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Veranstaltungen seien. Die Turnstunde diene daher auch politischen Zwecken und die Jugendlichen würden in ihr politisch im Sinne der Sozialdemokratie beeinflußt. Aus diesen Gründen muffe Bc- strasung erfolgen. Hoffentlich wird Revision eingelegt, um diese Frage zur Eni- scheidung in höchster Instanz zu bringen. Das Ende eines SoldatenschmderS. In Münster lWestfalen) hat sich am Sonnabendvormittag der Feldwebel Hinze von der 3. Kompagnie des Infanterieregiments Nr. 65 erickioffen. Seine Leiche wurde im Walde des Ziegenberges auf- gefunden. Als Motiv zur Tat wird Angst vor Strafe wegen Soldaten- Mißhandlung angenommen. Der Feldwebel hatte einen Soldaten ins Gesicht geschlagen, daß diesem der Unterkiefer zertrümmert wurde und er ins Lazarett gebracht werden mußte. Der Rochette-Msschuß. Poris,'24. März. Ter Rochette- Ausschutz vernahm beute vormittag den früheren Ministerpräsidenten Barth ou. Dieser verwahrte sich entschieden gegen den Vorwurf, daß er den F e l d z u g desFigaro" gegen Cailleaux angestiftet und tlalmette verschiedene Schriftstücke ausgeliefert habe. Er habe im Gegenteil auf Ersuchen Toumergues den Direktor desFigaro", Ealmettc, ersucht, gewisse Depeschen über bestimmte Angelegen- betten nicht zu veröffentlichen. Doumerguc und Caillaux hätten ihm dafür lebhaft gedankt. Kurz nachdem das Ministerium Monis ans Ruder ge- kommen sei, habe er erfahren, daß der Röchet te-Prozetz vertagt werden solle. Er habe zu Caillaux gesagt, es gingen Merkwürdige Dinge vor. Monis habe den Oberstaatsanwalt kommen lassen, um die Rochettc-Airgelegenheit zu verschieben. Caillaux habe darauf geantwortet, er habe bei Monis Schritte getan, um den Aufschub zu erlangen. Caillaux habe hinzugefügt, Rochette besitze eine Liste der Kosten der Emissionen verschiedener Geschäfte und beabsichtigte, diese Liste zu veröffentlichen, was eine grotze Aufregung bervorrufen könnte. Er habe bei Monis interveniert, damit dieser diese Enthüllung Rochcttes verhindere. Als Briand ihm den Bericht Fabrcs übergeben hätte, habe er ihm geraten, diesen auch an seinen Nachfolger weiterzugeben, denn es handele sich um ein ihm persönlich übcrgebenes Dokument. Er, Barthou , habe daran gedacht, den Bericht zu ver- Nichten, und sei glücklich, datz er eS nicht getan habe. Er habe es stets abgelehnt, den Bericht auszuliefern, und habe dies ebenso namentlich Calmette gegenüber getan. Calmette habe ihm gesagt, datz er sich anderweitig eine Abschrift davon verschafft hätte. Er, Barthou , und Briand hätten darauf bestanden, daß Calmette den Bericht nicht veröffentlichen sollte. Calmette habe sein Ehrenwort gegeben und hinzugefügt, er werde einen sehr genauen Auszug veröffentlichen. Auf ihm vorgelegte Fragen fatzte sich Barthou dahin zusammen, er habe den Bericht FabreS feinem ykichfolger nicht übergeben, nachdem er zu Briand bemerkt hatte, es handle sich um kein amtliches Schriftstück, und da er glaubte, cS könnten sich Unzuträglichkeiten ergeben, wenn der Bericht von Hand zu .yand ginge. So habe er den Bericht mitgenommen, ohne datz Briand einen Einwand gemacht hätte, denn sie beide hätten damals dem Dokument keine auhergewöbnliche Bedeutung beigelegt. Briand habe mit der Veröffentlichung in der Kammer nichts zu schaffen. Barthou wiederholte, er habe das Dokument der Ocffentlichkeit -zugänglich gemacht, weil« glaubte, datz es das Interesse aller Parteien