INTERNATIONALE POLITIKANALYSE Kenia am Vorabend der nationalen Wahlen im März 2013 Stand der Reformen und Vorbereitungen DR. Peter Oesterdiekhoff Januar 2013 n Die Verzögerungen bei der Umsetzung der Verfassungsreformen reflektieren starke Interessen an der Kontinuität des Status quo und gefährden eine erfolgreiche und friedliche Durchführung der nationalen Wahlen im März 2013. n Die unzulänglichen Reformen des Wahl- und Parteienrechts gewähren den politischen Akteuren Spielraum zur Fortsetzung ihres Machtpokers, was weitere ethnische Spannungen provoziert. n Die am 4. Dezember 2012 registrierten Wahlbündnisse spiegeln keine programmatische Verwandtschaft der Parteien wider, sondern basieren auf ethnisch-regionaler Blockbildung. Als PräsidentschaftskandidatInnen treten ausschließlich Angehörige der fünf großen ethnischen Gemeinschaften auf. n Angesichts der zunehmenden gewaltsamen Konflikte in den Regionen und den urbanen Slums ist die Verzögerung der Sicherheitsreform besonders besorgniserregend. Die Ineffektivität der Polizei wurde im Laufe des letzten Jahres immer wieder sichtbar. Sie hat in der Bevölkerung die Furcht vor gewalttätigen Ausschreitungen im Zusammenhang mit den Wahlen verstärkt. n Ein besonderer Faktor für die Formation von Koalitionen hat mit dem bevorstehenden Prozess vor dem Internationalen Strafgerichtshof zu tun. Er lieferte die raison d’etre des Wahlbündnisses von Uhuru Kenyatta und William Ruto. Die damit einhergehende Polarisierung gefährdet den friedlichen Wahlverlauf. n Die Kompetenzen der zukünftigen counties wurden von Legislative und Exekutive in Abweichung von Verfassungsvorgaben eingeschränkt, wodurch die hohen Erwartungen an bessere Regierungsführung und effektivere Ressourcenverwendung enttäuscht werden könnten.
Druckschrift
Kenia am Vorabend der nationalen Wahlen im März 2013 : Stand der Reformen und Vorbereitungen
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten