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Organisation und Finanzierung von Qualifizierung und Weiterbildung im Lebensverlauf
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Dezember 2012 Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik direkt Organisation und Finanzierung von Qualifizierung und Weiterbildung im Lebensverlauf Thomas Kruppe 1 Auf einen Blick Die Diskussion um die Notwendigkeit von Quali­fizierung und Weiterbildung wird von allgemei­ner Zustimmung getragen. Im Rahmen der Überlegungen zu einer Arbeitsversicherung wird auch über neue Formen der Finanzierung nach­gedacht. Finanzierungs- wie auch Organisations­formen entfalten jedoch selektive, erwünschte und nicht erwünschte Wirkungen. Ein Rechts­anspruch auf Weiterbildung und auf eine(zweite) Berufsausbildung wäre ein wichtiger Schritt zu einer neuen Lernkultur und sollte insbesondere die Möglichkeit einbeziehen, auch in späteren Lebensphasen(weitere) Schulabschlüsse zu erreichen und ggf. auch eine Erstausbildung oder ein spätes Studium zu absolvieren. Ein solcher Rechtsanspruch in Kombination mit klugen Anreizen könnte auch helfen, die bestehenden deutlichen Unterschiede in der Weiterbildungs­beteiligung zwischen Beschäftigten und Arbeitslosen bzw. zwischen höher und gering Qualifizierten abzubauen. Qualifizierung und Weiterbildung werden heutzu­tage im Grundsatz als richtig und wichtig bejaht: Konzepte wie lebenslanges oder lebensbegleiten­des Lernen zeugen seit Jahren davon. Auch bei den aktuellen Überlegungen zu einer Arbeitsversiche­rung wird über neue Formen der Finanzierung nach­gedacht. 2 Oftmals ausgeklammert blieben in der Dis­kussion jedoch Strukturen und Reproduktionsme­chanismen sozialer Ungleichheit, die insbesondere auch im Zugang zu Bildung existieren. Ein erfolgreicher Schulabschluss hängt auch von der sozialen Herkunft ab. Er hat unmittelbare Auswir­kungen auf den Zugang in eine berufliche Ausbil­dung, die wiederum für den späteren Erwerbsverlauf von entscheidender Bedeutung ist: Das Risiko der Arbeitslosigkeit hat sich insbesondere für Erwerbs­personen ohne Berufsabschluss im Zeitverlauf ver­vielfacht. Lagen die qualifikationsspezifischen Ar­beitslosenquoten am Ende der 1970er Jahre für alle Qualifikationsgruppen zwischen zwei und fünf Pro­zent, so waren im Jahr 2005 von allen Erwerbs­personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung 26 Prozent arbeitslos. Von allen Erwerbspersonen mit Berufsabschluss waren im gleichen Jahrnur zehn Prozent arbeitslos, während sich die Arbeits­losenquote innerhalb der Gruppe der Erwerbsper­sonen mit(Fach-)Hochschulabschluss mit vier Pro-