sei, datz Politik und Finanzen n.i ch i. v c r- Knüpft würden, wie sie jetzt die Tendenz hätten. Die Wahlen. Paris , 24. März. Der Vollzugsausschuß der radrialen und sazmustlsch- radikalen Partei nahm einstimmig einen Beschlußantrag an, in dem erklärt wird, daß eine Verzögerung der Kammcrwahlen eine ernste Unzuträglichkeit be- deuten würde. Die Regierung hat sich gleichfalls gegen jeden Auf» schub des Wahltermins ausgesprochen. Ferner erklärt der Vollzugsausschuß, daß Caillaux keines. Wegs bereits dem politischen Leben entsagt habe. Caillaux , der gegenwärtig allzusehr von seinem Schmerze und seinen häuslichen Sorgen erfüllt sei, habe noch keinen endgültigen Entschluß gefaßt. Eaglanü. Die Abrüstungsfragc. Loudo«, 24. März. Unterhaus. Morrel(liberal) fragte, ob die britische Regierung der deutschen schon Vorschläge gemacht habe hinsichtlich eines Ucbereinkomment über die Rüstungen entweder für ein Flottenfeierjahr oder für eine Begrenzung des Tonnengehaltes der großen Kampfschifse, so wie eS Churchill angeregt habe. G r c h antwortete, daß der deutschen Regierung über diesen Gegenstand, außer in öffentlichen Reden, keinerlei Vorschläge gemacht worden seien. Morr eil fragte weiter, ob es die Absicht der englischen Re- gierung sei, das, was ihre Vertreter in öffentlichen Reden gesagt hätten, in bestimmte Vorschläge zu kleiden. G r e h antwortete, daß man über diese Frage weit besser bei der Be- ratuug. des Flottenetats verhandeln könnt«. Mexiko . Der Kampf hei Torreon. New Jork , 24. März. Ein Telegramm aus Elverijel im Staate Durango meldet: Der wirkliche Angriff auf Torreon hat gestern begonnen. General Villa besetzte Lerdo. ohne Widerstand zu finden, und ging mittags zum Angriff auf General Gomez in Patacio vor. wo ein b I u t i g e S Gefecht stattfand. Die Verluste sind auf beiden Seiten sehr schwer. Massen von Verwundeten wurden nach dem Hospital von Elverijel gebracht. Nach einem Telegramm aus dem Hauptquartier der . Aufsländischcn in Matamoros haben die Aufständischen Guerrero nach einem neunstündigen Kampfe eingenommen. ftitf der Partei. (litte Konferenz der Bezirksl-ildungSauSschusse. Der ZentralbildungSausschuß deruft aus Sonnabend, den 2 2. und Sonntag, den 2 6. April, eine Konferenz der Be- zirksbildungsauSschüsse ein. Die Konserenz findet im Bureau dcS ZentralbildungsausschusseS, Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, statt und beginnt am Sonnabend, abends 6 Uhr. Nähere Mitteilungen über die Konferenz erfolgen im Mittetlungsblatt des Zentral. dildungSausschusieS, das in den nächsten Tagen erscheint. Totenliste der Partei. In Stuttgart starb Genosse Georg Kirsten im Mer von 60 Jahren. Der Verstorbene war in Leipzig -Thonberg ae- boren. Sein Vater war Zigarrenmacher, und der Junge mutzte wahrend seiner Schulzeit die ganze Last der Hausarbeit auf sah nehmen. Vom 8. biö 14. Jahre mutzte er seinem Vater täglich zwei Stunden Zigarrenkisten zusammennageln, um aus diese Weise «» kärglichen FamMenverdienst etwa» zu erhöhen. In Leidig bestand damals ein Vermächtnis, daß jährlich die drei besten Volks- schüler auf die Universität geschickt werden sollteu. Der eine mußte Arzt, der andere Rechtsanwalt und der dritte Pfarrer werden. Kirsten entschied sich für den Rechtsanwalt. Dafür war aber bereits ein Pfarrerssohn auserkoren. K. sollte Theologie studieren. 