St. 113 30. Z-W-M 3. Mm von der Beteiligung an den Landtage «ahien Bei den Landtagswahlen von 1908 war die Wahl- beteiligung so groß, wie sie es in Preußen seit 4/4 Jahrzehnten nicht mehr gewesen war. Es wählten diesmal 32,84 Proz. aller Wahlberechtigten, während in 1993 nur 23,62 Proz., in 1893 gar nur 18,36 Proz. gewählt hatten. Höher als in 1993 war die Wahl- beteiligungSzisfer nur in 1862, wo 34,3 Proz. der Wahlberechtigten zur Wahl gingen. Die Ziffer sank dann aber in 1863 auf 39,9 Proz., hielt sich in 1866 aus 39,4 Proz. und fiel in 1867 plötzlich auf 17,6 Proz. Daß Beteiligungsziffern wie die von 1862 und von 1998 schon als etwas Außerordentliches gelten müssen, ist beschämend. Nur auS den Mängeln des LandtagSwahlrechts erklärt es sich, daß bei den Landtagswahlen die Wahlbeteiligung weithinterderjenigenbeidenReichstagswahlen zurückbleibt. Vor einem halben Jahrhundert gelang es in der.Konfliktszeit"' dem liberalen Bürgertum, bei der Wählerschaft ein stärkere? Interesse für die Landtagswahlen zu wecken. Heute, wo daS werktätige Volk um ein besseres Landtagswahlrecht ringt, folgt der Sozialdemokratie die breite Masse der Wähler- schaft in den Wahlkampf. Aber bei dem jetzigen Landtagswahlrecht mit seiner Oeffentlichkeit der Stimmabgabe versagen es sich noch zahlreiche Wähler, an der Wahl teilzunehmen. In dieser Hinsicht ist es immer wieder sehr lehrreich, die drei Wählerklaffen gesondert zu betrachten und ihre besonderen Wahlbeteiligungsziffern mitein. ander zu vergleichen. Die Wahlbeteiligung ist die stärkste m der ersten Klasse, die schwächste dagegen in der dritten Klasse, wo das Gefühl der Abhängigkeit am lebhaftesten empfunden und die Oeffentlichkeit der Stimmabgabe am meisten gefürchtet wird. Für ganz Preußen stellte sich in 1998 die Wahlbeteiligung der dritten Klasse auf nur 39,18 Proz. ihrer Wahlberechtigten, dagegen die der zweiten Klasse auf 42,89 Proz., die der ersten Klasse auf 63,48 Prozent. Von diesen Durchschnitten aus ganz Preußen weichen die Be- teiligungsziffern der einzelnen Wahlbezirke oft sehr weit ab. Die Landeshauptstadt Berlin hatte eine stärkere Wahlbeteiligung, aber keineswegs die stärkste in Preußen. In 1998 wählten von allen Wahlberechtigten Berlins S9,SS Proz., im besonderen von denen der dritten, der zweiten, der ersten Klasse 49,42 Proz., 64,82 Proz., 69,92 Proz. Die Betrachtung der 12Landtagswahlbezirke, in die daS Stadtgebiet Berlin zerlegt ist, ergibt noch recht beträcht- liche Unterschiede. Am geringsten war die Beteiligung im Wahl- bezirk I mit 36,66 Proz., für die drei Klassen mit 36,16 Proz., 44,91 Proz., 66,74 Proz., sehr gering auch im Wahlbezirk H mit 38,89 Proz., für die drei Klassen mit 37,41 Proz.. 49,39 Proz., 68,94 Proz. Nach der Höhe der Beteiligungsziffer ohne Unterschied der Klassen folgt Wahlbezirk VHl, mit 44,29 Proz., für die drei Kassen mit 43,33 Proz., 47,63 Proz., 63,77 Proz. Hier ist in der ersten Klasse die Beteiligung schon ungewöhnlich hoch zu nennen, während die zweite Klasse mit ihrer Wahlbeteiligung auffällig zurückbleibt. Weiter hatten Wahlbezirk X im ganzen 47,19 Proz., für die drei Klassen 48,35 Proz., 54,66 Proz., 61,18 Proz., Wahl- bezirk III im ganzen 48,59 