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Industriepolitik für Europa - Chancen für einen neuen Wachstumspfad
Entstehung
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Wirtschaft und Politik Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung Mai 2014 Daniel Sahl Industriepolitik für Europa Chancen für einen neuen Wachstumspfad Mit dem Aufruf Europa zu re-industrialisieren reagierte die Europäische Kommission letztes Jahr auf Probleme, die durch die Wirtschaftskrise offensichtlich wurden. In vielen Regionen in Europa fehlt die industrielle Basis. Die Re-Industrialisierung Europas ist ein entscheidender Bau­stein für das zukünftige Wachstum in Europa. Um im Zuge der Globalisierung in Zukunft noch eine bedeutende Rolle in der Welt zu spielen, muss die industrielle Wettbewerbsfähigkeit Eu­ropas erhöht, die Innovationskraft gestärkt und die Öffnung der Volkswirtschaften nach innen wie nach außen entschlossen vorangetrieben werden. Dafür sind vor allem drei Dinge wichtig: Innovationen, Investitionen und Internationalisierung. Ein langer Weg zurück zu alter Stärke Europa ist heute der größte wirtschaftliche Akteur der Welt. Es stellt nur sieben Prozent der Weltbevölkerung, produziert aber 25 Prozent des weltweiten Bruttoinlands­produktes und ist für 50 Prozent aller Sozialabgaben ver­antwortlich. Doch durch die tiefgreifende Krise, die von einer weltweiten Finanz- zu einer Wirtschaftskrise wurde und schließlich in einer Staatsschuldenkrise einzelner EU­Mitgliedstaaten, vor allem der Eurozone, resultierte, steht Europas Status als Wirtschaftsmacht auf dem Spiel. Die ge­genwärtige Situation ist alarmierend. Wirtschaftsprogno­sen besagen, dass im Jahr 2015 90 Prozent des weltweiten Wirtschaftswachstums außerhalb Europas generiert und das innereuropäische Wachstum infolge seiner alternden Bevölkerung zusätzlich erschwert werden wird. Die Antwort Europas auf die Herausforderungen der Krise lautete: die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu ver­bessern, Haushaltkonsolidierung und Strukturreformen, um die Wettbewerbsfähigkeit in Europa zu erhöhen. Aller­dings interpretieren die europäischen Regierungen das Wort Wettbewerbsfähigkeit sehr unterschiedlich. In Deutsch­land spricht man vor allem von den notwendigen Rah­menbedingungen, um ein investitionsfreundliches Klima für die Realwirtschaft, um produktions-, aber auch for­schungs- und entwicklungsintensive Arbeitsplätze in der Industrie auf- und auszubauen. In Griechenland, Spani­en oder Portugal verbinden Bürger, aber auch nationale Politiker, mit dem Begriff Wettbewerbsfähigkeit vor allem drastische Gehaltsreduktionen und nicht zuletzt eine in­terne Abwertung. Jüngste Erfolge der Reformprogramme in Spanien, Portugal und Irland zeigen jedoch, dass die Trendumkehr gelingt und die Wettbewerbsfähigkeit wie­der anzieht. Dabei steht der Umbau hin zu einer schlan­keren, entbürokratisierten öffentlichen Administration, einem flexibleren Arbeitsmarkt und einer zukunftsorien­tierten Wirtschaftsförderung im Vordergrund, um wieder auf den Wachstumspfad zurückzukehren. Industrie hat eine zentrale Rolle in Europa Die europäische Industrie steht heute für 65 Prozent der Forschungs- und Entwicklungsausgaben in Europa, 57 Pro­zent der gesamten EU-Exporte, 76 Prozent aller Warenex­porte sind auf die Industrie zurückzuführen. Die Produkti­Über den Autor: Daniel Sahl ist Mitglied in der AG Wirtschaftspolitik des Managerkreises.