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vr. l2. 30. Jahrgang. s.Amärts" Skrlim Mittwolh, l3. Januar l913. Erster Verbandstag des Ventfchen Vanarbeiter- Verbandes. Jena , 13. Januar. Der Vcrbandstag trat heute vormittag hier zusammen. Er ist, dem starken Wachsen des Verbandes entsprechend, sehr zahlreich bc- schickt. Den ganzen Saal des VolkshauseS füllen die 3ö2 Delegier- ten und 36 Bauleiter. Der Äerbandsvorstand ist. durch acht seiner Mitglieder vertreten, den Verbandsausschust vertritt D a e h n e- Berlin, denGrundstein" W i n n i g- Hamburg , für die Revisoren ist Marks- Hamburg anwesend. Die Zahl der Gaste ist diesmal auch stärker wie auf früheren Tagungen des Maurer- und des Bau- Hilfsarbeiterverbandes. Der Malerverband hat Steine-Ham- bürg, der Stcinarbeiterverband« i e b o ld- Leipzig und die Bau- arbciterschutzkommission H e i n k e- Berlin delegiert. Die Bruder- organisationen in Oesterreich, Ungarn , Italien , Frankreich , Schweiz , Belgien , Holland , Dänemark und Schweden haben Vertreter ent­sandt. Der zweite Vorsitzende des Verbandes, Behrendt- Ham- bürg, eröffnete den Vevbandstag mit einem warmen Nachruf für Bömelburg, den die Delegierten stehend anhören. Behrendt würdigte die großen Verdienste Theodor Bomelburgs, des Führers und Freundes der deutschen Bauarbeiter. Sein Werk sei eS, daß heute die deutschen Bauarbeiter in einer geeinten Organisation tagen. Behrendt gedachte zugleich des verstorbenen früheren Redakteurs der Bau- Hilfsarbeiter, Albert R ö s k e, der wie Bömelburg ein halbes Menschenalter der Arbeiterbewegung sein Bestes gegeben habe. Die Toten konnten am besten dadurch geehrt werden, daß die deutschen Bauarbeiter weiter in dem Sinne wirken. Der Redner gibt dann einen kurzen Ueberblick über die drei letzteü Jahre und heißt dann die Gäste herzlich willkommen. K l u p s ch- Jena begrüßte den Verbandstag namens der Jenenser Bauarbeiter und wünschte den Beratungen besten Erfolg. Er hofft, daß die Aufgaben des Verbandstages zum Wohle des Verbandes gelöst werden. Bei der Konstituierung des Kongresses werden Paeplow- Hamburg, S i l b e r s ch m i d t'- Berlin und B e hr e n d t- Ham- bürg als Vorsitzende gewählt. Ihnen stehen 12 Schriftführer zur Seite. Nach Einsetzung einer fünfgliedrigen Mandatsprüfungskom- Mission hielten die ausländischen Delegierten Begrüßungs- ansprachen. Für die skandinavischen Länder sprach P e r s s o n- Schweden. N i c o I e t- Frankreich bringt den deutschen Brüdern die herzlichsten Glückwünsche der Arbeiterschaft Frankreichs . Petenka- Oester- reich begrüßt den Verbandstag namens der österreichischen Bau- arbeiter. Nach weiteren Begrüßungsansprachen von Ii i e ß- Un­garn und de Bronvcre- Belgien erstattete Behrendt- Ham- bürg den Geschäftsbericht des Borstandes. Mit der Vertretung Bomelburgs, der ja gleich nach dem Kampfe 1310 erkrankte, hätten Vorstand und Gauleiter den Kollegen Paeplow beaustragt. Die Verschmelzung der Maurer und Bauhilfsarbeiter sei besser von statten gegangen, als es der größte Optimist je gehofft habe. Ebenso erfreulich sei die Mitgliederbewegung. In den einzelnen Zweigvereinen sei ein Wettstreit entstanden, un, zu zeigen, wie gut sie vorwärts schreiten. Die Werbekraft des Verbandes habe sich aufs beste be- währt, er habe am Schlüsse des dritten Quartals 1912 eine Mit­gliederzahl von rund 348 030 mustern können, gegenüber 248000 im ersten Quartal 1310.'Der Zuwachs fei also gewiß befriedigend. Mit der großen Steigerung der Mitgliederzahl sei auch eine große Steigerung des Vermögens verbunden. Im Jahre 1910 kam auf ein Mitglied ein