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"Das Stadion ist der einzige Ort, wo Abwertungsmuster eine breite Öffentlichkeit erreichen - ohne Sanktionen" : der Sportjournalist Ronny Blaschke im Interview mit Wilhelm Heitmeyer, Gewaltforscher
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ThemenSpezial EURO 2012 Der Sportjournalist Ronny Blaschke im Interview mit Wilhelm Heitmeyer, Gewaltforscher Das Stadion ist der einzige Ort, wo Abwertungsmuster eine breite Öffentlichkeit erreichen ohne Sanktionen 1 Der Bielefelder Gewaltforscher Wilhelm Heitmeyer erforscht seit Jahrzehnten den Rechtsextremismus, auch im Fußball. Im Interview spricht er über den schmalen Grat zwischen Party-Patriotismus und Nationalismus während einer WM, über Autonome Nationalisten und falsche Schwerpunkte in der Prävention. () Herr Professor Heitmeyer, die Stimmung während der WM 2006 wurde von einer breiten Mehrheit als Entdeckung des deutschen Patriotismus gedeutet. Doch es gab auch andere Seiten. Der Schutzbund Deutschland hatte sich gegen den schwarzen Stürmer Asamoah gestellt, Zitat: Nein, Gerald, du bist nicht Deutschland, du bist BRD. Auf einem T -Shirt wurde die Botschaft verbreitet:1939 wurde Polen in 28 Tagen besiegt, 2006 reichen 90 Minuten. Sie haben den Party­Patriotismus 2006 so beschrieben:Gefährlicher Unsinn und ein Stück Vo lksverdummung. Was meinen Sie damit? Viele Menschen haben sich in die Tasche gelogen. Dass sich Realitäten und Mentalitäten 2006 grundsätzlich verändert haben, war eine Erfindung von Politik, Fußball und Medien. Es war mir klar, dass ein singuläres Ereignis wie eine WM nicht eine so enorme Entwicklung herbeiführen kann, und es war auch klar, dass es nicht plötzlich weniger Fremdenfeindlichkeit oder Homophobie geben würde. Die Veränderung von Einstellungsmustern hat andere Ursachen, dazu braucht es zum Beispiel außergewöhnliche Ereignisse, also Einbrüche in den gesellschaftlichen Alltag. () Haben Sie deshalb nach der WM 2006 Ihre Forschungen noch einmal intensiviert? Die fünf WM-Wochen allein haben uns nicht sonderlich interessiert. Uns interessiert der Zustand der Gesellschaft, ihr Verhältnis zu schwachen Gruppen, uns interessieren langfristige Trends. () Mit welchem Ergebnis genau? Es gibt immer einen Zusammenhang von Nationalismus beziehungsweise besonderem Nationalstolz mit Fremdenfeindlichkeit. Wenn das alles sich in fröhlichem Party-Patriotismus aufgelöst hätte durch die WM, dann wäre etwas gewonnen. Die nationalistische Variante hatte 1 Das Interview ist in Auszügen dem Buch Angriff von Rechtsaußen. Wie Neonazis den Fußball missbrauchen (Verlag die Werkstatt, Göttingen 2011) entnommen. Wir danken dem Autor Ronny Blaschke und dem Verlag für die freundliche Unterstützung! www.fes-online-akademie.de Seite 1 von 5