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Nr. 295.

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für 1893 unter Nr. 6708.

Vorwärts

10. Jahrg.

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Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Sonnabend, den 16. Dezember 1893.

Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

Steuerpetitionen. Gebiete der Zölle und indirekten Steuern, der er gepflückt ist, zu Schleuderpreisen dem allmächtigen Die Steuerpläne des Herrn Miquel zwingen die das Berfechter des Militarismus und der großen Geldsacks- Kapitalisten ablassen muß! durch betroffenen Unternehmergruppen, ein bischen Sozial- Profite, der Fabrikantenverbände, der Kartelle den sozialen

Die Denkschrift sagt denn auch:" Der Winzer wird von den Steuern belastet werden, da

Herr Buhl, der Deidesheimer Weinkönig, muß das

politit zu treiben. Das geschieht zwangsweise und wider- Frieden" anstrebt, das ist männiglich bekannt. hat nicht unmittelbar willig. Die harte Nothwendigkeit fördert eine Reihe von Herr Weber für die Heeres, reform", die uns 75 000 Sol- fein Erzeugniß keinen festen Marktpreis hat, sondern Bekenntnissen zu Tage, auf die man im gewöhnlichen Beraten und 100 Millionen Mark an Ausgaben mehr gebracht von Partie zu Bartie gehandelt wird, wobei der tapital­laufe der Dinge bis zum St. Nimmerleinstag hätte warten hat, mit schmetterndem Hurrah gestimmt? An ihren Früchten fräftige Käufer den Preis selbst zu bestimmen meist in können. Aber in dem Augenblicke, da der Unternehmer- sollt ihr fie erkennen. hohem Maße in der Lage ist. Naturgemäß wird er bemüht gewinn bedroht ist, erinnert sich das Kapital der Arbeiter Bemerkenswerth ist auch eine andere Ausführung der sein, die Steuer, die er zu bezahlen hat, auf den Produ­und weiß gar beredt die betrübende Lage der von ihm An- Heidelberger Petition, worin es heißt: zenten möglichst abzuwälzen." " Der Gesetzentwurf verlegt in jeder Beziehung die heutige gewendeten zu schildern und die in der That furchtbare| Cozialpolitit Die billigen Zigarren der Aermeren tragen| Wirkung der Miquel'schen Steuerpläne darzulegen. den vollen Theil dieser Steuern, die theueren Sorten der Im­Die einzelnen Reichsboten, der Reichstag , die porten nur ihrer geringeren Zahl nach, nicht nach ihrem Preis Regierung werden von ganzen Petitions - Lawinen und nicht nach der Leistungsfähigkeit derer, die sie rauchen." der Fabrikanten, der Handelskammern, der Verbände Was aber bei allen Auflagen auf die nothwendigen unserer interessirten Großgewerbe überschüttet. Es Lebensbedürfnisse der breiten Masse zutrifft! lohnt sich, aus den Zuschriften, die auf bestem Papier Am 13. November 1893 hat in Mainz eine Versamm in trefflicher Ausstattung die Herren haben's ja dazulung der großen Weininteressenten stattgefunden. Das Er­gedruckt sind, Einzelnes herauszuheben, weil es die Sachlage debniß der Verhandlungen ist in einer Denkschrift über den nicht übel kennzeichnet. Die sozialen Zustände, von Ver- Weinsteuer- Gesezentwurf zusammengefaßt, die die Unter­tretern der bürgerlichen Interessen beleuchtet, das ist ein schriften von Kommerzienräthen( St. E. Michel, J. Wegeler) Schauspiel, wie es sich nur selten dem erstaunten Blicke und von nationalliberalen Führern( u. a. die des weiland darbietet. rheinpfälzischen Reichstagsabgeordneten Buhl) trägt.

