September 2014 Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik direkt Ausbildungschancen für Jugendliche mit Migrationshintergrund und die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt Ursula Beicht, Mona Granato, Stephanie Matthes 1Aktuelle Lage auf dem Ausbildungsmarkt Auf einen Blick Erhebliche Engpässe auf dem Ausbildungsmarkt haben in den letzten zwei Jahrzehnten zu einer längeren und schwierigeren Übergangsphase in berufliche Ausbildung beigetragen. Gerade für Jugendliche mit Migrationshintergrund bedeutet dies – selbst bei einem mittleren Schulabschluss – oftmals prekäre Übergangsprozesse und gering ere Einmündungschancen in eine vollqualifizierende Ausbildung. Dem stehen ihr Engagement und ihr Wunsch nach gleichberechtigter Teilhabe an Ausbildung und Beruf gegenüber, ein Ausbildungspotenzial, das für Betriebe eine wichtige Qualifikationsreserve darstellt. Denn der demografische Umbruch wird laut Prognosen dazu führen, dass 2030 der Bedarf der Wirtschaft an ausbildungsinteressierten Jugendlichen erheblich über dem Nachfragepotenzial der Jugendlichen liegen wird. Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt zeichnet sich zunehmend durch ein Paradox aus. In den vergangenen Jahren haben sich sowohl die Besetzungsprobleme von Betrieben als auch die Versorgungsprobleme von Jugendlichen mit einem betrieblichen Ausbildungsplatz verschärft: Während 2009 zum Stichtag 30.9. nur 17.300 angebotene Ausbildungsplätze unbesetzt blieben, waren es 2013 mit 33.500 fast doppelt so viele: 6,2 Prozent des betrieblichen Angebots an Ausbildungsplätzen blieb unbesetzt. Gleichzeitig verschlechterte sich seit 2012 die Lage der Jugendlichen, die einen Ausbildungsplatz suchen. Der Anteil der Lehrstellenbewerber und-bewerberinnen, der zum Stichtag 30.9. immer noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hatte, stieg in diesem Zeitraum von 11,3 Prozent auf 13,6 Prozent und umfasste nun 83.600 Personen. 2 Hintergrund für diese scheinbar widersprüchlichen Entwicklungen sind Passungsprobleme, insbesondere auf regionaler und beruflicher Ebene. In Westdeutschland, wo die große Mehrheit der Jugendlichen mit Migrationshintergrund lebt, sank 2013 das betriebliche Ausbildungsangebot verglichen mit 2012 um rund 12.900 Ausbildungsplätze(-2,7 Prozent) auf 468.900 und lag damit erneut deutlich unter der Zahl der ausbildungsinteressierten Jugendlichen
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Ausbildungschancen für Jugendliche mit Migrationshintergrund und die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt
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