Vermögen von 20,80 M.. 1911 ein solches von 28,80 Mark und 1912 ein Vermögen von 35,80 M. Die Einführung der Krankenunterstützung in den Wintermonaten habe auf dem kon- stituierenden Verbandstag in Leipzig starken Widerspruch gefunden. Heute könne aber konstatiert werden, daß die Befürchtungen jener Kollegen nicht eingetroffen seien. Der Redner bespricht nun kurz die Lohnbewegungen in den Jahren 1911/12, von denen wir bereits im Vorbericht ein ziffernmäßiges Bild gaben, und schilderte dann, wie die Gerichte versuchen, Zweigvereine des Verbandes als politische Vereine zu erklären. Trotz aller Schi- kanen schreite der Verband ober immer weiter vorwärts. Behrendt ging dann auf den Bauarbeiter schütz ein, der noch sehr ungenügend sei. Von 72 492 iin Jahre 1910 bei 13 Boubcrufs- genossenschaften angemeldeten Unfällen hätten 13 407 mit 1050 töd- lich Verletzten entschädigt werden müssen. Diese Zahlen zeigten, wie notwendig ein größerer Schutz von Leben und Gesundheit sür die Bauarbeiter wäre. Am Schlüsse seiner Ausführungen wandte sich Redner scharf gegen Ausführungen im schriftlichen Bericht des Ausschusses. Dort wird gesagt, daß der Vorstand heute im Gegensatz zu früher wichtige Fragen allein er- ledige, ohne sich vorher mit dem Ausschuß zu verständigen; dieser weroe vor fertige Tatsachen gestellt. Ter Ausschuß gewinne den Eindruck, als wenn an den leitenden Stellen eine gewisse Auto- kratie sich bemerkbar macht. Behrendt betonte diesen Vorwürfen gegenüber, die Funktionen des Ausschusses seien klar und deutlich im Statut vorgezeichnet. Der Vorstand sehe den Ausschuß nicht als gleichberechtigte, nebenstehende Körperschaft an, sondern als eine Körperschaft, die über ihm steht. Der Vorstand habe dem Ausschuß in allen Fragen Rede und Antwort zu stehen, wenn dieser an ihn herantrete. Der Vorstand wolle ober, daß der Aus- schuß unabhängig von dem bleibe, was der Vorstand tue. Wenn der Aus'chuß zusammen mit dem Vorstand über einzelne Fragen be- schließe, dann könne er kein unparteiischer Richter über den Vor- stand mehr sein. Mit seinem Verlangen gehe der Ausschuß über seine statutarischen Rechte hinaus. Bebrendt schließt, der Vorstand glaube, die Interessen des Verbandes in der Berichtszeit gut gc- wahrt zu haben.(Beifall.) Den Kassenbericht gibt K o b e r- Hamburg, der die Finanzverhältnisse des Verbandes ausführlich erläutert. Die wichtigsten Zahlen aus diesem Bericht haben wir bereits im Vorbericht gegeben. An der Spitze der Aus- gaben steht die Krankenunterftützung. Das Vermögen des Ver- bandeS beträgt über 12 Millionen. Er sei finanziell gerüstet und könne mit Ruhe kommenden Kämpfen-entgegensehen. Den Bericht der Redaktion desGrundstein" erstattet W i n n i g- Hamburg , der den Unterschied zwischen dem Gewcrkschaftsblatt und den Tageszeitungen präzisiert und seine Aufgaben kennzeichnet. Die Redaktion des Gewerkschastsorgans stehe bei ihrer Tätigkeit immer vor praktischen Aufgaben, wobei man die Gebote der Taktik berücksichtigen müsse. Das bringe mit sich, daß die Redaktionsavbeit nicht immer den ungeteilten Bei- fall der Kollegen findet. Die Redaktion glaube aber, ihrer Auf- haben gerecht geworden zu sein. Sie habe ssch nach Kräften ange- strengt, den guten Namen, den derGxundstein" seit Jahrzehnten im deutschen Gewerkschaftsleben habe, zu wahren. Die Gerichte hätten sich desGrundsteins" des öfteren angenommen. Neben Erteilung von Geldstrafen versuchte man, denGrundstein" als politisches Organ zu erNären, und daraus auf den politischen Verein zu schließen. Das könne aber die Redaktion nicht daran hindern, den Grundstein