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wissen. Daß auch im Weingeschäft das Großkapital den Rahm abschöpft, zeigt auch eine in der Kommission für die Kleinen Handelsverträge vorgelegte amtliche Statistik, woraus hervorgeht, daß die Vortheile der Verschnittwein- Einfuhr in erster Reihe den tapitalstarken Interessenten zu Gute Commen. An dem deutschen Weinverschnitt- Geschäft des die Weinhändler betheiligt. Es wurde der Verschnitt aus­Kalenderjahres 1892 waren zum weitaus größten Theile geführt Menge des mit Verschnitte Menge wein verschnittenen ausländischen inländischen Verschnitt­meine hl hl

Weins

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von Weinbauern 14 von Weinhändlern 7541

3 013 100 850

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1272

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Die Handelskammer für den Kreis Heidelberg , wo der In der Deutschrift wird die Lage der kleinen Winzer, Nationalliberalismus das große Wort führt, Vertreter deren Loos beklagenswerth ist, mit kräftigen Farben ge­des Reichstagswahlkreises Heidelberg ist der Nationalliberale schildert. So wird u. a. ausgeführt, daß die weinbau­Weber, Konful a. D. ersucht den Reichstag um Ab- treibende Bevölkerung in um so schlimmerer Lage ist, lehnung der Tabatfabrikatsteuer. Ju dem Kammerbezirk als sie zum weitaus überwiegenden Theil aus Sicher ist es, daß der Verschnitt die Absatzfähigkeit der Heidelberg würde das neue Gesch, so führt die Petition kleinen und Kleinsten Winzern besteht, die theilfleinen, wohlfeilen, heimischen Weine steigert und dadurch aus, ein Drittel der Arbeiter brotlos und zu Armenpflege weise sogar nebenbei Tagelöhnerarbeiten verrichten auch den kleinen Weinbauern, die ihren Surius" leichter lingen machen. Jetzt sind dort in 33 Ortschaften müssen, da ihr Besitzthum nicht im Stande ist, sie zu er- loswerden, zu Nutze kommt. Den Löwenantheil aber streicht und 131 Betrieben 6843 Arbeiter beschäftigt. Andere nähren." Nach einer zuverlässigen statistischen Uebersicht auch hier das Großkapital ein. Gewerbe, die den Beschäftigungslosen Aufnahme bieten entfallen im Rheingau von dort vorhandenen 3000 Wein- Die drückenden Steuerpläne zu beseitigen, ist deshalb fönnten, giebt es nicht, auf fast alle Erwerbszweige drückt gütern 2000 auf solche Winzer, die unter einem Hektar nur ein Theil der zu lösenden Aufgabe. Dann aber gilt die Krisis, die Geschäftsstockung und Arbeitslosigkeit sind Weinberge besitzen. Nur 87 Winzer verfügen über mehr es, die positive Sozialpolitik zu treiben, die ernsthafte Ste­allgemein. Was fagen die Herren vom Bundesrathstisch, als drei Hektar. Aehnlich liegen die Verhältnisse in den formen zu gunsten der Enterbien durchführt. die Caprivi und Bötticher dazu, die den allgemeinen anderen Weinbau- Bezirken. Verschiedene Regierungen Nothstand" gar nicht sehen können? In allen Hilfs- weinbautreibender Staaten Deutschlands sind genöthigt ge­

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Berlin , den 15. Dezember.

gewerben der Tabakinduſtrie muß sich folgerichtig der wesen, den Winzern Steuernachlässe zu bewilligen und be Politische Leberlicht. gleiche Vorgang vollziehen. Es unterliegt feinem Zweifel," trächtliche Beträge zu ihrer Unterstützung in den Staats­sagt die Petition, daß diese Echädigung die Folge haben haushalt einzustellen. wird, daß ein großer Theil bisher zufriedener loyaler Ar­beiter unseres Bezirks sich der extremisten wirthschaftlichen und politischen Partei anschließen, und so der anzustrebende und angestrebte soziale Friede nicht erreicht, sondern ver­hindert werden würde."

Das mag Graf Caprivi bedenken, der jede gesch­geberische Maßregel angeblich darauf prüft, wie sie auf unsere Partei wirkt. Wie übrigens der National liberalismus, der Förderer aller Ausnahmegeseze, des Arbeitertruges, der Privilegienwirthschaft auf dem

Feuilleton.