'Dazu konnte er sich nicht entschließen, er wurde Mechaniker. Als junger Mensch bereiste er die ganze Welt. Er kam nach Amerika , 'Australien und Schweden . In der Schweiz war er als Zwanzig- jähriger schon Vorstand eines Arbeitervereins. Unter dem be- fruchtenden Einfluß von Bebel und Liebknecht drang der Ver- storhens tiefer in die sozialistische' Gedankenwelt. Unter dem Sozialistengesetz führte er noch mit zwei Genossen ein verwegenes Stück aus. Auf dem Zollamt Leipzig wurde eine Kiste mit per- botenen Schriften beschlagnahmt. Die drei Genossen gingen bei Nacht hin und brachten trotz Bewachung die Kiste in Sicherheit. Von den drei war der Verstorbene der letzte Ueberlebendc. Am gleichen Tage, wo sein ältester Sohn das Licht der Welt erblickte, verließ er Leipzig und wanderte zuerst nach Budapest . 1884 kam er nach Stuttgart . Er kämpfte immer in den vorderen Reihen. Für die Gewerkschaftsbewegung hat er viel geleistet. Er war auch Gründer des Süddeutschen Eisenbahnwerkstättenarbeitcrverbandes. Bis vor drei Jahren war er noch für die Partei und Gewerkschaft tätig, bis seinem Schassen am 18. Januar 1S11 ein Hirnschlag ein Ende bereitete. Sein Zustand verschlimmerte sich immer mehr, bis ihn der Tod erlöste. Die Genossen werden den braven Alten ehrend in Erinnerung behalten. Ungültige Stadtverordnetenwahl. Der Hessische Provin/mlausschuß erklärte die Mainzer Stadt- verordnetcnwahl vom 4. Dezember 1918, bei der zehn Sozial- demokratcn gewählt wurden, für ungültig. Die Rote Woche in Belgien . Das Bureau des Nationalrates der belgischen Arbeiterpartei hat nunmehr die Woche vom 6. April bis 12. April, die Rote Wpchc, als Woche für das allgemeine Wahlrecht ausgeschrieben. Für Sonntag, den v. April, sollen die Föderationen in allen größeren Orten Versammlungen vorbereiten, die sich mit der Petition um das allgemeine Wahlrecht zu befassen haben. Die Woche soll dann zur Sammlung von Unterschriften für die Petition dienen. Zur Lösung der Agrarfrage in Holland . Zum Osterkongreß der holländischen Partei hat die vom Parteivorstand ernannte Kommission zur Durchberatung der Land- arbeitersrage eine Resolution ausgearbeitet, in der zunächst fest- gestellt wird, daß die Landarbeiter, bei ihrem Erstreben eines AckerS, um daraus die Früchte für ihren Familienkonsum anzubauen, immer wieder die Opfer des Bodenwuchers der Grundeigentümer werden, und datz die Bodenpreise für. diese Parzellen durch die Konkurrenz der Landarbeiter untereinander immer höher werden. In der Resolution werden nun gegen diese Wucherausbeutung ge- schliche Maßnahmen verlangt. Unter Zuhilfenahme eines weit- gehenden Enteignungsrechtes soll den Landarbeitern die Möglich­keit geboten werden, unter billigen Bedingungen so viel Ackerland zu pachten, daß sie darauf die für den Familienkonsum nötigen Produkte schaffen können. Die Resolution weist aber das Streben ab, das die Landarbeiter dazu bringen will, sich als kleine Grund» eigentümer künstlich an einen bestimmten Ort zu binden, weil hier- durch ihre Bewegungsfreiheit als Lohnarbeiter eingeengt, ihre witrschaftliche Kraft geschwächt und hauptsächlich de» Interessen der agrarischen Unternehmer genützt wird. Parteiliteratur. _ Unter dem Titel..Ter politische Massrnstrsik. ein Btzittag zur Geschichte der Massenjtreftdiskusston innerhalb der deutschen Sozialdemokratie," chat.K art K a utskh im Verlag der Buch- handlun'g Vorwärts eine Schrift hetausgegeben, über deren Zweck er in der Vorrede sagt: Ich verfolge hier nicht einen, sondern drei