im altbewährten Geiste weiter zu führen. Auch eine Gewerkschaftszcitung könne der Politik nicht entraten. Wenn dadurch dem Vervand Schwierigkeiten entstehen, so werde wohl auch noch diese Fessel zerschlagen werden. Winnig geht hierauf auf die Anträge ein, die sich auf denGrundstein" beziehen. Er bittet, einen Antrag der Gaukonferenz Frankfurt a. M. abzu- j lehnen, der die Herausgabe einer fachtechnischen Beilage wünscht. I Der Herausgabe ständen große Schwierigkeiten entgegen, auch glaubt Redner nicht, daß damit einem großen Bedürfnis entsprochen würde. Den Bericht des Ausschusses gibt D a eh n e- Berlin. Der Ausschuß hatte 94 Beschwerden zu erledigen, �die im einzelnen betrafen: Mitgliedschaft und Beitrags- 1 fachen: 10 Beschwerden. Unterstützungswesen: 35 Beschwerden,! und zwar: 1. Rechtsschutz: 10 Beschwerden; 2. Reise- Unterstützung: keine Beschwerden; 3. Streiks, Aussperrungen, Bau- sperren und damit zusammenhängend« Unterstützung: 10 Beschwer den; 4. Kranken- und Sterbeunterstützung: 10 Beschwerden; 5. Ge matzregelten- und Jnhaftierten-Unterstützung: 8 Beschwerden. Aus schlutz aus dem Verband und sonstige Strafen: 28 Beschwerden. Allgemeine respektive gegen die Geschäftsführung im Verband: 20 Beschwerden. Redner bespricht einzelne Beschwerden und geht Hann auf die Differenzen des Ausschusses mit dem Vorstand ein. Die Vorwürfe gegen den Vorstand gehen besonders dahin, daß bei wichtigen Entscheidungen der Ausschuß und die Gauvor- sitzenden nicht hinzugezogen werden. Es solle den Delegierten nicht vorenthalten werden, daß die Vorlagen an den Verbandstag, betreffend die Umgestaltung der Institutionen im Verbände, wie auch die Einführung der Arbeitslosenunterstützung, ohne vorheriges Einvernehmen mit dem Verbandsausschuß ausgearbeitet, vorgelegt, ja die ersteren zum Teil gegen den Widerspruch des Ausschusses und der Gauleiter an den Verbandstag gebracht worden sind. Früher sei dies anders gewesen. Die Gauvorsitzenden wolle der Vorstand künftig anstellen, dadurch würden sie aber in gewisser Hin- ficht vom Vorstand abhängig werden. Der Ausschutz habe das Ge­fühl, daß einzelne Personen im Vorstand absolut ihren Willen durchsetzen wollen. An diese Debatte schloß sich eine lebhafte Debatte, die heute nicht mehr beendet wurde. H a e s e- Berlin wünscht mehr Berücksichtigung der einzelnen Spezialgruppen, und im besonderen� daß bei den Betonavbeitern und im Tiefbau mehr Agitation be- trieben wird. Er bemängelte, daß die Betonarbeiter nicht gleich den anderen Branchen zu einer Bcrufs-Konferenz eingeladen wur- den. Mehr Bauarbeiterschutz im Betougewerbe fei unbedingt nötig, ebenso wie eine Lohnerhöhung. Die gesamte deutsche Bau- arbeiterschaft habe das dringendste Interesse, bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse im Betongewerbe zu schaffen. Baude- Kattowitz schildert die schwierigen Verhältnisse in Oberschlesien . Es sei notwendig, daß in Oberschlesien ein Kollege, der deutsch und polnisch spricht, angestellt wird. H a a s e- Hamburg kritisiert, daß der Vorstand alle Ehren- Mitgliedschaften aufgehoben hat, obwohl Bömelburg auf dem Ver- bandstag in Leipzig erklärt habe, die alten Ehrenmitgliedschaften blieben bestehen. Redner tritt sehr energisch für die Rechte der alten Mitglieder ein. Borgmann- Bremen begrüßt, daß der Vorstand Kollegen, die der italienischen Sprache mächtig sind, angestellt hat. Diese Kollegen sollten aber nicht nur in dem Gau tätig sein, wo sie ihren Sitz haben. Die Agitation unter den italienischen Arbeitern sei dringend nötig. Mit der Stellungnahme des Ausschusses gegen den