Proz., für die drei Klassen 47,16 Proz., 66,66 Proz., 67,83 Proz., Wahlbezirk IV im ganzen 49,46 Proz., für die drei Klassen 49,16 Proz., 49,19 Proz., 63,27 Proz. Im Wahl- bezirk III fällt die hohe Beteiligungsziffer der ersten Klasse auf; höher als hier ist sie für die erste Klasse in keinem anderen Land- tagswahlhezirk Berlins . Wahlbezirk IV hat für die zweite Klasse eine auffallend geringe Beteiligung, eine geringere sogar als für die dritte Klasse. Es folgt dann Wahlbezirk VI mit 59,96 Proz., für die drei Klassen mit 59,74 Proz., 51,26 Proz., 56,49 Proz., Wahl- bezirk XII mit 51,14 Proz., für die drei Klassen mit 49,86 Proz., 65,29 Proz., 69,28 Proz., Wahlbezirk VII mit 53,71 Proz., für die drei Klaffen mit 64,13 Proz., 51,39 Proz., 68,38 Proz. Im Wahl- bezirk Vll bleibt die Beteiligungsziffer für die zweite Klasse weit unter derjenigen für die dritte Klasse. Ein Unikum ist Wohl- bezirk IX, dessen Beteiligungsziffer im ganzen 69,99 Proz., im einzelnen für die dritte Klasse 69,14 Proz., für die zweite 69,79 Prozent, für die erste 68,16 Proz. betrug. Hier sehen wir eine völlige Umkehrung der sonst üblichen Reihenfolge, so daß die dritte Klasse die stärkste Beteiligung, die erste die schwächste hat. Im Wahlbezirk XI mit einer Wahlbeteiligung von im ganzen 61,98 Prozent hat die dritte Klasse 69,13 Proz., die zweite 64,11 Proz., die erste 62,88 Proz., so daß in diesem Bezirk die erste Klasse hinter der zweiten zurückbleibt. Wahlbezirk V hat mit im ganzen 61,99 Prozent die stärkste Wahlbeteiligung unter allen Wahlbezirken Berlins . Im einzelnen war hier die Beteiligung in der dritten, der zweiten, der ersten Klasse 61,29 Proz., 64,59 Proz., 67,32 Proz. Der Bezirk hat in der dritten und in der zweiten Klasse die für diese Klassen höchsten Bcteiligungsziffern unter allen Wahlbezirken Berlins , und auch seine erste Klasse reicht mit ihrer Beteiligungs- ziffer nahe an das Maximum für diese Klasse heran, das sich mit 67,83 Proz. in Wahlbezirk III findet. Wahlbezirk V kann sich somit einer besonders starken Wahlbeteiligung rühmen. Mit dem Ergebnis der Reichstagswahlen verglichen sind fteilich sogar diese in Berlin erzielten Höchstziffern der Beteiligung an den Landtagswahlen noch recht bescheiden zu nennen. Daß Berlin auch bei den LandtagSwahlen es zu einer noch stärkeren Be- teiligung als in 1993 bringen kann, muß der 16. Mai 1913 lehren. Und dasselbe gilt von den LandtagSwahlbezirken der Um- gebung Berlins , die leider gleichfalls in 1998 eine nur mäßige Wahlbeteiligung hatten. Unter dem Dreiklassenloahlsvstem, das den Geldsäcken ihre Vorrechte sichert, ist ja für die minderbemittelten Wähler das Wahlrecht gering. Aber um so stärker sollte jeder ein- zelne die Pflicht empfinden, seine Stimme in die Wag schale zu werfen. Allen Wählern, die von einer Stär- Zung des Einflusses der Sozialdemokratie eine Besserung der Zu- stände in Preußen erwarten, gilt die Mahnung: Keiner darf am Wahltage fehlenl Keine Stimme darf der Sozialdemokratie verloren gehen! Partei- BlugelegenKeiteu. Der Zentralvorstand hat beschlossen, zum Sonntag, den 18. Mai 1913, eine außerordentliche Generalversammlung einzuberufen mit der Tagesordnung: Bericht der Unter- suchungskommisfion in Sachen Brann und Genossen kontra Borchardt. Die Generalversammlung findet statt in den Konkordia- Festsäle», AndreaSstr. 