Zwecke. Einmal die NeuauSgabe meiner alten Artikel. Dann die Wiedergabe der wichtigsten Ausführungen in den Schriften und Reden deutscher Genossen, die in der Diskussion des Massenstreiks et r/n neuen Gesichtspunkt entwickeln oder eine Wendung anzeigen. Und endlich die Skizzierung der Wandlungen in den tatsachlichen Verhält, nissen, durch die unsere Anschauungen vom Massenstreik gewandelt wurden." Das nachfolgende Inhaltsverzeichnis orientiert am besten über den reichhaltigen Stoff des Buches: Die Anfange des politischen Massenstreiks. Der anarchi- stische Generalstreik. Engels und Liebknecht über den General- streik. Die ersten politischen Streiks in Belgien. Die An­erkennung des politischen Streiks durch die marxistische Theorie. Bernstein über den politischen Massenstreik. D?r öster­reichische Parteitag von 1894. Parvus über Staatsstreich und Massenstreik. Der Revisionismus. Der belgische Streik von 1992 und die Auffassung der Genossin Luxemburg. Mehring gegen Parvus. Streiks in Holland , Schweden. Adler auf dem Wtener Kongr/ß von 1903. Hilferding zur Frage des General- streiks. Eckstein über den Generalstreik. Allerhand Revolutio­näres: a) Revolutionsherde, b) Die bewaffnete Insurrektion, c) Die verschiedenen Arten des Streiks, d) Tic Macht der Organisation. e) Die Vorbedingungen des politischen Streiks, f) Der Nutzen der Diskutienrng des politischen(Streiks. Der Kongreß von Amster- dam. Ter Streik in Italien. Die Schrift der Genossin Roland- Holst. Der Kölner Gewerks chaftskongreß. Revisionistischer Und marxistischer Massenstreik. Der Kongreß von Jena 1906. Diskussionen über die Anwendung des Massenstreiks: a) Nach­wirkungen des Jenaer Kongresses, b) Henriette Roland-Holst . c) Friedrich Stampfer , d) Grundsätze oder Pläne. Der Mann­ heimer Parteitag: a) Bebels Rede, b) Legiens Rede, c) Friede zwischen Partei und Gewerkschaften. Das russische Vorbild: a) Darstellung des Luxemburgischen Gedankenganges, b) Primi­tive und entwickelt« Streikbedingungen. c) Die Konterrevolution. Der Weg zur Macht. Politische Ungeduld. Der preußische Wahlrechtskampf. Was nun? Der Magdeburger Parteitag. Die ReichStagswahl von 1912 und ihre Folgen. Tic Aktion der Masse: a) Das Wesen der Masse, b) Die Leistungen der Masse. c) Die Historischen Wandlungen der Massenaktion. Eckstein über . Masse und Organisation. Ter Jenaer Parteitag von 1913: a) Der Boden der Diskussion, b) Die beiden Resolutionen, c) Die Bedingungen des Masseustreiks. Ter Preis des BucheS beträgt 3 M., gebunden 3,50 M. Be- stellungen nehmen alle Buchhandlungen entgegen. Soziales. Ein Musterdienstvertrag. Eln Dienstvertrag, der täglich 11 Stunden Arbeitszeit vorsieht, wobei sich der Arbeitnehmer obendrein verpflichten muß, allsonntäglichseinen kirchlichen Verpflich- t u n g e n" nachzukommen, schließt der Mühlenbesitzer Schulte-Sasse in Herten mit seinen Knechten ab. Der§ 1 des Vertrages lautet: Dienstvertrag. Der Mühlenbesttzer Clemens Sckiulte-Sasse in Herten (Weftf.) schließt hierdurch als Arbeftgeber mit dem Knechte.... aus.... als Arbeitnehmer folgenden Dienstvertrag ab: 1..... tritt am... mittags bei Schulte-Sasse als Mühlen. fuhrknecht iu den Dienst.... muß morgens um 2 Uhr aufstehen und das Putzen, Schirren und Füttern usw. so zeitig besorgen und so zeitig zum Kaffeetrinken erscheinen, daß um 6 Uhr die eigentliche Arbeit beginnen kann. Zeit, Ort und Umfang der Haupt- und Relienarbeite» destimmt Schulte-Sasse oder dessen Vertreter, im einzelnen der Ueblichkeit und Geschäftslage ent' sprechend. Die Mittagspause beträgt eine Stunde. Während dieser Zeit sind auch die Pferde zu füttern, abends ist gewöhnlich 7 bis 8 Uhr Feierabend, soweit nicht besonders wichtige Arbeiten vorliegen oder die Rückkehr von einer größere« Tour hinderlich ist. An Sonn- und Feiertagen haben die Knechte abwechselnd die Pferde zu beaufsichttgen, derjenige, der die Jour hat, hat um 7 Uhr morgens. 