Vorstand ist Redner nicht«inverstanden. Das Recht, das der Ausschuß fordere, sei heute nöch nicht geschrieben. Der Ausschutz hätte dann nicht so, wie getan, vorgehen dürfen. In seinen weiteren Ausführungen regt Rebner an, daß Firmen, die über ganz Deutschland vertreten seien, wie die Firma Holzmann in Frank- furt a. M., bei Bewegungen überall angegriffen werden, da sonst diese Firmen sehr leicht Arbeitswillige von dem einen Orte nach dem anderen abschieben können. Zi e g l e r- Nürnberg kritisiert, daß man den Stukkateuren daö Wahlrecht zum Verbandstag genommen habe. Paeplow- Hamburg(Vorstandsmitglied) wendet sich gegen die Vorwürfe des VerbandSausschusseS. Er bestreitet, daß es seit dem Ausscheiden Bömelburgs im Verbände anders geworden sei Paeplow bittet, nun endlich über die Lücke, die das Scheiden Bömel- burgs gerissen hat, hinwegzusehen. Man solle dem zukünftigen Verbandsvorstand das Arbeiten nicht allzu schwer machen(Sehr richtig!) und nicht immer sagen, das ist kein Bömelburg. Die Geschäftsführung sei heute bei 350 000 Mitgliedern eine viel schwie- rlgere als bei dem Verbände mit 180 000 Mitgliedern, mit dem man groß geworden sei. Die Leitung im Äauarbeiterverband habe Bömelburg nicht mehr führen können, der Vorstand sei aber doch der Ansicht, daß er die Interessen des Verbandes gut gewahrt habe. Von den Vorlagen des Vorstandes an den Vevbandstag seien, sobald sie im Vorstand ausgearbeitet waren, dem Ausschuß und den Gauvorsitzenden Mitteilungen gemacht worden. Bevor der Vorstand die Borlage durchberaten, hätte er sie doch nicht dem Aus- schuh unterbreiten können. Was der Ausschußbericht über Demo- kratie und Autokratie sagt, sei abwegig. Niemand wisse die De- mokratie besser zu schätzen, als er, Redner. Heute sei es noch nicht so weit, daß die Gauvorständekonferenz dem Verband sagen könne, bis hierher und nicht weiter. Der Verbandstag stehe über dieser Konferenz, diesem unterbreite der Vorstand seine Vorlagen und füge sich dessen Diktum. Der Ausschuß habe die Amtstätigkeit des Vorstandes, die öffentlich in Erscheinung tritt, zu überwachen. Er habe keine Ursache, mit dem Vorstand unzufrieden zu sein. Redner empfindet es als bitteres Unrecht, daß der Ausschuß den Vorstand in feinem Bericht in getaner Weise abgefertigt haü(Den Aus- führungen Paeplows folgte der Verbandstag in größter Aufmerk- samkeit, sie wurden beifällig aufgenommen.) Nach kurzen, aber unwesentlichen weiteren Ausführungen zweier Redner wurden die Verhandlungen vertagt. Es sind noch 14 Redner zu diesem Punkte eingezeichnet. »» H Jena, 14. Januar. (Privattelegramm desV o r- wärt 3".) Auf dem Bauarbeiterverbandstag kam es heute zu lebhaften Auseinandersetzungen über die Differenzen zwischen dem Vorstand und dem Ausschuß bezw. den Gauvorsitzenden. Gauleiter Hüttmavn griff den Vorstand, besonders aber Paeplow. scharf an. Die Ursachen der Differenzen lägen in den verschiedenen Auffassungen über die Taktik bei den Lohnbewegungen, nicht in der Personenfrage. Silberschmidt suchte zu vermitteln. Er stimmte zwar Hütt- mann bei; man müsse aber Wege suchen, gemeinschaftlich und einmütig weiter zu arbeiten. Der Verband brauche Paeplow und aehne. Paeplow legte in einstündiger Rede dar, daß nicht die Lohnbewegung, sondern die Personenfrage, wer Nach- folger Bömelburgs sein soll, die Ursache der Differenzen sei. Paeplow erklärte, nun für den Posten des ersten Vorsitzenden nicht mehr kandidieren zu wollen.