3. 28.)| sprechen und sinngemäß anwenden. Natürlich wurden dann in der Literatur noch mehr dergleichen Fälle entdeckt. Andererseits wurde behauptet, es gehöre viel Phantasie dazu, in den Knurrlauten dieses Hundes menschliche Wörter zu entdecken. Von all dem haben unsere Leser nichts vernommen. Erft jetzt, da der„ Keplerbund", die Ors ganisation der frommen Naturwissenschaft, den Fall wissenschaftlich untersuchen lassen will, erfahren sie davon. Nun ist's an der Zeit, denn es besteht Aussicht, daß der kluge Hans" einen Nachfolger erhält.