18 Zote und 41 verwundete; es ist jedoch unmöglich, die Zahl der übrigen Opfer anzugeben, da die Araber die Toten und Verwundeten soviel als möglich verbergen. Der Aufruhr bat übrigens keines- wegS den Charakter einer fremdenfeindlichen Bewegung oder einer Erhebung gegen die Negierung von Tunis. (?) Das Innere des Landes ist völlig ruhig.(?) Die wahre Ursache der jüngsten Er- eignisse liegt in der hochgespannten Erregung, die bei Italienern und Arabern durch die einander widersprechenden Kriegsnachrichten aus Roin und Konstantinopel hervorgerufen war.— Sehr »diplomatisch" gesagt._ Die Revolution in China . Die Fortschritte der Revolution haben nunmehr 8azu geführt, daß die Rebellen die ganze Linie des Jangtse von SchanghaibisJtschangin ihren Händen haben. Auch die Städte im Süden des Jangtse werden in kurzem in ihrem Besitz sein. Die Revolutionäre von Schanghai versuchen von den Konsuln die amtliche Anerkennung zu erhalten. Unmittelbare Gefahr für die Dynastie bedeutet aber die Tatsache, daß in N o r d ch i n a die Revolutionäre allmählich die Oberhand gewinnen. Die dritte Tschangschun- Division in Langtschau, die eine Stärke von 6000 Mann haben soll, hat beschlossen, auf P e k i n g zu marschieren. Kein Wunder, daß die Vorbereitungen zur Flucht bei Hofe mit aller Energie betrieben werden. Tic Zerstörung von Hankau. London , 9. November. Wie jetzt aus Hankau gemeldet wird, find zwei Drittel der Stadt durch Feuer zerstört. Die Verluste werden auf 19 Millionen Pfund Sterling geschätzt. Gegen 499 999 Personen sind ohne Mittel. Das Geld der Kaiserin. Peking , 8. November. Die Regierung teilt mit, daß die Kaiserin-Witwe dem Finanzminister drei Millionen T a e l s Gold für die außerordentlichen Ausgaben übergeben hat. Es wird auch angekündigt, daß die dritte Division auf dem Wege nach Paoting ist, man glaubt jedoch, daß auch diese T r u p- pen sich weigern werden, mit den Rebellen zu kämpfen. Ein Trainwagen der dritten Division geht mit reichlicher Munition nach den Gräbern der Ming-Dynastie ab, um deren Ent- weihung zu verhindern. Futschau, 9. November. F u t s ch a u ist nach kurzem Wider- stand in die Hände der Aufständischen gefallen. Der Vize- k ö n i g und der Tatarengeneral sind entkommen. Die Damen wurden niedergebrannt. Alle Fremden sind wohlbehalten und in Sicherheit. Nach Peking ! Hankau, 9. November. Die Lage im Jangtsetal ist sehr kritisch, da General Li, der Kommandant der revolutionären Truppen, sich bis jetzt ständig geweigert hat, mit D u a n s ch l- kai betreffs des Abschlusses eines Waffenstillstandes auf Grund des Pekinger Ediktes in Unterhandlungen zu treten, viel- mehr haben die Revolutionäre den Vormarsch auf Peking beschlossen. In der Umgebung von Hankau fanden ver- schiedentlich kleinere Gefechte statt. Während die Stimmung der royalistischen Truppen eine mehr und mehr niedergeschlagene wird, wächst bei den Revolutionären das Vertrauen in die Zukunfl, und Desertionen sind bei den Kaiserlichen an der Tagesordnung. politische(lebersicdt. Berlin , den 9. November 1911. Das Zentrum und die Marokkofrage. Die„Tägliche Rundschau" leistet sich das Vergnügen, an verschiedenen Aeußerungen führender Zentrumsblätter nach- zuweisen, wie das Zentrum in den verschiedenen Phasen der Marokko -Affäre seine Ansichten gewechselt hat— je nach dem politischen Wind, der durch die offiziösen Regierungs- blätter