Nachdruck verboten.]

.1750 Skizzen

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Die neue Weinsteuer aber wird mit voller Wucht den. Aus dem Reichstage. Beinahe wäre der Reichstag kleinen Weinbauer treffen, der in drückender Noth, mit auch heute mit den drei kleinen" Berträgen noch nicht Schulden überlastet, trotz mühseligster Arbeit faum fein fertig geworden. Die Schuld daran wäre auf den Alt­Dasein fristen kann. Selten sind gute Ernten, häufig die Reichskanzler gefallen, der seinen Aeltesten mit dem fertig aus­schlechten Jahre. Die Gläubiger drängen, der Groß- gearbeiteten Konzept zu einer Handelsvertragsrede her­produzent und der Großhändler beherrschen den Markt, geschickt hat, die der Beauftragte natürlich auch hersagen haben den Winzer in verhängnißvolle Schuldknechtichaft wollte. Wie es mit voraus ausgearbeiteten Reden immer verstrickt und zwingen ihn, den Herbst schon auf dem Stock geht, so ging es heute auch dem Grafen Herbert Bismarck zu verkaufen. Gerade so wie der Kleinbauer nur zu oft mit seinem reduerischen Auftrag. Die Rede hätte zu irgend sein Korn schon auf dem Halm, seinen Hopfen, noch ehe einem anderen handelspolitischen Gegenstande gehalten wer­

Vorsicht bei Seite lassend, knebelt er die Gesellschaft voll- nie anvandte. Die Verurtheilung der Perowska zum Galgen ständig. Er überzeugt sich, daß er sich Alles erlauben kann. kompromittirte den neuen Zaren in den Augen der Gesell­

Nun hielt es die Regierung nicht mehr für schaft, die erwartet hatte, daß er seinen Regierungsantritt nothwendig, den Anstand zu wahren, wie sie es früher durch eine Amnestie der an dem Attentate des 1. März gethan; sie blickte mit Verachtung auf diese Gesellschaft Betheiligten einweihen würde.

aus der sozialistischen Bewegung Gesellschaft ging eine Gruppe von Kämpfern hervor, die sich von der Reaktion durch nichts würde zurückhalten

in Rußland.

dani( Aus dem Russischen übersetzt.)

herab. Aus der Masse dieser unthätigen und sklavischen Es war nicht schwer zu begreifen, daß der neue Zar einen unvergleichlichen Kampf gegen den Despotismus be- lassen. Nachdem er sich über die Partei der Volks­gann. politiker" und das Komitee der das Komitee der Sachverständigen" Die Regierung erschrat über diese Partei, da sie natur lustig gemacht hatte, erinnerte er sich eines Mannes, der Bei diesen Eigenschaften der Gesellschaft wird das Ber - gemäß voraussetzen mußte, daß die Erfolge dieser Partei von der ganzen russischen Gesellschaft gehaßt und von der fahren der Regierung verständlich. Man denkt sich in die die Gesellschaft und das Volk hinreißen würden. Auf die ganzen Presse beschimpft wurde; Ignatjew mußte seinen Lage des Zaren, der, nach der von ihm gestatteten liberalen Aufforderung der Regierung, ihr bei der Vernichtung dieser Ministersessel räumen und Tolstoi setzte sich an seine Stelle. Periode, wieder die Zügel anzuziehen wünschte. Zuerst Revolutionäre behilflich zu sein, erklärte die Gesellschaft Wie es anders nicht zu erwarten war, nahm die Gesell­war er vorsichtig, da er natürlich denken mußte, daß die ihre Bereitwilligkeit, nur forderte sie als Belohnung die schaft, die früher erklärt hatte, daß die Ernennung Tolstoi's Gesellschaft, nachdem sie einmal etwas die Freiheit gefoftet, Erweiterung der Rechte der Landschaftsinstitution. Aber zum Minister eine Unmöglichkeit sei, auch diese Ohrfeige ruhig an ihr Geschmack gefunden und von den Ge- nach dem 1. März überzeugte sich die Regierung, daß die hin. Berschlagen, beschimpft und angespien, hatte sich die wohnheiten der Leibeigenschaft sich entwöhnt hatte, es Partei der Sozialisten weder von der Gesellschaft noch vom Gesellschaft an jede Beleidigung gewöhnt. Wenn die Schamröthe nicht mehr gestatte, mit ihr so zu verfahren, Wolfe unterstützt wurde. Auch nach dem 1. März ver- den Russen unserer Zeit in das Gesicht steigt, seufzen fie wie es früher möglich gewesen, und daß sie sich nicht mehr harrte die Gesellschaft in ihrer Trägheit; sie begnügte sich, nur über ihre Kraftlosigkeit und beklagen sich bei ihren beleidigen lassen würde. Und nun versucht der Despot die die Befreiung Rußlands von seinem Despoten mit Reden Freunden, sehen sich aber dabei nach allen Seiten um, ob Gesellschaft langsam zurückzudrängen; er geräth in Ver- und Champagnertrinken zu feiern, und dachte nicht daran, niemand Fremdes sie hört, und fahren fort zu dulden und wunderung und hält es nicht für möglich, daß sie sich's den Moment dazu zu benügen, dem neuen Baren zu leiden.

