PERSPEKTIVE | FES TUNIS Des Volkes Stimme! Tunesien nach den Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung ELISABETH BRAUNE November 2011 n Rund 10 Monate nach dem Sturz des Diktators Ben Ali wählten am 23. Oktober 3,7 Millionen Tunesierinnen und Tunesier erstmalig frei und demokratisch die Zusammensetzung einer Verfassungsgebenden Versammlung, die in den kommenden Monaten über grundlegende Reformen der nationalen Institutionen befinden soll. Dies sind dennoch mit 48,9 Prozent der Wahlberechtigten weitaus weniger, als die historische Dimension der Wahlen sowie die hohe Mobilisierung durch die Unabhängige Wahlkommission im Vorfeld hätte erwarten lassen. n Die Ergebnisse der Wahlen offenbaren ein Land auf der Suche nach seiner kulturellen Identität, die erstmals offen verhandelt werden kann, und sind vor allem für die bisherigen modernen und francophonen Eliten im Großraum Tunis eine schallende Ohrfeige. Zwar war ein deutlicher Wahlsieg der gemäßigt islamistischen Ennahda im Vorfeld der Wahlen prognostiziert worden. Vor dem Ausmaß ihres Sieges mit über 40 Prozent der Mandate hatten Kontrahenten und Analysten jedoch bis zuletzt konsequent die Augen verschlossen. n Die Angst vor einer radikalen Islamisierung des Landes schlägt seither hohe Wellen, erscheint jedoch übertrieben: Selbst wenn eine Überlagerung des bislang gemäßigten Diskurses durch eine radikalere Basis auf mittlere Sicht nicht ausgeschlossen werden kann, muss auch Ennahda sich mit den politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen des Landes auseinandersetzen, die vor allem eine Stabilisierung des Tourismussektors und die Schaffung neuer Arbeitsplätze dringend notwendig machen, und einen pragmatischen Kurs nahe legen.
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Des Volkes Stimme : Tunesien nach den Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung
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