PERSPEKTIVE| FES BRASILIEN Brasilianische Außenpolitik zwischen Autonomie und Integration Herausforderungen für die zweite Amtszeit von Dilma Rousseff TINA HENNECKEN April 2015 n Der Amtsantritt von Luiz Inácio Lula da Silva läutete 2003 einen umfassenden Politikwechsel in Brasilien ein. Dieser machte sich auch in der Außenpolitik deutlich bemerkbar. Durch neue Allianzen mit anderen Schwellenländern, durch die Stärkung der Beziehungen mit lateinamerikanischen und afrikanischen Partnern sowie durch politische – nicht nur wirtschaftliche – Ansätze der regionalen Integration erweiterte Brasilien seinen Handlungsspielraum auf dem globalen Parkett. n Amtsnachfolgerin Dilma Rousseff wurde im Vergleich oft mangelnder internationaler Pioniergeist vorgeworfen. Diese Fundamentalkritik ist jedoch überzogen. In wichtigen Momenten fand die Präsidentin den richtigen Ton, ob auf UN-Bühne, im NSA-Skandal oder in regionalen Fragen. Unter ihrer Ägide bestärkte die BRICSGruppe auf ihrem letzten Gipfeltreffen globalen Gestaltungsanspruch und Autonomie, indem sie eine milliardenschwere Entwicklungsbank sowie einen entsprechenden Reservefond auf den Weg brachte. n Zu den Herausforderungen der nächsten Amtszeit gehört es, der stockenden lateinamerikanischen Integration neuen Schwung zu verleihen, die Schwellenländerkooperation weiter zu vertiefen und Außenpolitik als öffentliche Politik im gesellschaftlichen Diskurs zu verankern. Ein zivilgesellschaftliches Konsultationsgremium für außenpolitische Fragen könnte dabei der Startpunkt für einen neuen Zyklus des autonomen und kreativen internationalen Engagements Brasiliens sein.
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Brasilianische Außenpolitik zwischen Autonomie und Integration : Herausforderungen für die zweite Amtszeit von Dilma Rousseff
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