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Rommen, die Gewerkschafken haben die Unkerstüßung der ÄuZge- sperrten anstandslos übernommen und Schwierigkeiten sind dadurch nicht entstanden. Im vorigen Jahre war die Maifeier an einem Sonntag, und wie nicht anders zu erwarten, fiel sie grohartig aus, aber auch in diesem Jahre, wo sie auf einen Montag fiel, konnten wir feststellen, daß sie an Umfang hinter der des Vorjahres nicht zurückstand, daß die Beteiligung an ihr viel mehr zugenommen hat. Das ist mit darauf zurückzuführen, daß das Unternehmertum in Zeiten des wirtschaftlichen Aufstieges doch nicht so aussperrungs- lustig ist, wie in Zeiten der wirtschaftlichen Depression, und wenn die großen Unternehmerverbände nicht durch Beschlüsse die Orts- und Bezirksverbände zur Aussperrung zwingen würden, so.rden viele Unternehmer in ruhiger Verhandlung sich mit den Arbeitern über die Maifeier verständigen. Wir können also aussprechen, daß die Maifeier große Fortschritt« gemacht hat, und daß auch die Vcrbandsleiter der GeWerk - s chaften durch Uebernahme von Reden am 1. Mai sie außer- ordentlich gefördert haben, und daß heute vollkommene Harmonie über die Maifeier zwischen Partei und Gewerkschaften besteht und beide Körperschaften alles daran setzen, sie zu fördern. Ich sehe, daß ein Genosse den Kopf schüttelt. Er hat vieUeicht in seinem engeren Distrikt andere Erfahrungen gemacht.(Sehr richtig!) Das ist möglich, aber im großen und ganzen, so weit die Leitung der Partei und Gewerkschaften in Frage kommen, bestehen Meinungsverschiedenheiten über die Maifeier nicht mehr und wir können mit Freude feststellen, daß der Maifeiergedanke sich immer tiefer in die Herzen der arbeitenden Klasse Deutschlands einlebt. Nun einige Worte zu den zur Maifeier gestellten Anträgen.*) Solche, die auf eine Abänderung der Form ausgehen, wie auf früheren Parteitagen, sind diesmal nicht eingegangen eine sichere Bestätigung dessen, was ich gesagt habe. Die Anträge richten sich gegen den Nürnberger Beschluß, der ja aufgibt, daß die Parteigenossen, die in Betrieben arbeiten, in denen ein Ver- lust ihres Tagesverdienstes durch die Maifeier nicht entsteht, diesen an den zu bildenden Biaifeierbezirksfonds abzuführen haben. Die Durchführung dieses Beschlusies hat zu verschiedenen Mißhellig leiten geführt, meistens in Betrieben, die der Partei unterstehen, und es sind darüber auch verschiedene Anfragen an den Parteivor- stand gekommen. Wir können nur wieder erklären, daß die in unseren Betrieben tätigen Genossen verpflichtet sind, den Nürnberger Beschluß in vollem Umfange zur Durchführung zu bringen, solange er besteht.(Lebhaftes Sehr richtig!) Darüber, ob es zweckmäßig ist, ihn aufzuheben, enthalte ich mich im Ein- Verständnis mit meinen sämtlichen Kollegen im Vorstand jeder weiteren Bemerkung. Unter Umständen könnte man ja meinen, wir wollten, soweit wir selbst Angestellte sind, unserer Zahlungs Pflicht los und ledig werden. Antrag 30 will, der Parteitag soll aussprechen, daß gegen alle diejenigen Mitglieder, die sich weigern dem Beschluß nachzukommen, das Ausschlußverfahren einzuleiten ist.