FES PERSPEKTIVE Das Zweite Europäische Semester Revival des neoliberalen Modells in der Krise? JENNY PREUNKERT April 2012 Mit der sogenannten Wachstumsstrategie Europa 2020 haben sich die europäischen Regierungen wirtschafts-, beschäftigungs- und sozialpolitische Ziele gesetzt, die sie bis zum Jahr 2020 erreichen wollen. Jedoch lag der Strategie von Beginn an ein wirtschaftsbezogenes Sozialstaatsverständnis zu Grunde. Auch deuten erste Analysen darauf hin, dass Sozialpolitik vor dem Hintergrund der aktuellen Krise in der Eurozone vor allem als Kostenfaktor und Wachstumsbremser interpretiert wird und deshalb entsprechende Strukturreformen angemahnt werden. Im Folgenden werden nun zunächst die Ziele der Strategie Europa 2020 und das dazugehörige Berichtswesen im Rahmen des sogenannten Europäischen Semesters vorgestellt sowie erste Erfahrungen mit dem Europäischen Semester präsentiert. Darauf aufbauend wird diskutiert, welche Folgen sich aus der aktuellen Krise für die Wohlfahrtsstaaten ergeben können. Abschließend werden aktuelle Entwicklungen skizziert. Ziele der Strategie Europa 2020 und das Europäische Semester Die Strategie Europa 2020 legt fest, was in den nächsten Jahren innerhalb der EU erreicht werden soll. Angestrebt wird weniger eine Angleichung der nationalen Politiksysteme als vielmehr eine Steigerung der wirtschaftlichen und sozialen Konvergenz. Die Strategie beruht dabei auf einem inhaltlichen Teil, in dem die Ziele formuliert werden, und einem Berichtswesen, das die nationalen Reformen unterstützen, koordinieren und ein Stück weit überwachen soll. 1 1. Europäische Kommission(2010): Europa 2020. Eine Strategie für intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum. KOM(2010) 2020 endgültig. Brüssel. Auf inhaltlicher Ebene werden im Rahmen von Europa 2020 fünf Ziele entwickelt: So ist geplant,(1) innerhalb der EU bis zum Jahr 2020 weniger Ressourcen zu verbrauchen,(2) stärker in den Bereich Forschung und Entwicklung zu investieren,(3) die Bildungs- und Qualifikationssysteme zu verbessern,(4) die Beschäftigungsquote zu heben und(5) die Armutsquote zu senken. Im Bereich der Arbeits- und Sozialpolitik wird dabei eine Erhöhung der Beschäftigungsquote auf 75 Prozent der Bevölkerung im Alter von 20 bis 64 Jahren angestrebt. Erreicht werden soll dies durch eine Öffnung der Arbeitsmärkte, eine Verbesserung der beruflichen Qualifikation und durch eine besondere Unterstützung von Gruppen, die Probleme haben, sich auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren, wobei hier besonders auf Frauen, alte und junge Menschen abgezielt wird. Durch die verbesserte Inklusion in den Arbeitsmarkt soll die Zahl der Menschen, die innerhalb der gesamten EU von Armut bedroht werden, bis zum Jahr 2020 um 20 Millionen sinken. Darüber hinaus soll das Absicherungsniveau der sozialen Sicherungssysteme so ausgebaut werden, dass es Armut verhindert. Schließlich sollen die Bemühungen im Bereich der Antidiskriminierungspolitik verstärkt werden. Umgesetzt werden die Ziele auf nationaler Ebene, die Reformbemühungen der Mitgliedstaaten werden allerdings durch ein europäisches Berichtssystem, dem sogenannten Europäischen Semester, begleitet, überwacht und kontrolliert. Hierbei werden anstehende Reformen vor dem Hintergrund der gemeinsamen Ziele evaluiert und bei unzureichender politischer Aktivität gegebenenfalls Empfehlungen ausgesprochen. Die Hoheit über die Reformen liegt somit zwar weiterhin bei den nationalen Regierungen und Parlamenten, diese werden jedoch angehalten, die europäischen Ziele und die länderspezifischen Empfehlungen bei der Planung und Durchführung von Reformen zu berücksichtigen. Der Ablauf der
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Das zweite europäische Semester : Revival des neoliberalen Modells in der Krise?
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