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Abenomics und die Wachstumsperspektiven Japans
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PERSPEKTIVE Abenomics und die Wachstumsperspektiven Japans VON RISABURO NEZU Oktober 2013 Shinzo Abes Erblast: Zwei verlorene Jahrzehnte Vor der Ernennung von Shinzo Abe zum Premierminister von Japan im Dezember 2012 litt Japan zwei Jahrzehnte lang unter wirtschaftlicher Stagnation und Deflation. Diese wirtschaftliche Malaise hatte unmittelbar nach dem Platzen der Immobilien- und Aktienblasen in den 1990er Jahren eingesetzt. Im November 2012 stand die Tokioter Börse bei rund 8 000 Punkten weniger als ein Viertel ihres Höchststandes aus dem Jahr 1989. Die Immobili­enpreise in städtischen Geschäftsvierteln betrugen nur noch ein Fünftel früherer Höchststände. Während dieser zwei Jahrzehnte betrug das reale Wirtschaftswachstum weniger als ein Prozent pro Jahr, und die Inflationsrate fiel nach der globalen Finanzkrise von 2008 ins Negative. Besonders frustrierend für die japanische Wirtschaft war die grassierende Aufwertung des Yen, die sich trotz des schwachen Wachstums sowie der Erdbeben- und Tsu­namikatastrophe vom März 2011 weiter beschleunigte. Nach seiner Wahl drängte Abe die Bank of Japan, eine unerschrockene Lockerung der Geldpolitik zu betreiben, um damit sowohl eine Schwächung des Yens als auch steigende Börsenkurse zu bewirken. Die kurzlebige Begeisterung über Abenomics Die neue Wirtschaftspolitik der Regierung Abe führte zu zwei Ergebnissen, die über das Erwartete hinausgin­gen. Indem er die Bank of Japan dazu drängte, einen Kurs der geldpolitischen Lockerung einzuschlagen, ist es Premierminister Abe gelungen, sowohl einen schwä­cheren Yen als auch das Anziehen des Aktienmarktes zu erreichen. In nur sechs Monaten seit dem Herbst des Jahres 2012, als es wahrscheinlich wurde, dass Shinzo Abe nächster Premierminister werden könnte, zog der Dollar um 25 Prozent gegenüber dem Yen an. Der Nikkei­Aktienindex stieg von 8 600 auf über 15 000 Punkte im Mai 2013. Der bisherige Gouverneur der Bank of Japan, Masaaki Shirakawa, ließ sich nur zögerlich auf den neuen Kurs einer aggressiven Lockerung der Geldpolitik ein und wurde durch Haruhiko Kuroda ersetzt, der bereits seit ei­niger Zeit für eine Strategie der quantitativen Expansion eingetreten war. Dies sorgte für die Durchsetzung der ge­wünschten Geldpolitik. Sie bedeutete eine Erleichterung für die japanische Exportindustrie, die über Jahre hinweg unter der Stärke des Yen gelitten hatte. Die Gelegenheit schien günstig, höhere Unternehmensgewinne zu erzie­len. Gleichzeitig kurbelten die steigenden Aktienkurse den Verbrauch an. Im Mai 2013 sah es ganz danach aus, als käme nun endlich ein ökonomischer Positivkreislauf in Gang. Doch am 23. Mai fing alles an, sich wieder rückwärts zu bewegen. Die Aktienkurse fielen innerhalb von weniger als einem Monat auf 13 000 Punkte zurück. Der Kurs des Yen stieg wieder von zuvor 103 Yen pro Dollar auf nunmehr 93 Yen pro Dollar. Noch überraschender war, dass, ungeachtet der Politik der quantitativen Lockerung in diesem Zeitraum, die langfristigen Zinsen von 0,3 Pro­zent auf 0,8 Prozent anstiegen. Nach seinen ersten bei­den»Pfeilen« die ultralockere Geldpolitik und die Konjunkturpakete schoss Premierminister Abe im Juni auch seinen dritten Pfeil ab. Aber dieser dritte Pfeil, ein Programm von strukturellen Reformen, vermochte die Märkte nicht davon zu überzeugen, dass die japanische Wirtschaft langfristige Wachstumsperspektiven bietet. Die am dringendsten gewünschten Reformen wie etwa die Liberalisierung der Landwirtschaft, des Arbeitsrechts und der medizinischen Dienstleistungen wurden nicht auf den Weg gebracht. Die Tokioter Aktienkurse fielen sogar noch weiter. Daraufhin kündigte Premierminister Abe für die zweite Jahreshälfte hastig weitere Reform-