(Sehr richtig!) Das ist heute schon Usus, man ist bloß innerhalb der Bezirksorgani- sationen wankelmütig geworden und hat geglaubt, den Beschlutz nicht mit voller Schärfe anwenden zu sollen. Die an den Partei- vorstand deshalb gerichteten Anfragen sind stets dahin beantwortet worden, daß das Verfahren selbstverständlich einzulei- ten und auch durchzuführen ist, eine andere Stellung konnte der Parteivorstand ja gar nicht einnehmen. Der Antrag von Lübeck geht dahin, die Maifeierfrage auf die Tagesordnung des nächsten internationalen Kongresses zu setzen. Ich möchte Sie ersuchen, diesen Antrag abzulehnen. Bei der verschiedenartigen Stellung der verschiedenen Pationen zur Mal feier wird es sehr schwierig, wenn nicht unmöglich sein, eine eim heitliche Auffassung über die Durchführung der Maifeier herbei zuführen. Es muß hier ausgesprochen werden: die deutsche Ar beiterklasse, organisiert in der deutschen Sozialdemokratie und in der deutschen freien Gewerkschaftsbewegung, nimmt es mit ge- faßten Beschlüssen internationaler Kongresse sehr ernst(leb- Haftes Sehr richtig!), und sucht sie bei jeder Gelegenheit nicht nur dem Sinne nach, sondern, ich möchte sagen, auch dem Wortlaut nach zur Ausführung zu bringen. Aber wir haben die Erfahrung ge- macht, daß das bei anderen Nationen nicht der Fall ist.(Lebhaftes Sehr richtig!) Man begnügt sich dort mit Sym- pathieerklärungen und bestätigt die Sympathie auch bei Kämpfen, abeö in der Befolgung internationaler Beschlüsse besteht ein Unter- schied gegenüber der deutschen Arbeiterklasse. Da soll man ver- meiden, Reibungsflächen in die Internationale hineinzutragen; wo eine einheitliche Auffassung über einen Gegenstand noch nicht vor- Händen ist, ist es besser, ihn ruhen zu lassen. Mit dem Fort- schreiten des Gedankens der Maifeier werden auch die Verhältnisse bei anderen Nationen sich bessern und die internationalen Be- schlüfk auch dort in größerem Umfange und mit besserem Ver- ständnis zur Durchführung gelangen. Im großen und ganzen hat die Maifeier zufrieden- st eilende Fortschritte gemacht und auf dem nächsten Parteitage werden wir wohl über weitere Fortschritte des Ge dankens der Maifeier als einer Kundgebung der Arbeiterverbrüde rung berichten können. Deshalb bitte ich Sie, unter Ablehnung des Antrages 27, dem Antrage 30 insoweit zuzustimmen, akS dadurch der in Nürnberg beschlossene Zustand inbezug auf die Schaffung deS Maifeierfonds aufrecht erhalten bleibt. Würde der Nürn- berger Beschluß aufgehoben, so würde sich dadurch der Antrag 30 von selbst erübrigen. Ich hoffe, daß auch die Delegierten über weitere Fortschritte der Maifeier berichten können und daß der Weltfeiertag auch von der deutschen Arbeiterklasse immer mehr gefeiert, und zwar in würdigster'Weise durch die Arbeitsruhe gefeiert werden wird.(Lebhafter Beifall.) Sämtliche zur Maifeier gestellten Anträge sind genügend unterstützt und stehen mit zur Debatte LipinSki-Leipzig� begründet den Antrag 20: In Nürnberg ist der Antrag 00 be- schlössen worden, obgleich die Vereinbarungen, die seine Voraus- setzung sein sMten, noch nicht geschloffen waren. Er ist ein Ge- legenheitsgesetz(Sehr richtig!) und zugleich auch ein Ausnahme- gesetz.(Oho! und Zustimmung.) Die Partei hat bisher daran fest- gehalten, daß Verpflichtungen stets nur für die Gesamtheit der Parteigenossen, nicht für einzelne Gruppen geschaffen werden dürfen. Durch den Nürnberger Beschluß ist man darüber hinaus- gegangen. Man hat aber übersehen, daß der Beschluß nicht nur Partei- und Gewerkschaftsangestellte trifft, sondern auch zahlreiche *) 27. Lübeck : Der Parteitag möge beschließen, unsere De - legierten im Internationalen Bureau haben dahin zu wirken, daß die Maifeier auf die Tagesordnung des nächsten Internationalen Sozialistenkongresses gesetzt wird. 28. Dessau , Hagen , 73 Genossen in Kottbus , Forst, der Gautag von Nordbayern und des 18. s ä ch s. Wahl- kr eis es: Der Beschluß des Nürnberger Parteitags über den Antrag 00, betreffend die Ablieferung des TagesarbeitsverdicnsteS am 1. Mai. ist aufzuheben. 