Ausgabe 01 / 2011 Policy Brief Wikipedia: Grenzenlose Exklusion? Autor: Leonhard Dobusch Freie Universität Berlin – Management-Department Einleitung W elcome to Wikipedia, the free encyclopedia that anyone can edit.“ Diese freundliche Begrüßung fin„ det sich auf der Startseite der englischen Wikipedia. Ganz ähnlich die Vision auf der Seite der gemeinnützigen Wikimedia Foundation, der Organisation hinter der Wikipedia: „Imagine a world in which every single human being can freely share in the sum of all knowledge.“ Beide Aussagen stehen für digitale Inklusionsutopien. Jeder („anyone“) soll die Möglichkeit haben, in der Wikipedia am Weltwissen mitzuwirken. Jeder einzelne Mensch(„every single human being“) soll sich frei am digitalen Wissensaustausch beteiligen können. In den ersten Jahren von Wikipedias rasantem Aufstieg zur zentralen Anlaufstelle für das Weltwissen und zur einzigen nicht profitorientierten unter den zehn meistbesuchten Webseiten wurde deshalb auch diskutiert, ob bei so viel Offenheit nicht Qualität und Seriosität zwangsläufig auf der Strecke bleiben müssten. Die meistgestellte Frage lautete in etwa so: Wie lassen sich Qualität und Neutralität wahren, wenn jederzeit irgendjemand irgendetwas ändern, ergänzen oder löschen kann? 1 Die Antwort auf diese Frage gaben einerseits Untersuchungen, die in der Wikipedia nicht mehr Fehler fanden als in der renommierten Encyclopaedia Britannica(vgl. z. B. Giles 2005). Andererseits entwickelte sich die Wikipedia weiter, führte beispielsweise„gesichtete Versionen“ 2 ein, das heißt Versionen, die von erfahrenen WikipedianerInnen geprüft wurden. Und auch wenn immer wieder einmal Meldungen von manipulierten oder falschen Wikipedia-Einträgen oder ganzen„Sockenpuppen“-Armeen 3 die Runde machen, so steht spätestens seit dem Ende von Printenzyklopädien(so wird z. B. der Brockhaus nicht mehr neu aufgelegt) die wikibasierte Online-Enzyklopädie als Sieger fest. Heute gibt es kaum eine Internetsuche, die nicht eine prominent in den Ergebnissen platzierte Wikipedia-Seite zutage fördert. Die normative Kraft des Faktischen macht Wikipedia zum zentralen Wegweiser durch das Weltwissen. Exklusion und Stagnation bei WikipediaAutorInnen Mit dem Erfolg der Wikipedia hat sich auch die Kritik an ihr geändert, ja paradoxerweise ins Gegenteil verkehrt. Nicht übermäßige, sondern mangelnde Offenheit gilt heute als das größte Problem der Wikipedia. Zwar kann immer noch jede/r Wikipedia editieren, tatsächlich tut es aber letztlich nur eine kleine Minderheit. Die Situation wird in der Wikipedia selbst auf der Seite zu„Systemic Bias“ detailliert beschrieben:
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