Einzelbild herunterladen
 
  

Kr. 67. S8. Zahrglmg. 5. Keilet des.lorsiiits" Kcrlimr AlksdIM. Zoulltllg, 19. Mar; 1911. Partei-?Zngelegenkeiten. Uchtuug, Versammlungsleiter! Die Leiter bezw. Leite­rinnen der heutigen Frauenversammlungen werden gebeten, der Redaktion desVorwärts" einen kurzen Bericht über Zahl der Besucher, Person der Referenten und etwaige Zwischen- fälle zugehen zu lasten. Wegen ihrer großen Zahl ist es nicht möglich, alle Versammlungen durch Berichterstatter zu beschicken. UrauiabillettS zu der heute nachmittag 2 Uhr statt- findenden Vorstellung sind noch bei dem Kassierer des zweiten Kreises, Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, zu haben; von 1 Uhr ab in der Urania . Dritter Wahlkreis. Die Mitglieder, welcbe sich zu den Vor- trägen des Genossen Eichhorn gemeldet haben, mögen sich am Mittwoch, den 22. März, abends SVa Uhr, in Wittes Festsälen, Sebastianstr. 39, einfinden. Als Legitimation ist das Mitgliedsbuch mitzubringen._ Vierter Wahlkreis. Zur Flngblattverbreituug am heutigen Sonntag wollen sich die Genossen an den bekannten Stelle« einfinden. Zum Frauentag. Die Genossinnen des vierten Kreises treffen sich heute um 1 Uhr in ihren Leseabendlokalen und gehen von da aus um IV« Uhr zur Versammlung._ Vierter Wahlkreis." Heute Sonntag, den 19. März, findet in Kellers Festsälen, Koppenstrafie 29, eine Märzfeier statt. Billetts 0 60 Pf. sind bei den Bezirksführern zu haben. Siehe Inserat. Der Vorstand. Lichtenberg . Am Dienstag, den 21. d. M., abends S'/z Ubr. findet im Lokal von Paul Schwarz. Mvllendorffstraße 25/26, die Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genoffen I. Kaliski über Schluh im Reichstag". 2. Wahl einer Zeitungskommijsion. Ü. Anträge. Steglitz . Wir ersuchen die Genossinnen und Genosten, die Frauen- Versammlung in Friedenau (Rheinschloßj besuchen zu wollen. Der Vorstand. Friedenau . Am Dienstag, den 21. März, abends 8 Vi Uhr, im Lokal.Rheinschlofi", Rheinstratze 60: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Vortrag des Genossen U ck o:»Die Bedeutung des L Mai." Zrhlendorf(Wannfeebahn). Dienstag, den 21. d. MtS., abends 8V, Uhr, bei Benno Mickley: Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genoffen Kurt Heinig über:»Deutsche Regierungskunst'. 2. Bericht von der Verbands- generalversammlung. 3. Dlskussion. t. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Schmargendorf . Am Dienstag, den 21. März, abends 9lL Uhr, findet im.Schützenhaus", Hundekehlestr. 20, eine öffentliche Versamm- lung statt, in welcher Redakteur Genoffe Mermuth über»Kirche und Schule" sprechen wird. Die Genoffen wollen für regen Besuch agitteren. Köpenick . Am Dienstag, den 21. März, abends 8'/« Uhr, der- anstaltet der Bildungsausschuß seinen letzten diesjährigen Theater« abend im Stadttheater. Zur Aufführung gelangt:»Ueber unsere Kraft." II. Teil. Einlaßkarten sind nur»och beim Genossen Lcfevre, Grünstr. 16(Hutgeschäft), zu haben. Am Beginn der Vorstellung werden die Saaltüren geschloffen; Zuspätkommenden kann während des ersten Aktes kein Einlatz gewährt werden. Der Bildungsausschuh. KarlShorst . Am Dienstag, den 21. März, abends 8»/, Uhr: Mitgliederversammlung bei Bartels(»Fürstenbad"). Vortrag des Genoffen Zimmermann:»Die EntwickelungSgeschichte der drama- tischen Kunst". Drutsch-Wusterhansen. Heute Sonntag, den 19. März, nach- mittags 3V,' Uhr. im Lokale von Albert Wiemann: Ocffentliche Ge- meindewählerversammlung. Tagesordnung: 1. Was leistet die Sozialdemokratie in der Gemeindevertretung. 2. Diskussion. 3. Auf- stellung des Kandidaten der 3. Klaffe. Der Bezirks führer. Hohen- Schöllhausen. Am Dienstag, den 21. d. Ms. , abends S1/, Uhr, im Lokale des Genossen F. Reyher, Berliner Straxe 93: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Vorttag des Genossen E. Unger über:»Kirche und Schule". 2. Oertliche Angelegenheiten. Reinickendorf -Ost. Dienstag, den 21. März, abends 8 Uhr, in den HubertuS-Sälen, Provinzstr. 77/79: Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Genosse Müller wird über:»Materialistische Geschichtsauffassung " sprechen. Bruchmühle-Radebrück. Heute Sonntag, den 19. März, abends S Uhr: Zahlabend beim Genosten Kutzncr. Mitgliedsbücher sind mitzubringen._ Der Bezirks führer. Berliner JNachricbtm Frühmorgens im Familieuasyl. Ausstehen... Betten machen...1" Der Unteraus- scher eilt kurz nach fünf Uhr früh von Tür zu Tür, zündet eine trübe Gasflamme an und schniettert seinen Weckruf, daß es Tote zum Leben bringen könnte. Tie Aeltesten, Ausge- mergelsten, die mit einem Bein im Grabe stehen und hier schon monatelang auf ein Paradiesbillett für das Siechenhaus warten, sind am ersten auf dem Posten. Ruhelos wälzen sie die morschen Knochen auf dem Lager und sind froh, wenn der Tag graut zum ewigen Einerlei des nutzlosen Greisenlebens. Wer noch jung ist, in der Vollkraft des Daseins steht und nur infolge vorübergehender schwerer Notlage, aus dem Kranken- hause entlassen oder von einembarmherzigen" Hausagrarier auf die Straße gesetzt, sich hierher verirren durfte, kommt so schnell nicht aus den Federn. Wahrhaftig, es sind Federn, keine lumpenähnlichen, schmutzstarrenden, übelriechenden Sack- leinendecken auf der Holz- oder Drahtpritsche. Jeder hat seine Bettstelle mit Strohjack, Oberbett und Kopfkissen. Nach einer knappen Viertelstunde macht der Unteraufseher, seine Jnstruk- tion erfüllend, von neuem die Runde.He... Sie da! Zum Donnerlittchen, wie lange wollt Ihr denn noch pennen? Jetzt kann man doch wohl ausjenieselt haben!" Hurtig räkeln sich auch die letzten nackten Beine und griesgrämigen Gesichter aus den buntgewürfelten Bezügen. Nun heißts dalli, sonst erscheint der Oberaufseher, und es gibtmächtig einen rein- gewürgt." Die nötigste Reinigungsprozedur an den einfachen Waschtischen der beiden Schmalwände ist bald beendet. Sorg- fältig wird dieFalle" in Ordnung gebracht und das Ober- bett möglichst glatt gestrichen. Für so etwas hat die Aufsicht ein verteufelt scharfes Auge. Um den Dreck in den Ecken kümmert man sich nicht so ängstlich. Drüben im Speisesaal (welch vornehmer Name!) klappern sie ungeduldig schon mit dm Kofseebechern. E» ist kalt draußen. Man will von innen einheizen, ehe der trostlose Gang nach Arbeit und Wohnung angetreten wird. Ein paar Jammergestalten humpeln an Stöcken und Krücken über den langen Llorridor, zwischendurch huschen Kinder, die von des Lebens Ernst noch keine Ahnung haben.Aufpassen... Vorsehen!" Hilfreiche Hände schleppen aus der Küche im Hofe mächtige Blechkübel mit dampfendem, glühendheißem Milchkaffee herbei, andere hinterdrein ein paar Waschkörbe mit Schrippen und dicken Brotstücken, die für den ganzen Tag reichen sollen. Noch heißts warten. Jedem wird sein Teilchen mit bureaukratischer Genauigkeit zugemessen. Wie ein Wachtmeister beim Kommiß steht der Qberaufseher mit dem dicken Notizbuch am Ausgabetisch, neben ihm mit geschwungener Füllkelle der Speisenkalefaktor. Jahrelang war das hier oben ein alter Zuchthausbruder, der sich mit merkwürdiger Zähigkeit eingefressen hatte, ein wahres Galgen- gesicht. Viel