Druckschrift 
Konvergenz in der Krise : Europas gefährdete Integration
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

INTERNATIONALE POLITIKANALYSE Konvergenz in der Krise Europas gefährdete Integration MICHAEL DAUDERSTÄDT September 2014 Konvergenz bei Wirtschaftswachstum, Einkommen und sozialen Lebensverhältnissen erfordert schnelleres Wachstum in zuvor schwächeren Ländern. Wirtschaftliche Inte­gration ist keine Garantie für Konvergenz, da sie sowohl die Bewegung von Arbeit und Kapital als auch Konzentrationsprozesse erleichtert. Aufholprozesse ärmerer Länder können abhängig von den jeweiligen Rahmenbedingungen gelingen oder scheitern. Europa hat seit 1999 gute Konvergenzerfolge aufzuweisen. Vor allem die mittel­und osteuropäischen neuen Mitgliedstaaten haben aufgeholt. Allerdings war das Wachstum in der Südperipherie schwächer und ist im Zuge der Austeritätspolitik so eingebrochen, dass nun eine divergente Entwicklung zu beobachten ist. Im internationalen Vergleich liegt das Wachstum in der Europäischen Union(EU) etwa auf dem Niveau vergleichbarer hoch entwickelter Länder(z. B. USA), aber weit hinter dem aufholender Volkswirtschaften(z. B. China). Die soziale Entwicklung der EU erfolgt jedoch rascher. Die innereuropäische Konvergenz ist besser als in anderen Integrationsräumen und innerhalb von Nationalstaaten. Eine verstärkte Konvergenz ist weder von einem Rückbau der Integration noch von einer föderalen Vertiefung zu erwarten. Die EU kann die reale Konvergenz und das dazu nötige Produktivitätswachstum nur wenig direkt unterstützen. Sie kann und sollte aber, um Divergenz zu verhindern, die Wirkungen monetärer Schocks abfedern und den Mitgliedstaaten mehr wirtschaftspolitische Freiräume lassen.