INTERNATIONALE POLITIKANALYSE| FES TOKYO Japan ein Jahr nach Erdbeben, Tsunami und Reaktorunfall SVEN SAALER März 2012 Ein Jahr ist vergangen, seit ein Erdbeben der Stärke 9 den Nordosten Japans erschütterte, einen Tsunami auslöste, der mehrere Städte und Dörfer auslöschte und fast 20 000 Menschen das Leben kostete, und der Unfall im Atomkraftwerk Fukushima seinen Lauf zu nehmen begann. Nach einer kurzen Phase der Aufbruchsstimmung in der zweiten Hälfte des Jahres 2011 ist in Japans Gesellschaft eher wieder Ernüchterung und stellenweise sogar Pessimismus vorherrschend. Hauptgrund dafür ist, dass der Wiederaufbau ins Stocken geraten ist, bevor er überhaupt richtig begonnen hat. Japan hat ein Jahr nach Fukushima de facto den Ausstieg aus der Atomkraft vollzogen. Gibt es hinter den Kulissen nach wie vor Rangeleien um die zukünftige Energiepolitik, so erlaubt es die gesellschaftliche Stimmung, die eindeutig einen Ausstieg aus der Atomkraft fordert, inzwischen nicht einmal mehr, zwecks Routineinspektion vorübergehend vom Netz genommene Atomkraftwerke wieder anzuschalten. Derzeit läuft daher nur noch ein einziger(!) von insgesamt 54 japanischen Nuklearreaktoren(aktueller Stand vom 29. März 2012). Innenpolitisch konnte jedoch noch keine bestimmte Partei von der erstarkenden Anti-Atomkraft-Stimmung profitieren; keine der beiden großen Parteien hat sich eindeutig gegen Atomkraft – bzw. für einen Atomausstieg – ausgesprochen.
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