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el gM fa noch appetitlichere Vergnügen. bU mit einem solchen Spekulanten zu verhandeln. Haberland habe ja ohnehin eine sehr fragwürdige Rolle in dieser Angelegenheit gespielt und seine durch Ehrenämter erworbenen Kenntnisse ausgenutzt. Das von Haber- land erbaute bayerische Viertel sei ein Slandal. Prachtvoll sei wieder einmal die Haltung des Zentrums. Vor zwei Jahren habe es in einer Resolution im Reichstage gemein» nützig« Wohnungspolitik, Erschwerung der wucherischen Grund st ücksspekulation und Dezen» tralisation der Bevölkerung gefordert. Zur Durchführung dieser schönen Wünsche konnte jetzt das Zen- trum beitragen; es tut aber gerade das Gegenteil und unter st ützt nun Spekulantengruppen und Verwertungsgesellschaften. Wenn irgendeinmal das Spekulantentulli Triumphe gefeiert hat, dann beim Verkauf des Tempelhofer Feldes. Der Reichstag mache sich zum Mitschuldigen, fallserzustimme. Die Resolution des Zentrums sei die des Haberland. Warum begeistert sich das Zen» trum so für den Spekulanten Haberland? Sollte der Umstand maßgebend sein, daß Haberland vielleicht eine Kirche miterbauen will? Er baut, wenn das Geschäft es verlangt, auch noch ein Kloster zu Ehren des Zentrums. Fischer verwies auf die Denk» fchrift dcS früheren Kriegsministers v. Einem, der das Zurück» gehen der Militärtauglichkeit in den Großstädten beklagt, das nicht zuletzt auf die WohnungSverhältniffe zurückgeführt werden müsse. Der jetzige Kriegsminister frage aber nur: wie bekomme ich viel Geld herein? Da vermutlich auch in anderen Städten ähnliche Verkäufe stattfinden werden, müsse der Reichstag energisch Stellung nehmen. Der Kriegsminister oestritt die Darstellung Fischer? über den Gang der Verhandlungen mit Berlin . Er müsse Plätze verkaufen� um Geld zum Ankauf großer Uebungsterrains zu erhalten, weil auf den Etat die erforderlichen Summen nicht übernommen werden können. Abg. Zubeil: Wer hat die kolossale Wertsteigerung des Tempel hofer Feldes herbeigeführt? Tempelhof unmöglich, noch weniger Haberland, sondern das große Gemeinwesen Berlin mit seinen un- geheuren Aufwendungen. Darum schon mußte Berlin unter allen Umständen an erster Stelle beim Verkauf berücksichtigt werden. Die Darstellung Webers über die Verwertung des Aufmarsch geländeS sei total falsch. Daß die Eingemeindungsfrage in einer für Berlin zufriedenstellenden Weis« gelöst werden würde, konnte Werlin auch daraus hoffen, weil der Kaiser sich bei seiner An» Wesenheit im Rathaus anläßlich der hundertjährigen Feier der Städteordnung, seine Sympathie und Zustimmung zur Eingemeindung ausgesprochen habe. Im übrigen verdiene die Darstellung des Berliner Magistrats sicher dasselbe Vertrauen wie die Behauptungen der Regierung. Zubeil wandt« sich sodann scharf gegen Haberland, der als Mitglied der städtischen Verkehrsdeputation alle Vorverhandlungen mitgemacht und dann seine Kenntnis der Dinge ausgenützt habe. Zubeil be- sprach kurz die einzelnen Baupläne und betonte den energischen Widerspruch der Sozialdemokraten gegen den ganzen Handel. Abg. Lattmann verteidigte den Kriegsminister, desgleichen noch- malS Abg. v. Richthofen. Abg. Wiemer betonte, daß er eine Ver- ständigung habe herbeiführen wollen und wendete sich gegen den Minister, worauf letzterer erklärte, er lehne jeden Schritt zur Ver- ständigung Berlins mit Tempelhof