August 2012 Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik direkt Eurokrise: Die Ungleichheit wächst wieder in Europa Michael Dauderstädt und Cem Keltek 1 Auf einen Blick Die von der EU und Eurostat immer unterschätzte Ungleichheit in Europa ist zwischen 2009 und 2010 wieder gestiegen. Davor hatten noch Jahre aufholenden Wachstums in der ärmeren Peripherie die Ungleichheit abgebaut, auch wenn sie innerhalb der meisten Länder zunahm. Aber selbst in der Großen Rezession von 2009 nahm die Ungleichheit weiter ab – dank besserer Binneneinkommensverteilung wegen sinkender Profite und eines immer noch leicht höheren Wachstums in den ärmeren Ländern. Sie erreichte so 2009 einen Tiefstand von 8,5(etwa das Niveau der USA von 2000), um 2010 wieder auf 9,5 anzusteigen. Die Auswirkungen der Schuldenkrise sind noch unklar: Zwar nimmt in den Schuldnerländern die Ungleichheit zu und das Prokopfeinkommen allgemein eher ab, aber Spanien und Irland gehörten bisher zu den reichen Ländern. Die Krise im Euroraum beherrscht mit ihrer von der Panik der Märkte getriebenen und von den Staaten kaum gebremsten Dynamik die europäische Politik und Öffentlichkeit. Anscheinend geht es nur noch um die Konsolidierung der Staatshaushalte, die Beruhigung der Investoren und die Wiederherstellung der Wettbewerbsfähigkeit. Erst verspätet und verzagt kommt in den letzten Wochen Wachstum als Bedingung für die Überwindung der Schuldenkrise wieder ins Spiel. Weitgehend ausgeblendet bleiben die eigentlichen Ziele, die es in Europa zu erreichen gilt: mehr Wohlstand und sozialer Zusammenhalt. Die erste Eurodekade von 1998- 2008 wird jetzt oft nur noch als eine Zeit unterschätzter Risiken und der Schuldenmacherei gesehen. Die Zinssätze der Staatsanleihen waren angeblich zu niedrig, die Lohnsteigerungen in der Peripherie zu hoch und die Geldpolitik der EZB für Deutschland zu hart und für die anderen zu weich. Dass gerade Deutschland über weite Strecken in dieser Zeit ein schwaches Wachstum und hohe Arbeitslosigkeit aufwies, trug dazu bei, dass die positiven Seiten dieser Dekade gern vergessen und übersehen werden. In diesen zehn Jahren hat sich dank des Wachstums in der Peripherie die Ungleichheit in der Europäischen Union(EU) deutlich verringert, allerdings vor allem zwischen den Mitgliedstaaten und weniger in ihnen.
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