PERSPEKTIVE Eine Progressive Wachstumsstrategie für Spanien EMILIO ONTIVEROS Oktober 2013 Die wichtigsten wirtschaftlichen Herausforderungen Die spanische Volkswirtschaft ist ein gutes Beispiel für den Teufelskreis, in dem die Ökonomien der sogenannten Peripherie der Eurozone seit dem Beginn der Krise im Sommer 2007 stecken. Diese»diabolische Endlosschleife« setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen: Aus einer Wirtschaft in der Rezession, einem schwächelnden Bankensystem sowie aus öffentlichen Haushaltsdefiziten und Schulden, die parallel zu den beiden anderen Faktoren anwachsen. Die seit Mai 2010 betriebene Politik der Haushaltskonsolidierung trägt zur weiteren Verschlechterung der Konjunktur bei, was wiederum der Qualität der Bankanlagen schadet. Spanien weist Gemeinsamkeiten mit anderen Volkswirtschaften der Eurozone auf, gleichwohl gibt es hier Besonderheiten, die nicht übersehen werden sollten. Sie sind das Ergebnis der speziellen Verhältnisse, in denen sich die spanische Wirtschaft zu Beginn der Krise befand. Es dürfte nützlich sein, deren wichtigste Merkmale zum Zeitpunkt des Jahresendes von 2007 noch einmal in Erinnerung zu rufen: Als im Sommer 2007 in den Vereinigten Staaten die Finanzkrise einsetzte, erlebte die spanische Volkswirtschaft den Abschluss einer langanhaltenden Wachstumsperiode und der Schaffung von Arbeitsplätzen. Das durchschnittliche Wirtschaftswachstum im Jahrzehnt vor Ausbruch der Krise betrug über 3,5 Prozent pro Jahr – deutlich mehr als im Durchschnitt der Europäischen Union. 2007 betrug das Wachstum des spanischen Bruttoinlandsprodukts(BIP) noch 3,6 Prozent. Ende 2007 lag die spanische Arbeitslosenquote bei 8,5 Prozent und damit im Durchschnitt der Europäischen Union. 2007 verbuchte Spanien keine öffentlichen Defizite. Im Gegenteil: Es gab einen Haushaltsüberschuss von knapp über 2 Prozent, während sich die öffentliche Verschuldung auf nur 36 Prozent des BIP belief. Doch neben diesen positiven Indikatoren wies die spanische Wirtschaft einige sehr bedeutsame Ungleichgewichte im privaten Sektor auf – allen voran die sehr hohe Konzentration wirtschaftlicher und finanzieller Aktivität auf dem Gebiet Wohnungsbau und Immobilien. Auf diesen Sektor entfielen mehr als 12 Prozent sowohl des BIP als auch der Beschäftigung. Die wichtigsten Akteure dieses Sektors zeichneten sich durch ein überaus hohes Verschuldungsniveau aus. Dasselbe galt für die spanischen Privathaushalte, die erhebliche Summen in den Erwerb von Immobilien investiert hatten. Einer der Hauptgründe dafür, dass die spanische Wirtschaft so kräftig und in besonders hohem Maße im Immobiliensektor wuchs, bestand darin, dass sich die Finanzierungskosten auf einem historisch niedrigen Niveau bewegten – dem niedrigsten seit Einführung des Euro. Das war auch die wesentliche Ursache für den Anstieg der privaten Verschuldung im ersten Jahrzehnt nach 2000. Hierin besteht gegenwärtig Spaniens größtes Problem – und zugleich eines der wesentlichen Hindernisse, das potenzielle BIP-Wachstum wieder erreichen zu können. Die private Verschuldung der Spanier gemessen als Prozentsatz des BIP ist eine der höchsten in der Eurozone, und der Schuldenabbau geht nur schrittweise voran. Die Betonung des privaten Charakters der spanischen Wirtschaftsprobleme zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Krise ist von großer Bedeutung. Es besteht eine starke Korrelation zwischen dem Wachstum privater Schulden und dem Rückgang privater Konsumausgaben nach Krisenbeginn. Diese Faktoren sind auch im Hinblick auf die fehlende Stabilität des spanischen Bankensystems entscheidend.
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