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Montenegro vor den EU-Beitrittsverhandlungen : mehr Schein als Sein im schönen Kleinstaat an der Adria
Entstehung
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PERSPEKTIVE | FES BELGRAD Montenegro vor den EU-Beitrittsverhandlungen Mehr Schein als Sein im schönen Kleinstaat an der Adria MARCUS SCHNEIDER Februar 2012 n Im Dezember 2011 bekam Montenegro vom Europäischen Rat für das kommende Jahr den Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen in Aussicht gestellt. Dieser unzwei­felhaft große außenpolitische Erfolg bedeutet jedoch auch, dass die Adriarepublik fit werden muss für Europa. Eine genaue Analyse ergibt, dass Montenegro in vielen Bereichen noch weit von europäischen Standards entfernt ist. n Als einziger demokratischer Staat Europas hat Montenegro seit dem Zusammenbruch des Kommunismus keinen Regierungswechsel erlebt. Mit einer marginalisierten Op­position, einer gegängelten Zivilgesellschaft und einem übermächtigen Staatsapparat in den Händen einer etablierten politischen und wirtschaftlichen Elite kann Monte­negro im fünften Jahre seiner Unabhängigkeit nur als halbkonsolidierte Demokratie gelten. n Der Zusammenbruch Jugoslawiens hat auch in Montenegro zu nationalistischen Verwerfungen geführt. Ein von den herrschenden Kräften geschürter serbisch-mon­tenegrinischer Gegensatz lenkt von den schwerwiegenden sozialen und ökonomi­schen Problemen ab, und nagt an der Legitimität des Gemeinwesens. Mit Monte­negro strebt ein Staat in die EU, dessen politische Selbstständigkeit weiterhin von annähernd der Hälfte seiner Bürger abgelehnt wird.