((Lebkjafte Erregung.) Silberschmidt beantragte schließlich, die ganze Materie einer Kommission zur Untersuchung zu überweisen. Er erklärte, er habe noch nie daran gedacht, den Posten des ersten Vorsitzenden bekleiden zu wollen. Redner bittet, ihn bei dieser Frage völlig auszuscheiden; er hoffe, daß Paeplow an der Stelle bleibe, wo er steht. Die ganze Streitfrage wurde einer Kommission überwiesen. ktoiieiilchiffei'lioiifeim. Berlin , 14. Januar. DaS Hauptinteresse der Delegiertenversammlung richtete sich auf die für die Stromgebiete der Elbe, Oder und märkischen Wasser- l straßen eingeleitete allgemeine Lohnbctvegung. Der Transport- arbeiterverband hat in Gemeinschaft mit dem Zentralverband der Maschinisten und Heizer im November v. I. dein Arbeitgeberver- band für die Binnenschiffahrt Forderungen eingereicht. Dieselben erstrecken sich auf Lohnerhöhuiig, Regelung der Arbeitszeit sowie Gewährung der Nacht- und csonntagsruhc. Inzwischen haben mehrfach Verhandlungen der beiden Arbeiterverbandc mit dem Arbeitgeberverband stattgefunden, worüber derVorwärts" seiner- zeit berichtete. Die letzte Verhandlung war»»c L». Dezemb.s vorigen Jahres. Daselbst haben die Vertreter des Arbeitgeber- Verbandes als ihr letztes Wort folgende Erklärung abgegeben: Der Arbeitgcbervcrband für Binnenschiffahrt und verwandte Gewerbe schlägt eine Verlängerung der bestehenden Vereinba- rung auf drei Jahre vor unter nachstehenden Bedingungen: Tie Löhne werden um 5 M. pro Monat erhöht. Um über die be- hauptetcn Mißstände bezüglich der Arbeitsdauer unparteiisch Klar- heit zu erhalten, soll nachstehendes Verfahren eingeschlagen wer- den: ES wird eine von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern gleichmäßig beschickte Kommission mit einem unparteiischen Vor- sitzenden eingesetzt, die auf dem Wege statistischer Erhebungen Feststellungen über die Bcschäftigungs- und Ruhezeiten der Mannschaften während der Fahrt der Schiffe machen soll. Zu diesem Zweck sollen für jedes Schiff fortlaufend buchmäßige Ein- tragungen vorgenommen werden, die der Kommission in be- stimmten Zeitabschnitten zur Begutachtung vorzulegen sind. Diese Erhebungen sollen für das ganze Jahr 1913 stattfinden. Ende 1913 soll auf Grund der Ergebnisse der statistischen Er- Hebungen eine feste, denBetriebsverhältnisscn der einzelnenStrom- gebiete angepaßte Regelung der Arbeitszeiten vorgenommen wer- den. Sollten schon früher von der Kommission Mißstände als allgemein vorhanden festgestellt werden, so verpflichten sich die betreffenden Arbeitgeber, sofort Abhilfe zu schaffen. Die Arbeit- geber erklären sich bereit, die Wünsche bezüglich der Ueberstunden, Reisevergütung und Effektenversicherung gruppenweise zu regeln." Zu dieser Erklärung der Arbeitgeber hatte die gegenwärtige Delegiertenversammlung Stellung zu nehmen. Nach gründlicher Debatte über alle hierbei in Frage kommenden Verhältnisse stimmte die Versammlung mit großer Mehrheit einer von der Lohnkom- Mission vorgelegten Resolution zu. Sie lautet: Die Delegiertenversammlung erkennt an, daß die Unter- nehmer bereit sind, eine allgemeine Lohnerhöhung von 5 M. pro Monat eintreten zu lassen. Hierdurch würde die Lohnfrage für das Stromgebiet der Elbe nahezu gelöst sein. Wohingegen die Zusage für die Oder und die märkischen Wasserstraßen den Wün- schen der Mannschaften nicht genügend Rechnung trägt, zumal eine dreijährige Vertragsdauer in Vorschlag gebracht ist. Die Versammlung nimmt serner Kenntnis von der Bereitwilligkeit der Unternehmer, eine Neuregelung der Ueberstunden- und Reise- Vergütung und der Effektenversichcrung vorzunehmen und ist bereit, gruppenweise diese Materie weiter zu beraten. Die Mann- schaftcn erwarten, daß bei den Verhandlungen auch die übrigen in den