Zank und Stank hat er hervorgerufen, manchem Asylisten, dem er nicht grün war, die dicke Brühe über die Finger gegossen und für seine Niedertracht manchen gerechten Faustschlag bekommen. Dieser unausstehlicheSeidenspinner", der Typus desSpeckjägers" außer Diensten, hatte irgendwo einen guten Obdachretter, bis sein Maß voll war und er hin- ausflog. Seitdem besorgen die Aufseher selbst das Speisen- verteilen. Name auf Name wird aufgerufen. Im Gänse- marsch empfangen die Familienasylisten ihr Deputat. Noch ein paar Nachzügler melden sich, stecken einen Anschnauzer ein. Wer dann nicht da ist, wird im Buch gestrichen, gilt als ent- lassen. Niemand soll ohne besondere Erlaubnis vor acht Uhr das Familienobdach verlassen. Der Grund? Jeder ist zum Reinemachen! verpflichtet. Aber die meisten wissen sich zu drücken, besonders wenn Schemelwäsche und Korridorauf- wischen dran ist. Dann fährt der Ausseher wohl dazwischen und greift sich ein paar Ausreißer, die es hinauszieht aus dem Unglücksquartier an die frische, freie Luft. So blüht derWeizen der Armut" einen Tag wie den anderen. Tie Not geht, neue Not kommt. Die Beamten sind äußerlich rauh und hart, manche auch schon innerlich stark ab gestumpft durch soviel Familienelend. Aber alles was sich hier oben abspielt, ist trotz der furchtbaren Notlage des Einzelnen doch noch um tausend Prozentbesser als der Jammer in den scheußlichen Löchern da unten... im allgemeinen Nachtasyl des glänzenden Berlin . Die Ausstellug billiger Jugendschriften im Gewerkschaftshaus ist bis Ende März an allen Sonntagen von 5 8 Uhr geöffnet. Anläßlich der bevorstehende� Kontrollvrrsammlnngen der Reservisten und Landwehrleute werden von der Militärbehörde zum Teil neue verschärfte Bestimmungen be kannt gemacht. Nicht nur das Zuspätkommen zu den Kontroll Versammlungen, sondern auch das Erscheinen zu einer anderen als zu der befohlenen Kontrollversammlung wird bestraft. Unentschuldigtes Fernbleiben hat unter Umständen fortan ge- richtliche Bestrafung sowie Zurückversetzung in die näckstjüngcre Jahresklasse zur Folge, was wiederum ein längeres Verbleiben in der Kontrollverpflichtung nach sich zieht. Die zu den Kontrollversammlungen einberufenen Mannschaften gehören während des ganzen Tages der Gestellung zum aktiven Heere und unterstehen den Militärgcsetzen. Ein belustigendes Eingesandt befindet sich im»Steglitzer An- zeiger" vom 17. März. Dasselbe lautet: Eingesandt. In der 2. Beilage desVorwärts" vom 16. März 1911 liest man unter..Parteiangelegenheiten":»In Steglitz hält am 18. d. M. die Freiwillige Sanitätskolonne im LokaleAlbrechts- hos" ihr Stiftungsfest ab. Das Lokal steht der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung; wir bitten deshalb, angebotene Billetts in Arbeiterkreisen zurückzuweisen." Dem..Vorwärts"-Redakteur sind bei Abfassung dieses glän- zenden Artikels leider schwere Fehler unterlaufen; denn 1. findet das Stiftungsfest am 25. d. M. statt, 2. besteht in Steglitz nur eine Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz. Dieser Zusatz ist darum wichtig, weil es auch sozialdemokratische Sanitätskolonnen gibt, die aber nicht den Zusatz vom Roten Kreuz führen dürfen. 3. Das LokalAlbrechtshof" steht der Arbeiterschaft Wohl zur Verfügung; nur für die Sozialdemokratie sind seine Pforten geschlossen. An diese aber geben wir sowieso keine Billetts ab. Es zeigt hier derVorwärts" einmal wieder dieselbe Ueber- Hebung, wie man sie so oft findet, nämlich, daß er sich mit der Arbeiterschaft identifiziert. Gott sei Dank ist aber zwischen Arbeiterschaft und Sozial- demokratie noch eine große Kluft, was ich an den Sanitären der Kolonne zu meiner großen Freude beobachten kann. Schmidt, Hauptmann. Führer der Freiwilligen San.