20. lt., 12., 13.. 14. und 16. sächsischer Wahlkreis: Der Beschluß 00 des Parteitags in Nürnberg ist aufzuheben. Sollte der Parteitag diesem Antrage nicht zustimmen, dann ist der Beschluß 00 so zu fassen: Die Angestellten der Gewerkschaften, der Partei und sonstiger Arbeiterorganisationen, die Angestellten und Arbeiter der Ge- nossenschaften und der privaten Betriebe sowie die selbständigen Gewerbetreibenden, die Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei sind und die am 1. Mai die Arbeit ohne Lohneinbuße ruhen lassen, sind verpflichtet, neben etwaigen Beiträgen zu dem Bezirksmaifonds zugunsten der Maiausgcsperrten eine Mark pro tausend Mark Jahresarbeitsverdienst an den Bezirksmaifonds ab- zuführen. Fällt der 1. Mai auf einen gesetzlichen Ruhetag, dann ist kein Anteil vom Jahreseinkommen abzuführen. 30. Hamburg III, Distrikt Hamm : Gegen alle die- fenigen Mitglieder, die sich weigern, den Beschluß des Nürnberger Parteitages, Antrag 90, nachzukommen, ist das Ausschlutzver fahren einzuleiten. In bed Parle! beschäftigte Personen, namentlich Arbeiter die am 1. Mai die Arbeit ruhen lassen können, aber keine Lohneinbutze erleiden. Der starke Widerstand gegen diesen Beschluß ist seither nicht gewichen. Will man von der Auffassung abgehen, daß die gesamte organisierte Arbeiterschaft für die Aufbringung der Mittel verantwortlich ist und will man einen Extrabeitrag von kleinen Gruppen erheben, dann muß man auch diejenigen in ihrer Totalität ersassen, die auf gleicher Stufe wie die Angestellten stehen. Der Nürnberger Beschluß wollte auch nicht, daß Partei und Gewerkschaft an Gehältern sparen, sondern daß ein Fonds für die Opfer der Maifeier geschaffen wird, er lautet aber, daß der Tagesverdienst an die Partei- oder Gewerkschaftskasse abzu- führen ist. Danach kann der Beschluß nicht aufrecht erhalten wer- den. Mit den eigentlichen Partei- und Gewerkschaftsangestellten haben wir wesentliche Differenzen nicht ge- habt, aber, wo in Parteibetrieben zahlreiche Personen beschäftigt sind, da ist es mitunter zu den größten Schwierig- leiten gekommen.(Sehr richtig!) Und was soll mit den renitenten Genossen geschehen? Nach H 23 des Organisationsstatuts kann nur beharrliche Widersetzlich- keit gegen Parteibeschlüsse den Ausschluß nach sich ziehen, beharr- lich heißt aber wiederholt. Es ist vorgekommen, daß Genossen, die den Tagesverdienst vor drei Jahren abgeliefert haben, diesmal nicht bezahlten, und umgekehrt.(Heiterkeit.) Schließlich kann man doch nur einen oder einige wenige Genossen ausschließen, aber nicht etwa eine große Anzahl von den in einem Parteibetriebe Beschäftigten. So kommt es dahin, daß durch den Nürnberger Be- schlutz nur immer schärfere Konflikte erzeugt werden. Wir be- antragen deshalb seine Aufhebung, haben aber einen Eventualantrag gestellt, da wir annehmen, daß an dem Gedanken, die Partei- und Gewerkschaftsangestellten heranzuziehen, fest- gehalten wird. Unser Eventualantrag will die unklare Fassung des Nürnberger Beschlusses beseitigen. Wir wollen alle Gruppen erfassen, den Arbeiterturnerbund, den Arbeiterradfahrer- bund, die Konsumvereine, die Hilfskassen, die Zu- schußkassen, die Angestellten in anderen Krankenkassen. Dann kommen noch eine große Anzahl von Arbeitern in Be- tracht, die am 1. Mai nicht arbeiten, aber an ihrem Lohn keine Einbuße erleiden. Es muß auch die Möglichkeit gegeben werden, weniger als den Tagesverdienst abzufordern. Man denke da an arme Witwen mit Kindern, die als Aufwartefrauen tätig sind, an kranke Arbeiter, die gerade in der Zeit um den 1. Mai einen Unterschlupf gefunden haben. Wir wollen, daß der 1. Mai möglichst vollkommen gefeiert wird. Gerade darum aber müssen undurchführbare Be- stimmungen aufgehoben werden. Ludwig-Hagen: Lassen Sie sich auf den Eventualantrag nicht ein, er vereinfacht die Sache nicht, er würde den Krieg nur weiter fortführen. Wenn Sie konsequent sind, dann müssen Sie den Nürnberger Beschluß aufheben, dann werden wir Frieden in unseren eigenen Äeihen be- kommen. Der Beschluß in Nürnberg ist ein A u s n a h m e g e s� tz. Geben wir das ruhig zu. Auch die Partei kann einmal einen Be- schluß fassen, der nicht sehr glücklich ist. Heben Sie den Beschluß auf, damit wir freie Bahn haben. Hense-Hamburg : Ich möchte Sie bitten, alle zu diesem Punkt gestellten Anträge abzulehnen.(Sehr richtig!) Ich kann mich nicht der Ansicht von L i p i n s k i anschließen, daß der Nürnberger Beschluß ein Aus- nahmegesetz ist. Wenn wir Vergleiche ziehen zwischen den An- gestellten und den Arbeitern, die trotz der Gefahr der Maßregelung den 1. Ddan durch Arbeitsruhe begehen, dann sollten wir uns eigent- lich schämen, daß hier beantragt wird, solche Opfer für die Zukunft nicht zu bringen.(Lebh. Zustimmung.) Die Anträge kommen in der Hauptsache doch nicht von der Masse der Parteigenossen, sondern von Angestellten. (Sehr richtig! und Widerspruch.) Wenn es sich um die Aermsten der Armen handelt, die ein sehr niedriges Einkommen haben, dann haben wir ihnen in Hamburg auf ihren Antrag stets die Beiträge erlassen, und das hat bei der Masse noch immer Ver- ständnis gefunden. Wir Hamburger haben mit dem Nürnberger Beschluß sehr gute Erfahrungen gemacht, wir haben im ersten Jahre annähernd 11 000 M. für den Maifonds vereinnahmt. und in diesem Jahre werden es weit über 12 000 M. werden. Ge- nörgelt haben bei uns nicht diejenigen, die wirtschaftlich am schlech- testen stehen, sondern diejenigen, die am besten gestellt sind, die Einkommen von 12 000 M. haben.(Hört! hört!) Lassen wir es bei dem Nürnberger Beschluß und erziehen wir unsere Genossen dazu, daß sie im Interesse der Allgemeinheit auch Opfer bringen. (Stürmischer Beifall.) Stelling: Ich bezweifle nicht, daß für die Delegierten auf dem Nürn- berger Parteitag schöne Motive maßgebend gewesen sind, aber wenn der Beschluß zu Mißhelligkeiten und Differenzen in der Partei Anlaß gibt, dann sage ich: die Einheit der Partei steht mir höher. (Sehr richtig!) Einige Worte zum Antrag 27. Wäre es richtig, daß die Maifeier immer größere Dimensionen annimmt, dann müßten wir den Antrag zurückziehen. Aber wir haben nicht die geringste Veranlassung, uns etwas vorzumachen. Vergessen wir nicht, daß zum großen Teil die Arbeitsruhe gar nicht durchgeführt wird! Es wird notwendig sein, die Maifeierfrage einmal auf dem nächsten internationalen Kongreß anzuschneiden. Durch das Abkommen zwischen Generalkommission und Partei- vorstand wird der Maifeier nicht der Weg geebnet, sondern dies Abkommen ist geeignet, der Katze den Schwanz stückweise abzu- hacken. Die Mittel, die durch die Sammlungen aufgebracht werden, reichen nicht im entferntesten aus, und das