fegte. Als der Marokko -Enthusiasmus einsetzte, zeigte sich zu- nächst die Zentrumspresse gewaltig kriegerisch gesinnt. Mit geschraubten Worten fordert sie ein Stuck Marokko und falls die Franzosen darauf nicht eingehen sollten, den schönen Kampf für Deutschlands Ehre. So schrieb am 7. September die fromme„Germania ": „Sollte Herr v. Kiderlen in seinem„DeSinteressement so weit gehen, daß er ganz Marokko den Franzosen einfach als Ko- loni-e anbietet, so dürfte eine Entrüstung nicht nur in alldeutschen Kreisen sich erheben, von deren Stärke man sich in der Wilhelm- strvße wohl keine richtige Vorstellung gemacht hätte." Am 9. September betonte die„Kölnische Volkszeitung": „Wenn Krieg geführt werden muß, so sollen unsere Klingen lustig in der Sonne blitzen." Und die Erzberger -Presse schrieb zum Sedantage („Sächs. Volkszeitung" Nr. 200): „Hinter der Regierung steht geschlossen das deutsche Volk, dieses fordert, daß die deutsche Ehr« gewahrt wird, mag der Weg auch zum zweiten Male Scdansbegeistevung naherücken: ein Reich, ein Heer, ein Volk." Einen Monat später aber ist diese Presse wie umge- wandelt; kühl bis ans Herz hinan bespricht die„Kölnische Volkszeitung" die Lage, und lvas nicht zufrieden ist, erhält von ihr in Nr. 9-19 vom 6. November das höhnische Wort „Neurastheniker" ins Gesicht geschleudert. In einem Täu- schungsverstich über die.wahre Volksstimmung" schreibt sie: „Man hüte sich, mit Stimmungen zu rechnen, die viclle'cht vor Monaten einmal in unserem Volke oder einem großen Teile desselben lebendig waren, es heute aber jedenfalls nicht mehr sind. Lasse man sich darüber durch die Aufgeregtheit einzelner, namentlich Berliner Blätter nicht täuschen! Diese Blätter spie- geln nicht die wahre Volksstimmung wider. Diese Presse ist nicht die wirkliche öffentliche Meinung, ebensowenig wie Berlin gleich- bedeutend mit Deutschland . Und es ist gut, daß es so ist, denn man müßte ja sonst glauben, wir seien ein Volk von Neurasthe- nikern geworden!" Und die„Germania ", die am 7. September der Regie- rung klarmachte, daß ein Hinübergleitenlassen Marokkos in die Hand Frankreichs eine Erbitterung hervorrufen würde, von der sich die Herren in der Wilhelmstraße keine Vor- stellung machen könnten, diese selbe„Germania " schreibt heute— wir haben unsere Leser schon von dieser moralischen Selbstentleibung des näheren Kenntnis nehmen lassen— die klassischen Worte: „Wir können es nicht tadeln, daß unsere Diplomatie zu einem Verzicht auf Marokko sich schließlich bereit gefunden hat... Im Prinzip ist Deutschlands Ehre und Ansehen gewahrt, und das ist immerhin ein glücklicher Ausgang zu nennen."— Die„Tägliche Rundschau" bemerkt zu dieser feilen Rech- nungsträgerei des Zentrums:„Eine solche nackte Schamlosig- keit ihren Lesern anzubieten, so in ihrer Schande vor aller Welt und am lichten Tage bloß zu gehen, darf sich freilich nur die Presse des Ultramontanismus unterstehen." Wir vermögen uns in Anbetracht der völligen mora- lischen Korrumpierung der Zentrumspartei über diese Leistungen ihrer Presse nicht im geringsten zu wundern. Sie entsprechen genau der inneren Verlogenheit und Charakterlosigkeit dieses konfessionellen Parteigebildes. Um sich die Gunst der Reigerung zu sichern, sind die Wortführer des Zentrums bereit, ihre Seelen sogar dem Teufel Bitru zu verschreiben— vorausgesetzt, daß dieser nach solchen Schmutzseelen Verlangen