64, Anfang vormittags 9 Uhr. „ Für die Besetzung dieser Generalversammlung gilt die «Sherige Anzahl der Delegierten. Ks Jormärts" Serlim| Es hat zu entsenden: Berlin l.... 10 Delegierte f. n.-.. 48 ff „ m.»»» 23 ,f „ IV.... 194 Teltow-Bceskotv.. 251„ Nieder-Barnim .. 134 Summa: 923 Delegierte Der geschäftsführende Ausschuß. Vierter Wahlkreis. Die Frühkonzerte finden statt am 1. Pfingst. eeiettag in den Lolalen Ludwig in Treptow und in M c n t e s Volksgarten in Lichtenberg , Röderstr. 28; am 2, Pfingst- feiertag in den Lokalen Brauerei Friedrichshain und im Elhsium, Landsberger Allee 49. Anfang 5 Uhr. Billetts 29 Pfennig. Neukölln. Die Bibliothek des Wahlvereins bleibt vom 19. bis 14. Mai inkl. geschlossen. Die Bibliolhekskommission. Stralau. Heute Sonnabend, den 19. Mai, abends 8 Uhr, von den Bezirtslokalen aus: Flugblattverbreitung. Britz -Buckvw. Heute Sonnabend, den 19. Mai, abends 7 Uhr. von den Bezirkslokalen ans: wichtige Handzetlelverteilung. Dienstag(3. Feierlag), abends 8 Uhr, findet in A. Raddatz Festsälen eine öffentliche politische Wählerversammlung statt. Friedrichsfclde. Im Ortsteil Friedrichsfelde findet am Dienstagvormittag sdritlen Feiertag) die Kuvertverbreitung statt. Am Mittwoch, den 14. Mai, abends 8stz Uhr, wird in: Lindenpark, Wilhelmstr. 11, ein gemeinsamer Zahlabend abgehalten, wo die letzten Borbereitungen zur Wahl gettoffen werden. KaulSdorf . Montag, 2. Pfingstfeiertag, früh 7 Uhr: Flugblatt- Verbreitung vom Lokale Bobbey aus. Hohen-Schönhausen. Am ersten Pfingstfeiertag, vonnittags 8 Uhr: Flugblattverbreitung von dem Bezirkslokal aus. Am zweiten Feiertag: gemeinsame„Fackel�verbreitung. Treffpunkt vor- mittags 3 Uhr bei Rehser, Berliner Str. 93. HermSdorf. Montag, den 12. Mai, früh 8 Uhr, von Eggebrecht aus: wichtige Flugblattverbreitung. berliner Nachrichten* Die amtlichen Wahlkarte» „zur Wahl der Wahlmänner für die Neuwahlen zum Hause der Abgeordneten in Berlin am Freitag, den 16. Mai 1913, von nachmittags 3 Uhr, bis abends 8 Uhr, sind jetzt vom Magistrat den Wählern durch die Post zugestellt worden. Die Karten gelten als Legitimation und tragen den Vermerk, daß nach 8 Uhr nicht mehr abgestimmt werden darf. Die Karten sind für die verschiedenen Abteilungen von verschiedener Farbe. Die juristische Sprechstunde fällt heute aus. Kronprinzliche Wohltätigkeit. Der Kronprinz will nun auch in Wohltätigkeit machen. Er hat dem Magistrat angeboten, während der Abwesenheit seines Regiments Ende August bis Mitte September aus Danzig -Langfuhr 199 Berliner Gemeindeschulkinder unter Be- gleitung einiger Lehrer in der Kaserne des 1. Leib- Husaren-Rogiments auf etwa drei Wochen zu be- Herbergen und zu verpflegen. Die Kosten der Reise und des Aufenthalts sowie der ärztlichen Beaufsichtigung und eventuellen Pflege will der Kronprinz übernehmen. Der Magistrat hat das Anerbieten angenommen und dse Auswahl der Kinder und Lehrer der Schuldeputation übertragen. Es sollen auf Wunsch des Kronprinzen besonders soldje Kinder berücksichtigt werden, welchen sonst keine Gelegenheit gegeben ist. die