ist ein Hemmschuh für die Arbeitsruhe am 1. Mai. Wenn die wirtschaftliche Konjunk- tur schlechter wird, dann werden die Unternehmer ganz andere Maßnahmen ergreifen, und dann sitzen wir fest. Wir müssen auch den ausländischen Genossen, die in Paris mit solcher Begeisterung für den internationalen Weltfeiertag eingetreten sind, klar machen. daß die internationalen Beschlüsse auch für sie bestehen. Nehmen Sie deshalb unseren Antrag an, nicht nur um eine Klärung herbei- zuführen, sondern auch im Interesse der Maifeier selbst. PcuS-Dessau: Gewiß können diejenigen, die in Parteistellungen sind, besser feiern als andere, nicht nur, weil sie keinen Lohn verlieren, sondern vor allem, weil sie die Gefahr der Maßregelung nicht riskieren. Daß der Parteivorstand sagt, er kann sich nicht äußern, denn er würde pro ckomo sprechen, kann ich nicht zugeben. Der Partei- vorstand muß doch darüber erhaben sein, daß er in den Verdacht kommen könnte, daß er um der lumpigen paar Mark wegen nicht Stellung nehmen kann.(Sehr richtig!) Es handelt sich hier gar nicht um die Geldfrage, sondern um entgegengesetzte Auffassungen über Gerechtigkeit. Wir kommen dadurch fortwährend in Tiffe- renzen, mir haben Buchdrucker gesagt, dies Jahr bezahlen wir um des lieben Friedens willen, aber das nächste Jahr bezahlen wir nicht mehr. Der Gastwirt, der Zigarrenhändler, der am 1. Mai nicht nur keine Einbuße hat, sondern sogar höhere Ein- nahmen, der braucht nichts abzuführen, in dem Beschluß ist dar- über nichts gesagt. So haben wir denn anstatt deS Erfolges nur Aerger und Verdruß. Wir haben seit 20 Jahren über die Mai- eier schon soviel gezankt, daß wir keine Ursache haben, den Zank noch zu vermehren. Die großen Summen, die hier genannt worden 'ind, können in großen Städten auch durch lokale Abmachungen er- reicht werden. Heben wir das Gesetz auf, dann geben wir den einzelnen Orten die Möglichkeit, ihrerseits Geldbeträge am 1. Mai aufzunehmen. Der Ertrag wird hinter dem jetzigen nicht wesent- lich zurückbleiben. Aber dann haben wir Frieden in der Partei. Diejenigen, die sich wehren, sind Leute von 10 000 bis 12 000 M Einkommen, das kann sich nur bezichen auf die Direktoren der großen Einkaufsgenossenschaft in Hamburg . Sie sind so erhaben, sie sich den Teufel um unsere Beschlüsse kümmern.(Hört! hört!) Diese werden Sie nicht zwingen. Die Herren sind viel zu mächtig, als daß Sie sie zwingen können. Wollen Sie auch da den Zank heraufbeschwören, wollen Sie auch sie ausschließen? DaS gibt einen ewigen Krieg, den die Sache nicht wert ist.(Beifall.) Lehmann-Dresden.» Ich möchte mit Pfannkuch wünschen, daß die Gewerkschasts« führer am 1. Mai Vorträge halten und Versammlungen veranstal- ten und dabei auf die Bedeutung der Maifeier hinweisen. Wir haben im vierten sächsischen Wahlkreise beschlossen, diejenigen aus- zuschließen, die sich weigern, den Maiheitrag abzuliefern. Es waren 41. Am nächsten Tage erschien imDresdener Anzeiger", einem Blatte, das vom Reichsverband mitredigiert wird, unser Zirkular mit Glossen versehen.(Hört! hört!) Eine große Anzahl hat dann bezahlt, andere weigern sich aber, andere geben vor, sie hätten a.n 1. Mai arbeiten müssen, und das waren Leute, die in der Arbeiter- bewegung angestellt sind.(Hört! hört!) Einer schrieb sogar, er wäre nicht gewissenlos genug, am 1. Mai die Arbeit niederzulegen. (Hört! hört!) Wir erwarten, daß der Parteitag mit einer solchen Anschauung nicht einverstanden ist, und bitten um Annahme des Antrags Hamburg III.