trägt. Furcht, aber keine Besserung. Die durch die Politik der schwarzblauen Regierung herauf- beschworenen Verhältnisse haben Unzufriedenheit auch in die Reihen der Staatsarbeiter bis weit in das Beamtentum hinein getragen. Mit Entsetzen müssen die Behörden zusehen, wie die Staatsarbeiter in öffentlichen Versammlungen den Vertretern der Sozialdemokratie zujubeln, den einzigen Politikern, zu denen sie noch Vertrauen haben. Statt aber den Ursachen der Unzufriedenheit nachzuspüren und für Abhilfe Sorge zu tragen, glaubt man in Verwaltungsimsen gewohnterweise alles durch ein angeschlagenes Blatt Papier wieder einrenken zu können. Die königl. Eiseubahndirektion Berlin erließ an ihre Bediensteten soeben folgende Bekanntmachung. Die sozialdemokratische Partei ist unausgesetzt bemüht, mit allen Mitteln— sei es durch Verbreiten tendenziöser Schriften, Einberufen von Versammlungen, unbefugtes Eindringen ihrer Agitatoren in Eisenbahnversammlungen und in die Arbeitsstätten— die Eisenbahnbedieustcten für ihre Bestrebungen zu gewinnen, daS gute Verhältnis zwischen der Verwaltung und den Bediensteten zu zerstören und letztere gegen die Verwaltung aufzuhetzen. Wir bringen deshalb unsere Warnungen vor der Beteiligung an solcben Bestrebungen in Erinnerung. Als Beteiligung gilt u. a. das Halte» und Weiterverbreiten sozialdemokratischer Zeitungen und Schriften (Weckruf usw.), die Mitgliedschaft in ordnungsfcindlichen Vereinen und Verbänden(z. B. der Rcichssektion der Eisenbahner des Trans- portarbeiterverbandeS, sozialdemokratischen Bereinen usw.), die Bc- teiligung an Versammlungen, die von ordnungsfeindlicher Seite einberufen sind, das Dulden ordnnngsfeindlicher Agitatoren in den Dienst- und Arbeitsräumcn oder in Versammlungen der Eisenbahn - bedicnstctcn usw. Jede derartige Handlung ist mit den nach den „Gemeinsamen Bestimmungen" von den Staatscisenbahn- bediensteten übernommenen Pflichten unvereinbar und würde un- uachsichtlich die Auflösung des Dienstverhältnisses zur Folge haben. Wir hegen das Vertrauen, daß dieser Hinweis genügen wird, die Eiscnbahnbediensteten von unbedachten Schritten zurückzuhalten und wir erwarten, daß sie sich mit ihrem Anliegen vertrauensvoll auf dem vorgeschriebenen Wege an ihre Vorgesetzten oder an die sonst dafür bestehenden Stellen(Arbeiterausschüsse usw.) wenden werden. Nur auf diesem Wege kann die Erfüllung von Wünschen erwartet werden. Wenn den Eisenbahnbediensteten schon für„unbedachte" Schritte die Auslösung des Dienstverhältnisses angedroht wird, so ist dies sicher nicht geeignet, ihr geschwundenes Vertrauen zu der vorgesetzten Behörde wieder wachzurufen. Die Angestellten sind zur Sozial- demokratie gekommen, weil die Erfüllung ihrer Wünsche ans dem üblichen Instanzenwege sich nicht erreichen ließ. Nun zittert die Verwaltung vor der Sozialdemokratie. Statt aber dieser den Boden durch die weitgeheudsten Zugeständnisse an die Bediensteten abzu- graben, droht die Verwalmng mit Vernichtung des KoalitionsrechlS I Das zeugt von keiner Besserung und ist höchstens geeignet, die Un- zusriedenheit der Eisenbahnangestellten noch zu erhöhen. Auf de» Anschlag der Direktion werden die Eisenbahner mit roten Stimmzetteln antworten l Die„Thronrede" in Oldenburg . ES gehört zum System des sogenannten konstitutionellen Par- lamentariSmuS, daß die Potentaten der deutschen Vaterländer„ihre" Parlamente mit