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Modell- oder Risikoland? : Die Entwicklungsbilanz Bangladeschs auf dem Prüfstand
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INTERNATIONALE POLITIKANALYSE Modell- oder Risikoland? Die Entwicklungsbilanz Bangladeschs auf dem Prüfstand HENRIK MAIHACK September 2014 n Bangladesch ist es in den letzten zwei Jahrzehnten gelungen, die absolute Armut stärker zu senken, als von dem moderaten Wirtschaftswachstum zu erwarten war. Auch bei anderen sozialen Entwicklungsindikatoren steht Bangladesch deutlich bes­ser da als die meisten Nachbarländer in Südasien. n Die Beschleunigung des sozioökonomischen Erfolges fällt mit der Wiedereinführung der Demokratie zusammen. Die Betätigungsmöglichkeiten für innovative einheimi­sche Nichtregierungsorganisationen(NGOs) haben maßgeblichen Anteil an der gu­ten Entwicklungsbilanz. Diese Bilanz wird allerdings von der aktuellen politischen Krise überschattet. n Eine Voraussetzung für die Armutsbekämpfung in Bangladesch war eine Wirt­schaftspolitik, die eine strukturelle Transformation hin zu einem arbeitsplatzintensi­ven Wirtschaftswachstum eingeleitet hat. Die Katastrophe von Rana Plaza vom 24. April 2013 verdeutlicht aber auch die erheblichen Risiken einer solchen Strategie. n Eine Entwicklungsstrategie, die lediglich auf billige Produktionsbedingungen setzt und dabei schlechte Sicherheits- und Sozialstandards in Kauf nimmt, gefährdet die weitere Entwicklung. Um nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen, bedarf es eines Wirtschaftsmodells, das sicherere, gerecht bezahlte Arbeitsplätze mit dem schritt­weisen Aufbau von höherqualitativen und arbeitsplatzintensiven neuen Industrien verbindet. n Bangladesch kann seine Erfolgsgeschichte nur dann weiterführen, wenn es gelingt, die Löhne und Arbeitsbedingungen in der Exportindustrie zu verbessern, Exporte zu diversifizieren, die inländische Nachfrage zu stärken, die politische Gewalt zu been ­den und mittelfristig wieder eine inklusive politische Kultur zu etablieren.