(Beifall.) Simon-Nürnberg: Ich habe in Nürnberg gegen den Antrag gestimmt, weil ich vor- aussah, daß er ein Kuckucksei ist.(Sehr richtig!) Ich bitte Sie, den Nürnberger Beschluß aufzuheben. Es läßt sich gar nicht fest- stellen, ob alle Parteigenossen gefeiert haben oder nicht. GeWerk- schaftsbeamte haben erklärt, sie könnten nicht feiern, sie könnten ihr Bureau am 1. Mai überhaupt nicht schließen, sie müßten die Unterstützungen auszahlen. In Magdeburg haben sich die Buch- druckcr bezw. das gesamte technische Personal mit wenigen Aus- nahmen geweigert, den Beitrag abzuliefern. Was wollen Sie machen? Wollen Sie sie alle ausschließen? Wenn Sie den An- trag auf Aufhebung des Beschlusses ablehnen, dann müssen Sie den Hamburger Antrag annehmen. Aber was dann geschieht, und ob da die Maifeier gefördert oder zu Grabe getragen wird, das müssen Sie verantworten. Wir mußten auch in Nürnberg einigen Genossen den Ausschluß androhen. Mir graut aber vor der Durch- führung, weil ich nichts in die Partei hineinwerfen will, was uns auseinanderreitzt, weil ich will, daß die Partei auch in dieser Frage einig und geschlossen dasteht. Nürnberger Gewerkschaftsangestellte haben den Durchschnittsertrag ihres Jahreseinkommens ausgerech- net, und da nicht ganze Pfennige herauskamen, Pfennige durch- gehackt und uns die Hälfte zugeschickt.(Lebhaftes Hört! hört!) Da sieht man den Widerwillen. Wir kommen nicht zur Ruhe, wenn wir nicht den Nürnberger Beschluß aufheben.(Beifall.) Vorsitzender Dietz schlägt Vertagung vor und teilt mit, daß Bebel den Wunsch ausgesprochen hat. erst a m Freitag sein Refa- rat über die Reichstagswahlen zu halten. Wir haben heute morgen die wunderbare Frische unseres Bebel bewundert und können ihm die Pause wohl gönnen, damit er morgen wieder dieselbe Frische zeigt.(Beifall.) Damit schließt die VormittagSsitzun� NachmittagSfitzung. Nach Eröffnung der Sitzung durch Dietz macht L i p i n S k i- Leipzig dem Parteitag Mitteilung vom Ableben des alten Parteiveteranen Julius Röthing-Leipzig, der schon in Reih und Glied mit Lassalle gekämpft hat und in allen Stürmen, die über die Partei dahinbrausten, getreulich seine Pflicht erfüllte. Der Parteitag ehrt das Andenken des Verstorbenen durch Er» heben von den Plätzen. Hierauf wird in der Diskussion über die Maifeier fortgefahren. Weiß-Potschappel: Pfannkuch hat den besseren Besuch der letzten Maifeier auf die günstigere Konjunktur zurückgeführt. Aber auch andere Momente haben mitgespielt, namentlich die Geschlossenheit, mit der Parteivorstand und Generalkommission für die Maifeier eintraten. Aber unten wird noch vielfach Einigkeit �vermißt. Viele Führer der Gewerkschaften sind noch vielfach gegen oie Maifeier. Es ist nicht en emzuletten.______ zu mächtig, ais vag«sie sie zwrngen können. Wouen«sie auch da Zustimmung.)__(Schluß in der 2. Deila Verantwortlicher Redakteur Richard Barth , Berlin . Für den Jnferatenteil verantw.: Th.Gl»cke, Berlin . Druck». Perlag: Vorwärts Muchdruckerei v. verlagSanstglt Uaui Singer u-Eo,©ttluiSW» immer aus Gerechtigkeitsgefühl wenn gegen den Nürnberger Beschluß protestiert wird. Vielfach liegt dem Protest Gegnerschaft gegen die Maifeier überhaupt zu- gründe. Sie muß noch energischer geführt werden. Nichts ist der bürgerlichen Gesellschaft furchtbarer, als der Gedanke, eine von einem einheitlichen Willen durchglühte, einheitliche Arbeiterorga- nifation vor sich zu haben. Wenn Beiträge nicht