einer sogenannten Thronrede eröffnen und darin diesen Körperschaften mitteilen, welche Gesetzesvorlagen die Regie- rungen einbringen wollen. So war es auch bei Eröffnung des oldenburgischen Landtages. Selten wohl aber hat eine Thronrede mehr Enttäuschungen als diese verursacht,„weil in letzter Zeit eine große Menge Gesetze im Reich und in Oldenburg erlassen sind, dürfte eine zeilweise Einschränkung der gesetzgebenden Tätigkeit er- wünscht sein". Mit diesen dürren Worten führte sich die„Thronrede" ein. Dann folgten ein paar Ankündigungen von Gesetzesvorlagen ganz untergeordneter Art. Nichts ist darin enthalten von einer bitter noiwendigen, gründlichen Reform des gesamten Gemeinde- stcuerwesenS und der Gemeindeverfassung, die aus dem Jahre 1873 stammt und die von der wirlschaslliwen und sozialen EntWickelung deS Landes längst überholt ist; nichls von einer dringend not- wendigen Reform des Staatssteuerwcsens in der Richtung einer Entlastung und gerechteren Gestaltung des Einkommensteuergesetzes. Das Volk erwartete gerade von diesem Landtage positive Arbeit. Fehlt der Regierung der Blick dafür, so wird es umsomehr Aufgabe des Landtages sein, hier den Dränger zu spielen. Die Stadtverordnetenwahlen in Köln . Aus Köln wird uns geschrieben: Bei der drei Tage dauernden Wahl von sieben Stadtverordneten der dritten Abteilung in Köln erhielten Zentrum 2S 909, Sozialdemokratie 13 999, Liberale 4499 Stimmen. Von den 78 999 Wahlberechtigten machten nur etwa 84 Proz. von ihrem Slimmrechl Gebrauch. dank der Oeffentlichkeit der Wahl, die aber allein für sich der Z e n t r u m S m e h r h e i t im Kölner Rathause noch nicku genügte, denn sie hat die Errichtung von A b st i m m u n g S b e z i r k e n in den Vororlen abgelehnt, so daß in der ein Riesengeläude(mehr als 11 999 Hektar) umfassenden Ge- meinde Köln alle Wähler, auch ans den entfernte st en Außen orten, in daS Zentrum der Altstadt müssen, um ihr Stimmrecht auszuüben. DaS ist ein Znstand, der in den großen Gemeinden Deutschlands vergebens seinesgleichen sucht, der aber vom Zentrum mit Absicht aufrecht erhalten wird, um den Industriearbeitern der Vororte das Wählen so schwer wie n, ö g I i ch zu machen. Ein wie außerordentlich großes Gelvicht das Zentrum darauf legt, die Jltdustriebevölkerung der Vororte möglichst von der Wahl fernzuhalten, das mag man daran« erkennen, daß. als vor einigen Jahren der damalige Oberbürgermeister von Magdeburg , der jetzige preußische Finanzminister Dr. Lentze mit Köln wegen Uebernahme des dortigen Oberbürgermeisterpostens in Unterhandlung stand, Herr T r i ni b o r n diesen verpflichten wollte, nicht ohne Zustimnniug beider Fraktionen, der klerikalen wie der liberalen, Bezirks wählen in Köln einzuführen. Herr T r i m h o r n ist eS auch gewesen, der im Kölner Rathause den Staudpuukt vertrat,„der Geist der Slädteorduung" verlange, daß derjenige, der keine Steuern zahlt, auch nicht wählen dürfe. Ein nationalliberaler Bourgeois, Stadtv. v. Mallinckrodt, trat dem sozialpolitischen Führer des Zentrums entgegen und be- lehrte ihn. daß es die Aufgabe der heutigen Zeit sei, nach Möglich. keit die ihm Rahmen der allen Gesetze enthaltenen Härten zu lindern- Weiter hielt ein liberaler Justizrat dem»Volksmann" Trimborn eine Vorlesung über daS Zeitalter der Sozialpolitik. Erst später hat daS Kölner Zentrum unter dem Druck der öffentlichen Kritik