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Nr. 132. 28. Jahrgang.

1. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt.

10. Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiter­

Verbandes.

Mannheim , 7, Juni,

Dritter Berhandlungstag.

Die drei Mandate, über deren Gültigkeit die Beschlußfassung ausgefekt wurde, werden nun bestätigt, da diese Delegierten jegt ihre Mitgliedsbücher beigebracht haben.

Es wird nun die

Verschmelzungsfrage,

werden konnte."

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Freitag, 9. Juni 1911.

Uebertritt Rechte zu verlangen, die, wenn sie zugestanden würden, eigenen Lager angegriffen wurden, versuchen, durch Scharfmacherei eine Gefahr für die Zentralisation wären. Die Generalver- wieder das gutzumachen, was sie nach Ansicht der Unternehmer­sammlung erklärt ausdrücklich, daß zu einer Aenderung der Or- organisation gefündigt haben. Dagegen die nötigen Schritte zu ganisationsform feine Veranlassung vorliegt, da unter der be- tun, ist Sache der Arbeiterschaft. Worin aber diese Schritte bes stehenden Form die Organisation allen Berufen, den Kleinsten stehen, das darf von der Tribüne der Generalversammlung nicht sowohl wie auch den größten, bisher in jeder Beziehung gerecht gesagt werden. Aber so viel fann ich erklären, daß der Vorstand den festen Willen hat, im Einverständnis mit der Bezirksleitung Lange Hamburg , Vertreter des Schmiedeverbandes: Bei und den Ortsverwaltungen das nötige zu tun. Jm allgemeinen uns im Vorstand ist der gute Wille vorhanden, die Verschmelzung muß mehr beachtet werden, daß bei Mißständen und Differenzen zu fördern. Wir müssen aber an unserer ersten Forderung, Bil- durch die Widerstandskraft des einzelnen eine ganze Ein Antrag auf Schluß der Generaldebatte über die Geschäfts- dung von Berufsgruppen auf lokaler und zentraler Grundlage fest- Menge gebessert werden kann. Es braucht nicht immer zum berichte findet Annahme. Es folgen eine ganze Reihe per- halten. Ich meine aber auch, daß der Weg zur Verständigung ge- Streit zu kommen.( Zustimmung.) Wie wäre es zum Beispiel, sönlicher Bemerkungen. sucht und gefunden werden kann. Es ist zu befürchten, daß, wenn wenn wir die Kollegen verpflichteten, jede Arbeit zu niederen Be Cohen- Berlin gibt als Vertreter der Generalfommission die Verschmelzung gegen den Willen eines Teiles unserer Mit- dingungen abzulehnen. In diesem Sinne müssen die Kollegen er gegen die gestrigen Angriffe auf die Gewerkschaftsschule glieder durchgeführt wird, Wiesenthal versucht, diesen Teil zogen werden. Das, was in Hamburg vorgekommen ist, muß ver folgende Erklärung ab: Der Kollege Ernst hat die Einrich- zu sich herüberzuziehen. Die vorgelegte Resolution trägt nicht zur gessen werden. Die Stellung des Vorstandes ist von den Ham­tungen der Generalfommission angegriffen. Es ist ja nicht nötig, Berständigung bei; sie ist eine stritte Absage aller Ber- burger Kollegen völlig verkannt worden. Der Vorstand hält es für diese Angriffe fachlich zurückzuweisen, aber ich möchte sie nicht un- handlungen. Es tann unseres Erachtens innerhalb dieser feine Pflicht, die Rechte der Mitglieder zu wahren. Dazu gehören widersprochen hinausgehen lassen, um nicht draußen bei der einen Generalversammlung eine Verständigung erzielt werden. Diese aber auch die Beamten. Was der Vorstand wollte, ist die Beachtung oder anderen Stelle, die sich ein Vergnügen daraus macht, der ist um so mehr nötig, da bei uns gleich nach dieser Generalver- des gewöhnlichen Rechtsgrundsatzes, daß der Beschuldigte sich in Generalfommission eins auszuwischen, die Meinung aufkommen fammlung eine Urabstimmung über die Verschmelzung vor- einem ordentlichen Verfahren verteidigen kann. Es durfte nicht zu lassen, als ob dieser Ausspruch hier widerspruchslos auf- genommen werden soll. Kommt es zu feinem Resultat, wissen wir sein, daß in einer solch erregten Versammlung das Urteil über genommen worden sei, also die Ansicht der gesamten General- nicht, über was wir abstimmen sollen. Mit der Resolution können Ihle gesprochen wurde. Die Mitgliederversammlungen sind nicht fommission darstelle. Ich glaube annehmen zu dürfen, daß die wir nichts anfangen. Sie vertritt den alten Standpunkt. Ich bin die richtigen Stellen, um eine Anflage richtig prüfen zu können. durchaus unangebrachten, deplacierten Angriffe Ernsts, wohl von der Meinung, bei gutem Willen läßt sich eine Verständigung er- Hoffentlich sehen die Hamburger nun ein, daß sie gefehlt haben. einigen Ausnahmen abgesehen, von der Generalversammlung als zielen. Man hat viel von dem Wort Bebels über das Mißtrauen unberechtigt angesehen werden.( Sehr richtig!) Dazu noch wei- Hoffmann Hanau hebt die Vorteile hervor, die die Gold- gegen die Führer geredet. Bebel tann m. E. damit unmög teres zu bemerken, halte ich nicht für angebracht. Es ist nicht gut, und Silberarbeiter durch ihre Zugehörigkeit zum Metallarbeiter- lich gemeint haben, daß das Mißtrauen lediglich durch die Stellung wenn, weil da und dort mal geschimpft wird, man sich, um sich an verband haben. Auch die Schmiede würden nur Vorteile bei der hervorgerufen werden soll, die einer bekleidet. Auch wir bewahren diesen Stellen lieb Kind zu machen, zu ihrem Sprachrohr macht. Verschmelzung haben. das demokratische Mißtrauen. Es ist aber eine andere Sache, ob Ich bedaure, daß mir durch Schluß der Debatte die Möglichkeit ge= das Mißtrauen sachlichen Gründen entsprungen ist oder persön nommen wurde, die ganze Haltlosigkeit der Angriffe des Kollegen lichen. Es kann nicht gesagt werden: Weil du auf dieser Stelle Ernst zurückweisen zu können. stehst, deshalb bringen wir dir Mißtrauen entgegen. Rein objektiv betrachtet, ist Mißtrauen gerechtfertigt. Laßt es aber genügen, nur fachliches Mißtrauen zu haben. Redner geht dann ausführlich auf die zu diesem Punkt vorliegenden Anträge ein. Zu den An­trägen bezüglich der Agitation unter den Jugendlichen bemerkt Schlice unter Zustimmung:" Wir handeln, aber wir reden nicht darüber!"- Zu dem gestern von Ernst Hamburg begrün­deten Antrag, Kollegen auch auf die Parteischule zu senden, fagt Redner: Die Gewerkschaftsschule hat den Zwed, den Be strebungen der Gewerkschaft ausschließlich zu dienen, die Partei. schule hat den Zwed, ausschließlich den Bestrebungen der Partei zu dienen. Was bietet die Parteischule den Gewerkschaften? ( Buruf: Nationalökonomie!) Schön, aber über das wichtigste, über die Geschichte der Gewerkschaften, wird da nicht unterrichtet. ( Buruf: Soll jezt eingeführt werden!) Gut, ich nehme gern davon Aft. Aber noch eins! Wir betonen so häufig, daß es unsere Pflicht ist, uns nicht nur gewerkschaftlich zu betätigen, sondern uns auch dem anderen Bruder der Arbeiterbewegung anzuschließen. Und jeder Kollege hat die Möglichkeit, durch Betätigung in der Partei dafür zu sorgen, daß er auf die Parteischule tommt.( Sehr richtig!) Ich betrachte es als Pflicht unserer jüngeren Kollegen, die diese Bildung genießen wollen, diesen Weg zu beschreiten. Aber ich möchte auch hier darauf hinweisen, daß weder Gewerkschaftsschule noch Parteischule den Abschluß der Bildung bedeuten dürfen. ( Sehr gut!) Leider haben wir oft die Erfahrung gemacht- und ich weiß aus sicherer Quelle, daß es unserem Bruder in der Be wegung ebenso geht, daß Leute, die die Parteischule durchgemacht haben, enttäuscht sind, weil sie nun glauben, daß man die Arme nach ihnen ausstrect, um sie zu beschäftigen.( Sehr richtig!) Weisen wir unsere Kolleginnen und Kollegen auf diesen Weg. Be Frante- Breslau betont, der Vorstand habe vertrauensvoll tätigt Euch dort! Ich habe einmal gesagt: die Gewerkschaften sind und im Interesse der Organisation bei den Verhandlungen ge= Damit ist die Debatte über diese Frage geschlossen. Die Ab- die Partei. Damit ist schon gesagt, daß wir uns auch dort intensiv handelt. Er begründet noch folgende, von ihm und noch sechs Dele- ftimmung wird erst später vorgenommen. betätigen follen; selbstverständlich so gut wir können. Und ich gierten eingebrachte Resolution: Das Schlußwort zum ganzen Geschäftsbericht erhält nun meine, wenn dieser Weg beschritten wird, dann brauchen wir einen " Die zehnte in Mannheim tagende Generalversammlung des Verbandsvorsitzender Schlide- Stuttgart, der sich ausführlich solchen Antrag nicht. Wir wollen nach dieser Richtung feine Deutschen Metallarbeiterverbandes nimmt Kenntnis von dem über die einzelnen in der Debatte aufgeworfenen Fragen ver- Schritte unternehmen, sondern wir lassen die Sache so wie sie ist Bericht des Vorstandes über die Verhandlungen mit dem Vor- breitet. Bezüglich der Werftarbeiterbewegung bemerkt und erklären, daß wir es für Pflicht unserer Kollegen halten, fich stand des Schmiedeverbandes betreffs der Verschmelzungsfrage Schlicke, daß aus den Unternehmerkreisen den Werftbesißern Vor- eine weitere Bildung anzueignen und sich so zu betätigen, daß und erklärt sich mit der Haltung des Vorstandes einverstanden. würfe gemacht wurden, sie seien zu weit gegangen. Es sei mensch- ihnen die weitere Bildungsmöglichkeit in der Partei und in den Sie bedauert aber, daß der Schmiedeverband daran festhält, beim lich begreiflich, daß die Werftbesizer jetzt, nachdem sie aus ihrem Gewerkschaften zugänglich sind. Der Antrag Leipzig , der

Hosenthien Stuttgart meint, der bestehende Zustand sei unhaltbar, die Verschmelzung sei nötig. Mehr zugestehen, als der Vorstand getan, tönne man nicht. Wenn es die Schmiede ehrlich meinen, dann müssen sie einer Bereinigung das Wort reden. Scheffel- Berlin , Vertreter des Verbandes der Heizer und die vom Vorstandsbericht ausgeschieden war, erörtert. Maschinisten: Ich habe mich zum Wort gemeldet, weil von ein­Reichel Stuttgart ( Borstandsmitglied) berichtet zunächst zelnen Rednern auch eine eventuelle Verschmelzung mit unserem über die Verhandlungen mit dem Vorstand der Schmiede. Als Verbande ins Auge gefaßt wurde. Wir haben zirka 150-160 000 Grundlage der Verhandlungen dienten folgende, vom Vorstand des organisationsfähige Berufskollegen, die sich auf die verschiedensten Schmiedeverbandes vorgelegten Vorschläge: 1. Bildung einer Be- Industrien verteilen. Bei einer Verschmelzung müßte vor allem rufsgruppe auf lokaler und zentraler Grundlage. 2. Der Gruppen- die Frage gelöst werden, zu welchem Industrieberband gehören die leiter an der Zentrale gehört dem Zentralborstand als Mitglied Maschinisten und Heizer? Wir sind uns ja im flaren darüber, an. Derfelbe wird aus den angestellten Personen der Zentral- daß diese Organisation nur der Deutsche Metallarbeiterverband leitung des Schmiedeverbandes gewählt. 3. Jnnerhalb der Zentral- ist.( Bravo !) Aber heute sind die Vorbedingungen für diese Ver­berwaltung wird eine besondere Verwaltungsabteilung für die Berufsgruppe gebildet. 4. Vertretung der Berufsgruppe in den Bezirksleitungen. 5. Die Gruppenleitung unterſteht der Zentral­verwaltung. 6. Besondere Aufgabe der Gruppenleitung ist die Förderung der Agitation unter den Berufskollegen und die Ver­tretung und Förderung derselben in allen beruflichen Angelegen heiten. 7. Sicherung für die Erhaltung der geschlossenen Berufs­gruppe. Die Gewährung solcher Ausnahmerechte, betontz Reichel, rüttelt an den Grundlagen der Verfassung unseres Verbandes und tann deshalb nicht zugestanden werden. Der Vorstand mußte daher diese Ausnahmerechte ablehnen. Er ist der Meinung, daß, wenn die Schmiede den guten Willen zur Verschmelzung haben, diese auf Grund unseres jeßigen Organisationsverhältnisses zustandekommen tann. Wir müssen an den bewährten Grundlagen unserer Organi­fation festhalten und wollen den kleinen Bruder nicht auffressen, um jede Bewegungsfreiheit der Schmiede zu unterbinden, sondern wir wollen ihre Anfügung an unsere Organisation, um die Attionsfähigkeit der Schmiede zu erhöhen.