12 Uhr mittags und um 7 Uhr abends che Pferde zu füttern und zu streuen..... muß an solchen Tagen spätestens um 8 Uhr aufstehen, seine Pferde und Geschirre in Ordnung bringen, um seinen kirchlichen Pflichte« genügen zu köusen. Kann die Leutenot gegenüber solchen die Arbeitskraft vernichtenden Verträgen wunder nehmen? AuS dem Jmlungsschiedsgericht. 1. Ei« empfehlenswerter Arbeitgeber. Zwei Tischler klagten gestern vor dem JnnungSschiedSgmcht von dem Tischlermeisier S t i n c s Lohnrcstc von 53,24 M. bzw. 91 M. ein. Der Beklagte war an verschiedenen Lohntagen den verdienten Lohn schuldig geblieben. Das mußte er zugeben, bestritt jedoch die Höhe der Forderung, konnte aber auch mangels jeder Buchführung keinen Beweis führen, tochr sonderbar war seine �Auffassung, datz ein Teil der Forderung nicht mehr erhoben wer- den könne, weil der eine Kläger eine ganz kurze Zeit das Arbeits- Verhältnis unterbrochen hatte. Geradezu empörend war des Be­ klagten Gleichmut dem Schiedsspruch gegenüber. Zynisch meinte er:Ich habe doch nichts." Es ist mehr als frivol, wochenlang Ar- bciter zu beschäftigen in dein sicheren Bewußtsein, ihre Arbeits» leistung nicht bezahlen zu können. Kann gegen solchen Arbeitgeber der Staatsanwalt nichts aus- richten? Ist der Betrugsparagraph nickt anwendbar? 2. Ungerechtferttgte Entlassung. Gegen die Firma Lorenz u. Co. richtete sich die Klage eines Tischlers auf AnSbezablung eines angcfaugcnen Akkords im Be- trage von 159,92 M. Der Kläger war mit einem der Inhaber in Wortwechsel geraten. Unter anderem wurde ihm die beleidigende Acutzerung:Ate sind mir viel zu fosigl" ins Gesicht geschleudert. Er erwiderte daraus:Lassen Sic mich in Ruhe. Ich mache meine Arbeit fertig, dann bore ich auf. Sie habe« mir gar nichts zu sagen." DaS Gericht war der Meinung, wenn auch der Pe- klagte den Kläger beleidigt hätte, dann stünde, letzterem noch nicht das Recht zu, den Inhaber zu beleidigen. Demnach sei die so- forige Entlassung gerecktsertigt und der Klageanspruch abzuweisen. Tie Entscheidung entspricht dem Gesetz nicht. Die Beleidigung gegen den Arbeiter war eine gröbliche. Sie berechtigte zur Arbeits- mederlegung. Die Antwort des Arbeiters mag nicht übermäßig höflich gewesen sein, eine Beleidigung oder gar eine gröbliche Be- leidigung war sie keineswegs. 3. Rechtsirrtum des Borsitzende». Die Bezahlung eines Tages forderte ein Tischler von der Firma Markgraf u. Frau. Der Kläger , war erkrankt. Als er nach einigen Tagen wieder gesund zur Arbeit erschien wurde ihm gesagt, er sei er lassen. Ter Vorsitzende vertrat die durchaus dem Gesetz widersprechende kaum aufrecht zu erhaltende Ansicht, daß mit der Erkrankung daß Arbeitsverhältnis ohne weiteres aufgelöst sei, und eine auSdrück- liche Aufkündigung nicht zu erfolgen brauchte. Der Kläger wollte unier Hinweis auf den Wortlaut des 8 1->3 der Gewerbeordnung den Irrtum nachweisen, wurde jedoch an der überflüssigen Rechts- belebrung" gehindert. Leider