ab. weil man sonst in der Oeffentlichkeit sagen würde, er habe beim Abschluß deS Kauf gcschäfts wichtige öffentliche Jntmsien nicht wahrgenommen. Das Zentrum zog hierauf die gestern mitgeteilt« Reso. lution zurück; desgleichen die Freisinnigen den zweiten Teil ihrer Resolution Abg. Ledebour betont« in schärfster Weise, daß die Sozialdemokraten jedes Bestreben, auch den östlichen Teil des Tempelhofer Feldes zu verkaufen, energisch bekämpfen werden. Die Bebauung dieses Teils wäre einfach ein Verbrechen an der Berliner Bevölkerung. Die Abstimmung ergab folgendes Resultat: Der ztöeite Teil der freisinnigen Resolution wurde gegen die Stimmen der Freisinnigen, Sozialdemokraten und Polen abgelehnt. Der Antrag Arendt fand ebenfalls keine Mehrheit, dagegen wurde die Resolution Erzberger- Richt Hofen gegen die sozialdemokratischen und freisinnigen Stimmen angenommen. Damit war die Angelegenheit erledigt. Line mierweltslrandgebung des ihanfabundes. Ein wie lockeres, widerspruchsvolles Gebilde der Hanfs- fmttd ist, zeigte sich wieder drastisch auf der H a u p t v e r» fammlung des Gesamtausschusses, der am Freitog zu feiner zweiten Tagung zusammengetreten war. Ein bunteres Programm, als auf dieser Tagung in Aussicht gestellt wurde, läht�ch schlechterdings nicht denken. Wiederholt wurden den Agrariern die zudringlichsten Liebeserklärungen g ein acht. Immer wieder wurde betont, daß der Bund keineswegs irgendeine agressive Polifik gegen die bündlerisch orgoni- sterte Landwirtschaft bedeute. Nicht einmal an den Agrar- zollen will man rütteln, kein scharfes Wort fiel gegen die Wolksausplünderung durch den Brot- uird Fleischwucher und die schikanösen Grenzsperren. Was man von den Agrariern verlangen, war lediglich Toleranz, lediglich das Zugeständnis. auch der Industrie und den anderen Erwerbsgruppen ihren Platz im Parlament und an der Sonue der Regierungs» gunst zu gönnen. Und wie man das Agrariertum uin- schmeichelte, so auch das Handwerk und den kleinen Kauf- niannsstand. Daß man die Solidarität zwischen Industrie- angestellten und dem industriellen Unternehmertum, wie über- Haupt zwischen Angestellten und Unternehmern, proklamierte, versteht sich von selbst. Allen machte man Liebeserklärungen, versprach man goldene Berge. Allen soll geholfen werden. Wer die tönenden Proklamationen dieser hansabüwdlerischen Allerweltsreden liest, müßte fast zu dem Glauben kommen. daß die bisherige Spaltung in einander befehdende Wirt- schastsgruppen und politische Parteien nichts war. als ein einziges großes Mißverständnis. WaS so innig zusammen- gehörte, was nur Verkennung der gegenseitigen löblichen Ab- sichten trennte, das soll fürder ein Band der Liebe und gegen- Zeitigen Duldung umschlingen. Und der Evangelist, der da auszog, die feindlichen Brüder zu einigen, ist Herr Geheim- rat Rießer. und dos Zeichen, in dem sich Agrarier und Klein- dauern, Großindustrielle und Handwerker. Warenhäuser und Tetaillisten, Unternehmer und Angestellte zusammenfinden werden, ist der H a n s a b u n d. Heil dieser gloriosen, wirk» lich zeitgemäßen Erfindung I Seid umschlungen, Millionen. idresen Kuß der ganzen Welt!... Welch heterogene Ingredenzien alle in dem großen Koch- topf des Hansabundes brodeln, um zu dem Wundergericht zusammengebraut zu werden, an dem sich alle letzen können, das beweise eine kurze Blütenlese aus den verschiedenen