Tarifentwürfen enthaltenen Positionen berücksickitigt wer­den. Dem Vorschlage des Arbeitgeberverbandes bezüglich der Einführung der Nacht- und Sonntagsruhe stimmt die Versamm- lung zu, soweit sich derselbe auf die Zusammensetzung der Kom- Mission und die Durchführung der statistischen Erhebungen bc- zieht: Da aber die baldmöglichste Einführung der Nacht- und Sonntagsruhe dringend erforderlich ist, kann ohne genügende Garantie dafür, daß den Wünschen dev Mannschaften in gcnü- gender Weise Rechnung getragen wird, einer dreijährigen Ver- länaerung der Vereinbarungen nicht ohne'weiteres zugestimmt werden. Der Arbeitgeberverband wird daher höflichst ersucht, baldigst noch eine zentrale Verhandlung anzuberaumen, um eine endgültige Klarstellung dieser Materie herbeizuführen, und ferner um Bestimmungen zu vereinbaren über die Zusammen- setzung und Machtbefugnisse der Kommission." Nachdem dieser Beschluß gefaßt war, hatte die Versammlung noch eine Reihe geschäftlicher Angelegenheiten zu erledigen. Zun, Ortsstatut wurde ein Antrag angenommen, welcher besagt, daß oer Vorstand der Mitgliedschaft aus 15 Personen bestehen soll, nämlich einem Vorsitzenden, einem Kassierer, einem Schriftführer und 12 Beisitzern, von denen 10 im Beruf beschäftigt sein müssen. Ferner wurde beschlossen: Die Entschädigung der Obleute ist von 50 auf 75 Pf. zu erhöhen. Die Mitglieder des Vorstandes sollen einen Ausweis erhalten, der sie berechtigt, jeden Monat mindestens einmal jede Zahlstelle zu revidieren. In Breslau ist«ine Verwaltungsstelle mit einem besoldeten Angestellten zn errichten. Dem Vorstand wurde ein Antrag überwiesen, welcher diesen ersucht, Material in bezug auf die Arbeitsvermittelung zu sam- mein, damit die Arbeitsnachweisfrage von der nächsten Schiffer- konferenz geregelt werden könne. Die Vorstandswahl ergab die einstimmige Wiederwahl des Vor- sitzenden S ch ü n i n g, des Kassierers Heitmann und des Schriftführers S ch u l z. Als Beisitzer wurden gewählt: Sch r a m m- Hamburg/ A ck e r m a n n- Lauenburg. Schöps- Reinhardsdorf, P u l z- Nienburg, W u I k a u- Tangermündc, G e u e° Biltkau, S ch l i s ch- Stettin, N o s k e- Blumderg, P u sch k c- Rädnitz, R e i n s ch- Leukusch, Foth- Stettin, Ricks- ter-Crossen, und als Ersatzmänner: Schmisch-Pretsch und Mühle-Posen. Damit war die Tagesordnung erledigt. Der Vorsitzende Schöning wies in seiner Schlußrede darauf hin, daß diese Konferenz eine ganz besonders wichtige gewesen sei, weil sie zu der großen Lohnbewegung Stellung zu nehmen hatte. Mit Rücksicht darauf, daß eine Arbeitseinstellung der Schiffer eine große Verkehrsstockung bedeuten würde, habe die Konferenz durch ihren Beschluß den Unternehmern Gelegenheit gegeben, die Bewc- gung in Jrieven zu erledigen. Doch sei die Möglichkeit nicht aus- geschlossen, daß. wenn die Unternehmer den berechtigten Wünschen der Arbeiter nicht genügend entgegen kämen, es zu Konflikten und zum Kampfe kommen könnte, für den dann die Unternehmer die Verantwortung zu tragen hätten. Wenn es zum Acutzcrsten kommen sollte, dann sei die Organisation der Schiffer stark genug und bereit, den Krampf aufzunehmen. Ob es dahin komme, das hänge davon ab, wie sich die Unternehmer zu den Beschlüssen dieser Konfe- renz stellen. Mit einem Hoch auf die Organisation der Schiffer schloß der Vorsitzende die Tagung. Wafferstands-Rachrtchtcn der Landesanlltllt für Gewässerkunde, mttgetellt vom Berliner Metterbureau. ')+ bedeutet Ww Grundeistreiben<) «) Treibeis. st obechä 8, Fall. st Nnterpegel. st starkes jwacheS GnmdelStreibe». st Eistreiben. der großen Brücke Eisversetzung,