gezahlt werden, so ist das ein D i s z i p l i n b r u ch. Unterstützungen sollte man überhaupt nicht zahlen. Wir sollten den Nürnberger Besckluß aufrecht erhalten und allgemeine Beiträge von allen Parteigenossen für den Maifonds erheben. r Lllth-Hamburg: Auch die Genossen, die früher gegen die ArbeitSruhe 1, Mai waren, scheinen sich mehr und mehr damit ausgesöhnt haben, daß die ArbeitSruhe die b e st e Form der Maifeier.st. Nur der Antrag Lübeck ,''der abermals den Internationalen Kongreß mit der Meifeier befassen will, scheint aus anderen Er- wägungen hervorgegangen zu sein. Die Aufregung und en- schaft, besonders von Simon und P e u S verstehe ich nicht.' sNach ihnen steht eine Spaltung der ganzen Organisation zu belichten. wenn wir den Nürnberger Beschluß nicht aufheben unä o"r die Ablieferung des Tagelohns der Angestellten am 1. Mai verzichten. Da muß es mit dem festen Gcsiige der Partei nicht zum besten be- stellt sein und dann könnte man vor den Kämpfen Angst haben, die uns noch bevorstehen. Weniger über P e u s habe ich mich»- wundert, als über Simon, dem Führer einer Zentralgcw schaft. Daß der so spricht, das ist doch stark. Oder will man Partei schädigen? Nichts Sachliches hat gegen den Nürnberger.e- schluß angeführt werden können. Lehnen Sie alle Anträge ab und lassen Sie es bei dem alten Zustand, sonst wird die Maife'er nur geschädigt. Leinert-Haunover: Wie will man die Aufhebung des Nürnberger Beschlusses recht- fertigen, wenn man draußen in den Versammlungen die Arbeits- ruhe für die beste Form der Maifeier erklärt?(Sehr richtig!) Ich verstehe die Anträge einfach nicht. Wie können die. die au» den Beiträgen der Arbeiter besoldet werden, sich weigern, einen Tagelohn abzuführen?(Sehr wahr!) Eine Rechtsfrage ist die ganze Frage überhaupt nicht, denn wenn wir nach dem Reckt fragen ivollen, dann mutz der Beschluß hochgehalten werden.(Zustimmung.) Von einem Gegensatz zwischen dem Nürnberger Beschluß und dem Organisationsstatut kann man gar nicht reden. Ich bcgrette"'cht, daß dieselben Genossen, die sonst die größten Anforderungen. die sozialrevolutwnäre Tatkraft stellen, hier für die Aufhebung des Nürnberger Beschlusses eintreten.(Zustimmung und Unruhe. Zu- rufe der Leipziger Delegierten: PeuS!) Das sind dieselben Genossen, die den Massenstreik zur Erringung deS allgemeinen Wahlrechts in Preußen verlangen, und die hier Anträge begründen. damit sie nicht selber am 1. Mai den Tagelohn abzuführen brauchen. Der Stank und Knatsch, von dem PeuS sprach, ist den Genossen zu verdanken, die ihn angefangen haben. Die Partei selbst hat damit nichts zu tun. Wenn von den paar Mark, die man am 1. Mai zu zahlen hat. die Einheit der Partei abhängig ist, dann muß es in der Partei außerordentlich schlecht bestellt fem. Statt sich gegen den Beschluß aufzulehnen, sollte man den Genossen ein Beispiel der Disziplin geben. Es ist traurig, daß man so reden muß. w daß es aussieht, als wolle man sich bei der Masse der Parteigenossen in ein gutes Licht setzen. Das ist bei mir nicht der Fall. Ich habe meine Meinung stets gegen die große Mehrheit, und wo ich es für nötig hielt, auch gegen die Gesamtheit vertreten. Aber ich mußte der Gerechtigkeit wegen feststellen, daß die Durch. führung des Beschlusses nur an der Knickrigkeit mancher Genossen scheitert. Seine Aufhebung wäre beschämend sür den Idealismus der Angestellten und der Arbeiter der Parteibetriebe.(Lebhafte Zustimmung.)_(Schluß in der 2. Beilage.)