Ausgabe 01 / 2011 Policy Brief Die verteilungspolitische Prioritätenpyramide: Heuristik zur Operationalisierung sozialdemokratischer Wirtschaftspolitik Autoren: Leonhard Dobusch, Freie Universität Berlin Nikolaus Kowall, Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung, Düsseldorf D ie vielgescholtene Visionslosigkeit der Sozialdemokratie ist ein Thema, das die Machtlogik aktueller Regierungspolitik und sozialdemokratische Programmatik per se in einen Topf wirft. Die Vision von demokratischer Teilhabe mit Chancen- und Verteilungsgerechtigkeit ist in und außerhalb sozialdemokratischer Parteien durchaus vorhanden. Bis zu einem gewissen Grad ist es das ehrliche Bemühen vieler Engagierter sich genau diesen Idealen anzunähern, das die Sozialdemokratie immer noch für viele Menschen attraktiv macht. Die grobe ideologische, wertebasierte Orientierung ist nicht, was der Sozialdemokratie in Deutschland und Europa am meisten fehlt. Was hingegen in den 1990er Jahren abhanden kam und seither nur in kleinen Teilen wieder hergestellt wurde, ist ein Kompass für konkrete praktische Politikprojekte, vor allem in sozio-ökonomischer Hinsicht. Es fehlt eine glaubwürdige und nachvollziehbare Operationalisierung abstrakter Werte und Visionen in politische Alltagspraxis. Die Orientierungslosigkeit ging so weit mit marktliberalen Strategien sozialdemokratische Ziele erreichen zu wollen, allen voran die Vollbeschäftigung. Die britische Regierung unter Tony Blair betrachtete Arbeitslosigkeit nicht als konjunkturelles Phänomen, sondern als Resultat falscher Anreizsysteme. Die daraus resultierende „welfare to work“-Strategie sollte ausschließlich über angebotsseitige Maßnahmen(Weiterbildungsprogramme etc.) wirken, eine Belebung von Nachfrage und Konjunktur wurde nicht mehr in Betracht gezogen. Im Gegensatz zu den deutschen Hartz-IV-Gesetzen wurde jedoch ein Mindestlohn eingeführt. In Deutschland sollte neben Deregulierungen am Arbeitsmarkt ein Teil des Lohnzuwachses für die Beschäftigung reserviert werden. 1 Laut angebotsseitiger Wirtschaftstheorie werden bei zu hohen Löhnen zu wenige Leute eingestellt. Dass Arbeitslosigkeit aber meistens mit Nachfrageschwächen und entsprechenden Absatzproblemen der Unternehmen zu tun hat, war in der Schröder-Ära Schnee von gestern. Ein dramatischer Anstieg des Niedriglohnsektors und der Armutsgefährdeten sowie die größte Lohnspreizung der Nachkriegsgeschichte waren die Folge. Marktliberale Methoden führten also auch zu marktliberalen Resultaten und somit zum Gegenteil sozialdemokratischer Zielsetzungen. Sozialdemokratische Politik hatte damals eine direkte Umverteilung von unten nach oben zur Folge. Kernkompetenz Verteilungspolitik Der Dreh- und Angelpunkt für soziale Demokratie im Allgemeinen und die historische Rolle sozialdemokratischer Bewegungen im Kapitalismus ist jedoch genau diese Adressierung
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Die verteilungspolitische Prioritätenpyramide : Heuristik zur Operationalisierung sozialdemokratischer Wirtschaftspolitik
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