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Die islamische Charta : Fragen und Anmerkungen
Entstehung
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Die Islamische Charta Am 3. Februar 2002 verabschiedete die Vertreterversammlung desZentralrats der Muslime in Deutschland(ZMD) eine Grundsatzerklärung mit dem Titel Islamische Charta . Am 20. Februar wurde sie in der Bundespressekonferenz vom Vorsitzenden des Zentralrats, Dr. Nadeem Elyas, der Öffentlichkeit vorgestellt. In Deutschland leben zur Zeit 3,2 Millionen Muslime. 15-20% von ihnen sind nach Schätzungen in Vereinen und Verbänden organisiert. Der multinationale ZMD ist ei­ner von drei islamischen Spitzenverbänden und hat zur Zeit 19 Mitgliedsorganisatio­nen. Eine genaue Mitgliederzahl ist für den ZMD schwer zu ermitteln. Die vom Spre­cher des Zentralrats, Aiman Mayzek, kolportierte Zahl von annähernd 550.000 Mit­gliedern ist zweifelhaft. 1 Es ist realistischerweise von etwas über 20.000 Mitgliedern auszugehen, wobei die Union der Türkisch-Islamischen Kulturvereine(Avrupa Türk Islâm Birli ğ i, ATIB) inzwischen die stärkste Mitgliedsorganisation innerhalb des ZMD geworden ist. 2 Seit dem Austritt des mitgliederstarken Verbands Islamischer Kultur­zentren(VIKZ) im August 2000 ist der ZMD deutlich geschwächt. Größer als der Zentralrat ist der von Milli Görüs stark beeinflussteIslamrat. Hintergrund und Intentionen Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass die islamischen Verbände nach dem 11. September in besonderer Weise alarmiert waren. Sie beklagten vielfältige Anfein­dungen und Bedrohungen bis zu in Einzelfällen tätlichen Übergriffen. In der Öf­fentlichkeit distanzierten sie sich rasch vomDjihadismus im Namen Allahs und be­zeichneten die Attentäter von New York alsNicht-Muslime undNihilisten. Die Tat dieser Männer habe mitdem Islam gar nichts zu tun. Ferner beschwerten sie sich über dasFeindbild Islam, das in Deutschland neu belebt würde und den Dialog zwi­schen muslimischer Minderheit und der Mehrheitsgesellschaft nachhaltig gefährde. Die sicherheitspolitischen Maßnahmen der Bundesregierung wurden als Ausdruck von Generalverdacht gegen alle Muslime kritisiert(Rasterfahndung, Streichung des sog.Religionsprivilegs). Die undifferenzierte Rede vomFeindbild wird den zahlreichen Gruppen, NGOs, Initiativen, Religionsgemeinschaften, Bildungseinrichtungen, Wissenschaftlern, Jour­nalisten und Politikern nicht gerecht, die sich seit Jahren um vertieftes Verständnis des Islam und um Dialog bemühen. Es scheint so, dass sich Muslime nur allzu gerne in dieOpferrolle zurückziehen, wodurch sie sich Auseinandersetzungen mit Politik und Kultur der Mehrheitsgesellschaft ersparen. Dies ist ein Verhalten, das kaum ge­eignet ist, Vertrauen herzustellen und Dialog zu entwickeln. Der kanadische Philo­soph Charles Taylor, der vor allem durch seine Studien zu einerPolitik der Anerken­nung bekannt geworden ist, schreibt treffend: Solange in der öffentlichen Diskussion eine Gruppe auf ihre Opferrolle fixiert bleibt, wird sie sich bestenfalls im Vorfeld des 1 Islamische Zeitung, März 2002, S.2 2 Die ATIB, gegründet 1988, ist eine Abspaltung von den nationalistischenGrauen Wölfen, die seit 1978 unter dem NamenFöderation der Demokratisch Idealistischen Türkischen Vereine in Euro­pa(ADÜTDF) in Deutschland agieren. Faruk Sen und Hayrettin Aydin gehen von 43.000 Zentral­ratsmitglieder aus. FARUK SEN/HAYRETTIN AYDIN, Islam in Deutschland. München, 2002. S.69. 1