Reden. Herr Rieß er, der Manager des HanfabundeS. versicherte. daß der Bund mit Nichten von Feindschaft und Neid gegen die fchuhzollbeglückke LaMvIrtschaft üeseekk fe!. Elite MiSjenSc Landwirtschaft und eine blühende Industrie gehörten zu- sammen, und der dritte im holden Bunde müsse unser hoch- angesehener überseeischer Handel und die Schiffahrt sein. Aber auch von der Ueberzeugung sei der Hansabund erfüllt, daß die Solidarität der beruflichen Interessen zwischen Ar- beitgebern und Angestellten sich immer herrlicher entfalten werde. Der Direktor des Bundes, Oberbürgermeister a. D. Knobloch, versicherte, daß der Hansabund bei der Schaf- fung einer Versicherung der Privatangestellten ein ehrlicher Makler beider Interessen sein würde. Auch des Mittelstandes werde er sich mit steigendem Eifer annehmen. Ferner werde er demnächst eine große Publikation über den Umfang der sozialpolitischen Betastung herausgeben. Generaldirektor Dr. Waldschmidt beteuerte gleichfalls, daß der Hansabund keinen K am pf gegen die Landwirtschaft wolle. Er neide der Landwirtschaft keineswegs die ihr zuteil gewordenen angemessenen(0 Zölle. Dafür werde freilich die Landwirtschaft, die nur noch 30 Proz. der Bevölkerung ernähre auch eine entsprechende Vertretung de3 gewerblichen Bürgertums zugestehen müssen. Die Be lastting der Industrie durch die sozialpolitische Gesetzgebung sei sehr groß. Aber damit wolle er nicht sagen, baß der Hansabund ein Gegner der sozialpolitischen Gesetzgebung sei, er verlange nur ein ruhiges Tempol Stadtrat Schulz- Meniel, der über die Lage des deut schen Detailhandels sprach, führte aus, baß dem Kleinhandel durch die Warenhäuser uitd Konsumvereine bereits 400 Mil lionen seines Umsatzes entrissen seien. Auch die Raiffeisew- genossenschaften und die landwirtschaftlichen Einkaufsgenossen- schaften niachten dem Handel böse Konkurrenz. Insonderheit der Bund der Landwirte habe ein W-eltgeschäst mit 214 Mit lionen jährlichen Umsatzes. Dennoch sei der Hansabund kein Gegner der Konsum- und Produktionsgenossenschaften. denn diese verschafften auch Tausenden von jungen Kauf leuten Stellung, so daß sie dann den Detaillisten kein Kon­kurrenz zu machen brauchten. Nur von den sozial- demokratischen Konsumvereinen wollte er n i ch t s w i s s e n. Seien diese doche i n z i e l b e w u ß t e r Versuch zur Zertrümmerung des Mittel st a n d e S" und deshalbmehr zu bekämpfen". Der Mittel­stand fei der festeste Tamm gegen die rote Flut. Schmiede meister Scholz und Tischlermeister Ro Hardt verbreiteten sich dann über die Interessen und die Notwendigkeit der Hebung des Handwerks. Es hätte also nur noch gefehlt, daß ein Angestellter und schließlich gar ein Renommierarbeiter die große Verföhuungs. pauke geschlagen hätten. Aber vielleicht bringt der Hansa bund auch noch dies Arrangement zustande, damit die baby­lonische Sprachenvcrwirrung zur schönsten Harmonie zu­sammenklingt. Der Hanfabund hat Geld, viel Geld, er wird also bei den nächsten Wahlen immerhin einiges machen können. Aber daß sein Programm, das nichts ist als die grundsätzliche Programmlosigkeit, auf die Gestaltung der politischen Ver­hältnisse in Deutschland auch nur vorübergehend einen er­heblichen Einfluß ausüben könnte, ist ausgeschlossen. Denn über die polittschen Kinderkrankhchtcn ist man in Deutschland doch schon hinaus I Der fall v. Mchthofen vor Gericht. Vor