gefallen läßt. Die Schläge werden immer stärker, aber die ihre Forderungen zu unterbreiten. Sie deklarirte Es ist unmöglich, das Minimum der Bedürfnisse anzu­Regierung bleibt immer noch vorsichtig, sie pausirt da- blos ihre Loyalität und wartete ruhig ruhig auf die geben, mit welchem sich die russische Gesellschaft begnügen zwischen, um nicht Unruhen zu erregen, und nimmt ihre Einführung der Konstitution. Man sagte sich vom neuen würde. Betrachtet man zum Beispiel die geistigen Bedürf­Buflucht zu dem frommen Betrug der Eltern, die ihren Baren, daß er ein Liberaler sei, und daß er als Throu- nisse: die Literatur tann sie absolut nicht befriedigen, Kindern sagen: Weil ich euch liebe, so strafe ich euch." folger wegen eines liberalen Ausfalles von seinem Vater weil sie nicht über die schweren Zeiten lagen darf, aber Und die Gesellschaft zieht sich immer mehr zurück in Arrest gesetzt worden wäre; man erinnerte sich, daß, als die Gesellschaft giebt sich auch damit zufrieden. Wan und ärgert sich nur darüber, daß man fie die Studenten erfuhren, der gewesene Thronfolger sei ein unterdrückt den Goloß", das Publikum abonnirt sich auf auf eine ungesetzliche Weise unterdrückt. Die Regierung er- Liberaler, sie zu ihm hingegangen waren, um sich seinen die Nowaja Wremja"; werden die Baterländischen füllt die Formalität und erläßt ein Geseß, welches ihr das Beistand zu erbitten. Als aber dieser Liberale den Thron Annalen" verboten, so wird der Russische Bote" gelesen, Recht giebt, die Gesellschaft nach ihrem Gutdünken zu unter bestieg, tannte er die russische Gesellschaft nur zu gut, die und falls man die ganze Literatur unterdrückte, würden sich Erfahrungen seines Vaters hatten ihre Kraftlosigkeit erprobt, die Leute mit dem Regierungsanzeiger" begnügen. und er ging sofort noch einen Schritt weiter, als sein Vater. Er fürchtete sich nicht, die Tradition seines Vaters aufzugeben, der die Todesstrafe auf das weibliche Geschlecht

drücken.

Alles erniedrigt und beruhigt sich, und der reaf­tionäre Bar erfährt eine unerwartete Freude; er steht, daß der Liberalismus noch nicht Wurzeln gefaßt hat; und alle

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Das Gebot der Sittlichkeit, für die Wahrheit ein­zustehen, ist durch den Terrorismus lahm gelegt; fittliche Thaten sind verboten und die Gesellschaft enthält sich ihrer.