Wirtschaft und Politik Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung Oktober 2014 Dagmar Bornemann Industrie 4.0 Vermessen und funktional – aber nicht revolutionär Das Schlagwort„Industrie 4.0“ steht derzeit stellvertretend für die umfassende Digitalisierung unserer Wirtschaft und wird als zentraler Innovationsfaktor für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands angesehen. Dieser Blick greift jedoch zu kurz, denn die Inhalte der„Industrie 4.0“ beschreiben lediglich die nächsten Schritte bereits bestehender Automatisierungsprozesse. Die eigentliche Herausforderung liegt in der gesellschaftlichen Einbettung der Digitalisierung und den Diskussionen um den Nutzen von Big Data für unser Gemeinwesen. Hier ist keine soziale Technikgestaltung, sondern eine soziale Gesellschaftsgestaltung nötig, in der wieder auf die Risikomündigkeit der Menschen vertraut wird. Das Konzept„Industrie 4.0“ beschreibt einen Zukunftsentwurf für die Organisation der Industrieproduktion, bei der die„Smart Factory“ im Mittelpunkt steht: die vollautomatisierte und intelligente Fabrik, die Logistik und Produktionsprozesse selbstständig steuert. Der Vernetzung der Produktionsanlagen und der autonomen Kommunikation zwischen den Einzelteilen durch neue Formen der Informations- und Kommunikationstechnologien, dem Internet der Dinge, wird dabei eine herausragende Rolle zugeschrieben. Evolution statt Revolution Bei genauerem Hinsehen jedoch, kann von keiner vierten Revolution die Rede sein, allerhöchstens von einer relativ langsamen Evolution. Disruptiv mögen einige Geschäftsmodelle sein, disruptive Technologien lassen sich hieraus jedoch nicht ableiten. Denn bereits 1988 heißt es über die Informationstechnologie: Was ist es also, das die Informationstechnologie von früheren Generationen der Maschinentechnologie unterscheidet? Während Informationstechnologien dazu genutzt werden, den Einsatz von Maschinen auszuweiten, effizienter zu gestalten und durch steigende Automatisierung menschliche Arbeitskraft zu ersetzen, passiert zusätzlich noch etwas ganz anderes. Die Steuerungseinheiten, die für die Automatisierung notwendige Daten in Handlungsbefehle(Aktionen) umwandeln, registrieren dabei auch, welche Prozesse automatisiert werden. Sie Über die Autorin: Dagmar Bornemann ist geschäftsführende Gesellschafterin von db&w, einer Computergrafik-Softwarefirma mit den Schwerpunkten Produktentwicklung und Research and Development on hire, sowie Mitglied im Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung. Zu den Schwerpunkten ihrer ehrenamtlichen Arbeit zählen die Technikethik und Technikfolgenabschätzung. Unter Mitarbeit von Patrick Rüther, Referent für den Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin.
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Industrie 4.0 : vermessen und funktional - aber nicht revolutionär
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