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Klaffeninstinkt und

Kunstverständnis.

schmelzung noch nicht gegeben. Wir haben erst 23 000 der Organi fationsfähigen für die Organisation gewonnen. Wir müssen noch manches Gebiet für uns erschließen, es wäre daher eine Torheit, wenn wir heute die Verschmelzung vornehmen würden. Sind die Vorbedingungen für eine Verschmelzung geschaffen, dann werden wir nicht abseits stehen. Bis dahin wollen wir aber auf Grund des Kartellvertrages weiter zusammenarbeiten. Reichel Stuttgart : Es ist nicht richtig, daß der Holz­arbeiterverband mit seinen Zahlstellen für einzelne Branchen gute Erfahrungen gemacht hat. Gerade das Beispiel des Holzarbeiter­verbandes muß uns davor hüten, zur Nachahmung dieser Bentral­stellen zu kommen. Wir können ja vielleicht später zur Diffe­renzierung der Geschäfte kommen, heute liegt aber noch feine Not­wendigkeit hierzu vor. Lange fagte, die vorgelegte Resolution Frante und Genossen bedeute eine Abbrechung der Verhandlungen mit den Schmieden. Die Resolution, für die der Vorstand ein­tritt, bedeutet nichts weiter, als daß Sie die Haltung des Vor­standes gutheißen und bekunden, daß die Generalversammlung nicht über die Vorschläge des Vorstandes hinausgeht.

Noch jetzt, in seiner Bolemit gegen mich, wagt Sperber den die den Vergleich mit dem Besten und Größten der Vergangenheit geradezu unglaublich klingenden Say: nicht zu scheuen braucht und dabei doch vom Geiste der neuen Zeit

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worden.

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Friedrich Stampfer .