seinen brutal-geldprotzigen Standpunkt aufgeben müssen. Der vom Zentrum in Köln gewaltsam aufrecht erhaltene Zu- stand, daß die Riesengemeinde, die mehr als drei Wegestunden im Durchmesser mißt, einen einzigen Wahlbezirk bildet, kommt einer Wahlentrechtung weiter Einwohnerkreise gleich. Am Abend des ersten Wahltages war der Andrang zu den Wahllokalen derart lebensgefährlich, daß viele Hunderte von Arbeitern und er- richteter Dinge wieder in die Anßenorte heimfahren mußten. Gegenüber der vorigen Wahl stiegen die Stimmen des Zentrums von 18 899 auf 2o 999, die sozialdemokratischen Stimmen von 19 699 auf 13 999, die liberalen von 4999 auf 4499, so daß das Zentrum um 33, die Sozialdemokraten um 23 und die Liberalen um 19 Proz. zunahmen. Die Stärke des Zentrums beruht neben seinem un- glaublich gut ausgebauten Organisations- und Schleppapparat in der neben dem zahlreichen Kleinbürgertum vorhandenen großen Masse von Kleinbeamtentum der Post, der Eisenbahn, der städtischen Straßenbahnen usw., die fast ausschließlich vom Lande herein- gewandert sind; alles Leute, die völlig unter dem Einfluß der i m Dienste des Zentrums arbeitenden katholischen Geistlichkeit stehen. Was die Zentrumspresse und die schwarzen Flugblätter diesmal an Verleumdungen der Sozial- demokratie, besonders durch tausendfach widerlegte alte Wahl- lügen geleistet haben, das sucht in der Geschichte der deutschen Wahl- kämpfe vergebens seinesgleichen. Die Liberalen haben für die Wahl so gut wie gar nichts getan, obwohl ihr Führer Kommerzienrat Dr. Neben Du Moni vor einigen Jahren erklärte:„Wir muffen den Kampf gegen das Zentrum führen, im staatlichen wie im kommunalen Leben, bis zum letzten Atemzuge." Das Blatt, dessen Eigentümer der Herr Kommerzienrat ist, der in hunderttausend Exemplaren täglich zweimal erscheinende„Stadt-Anzeiger zur Kölnischen Zeitung ". hat lediglich ein paar Nachrichten über die Wahl gebracht, aber nicht die mindeste Agitation getrieben. Der Herr Kommerzienrat wünscht nämlich geadelt zu werden; deshalb darf sein Blatt in der dritten Klasse nichts tun, waS geeignet wäre, die liberale Stimmcnzahl so zu erhöhen, daß sich Stichwahlen zwischen Sozialdemokratie und Zentrum ergeben, wobei der Libera« lismus in die unangenehme Lage käme, eine Stichwahlparole aus- geben zu müssen. Wenn die Liberalen trotz ihrer Vernachlässigung jeder Wahlagitation die alte Stimmenzahl erhalten haben, so kommt das daher, daß mindestens die Hälfte ihrer Stimmen von Leuten stammen, die durch die Oeffentlichkeit der Wahl verhindert wurden, sozialdemokratisch zu wählen. Hier liegt die Ursache de§ prozentual nicht befriedigenden Zuwachses der sozialdemokratischen Stimmen. Die nächste Reichstags wähl in Köln wird zeigen, daß wir recht haben._ Aus dem elsass -lothringischen Landtag. Die sozialdemokratische Fraktion hat beschloffen, die ihr nach ihrer Stärke zustehenden Posten für daS Präsidium der Zweiten Kammer der Reichslande zu beanspruchen. Als Vizepräsidenten wird sie dm Ab« geordneten Wolfer-Straßburg vorschlagen. Eine feine Nummer. Die konservativen Granden lieben eS. in der Pose vornehmer Selbstbeherrschung über die„rüde Agitation" der liberalen Parteien und besonders der Sozialdemokratie zu räsonieren. Das hindert sie nicht, sich in ihren Wahlversammlungen, wenn sie glauben, es sich leisten zu können, die unflätigsten Ausdrücke zu gebrauchen. So leistete