-Kol. vom Roten Kreuz in Steglitz . Mit der vorstehenden Veröffentlichung hat der Herr Haupt- mann Schmidt unseren Parteigenossen in Steglitz wenn auch un­bewußt einen großen Dienst geleistet. Sie können diesem Manne nur dankbar sein, daß er eine Berichtigung vornimmt und mitteilt, daß das Fest am 25. und nicht am 18. März stattfindet. Beruhigen möchten wir den Herrn Hauptmann insofern, als die Arbeiter- Sanitätskolonne gar kein Bedürfnis fühlt, sich mit den Kolonnen vom Roten Kreuz zu identifizieren. Eine große Weltfremdheit aber verrät der schreibselige Mann, wenn er glaubt, Arbeiterschaft und Sozialdemokratie trennen zu sollen. Die aufgeklärten Arbeiter sind längst Sozialdemokraten unt» die noch indifferenten Arbeiter werden es mit der Zeit werden. An der Tatsache, daß Billetts zu dem Fest auch unter aufgeklärten Arbeitern zu vertreiben gesucht werden, kann die Erklärung des Herrn Hauptmanns nichts ändern, sintemalen er keinerlei Kontrolle dafür hat, wem die Billetts an- geboten werden. Und an der Nasenspitze kann man doch nicht ohne weiteres den Sozialdemokraten erkennen. Uebrigens sollte der Hauptmann Schmidt in Zukunft genauer lesen, bevor er zur Feder greift. Die von uns veröffentlichte Notiz war von der Lokalkommission unterzeichnet. Herr Schmidt haut vollkommen daneben, wenn er von demVorwärts"°Nedakteur als Verfasser spricht. In der Sache stimmen aber auch wir dem In- halt der Notiz zu, die darauf hinausläuft, keine Vergnügungen in Lokalen zu besuchen, deren Inhaber ihre Lokale zur Abhaltung von sozialdemokratischen Versammlungen verweigern. Gegen die geplante Lustbarkeitsstener machen die Interessenten von neuem mobil. Gestern waren Theaterintereffenten. Musiker- Vertreter, Artisten, Schausteller, Ktuematographenbesitzer, Gast- Wirtvertreter usw. versammelt, um wiederum Schritte zur Ver- hütung dieser Sonderbesteuerung zu unternehmen. Unter anderem soll versucht werden, persönlich die Stadtverordneten zu bearbeiten, die Steuer abzulehnen. Befremdend wurde bemerkt, daß bis heute noch niemand an die Leiter der königlichen Theater herangetreten sei, um sich zu vergewissern, wie sie sich zu der Zahlung der Steuer stellen. Privatim verlautet, daß man an dieser Stelle gar nicht daran denkt, sich der Steuer zu unterwerfen. Dann aber wäre es eine doppelte Ungerechtigkeit, die übrigen Theater zu besteuern. Eine Protestversammlnng gegen die Lusttarlcitsstcuer findet am Montag, den 20. März, nachmittags 4 Uhr. in den Konlordiasälen statt. Sie ist von den verschiedenen Gastwirtsvereinigungen Berlins einberufen. Köpenick . Coepenick oder Koepenick. Um den Wirrwarr zu be- seitigen, der in bezug auf die Rechtschreibung des Ortsnamens Köpenick herrschte, hatte der Regierungspräsident vor Jahren die amtliche Schreibweise aufCöpenick" festgesetzt. Das hat jedoch wenig genützt, denn nicht einmal die Behörden beachten diese Ver- fügung. So wurde kürzlich in einer Versammlung festgestellt, daß die Wafferbauinspektion ihrem Titel die BezeichnungCoepenick" angehängt hat, während das Katasteramt stolzKoepenick " firmiert. ES wiederholt sich hier also dasselbe Beispiel wie bei Köln , das amt- lich mitC", in der Praxis aber mitK" geschrieben wird. Auch die Stadt Berlin hat sich noch nicht zu einer einheitlchen Schreib- weise des NamensCöpenick" durchgearbeitet, denn die Köpenicker Straße in