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Katalonien : Geld oder Identität?
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INTERNATIONALE POLITIKANALYSE Katalonien: Geld oder Identität? MICHAEL EHRKE Mai 2014 n Etwa 52 Prozent der Katalanen sprechen sich für die staatliche Unabhängigkeit ihrer Region aus. Vor fünf Jahren waren es weniger als 17 Prozent. Die Wirtschaftskrise, die aufgezwungene Austeritätspolitik und der damit einhergehende Glaubwürdig­keitsverlust der wichtigsten Akteure und Institutionen Spaniens haben zum Auf­schwung der Unabhängigkeitsbewegung beigetragen n Die Mehrheit der Katalanen versteht Katalonien als Nation, die ein Anrecht auf ein eigenes Staatswesen hat. Für die Bestimmung eines Kollektivs als Nation gibt es jedoch keine objektiven Kriterien, sondern nur historische Narrative der nationalen Selbst-Imagination. Für die Katalanen sind diese Narrative die höhere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, die ältere und»echtere« Zugehörigkeit zu Europa und die jahr­hundertelange Ausbeutung der Region durch»Kastilien«. n Mögliche Ergebnisse der Auseinandersetzungen um den Status Kataloniens sind eine»verhandelte Unabhängigkeit« nach dem Muster der Tschechoslowakei oder eine Reform der spanischen Verfassung, mit der die Zuständigkeiten der Regionen erweitert würden. Beide Lösungen drohen aber an der Selbst-Radikalisierung der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung und an der mangelnden Verhandlungs­bereitschaft des spanischen Zentralstaats zu scheitern.