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Das soziale Europa in der Krise
Entstehung
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Mai 2015 Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik direkt Das soziale Europa in der Krise Michael Dauderstädt und Cem Keltek Auf einen Blick Auch 2013 verharrt Europas große und von der EU immer unterschätzte Ungleichheit weiter auf hohem Niveau. Der bis 2009 zu beobachten­de Aufholprozess der ärmeren Länder kommt an­gesichts von Austeritätspolitik und Wachs­tumsschwäche kaum mehr voran. Auch wenn sich die innerstaatliche Ungleichheit seit 2012 nur in wenigen Ländern(darunter Deutschland) ver­schärft hat, bleibt das Kohäsionsversprechen des sozialen Europas derzeit weitgehend unerfüllt. Nur ein Wachstum, das primär auf steigenden Einkom­men der ärmeren Bevölkerungsgruppen beruht, kann nachhaltig Wohlstand für alle schaffen. Bis zur dreifachen Krise der Jahre 2008 - 2010(Finanz­marktkrise, große Rezession, Staatsschuldenpanik) konnte das soziale Europa ordentliche Fortschritte auf­weisen. 2 Die Arbeitslosigkeit sank; die Lebenserwartung stieg; die Einkommensungleichheit nahm zwar in ein­zelnen Ländern zu, sank aber dank des Wachstums der ärmeren Mitgliedstaaten in der Europäischen Union (EU) als Ganzes. Die Entwicklung dieser europäischen Ungleichheit steht im Mittelpunkt der vorliegenden Analyse. Sie betrachtet dazu das Verhältnis der Ein­kommen des reichsten und ärmsten Fünftels der EU­Bevölkerung(Quintilverhältnis S80/S20). Ungleichheit in Europa Das statistische Amt der EU(Eurostat) veröffentlicht zwar Daten zu den nationalen Quintilverhältnissen, aber für die EU als Ganzes gibt es nur den Durchschnitt der nationalen Werte an. Dieser EU-Wert ist aber me­thodisch unsinnig und weicht weit vom tatsächlichen S80/S20-Verhältnis der Gesamt-EU ab; denn Eurostat abstrahiert dabei von den hohen Einkommensunter­schieden zwischen den Mitgliedstaaten und deren ­Dynamik. 3 Die Ungleichheit in Europa hat vielmehr zwei Dimensionen: 1. Unterschiede zwischen den durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen der Mitglied­staaten der Europäischen Union(EU); 2. Unterschiede zwischen den Pro-Kopf-Einkommen innerhalb der Län­der. Um beide miteinander zu verbinden, wie es für eine realistische Abschätzung der Ungleichheit in der EU notwendig ist, muss man das reichste und ärmste