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Hintergründe zur Individualbesteuerung in Schweden : oder warum das Ehegattensplitting in Schweden schon lange Geschichte ist
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PERSPEKTIVE Hintergründe zur Individual­besteuerung in Schweden oder warum das Ehegattensplitting in Schweden schon lange Geschichte ist ANITA NYBERG September 2012 Die aktuelle Debatte zur Gleichberechtigung homosexueller Lebenspartner bei der Besteuerung, wirft erneut generellen Zweifel an dem deutschen System des Ehe­gattensplittings auf. In Schweden ist das Splittingverfahren schon lange Geschichte. Anita Nyberg analysiert die Hintergründe und erläutert die historische Entwicklung sowie den Diskussionsprozess weg vom Ehegattensplitting hin zur getrennten Be­steuerung von Ehepartnern. Die Initiative für die Individualbesteuerung ging von gut ausgebildeten, jungen Frauen aus, ohne die Unterstützung von politischen Parteien und Interessenorgani­sationen. Sie legten dar, dass gemeinschaftliche Besteuerung gegenüber Einzelper­sonen ungerecht war und vor allem die männliche Alleinverdienerehe in Familien mit hohem Einkommen begünstigte. Bei der Individualbesteuerung werden Ehemann und Ehefrau als eigenständige öko­nomische Steuerobjekte betrachtet. Sie war in Schweden eine zentrale Maßnahme zur Gleichstellung von Mann und Frau, für die Teilhabe verheirateter Frauen am Er­werbsleben und zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die politischen Parteien waren anfangs gespalten und verhielten sich unentschieden gegenüber der Individualbesteuerung. Bis auf die konservative Partei änderten in den 1960er Jahren alle jedoch ihre Meinung zugunsten der Individualbesteuerung. Für die schwedischen Sozialdemokraten bestand in den 70er Jahren die Heraus­forderung darin, ein Individualbesteuerungssystem zu gestalten, das die Gender­perspektive mit der Klassenperspektive vereinte und die Position sowohl von Frauen als auch von Familien mit niedrigem Einkommen stärkte.