der Liegnitzer Strafkammer begann am Freitag die Verhandlung über die Stcuerangclegenheit des konservativen Abgeordneten Freiherrn von Richthofen . Angeklagt war der frühere Inspektor Richthofens. Kasten, auf den die Publikationen für die angebliche Steuer- Hinterziehung deS konservativen Politikers zurückzuführen waren. Allerdings stellte sich heraus, daß Kasten eine eidesstattliche Ver» sicherung in Sachen der Steuerhinterziehung dem Deteltiv G r ä ge r abgegeben, damit aber keine Veröffentlichung durch die Presse be- absichtigt hatte. Gräger hat jedoch die Mitteilung an den Redakteur devJournalpost", den Journalisten Schweder. weitergegeben, durch dessen Korrespondenzbureau die Angelegenheit dann in die Presse gelangte. UebrigenS behauptete Gräger, er fei seinerzeit mit Schweder wegen der Angelegenheit ins Finanzministerium gegangen. wo ihm schließlich ein Geheimer Oberfinanzrat geraten habe, die Sache in die Presse zu bringen. Bei der Verhandlung drehte eS sich zunächst mehr um pro- zessuale Präliminarien. Der Angeklagte, der durch den Rechts- anwalt' R osenfeld vertreten wurde, forderte zur Erbringung deS von ihm angebotenen Wahrheitsbeweises, daß ihm von dem Kläger die Wirtschaftsbücher vorgelegt würden. Der Vertreter Freiherrn von RichthofenS erklärte, daß dieser der gründlichen Aufhellung keineswegs Schwierigkeiten bereiten wolle, daß aber der Antrag eine Verschleppung der Angelegenheit bezwecke, welcher Auffassung von dem Vertreter des Angeklagten lebhast widersprochen wurde. Der Gerichtshof behielt sich die Ent- cheidung darüber, ob die Bücher vorzulegen seien und die VerHand. lung deshalb zu vertagen fei, einstweilen vor. In der beginnenden Beweisaufnahme erklärt« der Zeuge Regierungsassessor von Bertram, der Vertreter des Londrats des Kreises Liegnitz , daß die wegen der Steuererklärung des Herrn von Richthofen für das Jahr lölv angestellten Ermittelungen ergeben hätten, daß der Kläger in diesem Jahr« sein Einkommen auf öS 208,98 M. an» gegeben habe. In Abzug gebracht habe davon Herr von Richthofen ein Einkommen aus einer Zuckerfabrik, da diese Fabrik eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung sei und deshalb direkt zur Besteuerung herangezogen werde. Die von Richthofen wirklich zu entrichtende Steuersumme betrage daher 12öS M. Dieser Botrag entspreche einem Einkommen von 38 40lXX) W, Hierauf trat eine Paus« ein. politifcbe deberllcbt. Berlin , den 24. Februar 131 l. Für und wider den Militarismus. Aus dem Reichstag . 24. Februar. Der Kampf ür und wider den Militarismus, der bei der zweiten Be- rawng der MilitSrvorlage einsetzte, wurde heute bei der Be- ratung deS Militäretats fortgesetzt. Zunächst kam eS zu der von sozialdemokrafischer Seite beantragten namentlichen Abstimmung über den § 1 der Vorlage wegen Festsetzung der Friedens- »räsen z stärke. Daß der Paragraph wie vorher alle übrigen angenommen werden würde, stand von vornherein fest. Die namentliche Absttknmung hat ober ihren Zweck trefflich erfüllt einmal festzustellen, wie wenig bürgerliche Abgeordnete denn noch Ansprüchen des Militarismus Widerstand leisten, wie wenig entrumsleute insbesondere hinter der Opposition!' rede des bg. Heim stehen. Die Abstimmung ergab 243 Stimmen für. 63 gegen die Forderung bei 11 Enthaltungen. Diese Zahlen setzen sich Nim folgenbermaßen zusammen; Dagegen haben gestimmt alle anwesenden Sozial- deni okraten und Polen , sowie der eine Däne; dann noch die drei Zentrumsabgeordneten Heim, Häusler und Dr. Will(ein Elsasser). Enthalten haben sich zehn bayerische Zenttumsleutc und der Elsasser D e l s o r. Alle anderen Elsaß-Lothringer haben gefehlt. Geschlossen für die Vorlage haben also gestimmt die Parteien der Rechten und die beiden liberalen Parteien, also der alte Bülow-Block. Daß tatsächlich das Zentrum auch völlig militärfromm geworden ist, beweisen gerade die spärlichen Ausnahmen. Wenn man von den Elsässern ab- sieht, haben nur zwei Zentrumsbayern gegen den Stachel gelött: Dr. Heim und, was das- interessanteste ist, der General Häusler, also der einzige anerkannte militärische Fachmann des Zentrums. In den voraufgegangenen Jahren hat dieser Herr wiederholt ein- gehend scharfe Kritik an dem deutschen Militärwesen geübt. eine so scharfe Kritik, wie sie sonst von bürgerlicher Seite seit Jahren nicht mehr laut geworden ist. Rücksichtslos ist diese wertvolle Kraft von den Regierungsdiplomaten des Zentrums aus der Front herausgequetscht worden und kann seiner Opposifion gegen vaS herrschende Militärsystem nur noch durch die Abstimmung Lust machen. Statt Häusler führen die schmiegsamen Speck und Erzberger für die Zeillrumspartei das Wort. Die Generaldebatte über den Militäretat, die beim Titel Kriegsminister einsetzte, brachte zunächst wieder die jetzt un- vermeidlich gewordene Rede des Regierungshilfsarbeiters Erzberger. Dann ging Genosse N o s k e das weitschichtige Sündenregister des Militarismus durch. Er stellte durch Tat- fachen fest, daß der gegenwärtige Kriegsminister v. Heeringen selbst gegenüber seinem Amtsvorgänger v. Einem einen Rückschritt in der Hcercspolitik bewirkt habe. So werde ernst- lich nichts getan zur besseren turnerischen Heranbildung der Jugend als Vorbereitung für den Militärdienst; der Militär- boykott werde gegenüber den Sozialdemokraten rigoroser gc- handhabt. Im Heerwesen selbst könne sich ein System der Erziehung der Soldaten zur Hundedemut breit machen. Die Nachschnüsielei nach sozialdemokratischer Gesinnung nehme stellenweise geradezu alberne Formen an. Wie sehr über- Haupt die Angst vor der Sozialdemokratie den Kriegshelden in die Knochen gefahren sei. zeige der Erlaß des Generals v. Bissing. Für die Fortschrittliche VolpSpartei ergriff Herr M ü ll e r» Meiningen das Wort. Die Militärfrömmigkeit steckt ihm natürlich seit der Zeit des Bülowblocks in den Gliedern, doch sah er sich genötigt, in der Erörterung einer ganzen Anzahl von Einzelfällen in die nämliche Kerbe zu hauen wie die Sozialdemokratie. Nach ihm erhob sich der Kriegs- minister. Seine Verteidigungsrede war wesentlich auf die bekannte Note gestinimt: Der Disziplin müssen alle Rücksichten auf Gerechtigkeit und Menschlichkeit ge- opfert werden. Im übrigen erfreute der Herr unS wieder durch solche schnurrigen Argumente, wie wir sie von ihm früher schon zu höre» bekamen. So wußte er die Gardebevorzugung mit dem Regimentspatri otismus zu entschuldigen und von dem Bissingschen Korpsbefehl ver- sicherte er treuherzig, er sei keineswegs aus die Sozialdemo- trotte gemünzt, sondern nur gegenAufstände", auf deren Möglichkeit man durch kriegsgeschichtliche Studien gc- kommen. Der Passus wegen der Verhaftung der Abgeordneten sei nur aus Versehen da hinein gekommen und jetzt gestrichen. Verständnisinniges Bravo auf der Rechten lohnte dem wackeren Kriegsmann für dieses Attackcrciten aus dem Schaukelpferd. Morgen geht die Debatte weiter. Steuerscheu. Im Abgeordnetenhause»begann am Freitag die Beratung de? Etats der Verwaltung der direkten Steuern. Bekannt« lich hat der Landtag vor zwei Jahren Steuerzuichläge bewilligt, die aber nur eine vorübergehende Einrichtung, ein Notbehelf sind und in der nächsten Session durch eine Gesetzesreforn, ersetzt werden sollen. Ueber die Grundzllge der zu erwartenden Reform hat sich der Finanzminister bisher noch nicht geäußert; auf verschiedene An- fragen erklärte er, er wolle zunächst die Wünsche der Parteien hören; im übrigen aber wolle er an den Grundlagen de? geltenden Gesetzes nicht rütteln. Daß die Steuerreform so leicht zustande kommt, bezweifeln wir. Dazu sind die Gegensätze, wie aus der Debatte hervorgeht, denn doch zu groß. Ein Punkt, über den die Ansichten der Parteien auS- einandergehen, ist die Frage, ob nach wie vor der L a» d r a t an der Spitze der VeranlagungSkommisfionen stehen soll. Die Kon- servattven legen Wert darauf, daß ihm diese Stellung erhalten bleibt. Im Gegensatz dazu forden die gesamte Linke einschließlich der Nationolliberalen. ja sogar die Freikonservativen, daß dem Land- rat dies Geschäft abgenommen wird. Geschieht da«, dann wird zweifellos auch auf dem platten Lande eine gerechtere Ver« anlogung erfolgen. Weiter bestehen Gegensätze in der Frage der Freilassung der unteren Klassen. Während unser Redner, Genosse Ströbel, mit aller Entschiedenheit die Befreiung der Einkommen unter lS<X) Mark von der Steuer verlangte. ließen die bürgerlichen Parteien durchblicken, daß sie da- für nicht zu haben sind. Ja. sie wollen noch nicht ein» mal den§ 23, jenes Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter. beseitigen, und wenn eS nach dem Wunsch der Konservativen geht, dann wird eine neue Belastung der Arbeiterklassen in Form einer chärferen Besteuerung der Konsumvereine herbeigeführt werden. Hielten sich die Redner der bürgerlichen Parteien im allgemeinen an technische Einzelfragen, so unterzog der sozialdemokratische Redner Ströbel das ganze Gebiet unserer Steuerpolitik emer ver- nichtenden Kritik. Er wies an der Hand der Ergebnisse der Steuer» iatistik nach, wie jämmerlich das Einkommen de« größten Teils des preußischen Volkes ist, wie da«, was ihnen die Gewerk- chaften in schweren Kämpfen errungen haben, den Arbeitern durch die Verteuerung der Lebenshaltung wieder abgenommen wird, und wie namentlich die Befitzenden eine große Steuerscheu an den Tag legen und sich auf jede Weise um die Steuern zu drücken suchen. Auch da« verräterische Debaren deS Zentrums wurde von unserem Genossen gebührend gebrandmarkt. Sonnabend: Fortsetzung._ Die Nachwahl in Giesten-Nidda . Die Erlatzwahl für den verstorbenen antiscmitisch-bündlerischen Reichstagsabgeordneten Köhler-LangSdorf. die am 10. März statt» finden wird, beansprucht lebhaftes politisches Interesse. Bei der Hauptwahl lS07 wurden 22 905 Stimmen abgegeben; davon ent« ielc» 9017 Stimmen auf Köhler. 7434 auf den nationalliberalen und 6396 auf den sozialdemokratischen Kandidaten. In der Stich- wähl wurde Köhler dann mit 11 S43 gegen 10 675 Stimmen für den Nattonalliberalen gewählt. Für die Nachwahl hat sich abgesehen von dem politischen Umschwung tu der Gesümuug eines große» Teile» der Wähler-