Man hat dem modernen Proletariat( felbstverständlich nicht gesättigt und durchtränkt ist. Sicherlich behält dabei auch der be­zu berwechseln mit dem Mann der schwieligen Faust!) feinen scheidene Verfuch ein Recht auf Beachtung, sofern er sich überhaupt Unterricht von oben herab" zu geben, sein selafieninstinkt als das Werk eines Künstlers darstellt, das heißt eines Mannes, der betrügt es felten Wir werden um Aufnahme folgender Ausführungen ersucht: es wäre denn, daß der Klassenstande etwas kann. Ueber das Können der Künstler und den Wert ihrer Die Freie Voltsbühne", die wegen ihres ausgesprochen prole­punkt eine Phrase sei. Werke wird aber, solange es Kunst gibt, Kunstverständnis entscheiden, nicht Klasseninstinkt. Sollte es eines tarischen Charakters von gegnerischer Seite Anfechtungen Hier wird also( man muß es dreimal lesen!) der proletarische genug erfährt, muß es sich natürlich auch gefallen lassen, wenn ge- Klaffeninstinkt gefeiert als ein ziemlich untrüglicher Maßstab zur Lages anders sein, so wäre die Kunst nicht mehr, und, die Welt legentlich von der anderen Seite Kritiker kommen, wie Genosse Heinz Beurteilung fünstlerischer Wertel Wer proletarischen Klassen- stände im Zeichen der geistigen Verarmung. Sperber im Bortvärts", die von ihr behaupten, sie schreite ruhig instinkt hat, der braucht nichts von Literaturgeschichte und Aesthetik auf dem Wege der bürgerlichen Theater einher" und werde von zu wissen, der fann auf die ganze fichtende, aussiebende, das Wert­Notizen. ben allerfonderbarsten Anschauungen" beherrscht, die als fozia bolle von Werflosem scheidende Arbeit pfeifen, die die Kritik der listisch" höchstens unter Gänsefüßchen zu bezeichnen seien. Da aber Jahrhunderte geleistet hat. Nicht angeborene Fähigkeit, Studium, Verband Deutscher Bühnenfchrift. Genosse Sperber fein Verdammungsurteil aus einem Artikel zu Erfahrung, sondern der Klasseninstinkt schafft den unfehlbaren Kunststeller hat den für 1911 von Leopold Hirschberg geftifteten Ber­begründen versucht, den ich im Drgan der Freien Volksbühne richter der Zukunft. bandspreis dem Werke AI testis", mythologisches Schelmenspiel beröffentlichte, mögen mir persönlich einige Worte der Erwiderung Arme Kunst! Armes Proletariat! in vier Aufzügen und einem Vorspiel von Eberhard König , ber­gestattet sein. Hat denn Heinz Sperber gar feine Ahnung davon, daß liehen. Das Stüd ist von Dr. Dito Brahm zur Uraufführung Jener Artikel, der den Genoffen Heinz Sperber veranlaßt, über ästhetische Urteilsfähigkeit die unentbehrliche Voraussetzung für am Lessing- Theater in der nächsten Winterspielzeit angenommen die Arbeit der Freien Boltsbühne" den Stab zu brechen, beschäftigte alle fulturelle Bereicherung ist? Uns anderen hat die fich kritisch mit den Theorien, die der Genosse Heinz Sperber im tiefe Achtung, die das Proletariat allen ernsten fünstlerischen Und wieder ein 8ensurber bot. Der Zenfor bon Vorwärts" zu entwideln pflegt. Eperber beschränkt sich darauf, oder wissenschaftlichen Bestrebungen entgegenbringt, feine leiden­meine scharf ablehnende Kritit seiner ästhetischen Anschauungen als schaftliche Sehnsucht nach verständnisvollem Genuß höchster Kultur. Schöneberg hat dem neuen Schauspielhaus die Auf­berworren" zu bezeichnen und das Unterlassen jeder Beweisführung güter als