ließ er sich schließlich doch bewegen, seine Klage zurückzunehmen. Behinderung durch Krankheit gibt dem Arbeitgeber das Recht auf Kündigung, löst aber keineswegs den Vertrag ohne wefteres auf. Dar über besteht sonst weder in Theorie noch in Praxis Statt. Zum SufsichtSrecht. DaS Oververwaltungsgericht beschäftigte sich am Montag mtt dem Staitversahren der Halleschen Krankenkassen gegen den Magistrat von Halle a. S., das die Uebernahme der ärztlichen Wer- sorgung durch den Magistrat durch die ZwangSverfügung vom 26. November 1910 betraf. Es handelte sich um die Frage, ob der Magistrat als Aufsichtsbehörde damals infolge des Halleschen Aerzte- streiks auf Grund deS S 45 Abs. 5 deS Krankeuversicherungsgesetze» eingreifen ourste, obwohl der Kassenverband von Halle sich 13 Aerzte von auswärts besorgt hatte. DaS ObervertpaltungSgericht kam nach vielstündiger Verhand­lung und Beratung noch zu keinem Ergebnis. Die Entscheidung wurde ausgesetzt. DaS Urteil wird den Parteien lediglich schriftlich mitgeteilt._ Letzte Nachrichten. Frau Caillaux vor dem Untersuchungsrichter. Paris , 24. März.(W. T. 58.) lieber daS heutige Verhör der Frau Caillaux wird gemeldet, daß sie eine eingehende Aussage über ihre Unterredung mtt dem Gerichtspräsidenten Mormier ge- macht habe. Sie erklärte, sie habe hierauf ihren Gatten im Finanz» Ministerium aufgesucht und ihm die Aeußerung MonniepS mitge­teilt, daß eS kein einziges Mittel gebe, der Kampagne desFigaro" Einhalt zu tu». Ihr Gatte habe empört ausgerufen:Da nichts anderes zu tun ist, so werde ich ihm den Schädel einhauenl" Frau Caillaux fuhr dann fort:Und so konnte ich nicht zweifeln, daß mein Gatte die Abficht habe, gegen Calmette einen Akt schwerster Gewalttätigkeit zu begehen, und ich empfand immer gebieterischer die Notwendigkeit, bei dem Direktor deS Figaro" einen Schritt zu versuchen. Ich fürchtete bereits, daß mein Gatte, der ein geschickter Schütze ist, Calmette töten würde, und in meiner fieberhaften Erregung sah ich meinen Gatten schon auf der Anklagebank. Ich matte mir die furcht» baren Folgen eines so schrecklichen DramaS aus, und was meine Angst noch steigerte, war der Gedanke, daß ich unfteiwillig die Ursache dieser Tragödie sein würde." Auf eine Frage des Untersuchungsrichters, ob sie den Revolver gekauft habe, um eine Gewalttat gegen Calmette zu begehen, er- klärte Frau Caillaux , daß Wohl der Gedanke an eine solche Tat in ihr aufgetaucht war, daß sie den Revolver aber nur gekauft habe, um ihren Gatten auf seiner Wahlkampagne zu begleiten, und ihn vor etwaigen Ueberfällen zu schützen. AaS der Rochettr-Äommissio». Paris , 24. März.(W. T. B.) In der heutigen Nachmittags- sitzung sagte ein richterlicher Beamter, namens Regnault, aus, daß mit dem Augenblick, wo Rochette die Grenze überschritt, die ganze Angelegenheit erledigt gewesen sei. Auf Befragen erklärte ex, daß der vom OberstaatsaMvalt Fabre erlangte Aufschub im Justizpalast große Ueberraschung erregt habe. Niemand zweifelte daran, daß die ZettungRappel" für Rochette war, der als stiller Gesellschafter des Blattes galt. Der Direktor dasRappel". Dumesnil, erhob Einspruch gegen die Aussage BarthouS und bestritt vor allem den Feldzug von Beleidigungen, den derRappel" gegen Barthou geführt haben solle. Er habe sich sogar von dem Mitarbetter deSRappel", dem Abgeordneten Caccaldi, losgesagt, als ihm dieser einen Artikel brachte, der die Umgebung BarthouS treffen konnte.