Großstadt zu verlassen. Danach werden die erholungsbedürftigen 190 Schulkinder bereits die Kaserne kennen lernen. Wenn im übrigen alle die Kinder berücksichtigt werden sollen, welche sonst keine Ge- legenheit haben, die Großstadt zu verlassen, so dürste die Zahl 100 eine recht winzige sein. Offizierspflänzchcn. Ein Leser unseres Blattes schreibt unS: Es scheint ein besonderes Zeichen der Zeit zu sein, daß der Nach- wuchs der besitzenden Klassen es offenfichtlich darauf anlegt, Proben einer hervorragenden Kulturlosigkeit zu geben. Heut morgen hatte ich während einer zehn Minuten währenden Bahnfahrt Gelegenheit, die Psyche des jungen Offiziersnachwuchses zu studieren. Auf meiner täglichen Fahrt ins Bureau benutze ich von Neukölln auS die Ringbahn. In jedem Abteil des Zuges fitzen heut bereits je 3 bis 4 Kriegerjünglinge, die eifrig Zigaretten rauchen. Es sind 17— 18jährige Knaben, meist haben sie noch die Kinder- Härchen im Gesicht. Sie stecken alle in Kadettenuniformen, tragen die Hosen in die Stiefelschäfte gesteckt und erhöhen durch Aufputz und Gebärden nur noch das Knabenhafte ihres Wesens. Wie ge- wöhnlich benütze ich die kurze Zeit der Bahnfahrt zum Studium der Zeitung. Kaum habe ich jedoch den.Vorwärts"' herausgelangt und entfaltet, da hebt einer der Jünglinge, ein schmaler, semmel - blonder Knabe, ein affektiert meckerndes Gelächter an.' -»He, he, he, he, he, he— meine Herren, meine Herren, meine Herren f Mit dem Daumen seiner behandschuhten Rechten weist er zu mir hin, als wollte er sagen:.Dort sitzt die rote Gefahr!�— Zweifellos haben alle diese Kriegerjünglinge noch nie im Leben einen leibhaftigen Sozialdemokraten gesehen, denn der Jüngling mit dem meckernden Lachen beugt sich in das Reden- abteil, flüstert einige Worte da hinein, worauf einig« andere Jünglingsgesichter eiftig zu mir herüberschauen. Da ich nun wie ein leibhaftiger Mensch aussehe, Pechfackeln, Bomben und Petroleum - können nicht mit mir herumsckleppe, war ihre Neugierde bald gestillt. Doch der Jüngling mit dem meckernden Lachen glaubte.den Feind" einigermaßen in Schach halten zu müssen. Erst stimmte er mit meckerndem Knabentcnor den Refrain von„Donnerwetter tadellos' an. Jedesmal, wenn er.wir find Kerle" meckerte, Pardon: sang, dann versuchte er, sich einige Flaumhärchen aus der Oberlippe herauszureißen. Als dies Gebaren mich durchaus nicht zu stören sibien, zündete er sich eine Zigarette an und packte dann unter krampfhafter Rauchentwicklung kriegerische Heldentaten aus:„Ich schieße mit dem Monokel rechts totficher"— Als auch dieses Heldentum mich nicht störte, protzte er mit bedeutsamen Kopf- nicken zu mir herüber seine größte Kairone ab:.Auch Dich schieße ich tot!"-- Leider muß ich in Treptow aussteigen, der Kriegerjttngling (offenbar handelt es sich bei allen um Schüler der Lichterfelder Kadettenanstalt) hätte eventuell noch mehr amüsante Dinge auS- geplappert. Trotzdem genügten die kurzen Proben schon, den Ge- Sonnabend, w. Mai dankengang dieses Knaben zu erforschen. Die Herrchen, die auf Kosten des deutschen Volkes genährt, gekleidet und„ausgebildet" werden, maßen sich in ihrer Jugend- torheit schon an, über die politische Gesinnung älterer Leute mit