Berlin weist an den verschiedenen Ecken die verschieden- artigsten Schreibarten mitC" undK" auf. Ueber das Verhalten eines städtischen Parkwächters im Viktoria» park berichtete dieser Tage eine Korrespondenz, die von verschiedenen Zeitungen auch von uns abgedruckt wurde. Es wurde berichtet, daß ein städtischer Parkwächter einem Knaben den Stock zwischen die Beine geworfen hätte, infolgedessen der Junge kopfüber den steilen Abhang hinuntergerollt und besinnungslos liegengeblieben sei. Vom Magistrat wird nunmhr folgende Darstellung des Falles gegeben: Am Sonabend, den 11. März, nachmittags gegen 4 Uhr, fuhren mehrere Kinder mit einem kleinen Wagen, in welchem ein Knabe saß, einen seiner Steilheit wegen für Kinderwagen verbotenen Weg im Viktoriapark hinauf und ließen dann den Wagen von selbst wieder hinunterfahren. Als dies der Parkwächter Ludwig Buttgereit bemerkte, verbot er ihnen im ruhigen Tone dieses Spiel seiner Ge- fährlichkeit wegen und wies sie von diesem Wege fort. Beim Um- wenden des Wagens wurde derselbe von den Kindern umgerissen, der gerade darin sitzende Knabe fiel zur Erde und schlug mit dem Kopfe auf die Steinkante des Weges auf. Er erhob sich jedoch sofort wieder unl> lief mit seinen Spielgenossen weiter. Der Parkwächter, welcher seit zwanzig Jahren im Dienste ist, hat noch nie Anlaß zu Klagen gegeben und ist seinen Vorgesetzten als ruhiger und bescheidener Mann bekannt. Er stellt energisch jede Erregung, Drohung oder gar Tätlichkeit in Abrede, vor allem, daß er dem Knaben seinen Hand- stock zwischen die Beine gesteckt habe. Auch sei der Knabe nicht den Abhang hinuntergerollt und besinnungslos liegen geblieben. Am Donnerstag, den 16. d. Mts., ist die Mutter des Knaben mit diesem zu dem Parkwächter gekommen und hat erzählt, daß ihr Sohn in- folge des Falles aus dem Wagen eine Kopfwunde erlitten habe. welche auf der Unfallstation verbunden worden sei. Auf die Frage des Wächters, wie der Kleine zu der Wunde gekommen sei, sagte dieser, daß die anderen Kinder den Wagen mit der Leine umge- rissen hätten und er auf einen Stein aufgeschlagen sei. Die Mutter trat dann noch an den Wächter mit dem Ansinnen heran, sich mit ihr bezüglich der Doktorkosten zu einigen, was der Wächter, da ihn keine Schuld an dem Unfall trifft, selbstverständlich abgejehnt hat." Uns wird zu der Sache nach Rückfrage mitgeteilt, daß am Sonn- abend nach dem Unfall auf der Unfallstation am Tempelhofer Ufer ein Herr mit dem verletzten Knaben erschienen sei, um ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dabei sei die auch von uns übernommene Sachdarstellung gegeben worden. Welche Darstellung die richtige ist. können wir nicht entscheiden und nehmen deshalb auch von den Mitteilungen des Magistrats Notiz. Militärverwaltung und Wanderklubs. Es wird berichtet:Eine bemerkenswerte Neuerung im sportmäßigen Wandern ist von der Militärbehörde getroffen worden. Es ist den Truppen nämlich ge- stattet, den innerhalb gemeinnütziger Organisationen gebildeten Wanderklubs auf Antrag eine Anzahl Zelte leihweise zu überlassen. damit die jungen Leute am Sonnabend und Sonntag größere Touren zurücklegen und die Nacht in den Zelten zubringen können. Da sich infolge des Fortfalls von Logisgebühren die Teilnahme an solchen Wanderungen erheblich billiger stellt, hofft man, daß durch oiese Neuerung der Trieb zum sportmäßigen Wandern und die Freude an der Natur gefördert und gestärkt wird." Ob auch Wanderklubs Zelte erhalten, die sich lediglich aus Arbeitern zusammensetzen und im Geruch sozialdemokratischer