Druckschrift 
Die Neuordnung des Niedriglohnsektors in Deutschland
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

wis di o rekt Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik Februar 2007 Die Neuordnung des Niedriglohnsektors in Deutschland Michael Dauderstädt 1 Auf einen Blick Von einer Neuordnung des Niedriglohnsektors sollte man kein Beschäftigungs­wunder erwarten. Es geht eher um sozial- und gesell­schaftspolitische Korrekturen. Auch die beste Arbeitsmarkt­politik kann eine aktive Beschäftigungspolitik nicht ersetzen. Seit vielen Jahren nehmen in Deutschland sowohl die Langzeitarbeitslosigkeit, vor allem der gering Qualifizierten, als auch der Umfang der Niedriglohn­beschäftigung zu. Der in der Verfassung verankerte Sozialstaatsgedanke und die wirtschaftliche Vernunft verlangen eine Beschäftigungs- und Arbeitsmarktpoli­tik, die eine sinnvolle Nutzung des Beschäftigungs­potenzials mit einer menschenwürdigen Entlohnung verbindet. Durch Lohnspreizung zur Vollbeschäftigung? Die anhaltende Massenarbeitslosigkeit ist offensicht­lich das zentrale wirtschafts- und sozialpolitische Problem Deutschlands. Die klassische Ökonomie hielt eine einfache Diagnose und Therapie bereit. Arbeits­losigkeit entstehe, wenn die Lohnerwartungen der Arbeitslosen und die Produktivitätserwartungen der Arbeitgeber auseinander fallen, also die sog.An­spruchslöhne zu hoch und die zu erwartende Pro­duktivität, vor allem wegen geringer oder überholter Qualifikation, zu niedrig sind. Die Lösung bestünde dann in niedrigeren Löhnen und bestenfalls mittel­fristig in Nachqualifizierung. Empirisch wurde die­ser theoretische Befund gern mit Hinweisen auf die USA und Großbritannien untermauert. Dort sei die Lohnspreizung größer und dafür die Arbeitslosigkeit