der wertvollste Bestandteil des Klaffenbewußtseins ge- führung des dreiaftigen Dramas Korallentettlin" von Frans für seine so wenig tröstliche Gegenfritik mit Raummangel" au ent- golten. Und die Freie Wolfsbühne" erschien uns dadurch geradezu Kulberg aus sittenpolizeilichen Gründen verboten. In dem Stüd schuldigen. Diese Methode der Polemit hat den Vorzug der als ein Wegweiser zu den letzten Zielen des Sozialismus. Heute berirrt sich nämlich ein junges anständiges Mädchen in ein an­Originalität, fie wirkt aber wenig überzeugend. Wegwerfende lr- aber müssen wir von dem Feuilletonisten des Vorwärts" erfahren, rüchiges Haus. Und da man in Groß- Berlin Bordelle im polizei. teile, die nicht begründet werden, find höchstens als Ausdrud einer daß wir in bürgerlichem Fahrwasser segeln, daß wir verworrenen An- technischen" Sinne nicht kennt, will der sittenstrenge Polizeizenſor reizbaren Stimmung zu bewerten, die man menschenfreundlich be- fchauungen huldigen und des Verständnisses für sozialistische, prole- solche Institutionen auch auf der Bühne nicht gelten lassen. Die Moral ist wieder einmal gerettet. Die Besucher des Neuen Schau­dauern mag, zu einer fruchtbaren Diskussion vermögen sie aber recht tarische Stunft gänzlich ermangeln! wenig beizutragen. Merkwürdig nur, daß der stets untrügliche Klaffeninstinkt sich spielhauses werden nie erfahren, daß es so etwas wie Prostitution Heinz Sperber zitiert fodann einige Säge aus einem Artikel gerade in diesem einen Falle als trügerisch erwiesen haben soll, gibt. Der Verfasser des Stückes hat sich durch die moralischen Betlemmungen des Echöneberger Zensors rühren lassen und will der Genossin Roland Holst , um daraus triumphierend zu schließen: und daß sich die zweifellos doch proletarischen, sozialiſtiſchen, laſſen den ersten Aft des Stüdes umarbeiten. Das Werk soll dann noch Stehe ich nach diesem Zitat allein mit meiner Ansicht, daß wir ohne bewußten Mitglieder der Freien Volksbühne zweiundzwanzig Jahre einmal eingereicht werden, und bei einem wiederholten Verbot will Scheu, ohne Anbetung über die bürgerliche Kunst urteilen müssen?" lang geduldig von Grundsägen leiten ließen, beren Verworrenheit" Zum Zweck dieses Beweises hätte aber Heinz Sperber gar nicht erst Heinz Sperber jetzt beinahe nachgewiesen hätte, würde ihn Naum- Direktor Halm den Klageweg beschreiten. Eine Händel - Aufführung durch und für die in die Ferne zu schweifen brauchen. Auch ich und meine sämtlichen mangel nicht daran gehindert haben. Noch ein furzes Wort zu der etwas demagogischen Wendung Arbeiterschaft. Kollegen im Vorstand und Ausschuß der Freien Voltsbühne sind In der großen Festhalle zu Frankfurt a. M. fämtlich bereit, dem Genossen Sperber zu bestätigen, daß er mit seiner über den Unterricht von oben her". Wir alle haben einmal von lauschte am Pfingstmontag ein Arbeiterpublikum von fast 30 000 Ansicht nicht allein steht, daß dieje Ansicht vielmehr von uns allen voll- oben her", d. h. von Leuten, die mehr gelernt hatten als wir, Unter- Wenschen einer Aufführung des Handelschen Oratoriums Judas tommen geteist wird. Aber freilich, soweit wir davon entfernt find, Scheu richt empfangen, und danken es unseren Lehrern, indem wir das Maccabäus", die der Frankfurter Arbeiterbildungs- Ausschuß gelegent Der Riesenchor von 1000 