PERSPEKTIVE| ITALIEN Italien vor den Wahlen Weichenstellung in der Krise MICHAEL BRAUN Februar 2013 Italien wählt inmitten der tiefsten ökonomischen und politischen Krise des Landes seit 1945. Die etablierten Parteien haben mit verbreitetem Misstrauen der Bürger zu kämpfen, das neben der Wirtschaftskrise auch aus zahlreichen Korruptionsskandalen herrührt. Favoritin bei den Wahlen ist die Mitte-Links-Allianz unter Pierluigi Bersani. Silvio Berlusconi gelang es jedoch im Wahlkampf mit populistischen Wahlversprechen und rüder Polemik gegen das»deutsch beherrschte Europa« seinen Rechtsblock auf wenige Prozentpunkte an die Linke heranzuführen. Mario Monti ist mit seinem Versuch weitgehend gescheitert, Silvio Berlusconi das Wasser abzugraben. Nach knapp einem Jahr an der Spitze seiner Expertenregierung hat seine neuformierte pro-europäische Mitte-Rechts-Allianz bestenfalls die Aussicht drittstärkste Kraft zu werden. Auf ein sehr gutes Wahlresultat darf hingegen die »5-Sterne-Bewegung« unter Beppe Grillo hoffen, die mit europaskeptischen Tönen gegen die etablierten Parteien antritt. Vier Lager treten an, doch am Ende steht Italien vor der Wahl zwischen zwei Optionen: – einer Mehrheit der pro-europäischen Kräfte(Pierluigi Bersani und Mario Monti) oder aber – einem Erstarken der europaskeptischen Kräfte(Silvio Berlusconi und Beppe Grillo), mit der Konsequenz, dass die Bildung einer stabilen Regierung unmöglich wird. Im letzten Fall müsste das Land mit einem erneuten internationalen Vertrauensverlust sowie mit einer Zuspitzung der ökonomischen wie auch der politischen Krise rechnen. In der Folge stünden auch weitreichende negative Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Euro-Krise insgesamt zu befürchten.
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