Gelächter herzuziehen. Die Knabenphantasie hält eS für Heldentum, ein Monokel zu tragen und trotzdem„totsicher" zu schießen. Als höchstes Ziel gilt dieser Jugend aber: den inneren Feind totzu- schießen II— Und das Volk müht sich weiter, die Kosten für„Aus- bildmrg" und Unterhalt dieser Jünglinge und ihrer Väter aufzu- bringen, bis ihm schließlich doch einmal die Geduld ausgeht. Freibetten im Kinderkrankenhause. AuS dem Rathauss wird berichtet: Aus den bei den Freibett- stiftungen für das städtische Kaiser- und Äaiserin-Fricdrich-Kranken- Haus, Reinickendorfer Slraße 61 Hierselbst, zur Verfügung stehenden Mitteln, können für bedürftige Einwohner die ihnen für Kur und Verpflegung von Kindern in dem genannten Krankenhause erwachsenen Kosten bezahlt werden, sofern die Betroffenen durch die Kostenüber- »lahme davor bewahrt werden, der Armenpflege anheimzufallen. Anträge sind an die Deputation für die städtischen Krankenanstalten und die öffentliche Gesundheitspflege im Rathaus, Zimmer.111— 116, zu richten; auch nimmt die Verwaltung des Kaiser- m»d Kaiserin- Friedrich-Kinderkrankenhauses derartige Anträge entgegen. Die Kalmusfischer haben diesmal, obgleich das Pfingstfest auf einen außer- gewöhnlich frühen Termin fällt, eine sehr reiche Ernte halten können. Die verhältnismäßig günstige Witterung förderte das Wachstum des Kalmus ungemein, so daß große Mengen dieser besonders unter der Jugend beliebten Wasserpflanzen auf den Markt gebracht werden konnten. Ruch der Halensee gefährdet! Nicht nur die mitten im Grunewald liegenden Seen— Schlachtensee, Krumme Lanke, Riemcistersec und Nikolassee — leiden seit etwa Jahresfrist an Wasserschwnnd, auch der Halen- sec ist davon in Mitleidenschaft gezogen. Der Wasserspiegel des Sees hat sich seit dem vorigen Jahre um ziemlich einen Meter gesenkt, so daß die als Kinderbad reservierte Abteilung des Sportseebadcs Halensee nahezu trocken gelegt ist und als Sonnenbad Verwendung finden soll. Eine am Westrande des Sees belegene kleine Insel, die bisher als„nasse Wiese" be- zeichnet wurde, ragt jetzt über Metcrhöhe aus dem Wasser hervor lind ist vollkommen trocken. Die Elternrechte in der Schul-Zahnklinik. Aus der Schul-Zahnklinil in der Hochstraße be- richteten wir in Nr. III über ein uns nicht u:»bedenklich scheinen- des Verhalten eines Arztes. Der Arzt hatte einem Knaben nicht die von der Mutter als krank bezeichneten drei Backzähne, sondern zwei Schneidezähne ausgezogen, ohne vorher die im Wartezimmer verweilende Mutter darüber beftagt zu haben. Als die Mutter sich nachher beschwerte, wurde ihr gesagt, die Schneidezähne seien krank gewesen. Auf ihr Verlangen wurden später dem Jungen auch noch die Backzähne— der eine noch an demselben Tage, die beiden anderen am folgenden Tage—, ausgezogen. Hier wird manchem sich die Frage aufgedrängt haben, ob der Arzt überhaupt berechtigt war, ohne weiteres die beiden Schneidezähne auszu- ziehen. Aber in den Schul-Zahnkliniken wird dafür gesorgt, daß die Aerzte gegen solche Vorwürfe von vornherein gewappnet sind. Natürlich weiß man dort, daß aus Eingriffen, die so ganz ohne Anhörung der Eltern vorgenommen werden, einem Arzt mal Unannehmlichkeiten entstehen könnten. Damit die Aerzte hier- gegen geschützt sind, wird den Eltern, die ihre Kinder in den Schul- Zahnkliniken behandeln lassen wollen, im voraus eine schriftliche Erklärung ihres Einverständirisses abgefordert. Sie hat folgenden Wortlaut:„Ich erkläre mich mit allen seitens der Klinik für not- wendig erachteten Maßnahmen einverstanden, auch soll diese Erklärung für ettpaige spätere Behandlungen Geltung haben." Wer das unterschreibt, darf sich dann nicht wundern, wenn ihnr hinter- her kein Dreinreden mehr gestattet wird. Allerdings paßt dieses Verfahren, die Eltern ganz auszuschalten, schlecht zu dem oft ge- hörten Gerede von der angeblich so sehr notwendigen„Schonung des Verantwortlichkeitsgefühls der Eltern". Von Eltern, die irgend zahlungsfähig scheinen, erheben die Schul-Zahu kliniken einen mäßigen Kostenbcitrag. Begründet wird auch das wieder damit, daß man ihnen nicht alle Verantwortung abnehmen dürfe. Aber alle Rechte ihnen zu nehmen, hält man wohl für ein geeignetes Mittel, daS Verantwortlichkeitsgefühl zu steigern? Die Pulsadern geöffnet und erhängt. Auf zweifache Weise hat sich ein mrbckannter Selbstmörder das Leben genommen. Im Friedrichshagener Kurpark wurde gestern die Leiche des Lebensmüden erhängt aufgefunden. Eine ärztliche Unter- such un g ergab, daß der Tote stark mit Blut besudelt war. Wie sich herausstellte, hat sich der Selbstmörder, bevor er sich die Schlinge um den Hals legte, die Pulsadern der rechten Hand aufgeschnitten. Der unbekannte Tote dürfte etwa dreißig Jahre alt gewesen sein. Wahrscheinlich handelt eS sich um einen Berliner . Er hat blasses. schmales Gesicht, ist bartlos und hat dunkelblondes Haar. Beileidet ist er mit dunkelgrauem Anzug, schwarzen Schnürstiefeln, dunkel- grauem, weichem Filzhut und weißem Oberhemd. Zu Tode gekommen ist im Kraftwerk Unterspree(Ruhleben) der Schaltbrettwärter Wenzel Hund. H. hatte den Auftrag, den Hoch- spamrraum zu reinigen. Der Maschinist erwartete vergeblich das Signal zum Anfahren. Bei näherem Zusehen fand der Maschinist den Arbeiter in dem Hochspannraum als Leiche vor. Vermutlich ist Hund den Hochspannungsschienen zu nahe und so unbemerkt ums Leben gekommen., Zu dem Bootsunfall auf der Spree , über den wir berichteten, wird uns noch mitgeteilt: Die Namen der beiden bei dem Unfall ertrunkenen Männer sind ermittelt worden. Es handelt sich um den 19 Jahre alten Maurer Max Bittner und den 17 Jahre aljen Zimmermann Otto Borchert aus der Wilmersdorfer Straße . Die beiden arbeiteten zusammen. Sie hatten sich den Kahn an der Schloßbrücke bei einer Schifferfrau entliehen. Die Frau machte sie noch darauf aufmerksam, daß sich das Boot schwer steuern lasse. Darauf hat Bittner geäußert, daß er bereits zur Sec gefahren sei und zu steuern verstünde. Die Leichen konnten noch nicht geborgen werden. Das Andenken an hie Militärzett. Böse Folgen sollte für den Reservisten eine Handlungsweise während einer Rescrveübung haben. Es kommt im militärischen Leben häufig vor, daß sich Reservisten kleine Andenken in Form von Patronen, aus denen sie dann Briefbeschwerer oder sonstige Gegen- stände machen, als Andenken mitnehmen. Und da ein direkter
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten