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Szenarien für die koreanische Halbinsel : es geht um mehr als Pjöngjangs Atomprogramm
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INTERNATIONALE POLITIKANALYSE Szenarien für die koreanische Halbinsel Es geht um mehr als Pjöngjangs Atomprogramm PHILIPP KAUPPERT UND CHRISTOPH POHLMANN April 2012 n Der anlässlich des 100. Geburtstages des Staatsgründers Kim Il-Sung durchgeführte nordkoreanische Raketenstart hat das Ende Februar zwischen den USA und Nord­korea in Peking vereinbarte Atommoratorium in Verbindung mit Lebensmittellieferun­gen vorerst obsolet gemacht. Statt vorsichtiger Annäherung zeichnen sich nun wie­der Konfrontation und militärische Drohgebärden auf der koreanischen Halbinsel ab. n Der Aufbau eines stabilen Friedens- und Sicherheitsregimes in Nordostasien, ver­bunden mit einem Stopp des nordkoreanischen Atomprogramms sowie der Norma­lisierung der bilateralen Beziehungen zwischen Nordkorea und den USA, Südkorea und Japan, scheitert bislang am mangelnden politischen Willen der beteiligten staat­lichen Akteure. n Während von westlicher Seite zumeist Nordkorea als einziger Aggressor in der Re­gion ausgemacht wird, sind es de facto rational kalkulierte strategische außen- und sicherheitspolitische Interessen der vier staatlichen Hauptakteure USA, China, Nord­und Südkorea, die bisher zu einer Beibehaltung des Status quo geführt haben. Per­spektivisch droht der Korea-Konflikt ein Opfer der zunehmenden Großmächterivali­tät zwischen den USA und China in Asien zu werden. n Es bedarf also neuer, kreativer Ansätze in den Sechs-Parteien-Gesprächen sowie einer stärkeren Vermittlerrolle der Europäischen Union und nichtstaatlicher Akteure, um den Konfliktparteien Auswege aus dem Nullsummenspiel hin zu einem System kooperativer Sicherheit aufzuzeigen. Um notwendiges Vertrauen aufzubauen, soll­ten vor allem die durchaus vorhandenen, verbindenden Wahrnehmungen und ge­meinsamen Interessen der beteiligten Akteure stärker in den Vordergrund rücken.