Dr. 67. 28. Jahrgang.
Literarisches.
Sonntag, 19. März 1911.
hat. Daß der Bauer im fapitalistischen Staate ebenso von den Ge- talistischen Entwickelung in den Ländern der außereuropäischen Welt 0000 feben der wirtschaftlichen Entwidelung beherrscht wird, wie jeder doch auch einigermaßen bekannt war und bei der Entwidelung ihres andere Sterbliche auch, darüber seht sich H. mit der souveränen Programms in Anschlag gebracht wurde, das mögen bie Götter Gleichgültigkeit des Genies hinweg. wiffen. Uns interessiert es indessen herzlich wenig.
Gerhard Hildebrand : Die Erschütterung ber IndustrieDann geht die Sache weiter: es gibt Industriestaaten und Doch ganz und gar brauchen wir schließlich noch nicht zu ver herrschaft und des Industriesozialismus. Jena 1910. Verlag Bauernstaaten. Bisher haben die ersten die leßten mit Erzeug- aweifeln aus Angst vor Hunger und Blöße", denn Gerhard Hilde Gustav Fischer. 244 Seiten. Preis 6 M. nissen der Industrie versehen und dafür Nahrungsmittel und Roh- brand hat schon ein Rezept fertig, dem alten Europa noch für Der Titel ist befremdend, denn bisher wußten wir von Indu- stoffe für Kleidung eingetauscht. Da aber diese Bauernstaaten, einige Zeit auf die Soden zu helfen. Das Mittel ist genial: man striesozialismus" nichts, und gewöhnliche Sterbliche waren der An- Amerika, China , Australien , Südafrika , sehr schnell ihre eigene gründe die Vereinigten Staaten von Westeuropa ! Warum West ficht, daß Sozialismus die Vergesellschaftung der gesamten Pro- Industrie entwickeln, so werden sie gar bald aufhören, Europa zu europa und nicht gleich ganz Europa ? Warum soll nicht auch duktion bedeutet. Was eigentlich das neue Wort sagen soll, erfahren füttern. Und wenn wir dann keinen Weizen, keine Baumwolle, Amerika von der Partei sein? Wir wissen es nicht. Wahrscheinlich wir auch von Hildebrand nicht. Dafür hören wir aber, daß es mit keine Wolle mehr geliefert bekommen, dann sind wir armen Mittel- hat Hildebrand die Ruffen und die Amerikaner nicht gern, und es dem Sozialismus überhaupt nichts ist, und daß es für die euro- europäer halt fertig und können in Hunger und Blöße" uns aufs paßt ihm beffer so. Ein Genie darf alles. Diese Bereinigten päischen Völker eigentlich gar keine Rettung mehr gibt. Die letzte Stündlein vorbereiten. Daß dieses Stündlein mit Kurier- Staaten von Westeuropa würden also ein Gebiet darstellen, das tapitalistischen Staaten stehen vor dem Ruin, höchstens ein paar 3uggeschwindigkeit naht, wird dann durch einen Wust von Zahlen man hübsch mit Zollschranken umgeben kann, besonders würde Hilde brand keine Bedenken tragen, einen wirksamen Agrarschapsoll als Jahrzehnte sind ihnen noch vergönnt, dann bricht die Herrlichkeit nachgewiesen. Diese Zahlen nachzuprüfen lohnt nicht, aus dem einfachen unbedingte Notwendigkeit zu fordern". Neu ist das gerade nicht, zusammen. Aber es wird nicht etwa eine neue soziale Ordnung angebahnt durch das Proletariat, sondern auch diesem droht ein Grunde, weil die ganze Spekulation in der Luft hängt. Ebenso- denn das anmutige Spiel mit den Vereinigten Staaten von Europa schmähliches Ende:„ Es erfährt in Hunger und Blöße, daß es über- wenig wie es innerhalb des tapitalistischen Staates isolierte Bauern- haben schon andere mit mehr Wit betrieben, zum Beispiel der flüssig geworden ist, sobald ihm die feste