sich, wie die nationalliberale„Pommersche Rundschau" berichtet, in einer öffentlichen Versammlung zu Rosen fel de. in der am 2. November der nationalliberale Kandidat für Naugard- Regenwalde sein Programm entwickelte, Herr v. Wangenheim, der Sohn des bekannten Bündlerführers folgende geschmackvolle Stilblüte: „Als ich vernahm, daß die Nationalliberalen auch in Pommern agitieren, da fragte ich einen Bekannten, der die Verhältniffe kannte: Womit gehen denn die Nationalliberalen min eigentlich krebsen? Etwa mit der Neickisfiuanzreform? Möglicherweise. wurde mir da geantwortet. 9ta, mit der Branntweinsteuer und der Liebesgabe, so sagte ich weiter, können sie doch unmöglich ankonimen, denn wenn sie das täten, dann würden ja die Hunde das Bein gegen sie hochheben. Und nun kommen sie, wie ich soeben gehört habe, doch damit! Nur gut, daß hier kein Hund im Saale anwesend ist, sonst könnte es ein Malheur geben." Schweiz . Sozialdemokratische Stichwahlerfolge. Zürich , 16. November.(Eig. Ber.) Die am Sonntag in den Kantonen Basel st adt uns Neuenburg stattgefundenen Nationalrats-Stichwahlen haben unserer Partei die erwarteten Erfolge gebracht, indem im ersten Wahlkreise unsere Genossen Jäggi. Konsumvevwalter, mit 7999 und Frei, Redakteur des„Baseler Vorwärts", mit 6429 Stimmen gewühlt wurden. Das sind Erfolge aus eigener Kraft, wenn auch in diesen Stimmengahlen katholische und demokratische Stimmen enthalten, die sich zu dieser Unterstützung aus eigener Initiative entschlossen, ohne daß irgendein Kompromiß dieser beiden Parteien mit unserer Partei abgeschlossen worden wäre. Unsere Partei ist die stärkste Partei in Basel , und sie hätte eigentlich auf drei Man- date berechtigten Anspruch und nicht nur auf zwei Sitze. Im weitem Abstand von den sozialdemokratischen Stimmengahlem folgen die Bürgerlichen mit 3782 bis 4211 Stimmen, und sind von ihnen drei Freisinnige und zivei Konservative gewählt. Im Kanton Neuenburg ist unser Genosse Advokat Naine in Chaux-de-Fonds mit der höchsten Stimmenzahl von 9997 gegen- über 5789 bis 7788 bürgerlichen Stimmen gewählt. Naine ist in der Hauptsache mit bürgerlichen Stimmen gewählt, da er auf der freisinnigen Liste stand. In seiner Stimmenzahl dürften 3999 bis 4999 sozialdemokratische enthalten sein. Die sechs anderen Gewählten verteilen sich mit 8 auf die freisinnige und mit 1 auf die konservative Partei. Die Wahl NaineS ist insofern besonders beachtenswert, als er ein ausgesprochener AntiMilitarist ist und vor etwa sieben Jahren wegen Dienstverweigerung drei Monate Gefängnis erhielt. Es sind nun 13 Sozialdemokraten in den Nationalrat gewählt. Sicher ist noch für alle Fälle die Wahl des Genossen Müller in Bern , während die Wahl der übrigen vier noch in der Stichwahl stehende� Genossen zweifelhaft ist. Die noch ausstehenden Stichwahlen finden am nächsten Sonntag statt. Cnglanck. Rücktritt BalfourS als Führer der Konservative». London , 8. November. Wenn auch V a l f o u r seinen Sitz für die City von London im Unterhause behält, wollte er doch nicht bis zum Ende der gegenwärtigen Session mit seinem Rücktritt warten, zumal ihm die Aerzte die Teilnahme an der Homcrule-Kampagne untersagt haben. Dem entsprechend sagte Balsour in einer Versammlung der Konservativen Vereinigung der City, er fühle, daß er ein em anderenMannPlatz machen müsse.
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