und Anbetung für die bürgerliche" Kunst zu fordern, so sehr wir mit Empfangene an andere, weniger Aufgeklärte weiter zu verbreiten lich des Gewerkschaftsfestes veranstaltete. Heinz Sperber übereinstimmen in der Verurteilung des tapitalistischen, suchen, also es. wenn der Ausdrüd angenehm ist nach unten" Stimmen, der sich aus verschiedenen gemischten Arbeiterchören zu­auf den Geschmack der zahlungsfähigen Bourgeoisie eingerichteten weiter geben. Unter halbwegs gebildeten Leuten ist es jedoch nicht fammensetzte, zeigte sich seiner schwierigen Aufgabe völlig gewachsen. Theaterbetriebs, so würden wir doch glauben unsere Aufgabe gröblich nötig, biel Worte darüber zu verlieren, daß solche Lehr- und Lern- Die Leitung des Stonzertes hatte Kapellmeister Franz Neumann von zu vernachläffigen, gelänge es uns nicht, in unseren Mitgliedern verhältnisse nichts zu tun haben mit den Verhältniffen sozialer und der Frankfurter Oper. Neben dem 80 Stünfiler starlen Orchester Hochachtung und Verehrung für alles zu wecken, was wirklich politischer Unterordnung. Hätten die Menschen es aus vermeint- wirkten als Solisten die Damen Dönges und Halbaerth sowie die Diese Kunst ist. lichem Stlasseninstinkt" bisher abgelehnt, llnterricht von oben" zu Herren Forchhammer und Braum mit großem Erfolg mit. Hier ist der Punkt, an dem sich die Geister scheiben und von empfangen, so wären sie bis zum heutigen Tage noch nicht von den erste großzügige Händel - Aufführung von Arbeitern steht in Deutsch land einzig da. dem aus der Weg den Genossen Heinz Sperber in eine wenig Bäumen des Urwaldes heruntergeflettert, auf denen sie in grauer glänzende Jfolierung führt. Während wir dem Proletariat alle Borzeit lebten. Aennchen Bon Tharau" anstößig. In der Schatzkammern öffnen möchten, in denen die Menschheit ihre Kultur- Weil aber die Menschheit lernt und fortschreitet, und weil tom- Münchener Lokalschulinspektion, die in der vorigen Woche eine terte aufgespeichert hat, kennt Heinz Sperber nur eine Kunst, die mende Generationen auf sicherem Kulturgrund weiterbauen fönnen, Sigung abhielt und sich unter anderem mit der Umarbeitung der ihm der Liebe und Anerkennung oder der Scheu und Anbetung"?- darum dürfen wir auch hoffen, au jener proletarisch- Schulliederbücher beschäftigte, beanstandete der katholische Dom des Proletariats würdig zu sein scheint, eine spezifisch proletarische sozialistischen Kunst zu kommen, neben der Heinz fapitular Hartl das Lied Aennchen von Tharau", das nach seiner Klassenkunst, über deren Wert nicht kunstverständnis, sondern Klassen- Sperber feine andere gelten laffen will, obgleich fie selbst Meinung bei den Knaben und Mädchen, die sich gegenseitig sowieso instinkt entscheidet. Diese Auffassung habe ich im Organ der- noch nicht existiert. Ich verstehe unter proletarisch schon mit Liebesbriefen beschenkten, eine schlechte Wirkung Freien Bolfsbühne" als eine ungeheuerliche und unheilvolle Ber - sozialistischer Kunst teine der Augenblidsstimmung gefällige, für den hervorrufen tönnte. Bei der Abstimmung wurde mit allen gegen wirrung mit größter Entschiedenheit bekämpft. Tag berechnete Tendenzkunst, sondern ernste, wirkliche, ewige Kunst, wenige geistliche Stimmen die Beibehaltung des Liedes beschlossen.

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