Druckschrift 
Vom Wirtschaftswunder in die Dauerkrise : Russlands Ökonomie vor einem Wendepunkt?
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Perspektive Vom Wirtschaftswunder in die Dauerkrise Russlands Ökonomie vor einem Wendepunkt? Rudolf Traub-Merz März 2014 n Russlands Wirtschaft ist in die Krise gerutscht. Statt 5 Prozent, wie von Präsident Putin versprochen, betrug das Wachstum 2013 nur 1,3 Prozent. Die Aussichten 2014 sind nicht besser und auch mittelfristig ist kaum Änderung zu erwarten. Falls die Öl- und Gaspreise nicht stark anziehen, ist das russische Wirtschaftswunder zu Ende. n Die Wirtschaft leidet an der holländischen Krankheit und hat während der Jahre des Ölpreisbooms nur ein Scheinwachstum hingelegt. Mit konservativer Konso­lidierungspolitik wurden zwar staatliche Haushalte ins Gleichgewicht gebracht, Devisenreserven angelegt und die Inflation auf fast 6 Prozent gesenkt. Die Wech­selkurspolitik bewirkte aber eine enorme Realaufwertung des Rubels, der die Wett­bewerbsposition russischer Erzeuger auf internationalen und heimischen Märkten ständig verschlechterte. n An einer Stelle zeigt sich seit einigen Monaten neues strategisches Denken: Der Rubel wird abgewertet. Bleibt die Zentralbank gegen alle Widerstände auf diesem Kurs, stehen Wirtschaft und Gesellschaft vor tiefgreifenden Umwälzungen. n Ein neuer wirtschaftspolitischer Kurs muss auf verbesserte Rahmenbedingungen für das verarbeitende Gewerbe und die Landwirtschaft setzen. Notwendig wären eine Wettbewerbsverfassung, die marode Staatsunternehmen auf Modernisierungskurs bringt, und eine staatliche Investitionspolitik, die den enormen Ressourcenreichtum des Landes zur Grundlage einer Reindustrialisierungspolitik nimmt.