STUDIE Gewerkschaften in Italien MICHAELA NAMUTH September 2012 n Die drei großen italienischen Gewerkschaftsbünde CGIL, CISL und UIL zählen zusammen 12,5 Millionen Mitglieder, von denen jedoch fast die Hälfte Rentner sind. Der durchschnittliche Organisationsgrad liegt bei 30 Prozent. Am stärksten sind die Gewerkschaften in der Dienstleistungsbranche, wo 70 Prozent aller Arbeitnehmer beschäftigt sind. n Die Bedingungen, unter denen die Gewerkschaften agieren, werden durch die traditionell hohe Anzahl von kleinen Unternehmen erschwert sowie durch die Vielzahl »atypischer Arbeitsverhältnisse«, die derzeit bis zu 80 Prozent der Neueinstellungen in der Privatwirtschaft ausmachen. n Tarifverhandlungen finden in Italien auf zwei Ebenen statt: Branchen- und Betriebsebene, manchmal auch auf der Ebene lokaler Industriedistrikte. Mit dem trilateralen Abkommen von 2009, das die CGIL nicht unterzeichnete, wurde der Flächentarifvertrag für abweichende Betriebsvereinbarungen bzw. Hausverträge geöffnet. n Der soziale Dialog zwischen Spitzenverbänden und Regierung wurde unter Berlusconi unter Ausschluss der CGIL geführt. Mit der Regierung Monti ist die CGILVorsitzende Susanna Camusso jedoch wieder zu den Verhandlungen über Rentenund Arbeitsmarktreformen zurückgekehrt. Nachdem die Regierung im Juli 2012 allerdings weiteren Sozialabbau ankündigte, haben alle drei Dachverbände einen Generalstreik angedroht. n Die italienischen Gewerkschaften profitieren von der andauernden Parteienverdros senheit der Italiener. Ihre Vertrauensquote als Maß für die gesellschaftliche Akzeptanz hat bei Umfragen den Rekordwert von 34 Prozent erreicht.
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