Ge- sinnung stehen? Den Bock zum Gärtner gemacht. Seit langer Zeit wurden Dieb- stähle in großer Zahl auf dem städtischen Schlachthof ausgeführt» ohne daß man auch nur eine Spur der Diebe finden konnte. End- lich haben jetzt die Diebstähle, durch welche das Eigentum der Meister auf das äußerste gefährdet wurde, eine unerwartete und sen- sationelle Ausklärung gefunden. Zu den durch Diebstähle schwer geschädigten Meistern gehörte auch der Fleischermeister Traugott Becker(in Firma Karl Becker), welcher die Kriminalpolizei um Hilfe anrief. In vorvergangencr Nacht ließ sich, wie oieWge- meine Fleischer-Zeitung" meldet, ein Kriminalbeamter in die Schlachtkammer des Meisters Becker einschließen. Plötzlich hörte der Beamte die Türen aufschließen und sah von seinem Versteck aus. daß drei Männer den Raum betraten, eine Gasflamme anzündeten und nun mit einer gewissen Sachkenntnis Umschau unter den großen Fleischvorräten hielten und sich dann mit größter Ruhe die besten Stücke aneigneten. Als dieselben im Begriff standen, die Kammer zu verlassen, trat der Kriminalbeamte mit gespanntem Revolver den Dieben entgegen. Einer von ihnen ergriff die Flucht, die ge- stohlenen Fleischstücke von sich werfend. Die ertappten Diebe wur- den als die angestellten Wächter: Sebastian, Dombrowski und Bönig entlarvt. Die Angelegenheit erregt in den weiten Kreisen das größte Aufsehen. Die größte Entrüstung herrscht über den groben Vcrtrauensbruch dieser drei Wächter, der um so schwerer ist, weil den Wächtern sämtliche Schlüssel zu den einzelnen Schlacht» kammern anvertraut sind, um gegebenenfalls in verdächtigen Situa» tionen diese Räume betreten und revidieren zu können. Die Pflicht- vergessenen Wächter werden einer strengen Bestrafung nicht ent« gehen. Von anderer Seite wird berichtet, daß die Wächter angegeben hätten, daß sie das Geräusch fallenden Wassers aus der Kammer dringen hörten und deshalb annehmen mußten, daß ein Wasserhahn ausstehe, den sie schließen wollten. Zu diesem Zwecke hätten sie sich in die Kammer begeben und den wirklich offenstehenden Hahn ge« schloffen. Gerade als sie die? getan, sei der Kriminalbeamte auf sie zugetreten. Daß sie zu dreien sich in die Kammer begeben hätten. se, nicht weiter ausfällig, da sie zu Nachtzeiten niemals allein in eine solche eintreten. Eine Untersuchung ist eingeleitet worden, sie muß ergeben, ob die angeschuldigten Beamten schuldig oder un- schuldig sind. Ein recht bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich gestern mittag gegen 12 Uhr in der Kleinen Frankfurter Straße, Ecke Elisabeth- straße. Einem dort beschäftigten Dachdecker riß plötzlich bei der Arbeit das Seil, an welchem er angebunden war. Er stürzte vom Dach und blieb mit zerschmetterten Gliedmaßen tot unten liegen. Eine zwei Meter lange rote Fahne flatterte gestern morgen auf einem Hause an der Ecke der Garten- und Schröderstraße. Ein Unbekannter muß über Nacht die recht gefährliche Arbeit verrichtet haben, denn das Wahrzeichen war an dem hohen Turm des Hauses befestigt worden. Im Laufe des Vormittags wurde die Feuerweh« alarmiert, um das verdächtige Sturm- und Bannerzeichen herab- zuholen. Zu dem Frauenmord am Humboldthafen wird mitgeteilt, daß sich einer der Täter das Leben genommen hat. Am 28. Oktober vori» �gen Jahres wurde an der Lutherbrücke, in einem Sack schwimmend, die Leiche eines Mädchens gefunden, dessen Persönlichkeit noch immer nicht bestimmt feststeht. In fast 14tägiger ununterbrochener Arbeit gelang es, den geheimnisvollen Leichensund aufzuklären und