Bauerngrundlage fehlt. wirtschaften gibt, die füttern, wen sie wollen", ebensowenig können Margvernichter Julius Wolff . Nur weiß man nicht, warum wir Ueberflüssig und zugleich hilflos. Es nüßt ihm nichts mehr, den einzelne Länder sich in der kapitalistischen Welt isolieren. Wenn Weltbürger von heute uns nach dem europäischen Ferch sehnen Kapitalisten enteignen zu wollen, denn die industriellen Produk- Hildebrand sich die Mühe gäbe, statt mit Zahlen zu jonglieren, sollen und was wir dabei gewinnen. Zumal in diesem Ferch viel die wirtschaftlichen Zusammenhänge kennen zu lernen, fäme er leicht für das nötige Futter gesorgt wäre, aber sicher nicht für den tionsmittel sind nicht mehr verwertbar." vielleicht auch noch dahinter, daß bisher stets die kapitalistische Ent- Bedarf an Kleidungsrohstoffen- Baumwolle, Wolle, Leder-, bor wickelung eines Staates dazu führte, diesen Staat um so mehr von dessen Mangel Hildebrand uns in den früheren Kapiteln ganz be dem gesamten Getriebe des kapitalistischen Weltmarktes abhängig sonders gruseln machte. Man könnte das Buch als einen höchst überflüssigen Verbrauch zu machen, daß dabei diese Zusammenhänge nicht etwa zufällig find, sondern mit Notwendigkeit sich aus den kapitalistischen Grund- an Papier und Druckerschwärze achselzuckend beiseite legen, wenn lagen ergeben. Ferner dürfte es ihm bei einigem Nachdenken viel- nicht der Verfasser die Marotte gehabt hätte, vor ein paar Jahren leicht auch klar werden, daß die Bevölkerung jener Agrarstaaten in bon den Nationalsozialen zur Sozialdemokratie hinüberzuwechseln dem Maße, in dem sie in das kapitalistische Getriebe hineingezogen und sich auch jetzt noch als Sozialdemokrat zu gerieren. Das hat zur wird, genau so wie die Bevölkerung des alten Europa , von Klassen Folge, daß seine agrarischen und schutzöllnerischen Anschauungen fämpfen erfaßt wird, daß das Proletariat dieser Länder lawinen- als die eines Sozialdemokraten zitiert und von den Gegnern uns artig wächst und ebenso im Sozialismus den Ausweg suchen muß. entgegengehalten werden. Dagegen läßt sich freilich nichts tun, Warum es ihm nötig schien, von neuem Amerika zu entdecken, außer dem einen, daß man mit aller Deutlichkeit konstatiert: das warum er nicht auf den sehr einfachen Gedanken kam, daß den Buch dieses angeblichen Sozialdemokraten enthält auch nicht die Schöpfern des wissenschaftlichen Sozialismus die Tatsache der tapi- Spur sozialdemokratischen Geistes.
Also die gesamte Sozialwissenschaft befand sich bisher auf Sem Holzwege und erst Gerhard Hildebrand entdeckt die Wahrheit.
Wie jede große Weisheit ist auch diese sehr einfach. Ihren Ursprung hat sie in dem Sprüchlein:" Hat der Bauer Geld, hat's die ganze Welt." Daraus folgt dann, daß die Bauern die Herren find. Es können nicht mehr Menschen existieren, als die Bauern füttern können. Die Lauern aber füttern, wenn sie frei find, wen sie wollen... Sie können ihre Kleider, ihre Häuser, ihre Werkzeuge machen lassen, von wem sie wollen, können sie auch selber machen, wenn es sie danach gelüftet, oder ihren Bedarf herunterschrauben, bis er den unmittelbarsten Zweden der Selbsterhaltung genügt." Der Satz zeigt, daß der Verfasser ch eine furiose Welt Busammenkonstruiert, die mit der Wirklichkeit nichts mehr gemein
J. Karsti.
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